Gegenwind auf dem Parkett

Stand: 04.02.2010, 20:15 Uhr

Die Zweifel am konjunkturellen Aufschwung werden größer. Die Aktienmärkte ächzten am Donnerstag gleich unter mehreren Belastungen. Schwache US-Arbeitsmarktdaten und Sorgen um die Staatsfinanzen in Euroland nahmen den Dax in die Zange.

Auch im späten Parketthandel am Donnerstag war von Erholung auf dem Börsenparkett nichts zu spüren. An der Wall Street in New York kämpfte der Dow Jones-Index sogar schon mit der Marke von 10.000 Punkten und notierte zum deutschen Handelsschluss mehr als zwei Prozent im Minus.

Eine überraschend hohe Zahl von Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in den USA hatte Ängste vor schwachen Daten zum gesamten US-Arbeitsmarkt geweckt, die am morgigen Freitag anstehen.

Weitere EU-Staaten in Not?

Die prekäre Finanzsituation mehrerer EU-Staaten belastete die Märkte am Donnerstag zusätzlich und setzte auch den Euro unter Druck, der gegenüber dem Dollar um fast zwei Cent auf unter 1,38 Dollar einbrach. Im Fokus der Spekulationen stehen neben Griechenland nun auch Spanien und Portugal. So hatte Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman geäußert, in Spanien bahne sich potenziell ein viel größeres Drama als in Griechenland an. Auch EU-Währungskommissar Joaquin Almunia hatte Spanien und Portugal bereits auf eine Stufe mit Griechenland gestellt.

Keine Drehung an der Zinsschraube

Kaum Aufmerksamkeit löste am Nachmittag dagegen der Zinsentscheid der EZB aus. Der Leitzins blieb erwartungsgemäß bei 1,0 Prozent. Auch zur wirtschaftlichen Entwicklung in Euroland gab es von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nichts grundlegend Neues.

Krisennachspiel für US-Bank

Bank of America: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
24,20
Differenz relativ
-0,41%

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo sorgte am Donnerstag bei der Aktie des Dow Jones-Mitglieds Bank of America (BoA) für einen kleinen Kurssturz. Die Bank soll verklagt werden, weil Geldhaus bei der Übernahme der Investmentbank Merrill Lynch die Höhe der Verluste bei dem Institut verheimlicht haben soll.

Bankaktien im Abseits

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,34
Differenz relativ
+7,65%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,52
Differenz relativ
+1,33%

Auch im Dax waren Bankaktien nicht gut gelitten. Größter Verlierer war die Aktie der Commerzbank mit minus fünf Prozent. Aber auch Deutsche Bank-Papiere gaben um mehr als vier Prozent nach. Dabei hatte die Bank im vierten Quartal und im Gesamtjahr einen Milliardengewinn verbucht. Ein eher schwaches Handelsergebnis und eine leicht enttäuschende Dividendenerhöhung sorgten aber für Kursdruck.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,52
Differenz relativ
+1,33%

Zyklische Aktien wie die des Chemiekonzerns BASF oder die Stahltitel ThyssenKrupp oder Salzgitter verloren ebenfalls überdurchschnittlich. Laut Angaben von Marktteilnehmern belasten hier Konjunkturängste besonders.

Börse und Telekom halten sich wacker

Aktien des Börsenbetreibers reagierten auf eine Kaufempfehlung durch die Deutsche Bank, die das Unternehmen in einem "Jahr von Möglichkeiten" sieht. Die T-Aktie profitierte von guten Zahlen des weltgrößten Mobilfunkbetreibers Vodafone. Der britische Konzern hat nach einem starken dritten Quartal seinen Ausblick für 2010 erhöht.

Douglas gelobt

Auch in der zweiten und dritten Reihe deutscher Aktien machten sich am späten Nachmittag die Gewinner rar. Größter Gewinner mit zwei Prozent im Plus war die die Aktie der Parfümieriekette Douglas, die von einem positiven Analystenkommentar profitierte.

Pfleiderer versorgt sich mit Frischgeld

Papiere des Holzverarbeiters Pfleiderer gingen zunächst auf Tauchstation, erholten sich später aber wieder und schlossen sogar leicht im Plus. Das MDax-Unternehmen hatte am Nachmittag gemeldet, man wolle über eine Kapitalerhöhung sein Grundkapital um rund zehn Prozent aufstocken. Am Abend konnte das Unternehmen bereits "Vollzug" melden. 5,3 Millionen Aktien zum Preis von 6,50 Euro konnten platziert werden. Mit dem Frischgeld will Pfleiderer seine Schulden abbauen.

ElringKlinger überrascht sich selbst

Auch Aktien des Autozulieferers ElringKlinger hielten sich wacker. Das Unternehmen hat laut seinem Vorstandschef Stefan Wolf im vergangenen Jahr einen Umsatz zwischen 570 und 580 Millionen Euro erwirtschaftet, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern liege zwischen 51 und 58 Millionen Euro und damit am oberen Ende der eigenen Erwartungen.

Rofin-Sinar übertrumpft die Schätzungen

Der Laser-Spezialist aus dem TecDax hat mit seinen Ergebnissen im Schlussquartal 2009 die Analystenschätzungen übertroffen. Der Umsatz von 92,97 Millionen Dollar lag ebenso über den Erwartungen wie der Nettogewinn von 3,58 Millionen Dollar. Erst im Vorquartal hatte das Hamburger Unternehmen den Sprung aus der Verlustzone geschafft. Die Aktie hielt sich mit kleinen Verlusten.

SMA und Software unter Druck

Mit sechs Prozent sehr deutlich verloren dagegen Papiere des Solarherstellers SMA und der Software AG. Während bei SMA die Beurlaubung des Finanzchefs wegen eines Ermittlungsverfahrens "im privaten Bereich" für Verdruss sorgte, geriet die Software-Aktie unter Druck, weil der Ausblick auf das laufende Jahr nicht ganz so gut ausfiel, wie dies viele Beobachter erwartet hatten. Der Konzern hat im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis von 140,8 Millionen Euro eingefahren.

GlaxoSmithKline verdient prächtig an der Grippe

Der britische Pharmakonzern hat am Mittag erfreuliche Zahlen vorgelegt. Der Umsatz stieg auch dank des Absatzes mit Impfstoffen gegen die Schweinegrippe im Berichtsquartal deutlich 8,09 Milliarden Pfund. Beim Gewinn verbuchte das Unternehmen einen Ertrag von 35,4 Pence je Aktie - beide Werte lagen über den Markterwartungen.

Visa hängt Mastercard ab

Zwei US-Kreditkartenkonzerne präsentierten am Mittwochabend und Donnerstag Geschäftszahlen. Bei Visa kletterte laut Meldung von Vorabend im Schlussquartal 2009 der Gewinn um ein Drittel auf 763 Millionen Dollar. Der Umsatz wuchs um mehr als zehn Prozent auf knapp 2,0 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr will der Konzern sogar noch einen draufsetzen und um 11 bis 15 Prozent zulegen.
Konkurrent Mastercard verbuchte eine Gewinnsteigerung um 23 Prozent auf 294,4 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar und traf damit die Markterwartungen. Die Mastercard-Aktie fiel allerdings im US-Handel deutlich, während Visa-Papiere gefragt waren.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen