Marktbericht 20:04 Uhr

Dax legt am Nachmittag zu Ganz vorsichtig wächst die Hoffnung

Stand: 15.09.2015, 20:04 Uhr

Nach durchwachsenen Konjunkturzahlen geht die Wall Street auf Klettertour. Hoffnung kommt auf, dass die Notenbank ihre Zinserhöhung aufschiebt. Das hilft natürlich auch dem Dax, der sich nach vorne tastet.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 19.00 Uhr

Zwar zogen die Einzelhandelsumsätze in Amerika im August leicht um 0,2 Prozent an, lagen aber unter den Erwartungen der Analysten von plus 0,3 Prozent. Auch die August-Daten zur Industrieproduktion und der Kapazitätsauslastung sowie der Konjunkturindex für den Großraum New York, der Empire-State-Index, fielen schwächer aus.

"Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit sicherlich nicht zu, dass die US-Notenbank am Donnerstag eine Erhöhung der Leitzinsen beschließen wird", erklärte Ökonom Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Daten signalisierten nur eine "moderate konjunkturelle Dynamik."

Die Anleger weltweit werfen zwei Tage vor der mit großer Spannung erwarteten Zinsitzung der US-Notenbank einen ganz besonderen Blick auf die Konjunkturzahlen des Landes. Sie erwarten sich insbesondere Hinweise darauf, wann die Fed die schon lange in Aussicht gestellte erste Zinserhöhung nach über neun Jahren einleitet.

Dax verteidigt die 10.000er-Marke

Die Aussicht auf eine zumindest verschobene Zinserhöhung in Amerika schob den Dax am Nachmittag an. Ganz vorsichtig wagten sich erste Käufer aus der Deckung. Noch am Morgen hatte es so ausgesehen, als ob der deutsche Leitindex bei 10.070 Punkten weiter absacken und sogar unter die psychologisch wichtige 10.000er-Marke fallen würde.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Diese Gefahr scheint zumindest unmittelbar gebannt, am Ende schloss der Index bei 10.188 Punkten um 0,6 Prozent höher. Das Tageshoch lag bei 10.244 Punkten. Die Entwicklung macht deutlich, dass Nachrichten zum amerikanischen Zinskurs derzeit das unbestrittene Top-Thema an der Börse sind. Auch im Späthandel profitiert der Index von der guten Stimmung in New York und steigt auf 10.231 Punkte.

Der mit nur 12,1 Punkten ungewöhnlich schwach ausgefallene ZEW-Index trat zuvor schon in den Hintergrund. Die Daten sollten nicht überbewertet werden, kommentierte VP-Bank-Analyst Thomas Gitzel und verweist auf positiver ausgefallene Umfragen direkt bei den Unternehmen. "Die Vermutung liegt also nahe, dass die Stimmung schlechter ist als die Lage."

US-Börsen legen nach schwächeren Konjunkturdaten zu

Die US-Börsen haben ihre Anfangsgewinne inzwischen ausgebaut. Zwar agieren die Anleger insgesamt vorsichtig, der Leitindex Dow Jones legt aktuell 1,3 Prozent zu auf rund 16.600 Punkten. Sollte eine Zinsanhebung ausbleiben, "ist zumindest damit zu rechnen, dass die US-Notenbanker eine Leitzinsanpassung im Oktober am Donnerstag mit klaren Signalen vorbereiten", kommentierte NordLB-Analyst Tobias Basse.

Nachrichten aus dem Unternehmenssektor waren Mangelware. Autobauer General Motors legt aktuell stärker zu, nachdem Unternehmenschefin Mary Barra auf der Automesse IAA in Frankfurt eine Fortsetzung der Modelloffensive bei der Europatochter Opel angekündigt hatte.

Euro etwas leichter

Der Handel am Devisenmarkt fiel überwiegend ruhig aus. Experten begründeten dies mit der großen Spannung vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank an diesem Donnerstag. Eine Zinserhöhung ist nach Einschätzung der Commerzbank noch nicht auf der Sitzung der US-Notenbank (Fed) an diesem Donnerstag zu erwarten. Denn damit würde die Fed den Markt zu sehr "auf dem falschen Fuß erwischen".

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Gemeinschaftswährung rutschte am Nachmittag unter die Marke von 1,13 Dollar und notiert aktuell bei 1,1264 Dollar. Die EZB hatte zuvor den Referenzkurs auf 1,1320 nach 1,1305 US-Dollar am Montag festgesetzt.

Infineon an der Dax-Spitze

Tagessieger war der Chiphersteller Infineon, der 3,2 Prozent vorrückte. Damit profitierten die Münchener weiterhin von einem Artikel des Anlegermagazins "Barron's". Die Autoren äußern sich darin positiv zur Aufstellung des Unternehmens und erachten den jüngsten Kursrutsch als übertrieben. Auch Autoaktien waren gefragt, allen voran BMW und Daimler.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Versorger begrenzen Verluste, K+S verliert Übernahmefantasie

Anfangs sah es nach einem ganz schwarzen Tag für die Versorgerwerte Eon und RWE aus, die bis zu 13 Prozent verloren. Eon fielen im Tagestief auf den Rekordwert von 7,46 Euro. Grund für die Panikverkäufe war ein Bericht des "Spiegel", nachdem den deutschen Energiekonzernen für den Atomausstieg möglicherweise Rückstellungen in Höhe von 30 Milliarden Euro fehlen.

Erst als das Bundeswirtschaftsministerium und später auch Minister Sigmar Gabriel diese Zahl dementierten und damit für Schadenbegrenzung sorgten, lösten sich die Kurse von ihren Tiefstständen. Am Ende verloren Eon trotzdem kräftig 6,15 und RWE 3,31 Prozent - und damit weiter an Boden in einem bisher dramatischen Ausverkauf.

Neben den Versorgern rutschen am Indexende auch K+S ab. Die Aktie gab 5,17 Prozent nach. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, schmiedet die Politik ein immer breiteres Bündnis zur Verteidigung von K+S vor einer Übernahme durch Potash. "Der Markt preist bei K+S aktuell wieder eine höhere Risikoprämie für die Übernahme ein", sagte ein Händler.

Continental will weiter zukaufen

Starke Worte von Conti-Firmenchef Elmar Degenhart, der sich weitere Zukäufe in Milliardenhöhe zutraut. "Wir sollten im Zeitraum von ein, zwei Jahren einen weiteren größeren Schritt machen können", sagte er in einem "Reuters"- Interview am Rande der Automesse IAA. Als Größenordnung, die Conti stemmen könnte, nannte er zwei bis drei Milliarden Euro.

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Von der Finanzseite her wäre das kein Problem", fügte er hinzu. Conti hat 2015 bereits zwei Mal zugeschlagen und dabei schon rund zwei Milliarden Euro investiert. Degenhart machte klar, dass Conti den Bereich außerhalb der Automobilsparte weiter stärken wolle. Angesichts der hohen Wachstumschancen im Kerngeschäft mit Autotechnik sei dieses Ziel nur mit einer Akquisition zu erreichen.

Porsche-Chef Müller bringt sich ins Spiel

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Und noch ein Interview im Umfeld der IAA. Porsche-Chef Matthias Müller könnte sich vorstellen, innerhalb des VW-Konzerns eine Sportwagengruppe zu führen. Diese sollte aus den Marken Porsche, Bentley und Bugatti bestehen. Eine konkrete Entscheidung gebe es noch nicht, fügte Müller gegenüber "Reuters" hinzu. Der Vorstand habe aber erkannt, dass die VW-Gruppe mit ihren 600.000 Beschäfstiugten stärker denzentralisiert und den Markengruppen mehr Verantwortung übertragen werden müsse. Aktuell arbeitet VW-Chef Martin Winterkorn an einem Plan zum Konzernumbau, über den vom Aufsichtsrat Ende September entschieden werden soll.

Evotec erhöht Umsatzziel für 2015

Im TecDax waren Evotec gefragt, die Aktie war Tagessieger im Technologieindex mit einem Aufschlag von 4,21 Prozent. Das Biotech-Unternehmen erhöht seine Umsatzprognose für das laufende Jahr. Evotec erwartet vor allem aufgrund einer besseren Entwicklung im Geschäft mit Forschungsdienstleistungen nun 2015 einen Zuwachs beim Umsatz von etwa 45 Prozent. Zuvor waren die Hamburger von einem Plus von mehr als 35 Prozent ausgegangen.

Kuka profitiert von Kaufempfehlung

Eine Kaufempfehlung der Berenberg Bank trieb die Kuka-Aktien an die MDax-Spitze. Der neu verantwortliche Analyst Philippe Lorrain hat auch sein Kursziel für die Papiere des Roboter- und Anlagenbauers deutlich von 54 auf 88 Euro aufgestockt und signalisiert damit wieder Potenzial von gut 23 Prozent. Kuka sei eine reinrassige Wette auf die "Industrie 4.0", so der Experte.

SHW brechen ein

Im SDax brachen Aktien des Autozulieferers SHW AG prozentual zweistellig ein auf 26,26 Euro und rutschen damit sogar noch unter ihr August-Tief (27,59 Euro). Offenbar haben zahlreiche technisch orientierte Anleger die Kurszielsenkung von Exane BNP Paribas von 47 auf 33 Euro zum Anlass genommen, aus dem angeschlagenen Titel auszusteigen. Die nächste wichtige Unterstützung verläuft nun bei 24,30 Euro (2013er-Tief).

Gewinnwarnung bei Deutz

Indexkollege Deutz präsentiert nach Xetra-Schluss ebenfalls nicht Gutes. Der Kölner Motorenbauer korrigiert seine Geschäftsprognosen für das laufende Jahr nach unten. Wegen der Investitionszurückhaltung der Kunden erwartet das Management nunmehr einen Umsatzrückgang von 20 Prozent nach bisher 10 Prozent. Zugleich stellt das Unternehmen nur noch ein ausgeglichenes operatives Ergebnis (Ebit) in Aussicht, nachdem bislang von einer Ebit-Spanne von etwa drei Prozent die Rede war. "Weitere Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung werden geprüft", hieß es in der Pflichtmitteilung.

Credit Suisse: Millionen für US-Behörden?

Die Credit Suisse muss wegen ihrer anonymen, außerbörslichen Handelsplattform (Dark Pool) möglicherweise 80 Millionen Dollar an amerikanische Behörden zahlen. Die Großbank werde 50 Millionen Dollar an die US-Börsenaufsicht SEC und 30 Millionen an den Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York zahlen, um sich im Rahmen von Untersuchungen zu einigen, schreibt Bloomberg.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr