Marktbericht 20:00 Uhr

Dax: Starke Woche, schwacher Tag Geht die Rally bald wieder weiter?

Stand: 17.07.2015, 20:00 Uhr

Kasse machen: Das sagen Börsianer, wenn sie ihre Kursgewinne auf dem Papier zu Geld machen. Das war heute ihr Credo. Der Dax machte daher schlapp. Vorübergehend, sagen Experten.

Eine starke Börsenwoche geht etwas schwächlich zuende. 3 Prozent Plus die Wochenbilanz, 10 Prozent Plus, wenn man die Hälfte der vorigen Woche noch mit nimmt. Da kann das heutige Minus von 0,4 Prozent durchaus als gesund gewertet werden. Anleger nutzen nach einer Rally-Phase immer mal wieder Tage, um ihre Gewinne zu sichern. Also kein Grund zur Beunruhigung?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Nach der 1000-Punkte-Rally im Dax fallen die Gewinnmitnahmen sehr gedämpft aus - ein Hinweis darauf, dass der DAX nur kurz pausieren will", sagt Analyst Andreas Paciorek vom Wertpapierhändler CMC Markets. "Über 11.800 Zähler wäre der Weg zunächst zur 11.925 geebnet." Heute schloss der Dax bei 11.673 Punkten, der L-Dax gewann noch gut drei Punkte hinzu.

China wird Nebensache - USA im Fokus

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Griechenland ebenso wie China rücken als Themen in den Hintergrund. Die Börse in Shanghai hat den Handel mit drei Prozent Kursgewinn beendet. Das zwar nur, weil der Staat jetzt noch mal mit 440 Milliarden Euro in die Hand nimmt, und die Börsen stützt. Aber solange er dies tut, ist das China-Risiko nicht mehr akut. Jetzt konzentrierten sich Anleger wieder stärker auf die Zinswende in den USA. Da gab es heute eine Reihe von - widersprüchlichen - Konjunkturdaten aus Amerika auszuwerten. Während der Wohnungsmarkt im Juni überraschend stark war, hatte sich das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima im Juli unerwartet stark eingetrübt.

US-Konzerne stützen

Als Kursstütze vor dem Wochenende sieht Analyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg gute Geschäftszahlen von US-Unternehmen, die schon am Vortag dank Netflix und Ebay für Rekordstände an der Technologiebörse Nasdaq gesorgt hatten. Heute erklomm der Index der Nasdaq ein Rekordhoch von knapp 5.199 Punkten.

Google und Apple auf Höhenflug

Rekorde auch bei Technologieaktien: Google überzeugte selbst Skeptiker mit seinen starken Zahlen. Die Werbeeinnahmen sprudeln, Umsatz und Gewinn zeigen, dass ordentliche Steigeurngen drin sind. Google könnte erstmals die Anleger per Dividende oder Aktienrückkauf an seinen Milliarden-Gewinnen teilhaben lassen, hieß es am Markt. Die Google-Aktie schoss 17 Prozent aufwärts auf ein neues Allzeithoch von 694 Dollar. Ein Schwergwicht. Nur Apple ist an der Börse noch schwerer - und pirscht sich gerade wieder an das alte Rekordhoch heran

GE und Hertz begeistern, AMD, Mattel und Boeing nicht

GE war im Dow Jones eine der besten Aktien. Die General-Electric-Bilanz war zwar rot. Doch hob GE hob die Prognose fürs Industriegeschäft an. Die Papiere des Autovermieters Hertz sprangen sogar um 12 Prozent nach oben. Das Unternehmen rechnet mit höheren Kosteneinsparungen.

Abwärts ging es dagegen mit Boeing-Aktien. Der Flugzeughersteller kündigte eine neue Ergebnisvorhersage angesichts von Belastungen bei seinem Tankflugzeug-Programm an. Mattel kam mit seinen - roten - Zahlen auch nicht an. Barbie bleibt das Sorgenkind, die Verkäufe sinken. Trotz neuer Führung keine Trendwende. Die AMD-Aktie tauchte ebenfalls ins Minus. Der Chiphersteller vergrößerte seinen Verlust. Mit Chips für klassische PCs ist eben nichts zu verdienen. Mit WLAN-Antennen schon.

Intercloud-Aktie mit Katapult-Sprung

Intercloud bekam mehrere Bestellungen für seine WLAN-Antennen rein. Gesamtwert rund 2,3 Millionen Dollar. Das bescherte der Aktie einen fulminanten Kurssprung von über 30 Prozent.

Dollar gewinnt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1654
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-0,26%

Am Devisenmarkt bekam der Dollar Auftrieb durch Spekulationen auf eine baldige Zinsanhebung in den USA. Denn dort stiegen die Verbraucherpreise den fünften Monat in Folge an. Weil zudem der Bausektor robuste Zahlen lieferte, spekulieren Anleger auf eine nahende Zinswende. Der Dollar gewann, der Euro fiel im Gegenzug um 0,1 Prozent auf 1,0861 Dollar zurück.

Droht nun die feindliche Übernahme von K+S?

Beim Dünger- und Salzkonzern K+S sorgten Spekulationen über eine höhere Offerte des Konkurrenten Potash für einen Kursanstieg. Angesichts des bisherigen Widerstands der Kasseler könnten die Kanadier nun auch eine feindliche Übernahme erwägen, sagten Händler.

Warburg adelt Thyssen, Goldman belastet Fresenius

Im Dax liegt auch ThyssenKrupp weit vorn. Eine Kaufempfehlung von Warburg Research hilft dabei sicher. Fresenius belegt im Dax dagegen einen der hinteren Plätze. Zuvor waren sie in rund zwei Wochen um fast 15 Prozent angesprungen. Goldman-Expertin Veronika Dubajova hält die starke Gewinndynamik nun für eingepreist. Sie strich daher ihre Kaufempfehlung. Insgesamt bleibt sie aber von Fresenius überzeugt.

VW-Absatz trudelt ins Minus

Wenig Erfreuliches berichtete VW im Vorfeld seiner Halbjahreszahlen: Der Absatz ist zur Halbzeit im Minus. Zuvor war nur die Monatsbilanz im roten Bereich. Doch nach dem schwachen April und Mai kam nun ein schwacher Juni. So gingen die Verkäufe im gesamten Halbjahr um 0,5 Prozent zurück.

Telekom: Was ist los bei T-Mobile?

Die Aktien der Deutschen Telekom werden Händlern zufolge von stockenden Verkaufsverhandlungen für T-Mobile US belastet. Bei der angepeilten Übernahme der Telekom-Tochter durch den US-Satellitenfernsehanbieter Dish gebe es Bedenken über die Bewertung und die Struktur, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Eigentlich hätten die Unternehmen eine Vereinbarung in den kommenden zwei bis drei Monaten erreichen wollen. Entsprechend schlossen beide Aktien in New York mit Verlusten.

Krones an der MDax-Spitze

Commerzbank-Analystin Yasmin Moschitz rät, Krones-Titel zu kaufen und hebt das Kursziel von 104 auf 125 Euro an. Nach einem starken Kursverlauf 2014 hätten sich die Aktien im bisherigen Jahresverlauf nur marktkonform mit dem MDax entwickelt. Die Marktteilnehmer unterschätzten die anstehenden Änderungen in der Geschäftsleitung. Sie erwartet Restrukturierungen und damit Margenverbesserungen. Die Aktie erreicht heute ein Allzeithoch.

Gewinneinbruch bei Ericsson

Noch einmal der Blick ins Ausland: Aktien von Ericsson sind auf Höhenflug. Der weltgrößte Mobilfunkausrüster überzeugt mit seinem neuen Geschäftsbericht. Der Gewinnrückgang konnte eingedämmt werden. Die Margen sind laut der Analysten von Société Générale ermutigend. Gleichwohl sanken sie; ein eingeleitetes Sparprogramm verursacht zunächst einmal Kosten.

Volvo mit Sorgen in China

Dagegen findet Volvo an der Börse keine Gnade. Der schwedische Lkw- und Baumaschinen-Hersteller hat dank seines Sparprogramms im abgelaufenen Quartal mehr verdient. Beim Auftragseingang sah es aber schlechter aus, weil die Bestellungen aus China und Brasilien zurückgehen.

Sharp in Rot?

Der kriselnde Elektronikkonzern Sharp rutscht einem Zeitungsbericht zufolge trotz eines Rettungspakets tief in die roten Zahlen. In den drei Monaten von April bis Juni sei vermutlich ein operativer Verlust von etwa 35 Milliarden Yen (knapp 260 Millionen Euro) angehäuft worden, berichtete die Wirtschaftszeitung "Nikkei".

Givaudan betört Analysten

Die Givaudan-Aktie war gefragt. Der Schweizer Duft- und Aromenhersteller präsentierte zwar stagniserende Umsätze im ersten Halbjahr. Aber der Gewinn fiel besser aus als von Analysten erwartet, er kletterte um 11 Prozent auf 339 Millionen Franken - trotz Gegenwind durch den starken Franken.

Der Ölpreis macht SGS zu schaffen

Ebenfalls aus der Schweiz: das Warenprüfunternehmen SGS. Dessen Zahlenwerk konnte nicht recht überzeugen. SGS leidet unter den Restrukturierungskosten, sie drückten den Gewinn im ersten Halbjahr 2015 um 16 Prozent. Ebenfalls belastend: Die Kunden aus der Erdöl- und Bergbaubranche fahren ihre Investitionen zurück - wegen des Einbruchs der Rohstoffpreise.

Telekom Austria vor Kapitalerhöhung?

In Wien rückten Telekom Austria mit Halbjahreszahlen in den Fokus. Bei stagnierendem Umsatz drehte das Jahresergebnis von Minus auf Plus. Mehr Aufmerksamkeit galt aber ein Presse-Bericht über eine angeblich nötig werdende Kapitalerhöhung. Der Mehrheitseigentümer, die mexikanische America Movil, dementierte aber.

bs

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