Fulminanter Wochenauftakt

Stand: 18.05.2009, 20:01 Uhr

Dass der Dax nach einem völlig verpatzten Start am Morgen eine regelrechte Rally hinlegt, hatte niemand erwartet. Doch kräftige Kursgewinne an der Wall Street und die immer konkreter werdende Aussicht auf eine Stabilisierung der Konjunktur ließen die Anleger ihre Sorgen vergessen.

Bis zum Abend gewinnt der Dax 141 Punkte - das sind gut drei Prozent - auf 4.859.

Angeschoben wurde der Leitindex von den kräftigen Kursgewinnen an der Wall Street. Dort schöpften die Anleger neuen Mut, nachdem die Baumarktkette Lowe unerwartet gute Geschäftszahlen vorlegte. Auch US-Finanzminister Timothy Geithner sagte, die Wirtschaft stabilisiere sich eindeutig. Zudem halfen positive Analystenkommentare zur Finanzbranche dem Gesamtmarkt auf die Sprünge - etwa zur Bank of America. Die Titel dieser Bank steigen zeitweise um zehn Prozent. Zum Ende des Abendhandels klettert der Dow Jones Index um gut zwei Prozent auf 8.443.

Auch die Stimmung unter den US-Häuserbauern hat sich im Mai wie erwartet verbessert. Der NAHB-Hausmarktindex sei von 14 Punkten im Vormonat auf 16 Punkte im laufenden Monat gestiegen, teilte die National Association of Homebuilders (NAHB) mit. Volkswirte hatten zuvor mit einem solchen Anstieg gerechnet. Das ist der höchste Stand seit acht Monaten. Damit steige die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Einbruchs auf dem US-Immobilienmarkt.

Zuvor hatte bereits das neueste Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu ersten Kursgewinnen geführt. Die Berliner Ökonomen sehen vermehrt Anzeichen für eine langsame Stabilisierung der deutschen Wirtschaft. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal nur noch um 0,5 Prozent schrumpfen, nach einem Absturz um 3,8 Prozent im Vorquartal. Die Stabilisierung vollziehe sich auf einem niedrigen Niveau, ein baldiger Aufschwung sei noch nicht erkennbar, so das DIW.

Zu den größten Kursgewinnern gehören vor allem Finanz- und Versicherungswerte. Auch die Aktien konjunktursensibler Unternehmen wie Salzgitter und ThyssenKrupp legten überdurchschnittlich zu.

Porsche sieht sich nicht unter Druck
Der Sportwagenbauer Porsche hat eigenen Angaben zufolge bis zum nächsten Frühjahr kein Refinanzierungsproblem. Die jüngst mit den Banken vereinbarte Kreditlinie über zehn Milliarden Euro laufe bis März 2010 und könne dann verlängert werden, sagte ein Sprecher. Die Porsche-Vorzugsaktie notierte nur minimal im Minus. Auch die Volkswagen-Aktie schaffte bis zum Xetra-Schluss den Sprung ins Plus.

Commerzbank: Anleger feiern Einstieg des Bundes
Der bevorstehende Einstige des Bundes bei Deutschlands zweitgrößter Bank katapultiert die Commerzbank-Aktie heute an die Dax-Spitze. Die Aktie haussiert zeitweise um mehr als zehn Prozent. Die Aktionäre der Commerzbank billigten am Samstag mit einer Zustimmung von 97,7 Prozent die Kapitalerhöhung, die für den Einstieg der Bundesrepublik Deutschland nötig ist. Der Bund wird in Zukunft mit 25 Prozent plus einer Aktie der größte Einzelaktionär sein.

Metro beflügelt Arcandor
Arcandor profitieren von der Absicht des Konkurrenten Metro durch die Zusammenlegung der Warenhäuser Kaufhof und Karstadt den größten deutschen Warenhauskonzern zu schmieden. Es gehe darum, das Warenhaussegment in Deutschland zukunftsfest zu machen und Arbeitsplätze zu sichern, sagte ein Metro-Sprecher. Er bestätigte, dass sich Konzernchef Eckhard Cordes mit einen Brief bereits an Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gewandt hat. Es gehe darum, das Warenhaussegment in Deutschland zukunftsfest zu machen und Arbeitsplätze zu sichern. Während Arcandor um gut neun Prozent zulegen, rücken Metro-Aktien um mehr als sechs Prozent vor.

Aktien mit Dividendenabschlägen
Weniger dramatisch fallen die "tatsächlichen" Kursverluste bei der Linde-Aktie aus. Denn die Papiere werden nach der Hauptversammlung vom Freitag "ex Dividende" gehandelt. Der Konzern schüttet 1,80 Euro je Aktie an seine Aktionäre aus. Im MDax zahlt Gildemeister 0,40 Euro je Aktie an seine Anteilseigner.

Hamburger Hafen verwirrt Analysten
Der Hamburger Hafenbetreiber HHLA wird von den Analysten höchst unterschiedlich bewertet. JPMorgan hat das Kursziel nach den Quartalszahlen von 33,20 auf 46,80 (aktueller Kurs: 26 Euro) angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Die holländische ING dagegen hat den MDax-Konzern von "Buy" auf "Hold" herabgestuft und das Kursziel von 27,50 auf 24,50 Euro gesenkt.

Demag Cranes baut Stellen ab
Der Kranbauer Demag Cranes will wegen der Wirtschaftskrise 750 der insgesamt 6000 Stellen streichen, 500 davon in Deutschland. Die Sanierung soll im laufenden Bilanzjahr (per Ende September) einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag kosten. Dauer und Umfang der Krise seien derzeit nicht abschätzbar. Daher seien zur "nachhaltigen Zukunftssicherung" des Konzerns in den kommenden Jahren deutliche Einsparungen nötig.

Repower bleibt optimistisch
Der drittgrößte deutsche Windkraftanlagenbauer Repower rechnet trotz der Wirtschaftskrise weiter mit hohem Wachstum. In diesem Geschäftsjahr sollen die Erlöse um rund ein Fünftel auf 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro steigen, teilte das mehrheitlich zur indischen Suzlon gehörende Unternehmen am Nachmittag mit. Die Rendite (Ebit-Marge) soll auf 7,5 bis 8,5 Prozent zulegen, im abgelaufenen Geschäftsjahr betrug sie 6,3 Prozent. Die Aktie gewinnt bis zu fünf Prozent.

Infineon besorgt sich Geld
Der angeschlagene Halbleiter-Konzern Infineon hat sich über eine Anleihe frisches Geld besorgen. Der Emissionserlös für die Wandelanleihe betrug 181,5 Millionen Euro. Das Papier mit einer Laufzeit von 5 Jahren wird mit 7,5 Prozent verzinst. Dies teilte Infineon am Abend in München mit. Angepeilt war ein Erlös zwischen 175,5 und 188,5 Millionen Euro.

BVB-Aktie haussiert
Die Aktien des Fußball-Bundesligavereins Borussia Dortmund (BVB) steigen prozentual zweistellig. Nach einem haushohen Heimsieg am Samstag hat der Club noch Chancen auf eine Teilnahme an der neuen Europa League, der Nachfolgerin des UEFA-Cups.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr