Futter für die Bären

Stand: 23.02.2010, 20:05 Uhr

Die hohe Arbeitslosigkeit hat den Amerikanern die Konsumlaune kräftig verdorben. Schlimmer noch: das Verbrauchervertrauen geht sogar deutlich zurück. Keine guten Nachrichten für die Aktienmärkte. Sie gehen heute auf Tauchstation.

Der Dax bricht am Abend um 1,6 Prozent oder 91 Punkte ein und fällt auf 5.601 Zähler zurück. Am Nachmittag war der Leitindex zeitweise sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 5.600 gefallen, bevor er leicht darüber schloss. Auch im MDax ging es um 1,2 Prozent auf 7480 Zähler bergab und der TecDax sank um 1,31 Prozent auf 805,91 Zähler.

Die US-Börsen haben am Abend ihre Verluste ebenfalls ausgeweitet. Der Dow Jones-Index verliert bei Börsenschluss in Frankfurt gut 100 Punkte auf 10.278.

Ausgelöst hat den Einbruch der überraschende Rückgang des US-Verbrauchervertrauens im Februar. Händler sprachen von einer herben Enttäuschung. Der vom Conference Board errechnete Index zum Verbrauchervertrauen ist auf 46,0 von revidiert 56,5 Punkte gefallen. Analysten hatten mit einem Stand von 55 Punkten gerechnet. Damit schätzen die amerikanischen Verbraucher ihre Lage so düster ein wie seit 1983 nicht mehr. Analysten befürchten deshalb, dass der Konsum in diesem Jahr als Wachstumsträger für die US-Wirtschaft ausfallen wird.

Gedrückte Stimmung
Neben den Zahlen zum Verbrauchervertrauen lastete auch auf der Stimmung, dass der deutsche Ifo-Geschäftsklima-Index im Februar erstmals seit zehn Monaten sank. Dies habe die ohnehin anhaltenden Sorgen über die Finanzprobleme einiger Euro-Zonen-Länder wie Griechenland verstärkt, sagten Analysten.

Für Enttäuschung sorgten zudem die Geschäftszahlen von Merck und der Commerzbank. Sie sind mit Abstand die größten Verlierer im Dax. Die milliardenschweren Verluste der Cobank drücken auch die Aktie der Deutschen Bank. Auf der Gewinnerseite im Dax können sich lediglich Beiersdorf und Münchener Rück behaupten.

Der Euro fiel auf 1,3540 Dollar von 1,3570 Dollar kurz vor Veröffentlichung der US-Zahlen. Der Bund-Future weitete seine Gewinne auf bis zu einem vollen Punkt aus. Mit 123,83 (plus 1,01) Punkten erreichte er zeitweise ein Tageshoch.

Cobank vertreibt die Käufer
Den Aktionären von Deutschlands zweitgrößter Bank droht auch in diesem Jahr Ungemach. Für 2010 stellte Bankchef Martin Blessing nur für den Fall schwarze Zahlen in Aussicht, dass die Entwicklung der Konjunktur und der Finanzmärkte "sehr positiv" verlaufen wird. Gleichzeitig warnte er, die Krise sei noch nicht beendet, auch wenn das Jahr 2010 operativ erfreulich angelaufen sei. Kein Wunder, dass diejenigen, die die Aktie in den vergangenen Tagen optimistischer bewertet hatten, heute massiv aussteigen.

Carlsberg und Heineken laufen die Biertrinker davon
Die beiden großen Bierbrauer Carlsberg und Heineken müssen in weiter um ihre Marktanteile ringen. Der holländische Heineken-Konzern rechnet in vielen Regionen mit einem niedrigeren Absatz und will das durch höhere Preise ausgleichen. Der dänische Konkurrent geht von Einbrüchen auf seinem wichtigen russischen Markt aus und setzt auf eine höhere Effizienz. Das Geschäft beider Konzerne leidet an der Zurückhaltung der Konsumenten, die immer weniger Bier trinken. Die Anleger honorieren die Anstrengungen und hieven die Kurse beider Brauer nach oben.

Aktionäre schicken Merck in den Keller
Der Darmstädter Merck-Konzern hat 2009 zwar keinen Verlust verbucht, doch die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr bleiben unter den Erwartungen. Und 2010 wird es nicht wesentlich besser. Für 2010 gibt der Dax-Konzern vor allem im Pharmageschäft einen vorsichtigen Ausblick. Merck rechnet aber mit Wachstum - sowohl beim Umsatz wie beim Ergebnis. Das reicht den Anlegern nicht. Die Aktie verliert zehn Prozent.

Conti stützt MDax
Conti hat im vergangenen Jahr einen milliardenschweren Verlust eingefahren. Dennoch gehört die im MDax notierte Aktie zu den größten Gewinnern. Der Grund: Conti verspricht bereits in diesem Jahr eine Besserung. Continental werde wieder mehr Tempo aufnehmen, hieß es. Die Märkte hätten sich wieder belebt. Außerdem werde Conti von einer verstärkten Zusammenarbeit mit Großaktionär Schaeffler profitieren, versprach die Firmenspitze.

SMA über Erwartungen
Der Wechselrichter-Produzent SMA hat das für die Solarbranche schwierige Jahr 2009 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Die in der zweiten Jahreshälfte sprunghaft gestiegene Nachfrage ließ Umsatz und Gewinn höher schnellen als geplant. Auch für das laufende Jahr zeigte sich der Vorstand zuversichtlich. Die Begeisterung der Anleger hält sich aber in Grenzen, hatten sie nichts weniger als ein hervorragendes Ergebnis erwartet.

Q-Cells macht reinen Tisch
Der Bitterfelder Solarzellenhersteller hat im vergangenen Jahr wegen des dramatischen Preisverfalls und erheblicher Abschreibungen einen Nettoverlust von fast 1,4 Milliarden Euro verbucht. Doch die Aktie steigt trotzdem. In diesem Jahr will Q-Cells nämlich in die schwarzen Zahlen zurückkehren - und die Aktionäre nehmen ihm das auch ab.

Aareal zahlt zurück
Hinter Conti gehört auch die Aktie der Aareal Bank heute zu den größten Gewinnern im MDax. Anleger und Analysten erfreut vor allem die Ankündigung, Anfang 2011 mit der Rückzahlung der in Aussicht gestellten Staatshilfen zu beginnen. Auch schreibt die Bank erneut schwarze Zahlen.

Pfeiffer wieder gefragt
Im TecDax gehören auch Pfeiffer Vacuum zu den wenigen Gewinnern. Der Spezialpumpen-Hersteller hat einem schwierigen dritten Quartal im letzten Jahresviertel wieder mehr Aufträge erhalten. Zudem behauptet sich Pfeiffer besser als der Maschinenbau allgemein.

Activa Resources macht Freude
Außerhalb der Indizes fällt die Aktie von Activa Resources auf, die um mehr als 30 Prozent in die Höhe schießt. Die Börse lässt sich von der Nachricht des Unternehmens begeistern, dass die Erdöl- und Erdgasreserven nun deutlich höher eingeschätzt werden als zuvor.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat