Geht doch

Stand: 29.04.2010, 20:02 Uhr

Die Nerven der Anleger haben sich wieder beruhigt. Der Dax legt im Abendhandel weiter zu und kann seine Vortagesverluste vollständig ausgleichen. Gestützt werden die Kurse von den überzeugenden Quartalsbilanzen.

Mut macht den Anlegern besonders die Aussage vieler Konzerne auf weiter steigende Gewinne in den kommenden Monaten. So hat Siemens seine Prognose für das laufende Jahr um eine Milliarde Euro angehoben. Auch andere Dax-Unternehmen wie MAN und Volkswagen sehen sich auf gutem Weg, ihre Ertragsziele zu übertreffen. Gleichzeitig hellt sich die Konjunktur immer weiter auf. In den USA geht die Arbeitslosigkeit wieder zurück, um 11.000 in der vergangenen Woche.

Trotz der weiter ungelösten Schuldenkrise vieler Euroländer baut der Dax im Abendhandel seine Gewinne weiter aus und steigt um 81 Punkte (1,33 Prozent) auf 6.168.Beflügelt wurden die Kurse von der guten Stimmung an der Wall Street. Dort gewinnt der Dow Jones bis zum Börsenschluss in Deutschland 145 Punkte (1,3 Prozent) dazu auf 11.190.

Händler erklären die Kauflaune mit der Aussicht auf eine rasche Einigung für eine Rettung Griechenlands vor der Staatspleite. Zudem wirke die Entscheidung der US-Notenbank Fed vom Mittwochabend nach, die Zinsen bis auf weiteres unverändert zu lassen, obwohl die Wirtschaft deutlich anzieht.

Laut Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist auch bald mit einer Entscheidung der deutschen Regierung zu rechnen. Das Bundeskabinett werde am nächsten Montag voraussichtlich über die deutsche Beteiligung an dem Rettungspaket für den Euro-Partner Griechenland beschließen, sagte er. Bereits am 7.Mai könnte das Gesetz dann den Bundesrat passieren.

Ungelöst bleibt vorerst die Frage einer eventuellen Umschuldung Griechenlands. Erwartungsgemäß haben die deutschen Privatbanken eine solche Maßnahme für den falschen Weg. Eine Schuldenumstrukturierung, bei der Banken auf einen Teil ihrer Forderungen gegenüber Griechenland verzichten müssten, sei keine Lösung, erklärte der Bankenverband BdB.

Euro erholt
Der Kurs des Euro hat sich von seinen Vortagesverlusten erholt. Die Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,3246 US-Dollar gehandelt. Am Mittwochabend war der Euro noch mit 1,3116 Dollar auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gesunken.

MAN dreht auf
Fünf Dax-Unternehmen haben heute ihre Quartalszahlen vorgelegt, darunter der Lkw- und Maschinenbauer MAN. Nach anfänglichen Verlusten dreht die Aktie ins Plus und gehört am Ende sogar zu den stärksten Werten im Leitindex. Börsianern zufolge hat der überraschend gute Auftragseingang im ersten Quartal die Enttäuschung über das übrige, am Morgen vorgelegte Zahlenwerk in den Hintergrund gerückt. Auch die Charttechnik wurde für den Richtungswechsel ins Feld geführt.

Amadeus: größter Börsengang des Jahres
Gute Nachrichten gibt es auch vom IPO-Markt zu berichten. Trotz der Turbulenzen in den vergangenen Tagen ist dem Buchungssystem-Anbieter Amadeus ein erfolgreiches Debüt auf dem Madrider Aktienmarkt gelungen. Die Papiere von Amadeus legten heute rund acht Prozent auf 11,89 Euro zu. Das Unternehmen, an dem auch die Lufthansa beteiligt ist, hatte seine Aktien zu elf Euro ausgegeben. Mit einem Erlös von 1,3 Milliarden Euro ist es der größte europäische Börsengang in diesem Jahr. Die Aktie war vierfach überzeichnet.

Von dem wieder anziehenden Geschäft mit Börsengängen profitiert auch die Aktie der Deutschen Börse.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa wieder auf Kurs
Die Aktie der Lufthansa gehört ebenfalls zu den starken Werten im Dax. Der Grund: die Airline hält trotz streikwilliger Piloten und der Vulkanasche an ihrem Gewinnkurs fest. "Im ersten Quartal entwickelte sich der Absatz wieder besser", sagte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Berlin. Das operative Ergebnis soll 2010 weiterhin höher ausfallen als im Vorjahr.

Procter & Gamble enttäuschen
Die Aktie des US-Konsumgüterherstellers Procter & Gamble (P&G) dürfte heute unter Druck geraten. Statt eines kräftigen Sprungs ist der Gewinn des Unternehmens im dritten Geschäftsquartal stabil geblieben, bei 2,61 Milliarden Dollar. Der Umsatz erhöhte sich in den Monaten von Januar bis März von 17,8 auf 19,2 Milliarden Dollar.

Motorola setzt auf Smartphones
Bessere Geschäfte mit Smartphones haben dem US-Handyhersteller Motorola im ersten Quartal überraschend einen Gewinn beschert. Im Vierteljahr habe sich ein Gewinn von 69 Millionen Dollar oder drei Cent je Aktie ergeben nach einem Verlust von 231 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum, teilte Motorola vor US-Börsenbeginn mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Verlust gerechnet. Die Aktie steigt vorbörslich um mehr als drei Prozent.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Siemens erhöht Prognose
Die Siemens-Aktie profitiert ebenfalls von den Aussagen zur Geschäftsentwicklung. Der Konzern rechnet in seinen drei Kerngeschäftsfeldern Industrie, Energie und Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis von mindestens 7,5 Milliarden Euro nach bisher höchstens 6,5 Milliarden.

Daumen runter für BASF und Bayer
Auch sonst dominieren wieder einmal viele Quartalszahlen den Handel. Die Anleger quittieren auch gute Zahlen mit Verkäufen - Beispiel BASF, Bayer.

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat zum Jahresauftakt sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 98 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro in die Höhe schrauben können. Die Analystenerwartungen lagen nur bei 1,78 Milliarden.

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat von Januar bis März das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie Sondereffekten um 13 Prozent auf 1,92 Milliarden Euro erhöht. Der Umsatz konnte um fünf Prozent auf 8,32 Milliarden Euro verbessert werden. Im Gesamtjahr rechnet Bayer nun mit einem bereinigten Ebitda von mehr als sieben Milliarden Euro nach bisher weniger als sieben Milliarden.

Dividendenabschläge im Dax
Die Aktien der Deutschen Post und Münchener Rück notieren auf den ersten Blick deutlich im Minus. Nach den gestrigen Hauptversammlungen ist hier der Dividendenabschlag der Grund. Die Post hat 0,60 Euro und die Münchener Rück 5,75 Euro je Anteilsschein ausgeschüttet.

Visa freut sich
Der weltgrößte Kreditkartenanbieter Visa profitiert wieder von der Kauflust der Verbraucher und blickt zunehmend optimistisch in die Zukunft. Von einer stetigen, alle Erwartungen übertreffenden Erholung geht der Konzern jedoch weiterhin nicht aus. Der MasterCard-Konkurrent hob seine Ergebnisprognose an. Der Nettogewinn von Visa kletterte verglichen mit dem Vorjahresquartal um 33 Prozent auf 713 Millionen Dollar.

Palm im Übernahmefieber
Die Aktie des verlustreichen Smartphone-Herstellers Palm macht einen riesigen Satz nach oben. Das Unternehmen hat nämlich einen Ausweg aus seiner Misere gefunden und will sich zum Wert von 1,2 Milliarden Dollar vom Computerkonzern Hewlett-Packard übernehmen lassen.

Sanofi ist auf Kurs
Die starke Nachfrage der Regierungen nach Schweinegrippe-Impfstoffen sowie Übernahmen haben dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis zum Jahresanfang einen knapp zehnprozentigen Gewinnanstieg beschert, auf 2,43 Milliarden Euro. Die Aktie verliert dennoch. Auf Sanofi kommt nämlich der Patentablauf einer ganzen Reihe von Medikamenten zu.

Höhenflieger ProSieben
Die Aktie des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 springt um mehr als elf Prozent in die Höhe. Grund für die Freude sind die unerwartet gut ausgefallenen Quartalszahlen. Dank höherer Werbeeinnahmen vor allem in Deutschland, wuchs der Umsatz des hoch verschuldeten Unternehmens zwischen Januar und März um fünf Prozent auf 658,4 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb im ersten Viertel ein Gewinn von 21,2 Millionen Euro nach einem Verlust von 1,7 Millionen Euro im Jahr zuvor.

Fielmann gefällt nicht
Ein Gewinnanstieg unter Markterwartungen hat die Aktie der Optiker-Kette Fielmann unter Druck gesetzt. Erst kurz vor Handelsschluss drehen die Papiere leicht ins Plus. Das operative Ergebnis sei hinter den Prognosen zurückgeblieben, schrieb Unicredit-Analyst Volker Bosse in einem Kommentar. Außerdem seien die Papiere im historischen Vergleich teuer. An seiner positiven Grundeinschätzung des Unternehmens ändere sich allerdings nichts.

Hugo Boss triumphiert
Die Hoffnung des Modekonzerns Hugo Boss auf eine deutliche Belebung der Geschäfte im zweiten Halbjahr 2010 ließen die Aktie zweistellig in die Höhe schießen. Im ersten Vierteljahr dagegen sank der Umsatz um acht Prozent auf 444 Millionen Euro. Der Gewinn ging von 63,6 auf 56,3 Millionen Euro zurück.

Praktiker hofft auf den Sommer
Die wieder besseren Gewinnaussichten beflügelten auch die Aktie der Baumarktkette Praktiker. Dabei hat das Unternehmen in den Wintermonaten von Januar bis März einen Umsatzrückgang von 796 auf 748 Millionen Euro hinnehmen müssen. Das traditionell schwache operative Ergebnis im ersten Quartal verschlechterte sich von minus 49 auf minus 52 Millionen Euro.

Manz demonstriert Ehrgeiz
Die Aktie des auf die LCD- und Solarindustrie spezialisierten Maschinenbauers Manz musste ihre Gewinne bis zum Handelsschluss wieder abgeben. Das TecDax-Mitglied erwartet ein Umsatzplus von mindestens 50 Prozent. Die Ziele könnten aber auch noch übertroffen werden, teilte Manz mit.

Villeroy & Boch schafft die Wende
Die Aktie des im SDax notierten Keramikherstellers Villeroy & Boch leget deutlich zu. Das Unternehmen ist in den ersten drei Monaten des Jahres in die Gewinnzone zurückgekehrt. Nachdem im Vorjahreszeitraum vor allem wegen der Kosten für Restrukturierungsmaßnahmen ein Verlust von 57,7 Millionen Euro angefallen war, kam der Konzern nun auf einen leichten Gewinn von 0,8 Millionen Euro.

Singulus am TecDax-Ende
Der Spezialmaschinenbauer Singulus hat zum Jahresauftakt erneut Verluste geschrieben. Das Minus lag bei 5,7 Millionen Euro, nach 6,1 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz kollabierte förmlich von 35,4 auf 21,6 Millionen Euro. Immerhin konnte der Auftragseingang in etwa verdoppelt werden. Die Aktie rauschte um mehr als sieben Prozent in die Tiefe und war damit der schächste Wert im TecDax.

Die Aktie des Glasfaserspezialisten Adva machte einen Freudensprung von mehr als acht Prozent. Das Unternehmen berichtete von einem elfprozentigen Umsatzanstieg und annähernden Verdopplung des Betriebsergebnisses. Das kommt bei Investoren gut an.

Dagegen brachen die Anteilsscheine des Auskunftsdienstleisters GoYellow zweistellig ein. Der Umsatz ging im ersten Quartal von 4,5 auf 3,3 Millionen Euro und das Ebit von plus 1,2 auf minus 0,7 Millionen Euro zurück.

Tagestermine am Donnerstag, 18. Oktober

Unternehmen:
SAP: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Thyssenkrupp Elevator: PK zu Launch Event
Hannover Rück: Investorentreffen
Kühne+Nagel: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nestlé: Neunmonats-Umsatzzahlen, 07:00 Uhr
Tele 2: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Pernod Ricard: Umsatz Q1, 07:30 Uhr
Ericsson: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Unilever: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Yara: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Bank of New York: Q3-Zahlen, 12:30 Uhr
Philip Morris: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
American Express: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
PayPal: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Travelers: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Außenhandelsbilanz im September, 01:50 Uhr
EU: Rede von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny auf der Kleinanleger-Messe "Gewinnmesse" in Wien, 13:00 Uhr
USA: : Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: : Industrieindex Philly Fed im Oktober, 14:30 Uhr
USA: : Rede des Präsidenten der Notenbank von St. Louis, Bullard, über die US-Wirtschaft und Geldpolitik im Economic Club von Memphis, 15:15 Uhr
USA: Frühindikatoren für September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
EU-Gipfel in Brüssel (bis 19.10.)
Moody's: : Banken-Gipfel zum Thema "How to prepare for the future of banking" in Frankfurt
GDV: Konferenz zur Versicherungsregulierung in Berlin