Marktbericht 20:05 Uhr

Deutliche Erholung nach dem Kursrutsch Geburtstagsgeschenk für den Dax

Stand: 01.07.2015, 20:05 Uhr

Der Börsenmonat Juli hat vielversprechend begonnen: Dax & Co legten deutlich zu und erholten sich von den jüngsten Verlusten. In der Hoffnung auf eine Last-Minute-Lösung im griechischen Schuldenstreit griffen Anleger bei Aktien wieder zu. Die Euphorie hielt sich aber in Grenzen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Happy Birthday, Dax! Am Mittwoch ist der Dax 27 Jahre alt geworden. Als Geburtstagsgeschenk gab's neben einer Torte satte Kursgewinne. Der Dax kletterte um rund 2,2 Prozent nach oben und machte fast die Hälfte der Kursverluste seit Montag wieder wett. Auch die anderen europäischen Börsenplätze gingen auf Erholungskurs: Der EuroStoxx50 gewann zwei Prozent.

Tsipras pokert weiter

Nicht als Party-Schreck, sondern als Stimmungsmacher erwies sich diesmal der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras. Mit seinen neuen Sparvorschlägen und seiner Bereitschaft, die meisten Forderungen der Geldgeber unter bestimmten Bedingungen zu akzeptieren, schürte er Hoffnungen auf eine Lösung im Griechen-Drama. Doch am Nachmittag kam der Dämpfer: Er rief die Griechen auf, die Forderungen der Gläubiger beim geplanten Referendum am Sonntag abzulehnen.

"Anleger sind kurzsichtig"

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Die widersprüchlichen Signale aus Athen bremsten die Kurserholung etwas. Zeitweise hatte der Dax drei Prozent höher gestanden. "Eine Einigung vor dem Referendum ist sehr unwahrscheinlich, schließlich dürfte das Vertrauen in die aktuelle griechische Regierung aufgebracht sein", sagte Andreas Paciorek, Analyst von CMC Markets. Anlagestratege Michael Leister von der Commerzbank warnte vor verfrühten Optimismus. "Die Anleger sind ziemlich kurzsichtig", mahnte er. "Wenn man den Tsipras-Brief aufmerksam liest, erkennt man, dass er keineswegs allen Forderungen der Gläubiger nachgibt."

Euro-Finanzminister warten bis Sonntag ab

In Berlin und Brüssel stießen die Aussagen von Tsipras auf Skepsis. Nach Ansicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist der neue Brief an die Geldgeber nochkeibne Grundlage für eine Lösung der Krise. Die Euro-Finanzminister warten vor weiteren Beratungen zu Griechenland das Referendum am kommenden Sonntag ab. Das berichteten Diplomaten am Mittwoch. Es gebe zur Zeit keine weiteren Gespräche zwischen den Geldgeber-Institutionen und der griechischen Regierung. Derweil taumelt das Mittelmeer-Land der Pleite entgegen. Von den europäischen Partnern erhält Griechenland nach dem Auslaufen des Hilfsprogramms vorerst kein weiteres Geld.

Kursgewinne im Dow schmelzen

An der Wall Street bröckelten die anfänglichen Kursgewinne nach den widersprüchlichen Signalen aus Athen. Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsschluss nur noch 0,4 Prozent höher. "Investoren atmen auf, dass bei Griechenland ein Endzeit-Szenario nicht eingetreten ist", meinte Adam Sarhan von Sarhan Capital.

Überraschend gute US-Daten

Unterstützung gaben positive US-Konjunktur-Daten. Die US-Firmen haben im Juni so viele neue Arbeitsplätze geschaffen wie seit Ende vorigen Jahres nicht mehr. Laut dem ADP-Bericht entstanden im Privatsektor 237.000 Jobs. Experten hatten lediglich 218.000 neue Arbeitsplätze erwartet. Das ist ein gutes Omen für den am Donnerstag anstehenden Arbeitsmarktbericht der Regierung, für den Ökonomen mit einem Plus von 230.000 Jobs rechnen. Außerdem hat die US-Industrie im Juni an Fahrt gewonnen. Der Einkaufsmanager-Index legte auf 53,5 Punkte zu. Volkswirte hatten nur mit 533,1 Zählern gerechnet. Auch die Bauausgaben stiegen stärker als erwartet.

Euro unter 1,11 Dollar

Die starken US-Daten und die damit geschürten Spekulationen auf eine nahende Zinswende in den USA drückten den Euro nach unten. Die Gemeinschaftswährung sackte unter die Marke von 1,11 Euro. Am Abend notierte sie bei nur noch 1,1050 Dollar. Am Vormittag hatte der Euro noch bei über 1,12 Dollar gelegen.

Hohe Volatilität

Die Lage an den Börsen bleibt angespannt. Das zeigt ein Blick auf den VDax, der die erwartete Schwankungsbreite des deutschen Leitindex misst. Das "Angstbarometer" notiert nach wie vor in Reichweite seiner Höchstwerte vom Oktober. Damals war der Dax im Zuge der Griechenland-Krise bis auf 8.355 Punkte eingebrochen.

Neue Ära bei der Deutschen Bank

Im Dax gab es am Mittwoch fast nur Gewinner. Star des Tages war die Deutsche Bank mit einem Plus von fast fünf Prozent. Die Aktie war im zweiten Quartal der große Verlierer gewesen. Beim deutschen Branchenprimus weht ab heute ein frischer Wind. Der Brite John Cryan hat sein Amt als neuer Chef angetreten. Er will bei dem skandalgeschüttelten Institut kräftig aufräumen. Die Deutsche Bank solle wieder ins Herz der deutschen Gesellschaft und ihrer Wirtschaft zurückkehrern, versprach er in einem Brief an die Mitarbeiter. Zudem kündigte der neue Privatkundenchef, Christian Sewing, auf einer Bankenkonferenz an, das Privatkunden-Geschäft umzukrempeln.

Chefwechsel auch bei der Credit Suisse

Beim Schweizer Konkurrenten Credit Suisse begann heute ebenfalls eine neue Ära. Der Ex-Versicherungsmanager Tidjane Thiam übernahm am Mittwoch den Chefsessel. "In den kommenden Wochen und Monaten werde ich mich vor allem darauf konzentrieren zu entscheiden, was wir künftig tun, und festzulegen, wie wir unser Kapital einsetzen werden", schrieb Thiam an die Mitarbeiter des Konzerns. Neben einer Verlagerung des Geschäfts in Richtung Vermögensverwaltung rechnen Analysten mit einem milliardenschweren Kapitalerhöhung bei der Credit Suisse.

Commerzbank stößt faule Kredite ab

Die Aktien der Commerzbank stiegen um rund 2,7 Prozent. Das Geldinstitut hat sich mit einem Verlust von 85 Millionen Euro von Immobilienkrediten über 2,9 Milliarden Euro getrennt. Der Großteil der in 15 europäische Länder vergebenen, teilweise faulen Kredite geht an ein Konsortium aus der US-Investmentbank JPMorgan und dem Finanzinvestor Lone Star.

VW holt in den USA auf

Gefragt waren am Mittwoch auch die Autowerte. Die Aktien von VW legten vier Prozent, die Titel von Daimler drei Prozent zu. Sie profitierten von einer positiven Studie der Exane BNP Paribas, die den europäischen Automarkt auf dem Weg zur alten Stärke sieht. Zudem konnte VW in den USA die Durststrecke beenden. Im Juni wurden fast sechs Prozent mehr Autos der Kernmarke VW verkauft. Vor allem der Golf war beliebt.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Kaufempfehlung für Adidas

Um 2,6 Prozent sprintete die Adidas-Aktie nach vorne. Die Schweizer Großbank UBS hat den Titel von "Neutral" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 63 auf 82 Euro angehoben. Die Turnaround-Story des Sportartikelherstellers zeige ermutigende Signale und dürfte sich fortsetzen, hieß es zur Begründung.

Der Deutschen Post droht Missbrauchsverfahren

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Deutschen Post steht Ärger mit dem Kartellamt ins Haus. Ihr droht ein Missbrauchsverfahren. Die Post habe gegen Kartellrecht verstoßen, weil sie Großkunden aus der Telekom-Branche versteckte Rabatte gewährt und so Wettbewerber ausgebootet haben soll, berichtete die "FAZ" vorab unter Berufung auf den Beschlussentwurf des Kartellamts. Die Post-Aktie legte weniger stark zu als der Dax.

Nur K+S verliert

Einziger Verlierer im Dax war K+S mit einem minimalen Minus. Im Handelsverlauf hatten noch anhaltende Übernahmefantasien die Titel des Düngemittel- und Salzprioduzenten angetrieben. Ende der vergangenen Woche hatte K+S bestätigt, dass Potash die Firm,a übernehmen wolle.

Interessenten für Osrams Lampen

Einsamer Spitzenreiter im MDax war die Osram-Aktie. Sie legte fast sieben Prozent zu. Der Lichtkonzern befindet sich laut Medienberichten in Gesprächen mit potenziellen Käufern für das Lampengeschäft. Der Konzern will sich künftig auf optische Halbleiter, Automobil- und Spezialbeleuchtung konzentrieren.

Airbus erhält Großauftrag aus China

Im Höhenflug war ebenfalls die Airbus-Aktie mit einem Plus von drei Prozent. Der europäische Flugzeugbauer hat einen Großauftrag aus China an Land gezogen. Die staatliche China Aviation Supplies Holding hat 45 Maschinen der Reihe A330 bestellt. Der Auftrag hat einen Wert von 11,25 Milliarden US-Dollar.

Nemetschek macht sich hübsch

Zu den größten Gewinnern im TecDax zählte Nemetschek mit einem Plus von knapp sechs Prozent. Das Unternehmen hat heute einen Aktiensplit im Verhältnis von 1:4 umgesetzt. "Der Aktiensplit soll den Handel der Nemetschek Aktie weiter fördern und sie für die Anleger noch attraktiver machen", teilte das Unternehmen mit.

Evotec-Mittel fällt durch

Schlusslicht im Tech-Index war Evotec mit einem Minus von sechs Prozent. Zeitweise waren die Verluste zweistellig. Das in der Erprobung befindliche Mittel Sembragiline gegen Alzheimer-Demenz habe nach einer 52-wöchigen Studie ein wichtiges Ziel nicht erreicht, so Evotec. Das Studienergebnis habe keine Auswirkungen auf die Finanzprognosen.

Manz rudert zurück

Der Maschinenbauer Manz blickt nach einer Auftragsstornierung weniger optimistisch auf das laufende Jahr als bisher. 2015 wird der Umsatz etwas unter den zuvor erzielten 305,9 Millionen Euro liegen. Das Ebit werde sich im Vergleich zu 2014 zwar verbessern, jedoch voraussichtlich negativ sein. Die Aktie drehte dennoch nach anfänglichen Verlusten ins Plus und schloss 0,7 Prozent höher.

CBR sagt IPO ab, Elumeo hält an IPO fest

Die jüngsten Turbulenzen am Aktienmarkt haben Börsen-Neulinge abgeschreckt: Der Modehändler CBR hat seinen für Donnerstag geplanten Börsengang offiziell abgesagt. Laut Insidern hat der Betreiber der Damenmodeketten "Street One" und "Cecil" angesichts der Griechenland-Krise und der starken Schwankungen an den Märkten nicht genügend Nachfrage von den Investoren auf sich gezogen. Dagegen will der Online-Schmuckspezialist Elumeo sein IPO durchziehen. Der erste Handelstag werde voraussichtlich am 3. Juli sein, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. Der Ausgabepreis für die 1,725 Millionen neuen Aktien liegt bei 25 Euro - am untersten Ende der Preisspanne.

Chorus Clean Energy gibt Anlegern mehr Zeit

Einen anderen Weg hat Börsenkandidat Chorus Clean Energy gewählt. Das auf den Betrieb von Solar- und Windenergieanlagen spezialisierte Unternehmen hat "aufgrund des derzeit volatilen Marktumfelds" beschlossen, den Angebotszeitraum für seine Aktien bis zum 9. Juli 2015 zu verlängern.

Stabwechsel im Nike-Verwaltungsrat

In den USA stand Nike im Blickpunkt. Nike-Chairman Phil Knight stellt seinen Posten nächstes Jahr zur Verfügung. Der 76-Jährige steht beim weltgrößten Sportartikel-Hersteller seit 2004 an der Spitze des Verwaltungsrats. Als seinen Nachfolger schlage er Firmenchef Mark Parker vor, der seit 2006 im Amt ist. Die Nike-Aktie legte leicht zu.

Schmiergeldprozess gegen Novartis

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis soll in den USA bis zu 3,35 Milliarden Dollar Schadenersatz und Strafe zahlen. Die Behörden werfen dem Unternehmen aus Basel vor, Apotheken dafür bezahlt zu haben, die Novartis-Medikamente Exjade und Myfortic statt Konkurrenz-Arzneien zu verkaufen. Die Aktien von Novartis schlossen gut ein Prozent höher.

Milliardenfusion in der Versicherungswelt

In der Versicherungsbranche bahnt sich derweil eine neue Milliardenfusion an. Der schweizerisch-amerikanische Versicherungskonzern ACE schluckt für 28 Milliarden Dollar den Rivalen Chubb. Die Fusionspläne stießen auif Begeisterung: die Chubb-Aktie schnellte um 33 Prozent in die Höhe, die ACE-Papiere legten um knapp sechs Prozent zu.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr