Fulminante Aufholjagd am Ende versandet

Stand: 01.09.2011, 19:40 Uhr

Wie eine Rakete schoss der Dax nach der Veröffentlichung des ISM-Index nach oben und lugte sogar in die Gewinnzone. Die Freude währte indes nur kurz, denn selbst notorische Optimisten wissen, dass die Konjunkturzweifel so schnell nicht verfliegen werden.

Ein Hoffnungsschimmer, mehr nicht: Der Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager fiel zwar leicht von 50,9 Punkten im Vormonat auf 50,6 Punkte. Experten waren aber davon ausgegangen, dass der Index unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten sinken würde. Entsprechend euphorisch fiel die Reaktion der Märkte aus - man hatte den Eindruck, als seien einige Akteure auf dem falschen Fuß erwischt worden, so kerzengerade zog es die Dax-Linie nach oben.

Zeitweise notierte der deutsche Leitindex sogar in der Gewinnzone, nachdem er zuvor rund zwei Prozent schwächer notiert hatte. Für nachhaltige Gewinne reichten die Daten allerdings nicht aus. Der Dax ging mit einem Abschlag von rund einem Prozent aus dem Handel, hielt sich aber oberhalb der Marke von 5.700 Punkten. Ob es - wie einige Marktteilnehmer vermuteten - daran lag, dass Einzelkomponenten des ISM-Index ungenügend ausfielen?

Andere europäische Indizes gewannen: Der EuroStoxx 50 stieg um 0,2 Prozent, in Paris legte der CAC 40 um 0,3 Prozent zu. Der Londoner FTSE 100 rückte um 0,5 Prozent vor. Der Late Dax schloss bei 5.707 Punkten - ein MInus von 1,5 Prozent. Der Dow Jones lag gegen 20 Uhr mit 0,7 Prozent im Minus.

Kein frisches Geld von der Fed?
"Der Markt hatte sich sehr stark auf Rezessionsängste eingeschossen", kommentierte Mario Mattera, Analyst bei der Metzler Bank, die ISM-Daten. Aber Mattera spricht auch die Kehrseite guter Konjukturzahlen an: Die Erwartungen auf ein weiteres Anleiheaufkaufprogramm der US-Notenbank Fed müssten nun etwas zurückgenommen werden, stellte der Experte fest - möglicherweise ein Faktor, der sich nach Börsenlogik negativ auf die Kursentwicklung auswirken könnte.

Die Zweifel an der wirtschaftlichen Stärke der USA sind zudem keineswegs ausgeräumt: Zuvor waren die die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zwar ungefähr im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Die US-Produktivität im zweiten Quartal war jedoch schlechter als gedacht, auch die Bauausgaben enttäuschten.

Am Freitag steht nun der wichtige Arbeitsmarktbericht für den Monat August auf der Agenda. Angesichts der herausragenden Bedeutung des US-Jobmarktes für die Konjunktur, werden die Anleger besonders aufmerksam sein. Schließlich ist der private Konsum für rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung dort verantwortlich.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14,85
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T-Aktie stemmt sich gegen den Trend
Nach dem Kurseinbruch vom Mittwoch greifen einige Anleger bei der Telekom wieder zu. Das Papier stieg um mehr als zwei Prozent, schloss aber unter der Schwelle von neun Euro. Experten bleiben wegen des wieder in der Schwebe befindlichen Verkaufs der US-Mobilfunktochter an AT&T skeptisch: Coba-Analysten haben ihre Empfehlung wegen der anhaltenden Unsicherheit von "buy" auf "add" reduziert.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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17,16
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Daimler ist schwach...
Deutliche Verluste verbuchten konjunktursensitive Titel, darunter Daimler. Die Aktie büßte zwei Prozent ein. Ebenfalls verschmäht wurden ThyssenKrupp und K+S.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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...BMW-Titel laufen besser
BMW notierten dagegen deutlich fester, obwohl der Autobauer in den USA 240.000 Autos zurückrufen muss. Weltweit kommen noch 120.000 Fahrzeuge wegen Problemen mit Kraftstofffiltern bei Dieselmotoren dazu. Wie ein Sprecher des Konzerns am Donnerstag in München sagte, gibt es bei den Fahrzeugen vom Typ 1er, 5er, 7er, sowie den Geländewagen X3, X5 und X6 Probleme an der Heizung des Dieselfilters.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Banken bleiben ein Risiko
Die Deutsche Bank und die Commerzbank gaben jeweils um rund zwei Prozent nach. "Die Diskussion über die Kapitalausstattung der europäischen Banken läuft jetzt schon seit Tagen - das bringt nicht gerade Ruhe in den Sektor, sorgt aber auch nicht für neue Panikverkäufe", sagte ein Händler. IWF-Chefin Christine Lagarde hatte am Wochenende gefordert, europäische Banken zu einer besseren Kapitalausstattung zu zwingen. Die Kritik an der Kritik kam sogleich, half aber nicht.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,62
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Eon unbeliebt
Aktien des Energiekonzerns reagierten allergisch auf eine Zurückstufung durch Analysten der britischen Barclays Bank von "overweight" auf "underweight". Da hilft es auch nicht, dass Experten von Exane BNP den deutschen Versorgersektor auf "outperform" hochgestuft haben. Mit minus 2,2 Prozent klang der Tag aus.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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RWE fällt ans Dax-Ende
Die Aktien des Branchenmitstreiters RWE verloren mehr als zwei Prozent. RWE will mit seiner Ölfördertochter Dea in den kommenden Monaten die Arbeit in Libyen wieder aufnehmen. "Wir hoffen, in diesem Jahr nach Libyen zurückkehren zu können", sagte RWE-Dea-Chef Thomas Rappuhn in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. RWE hatte wegen der Kämpfe Ende Februar die etwa 100 Mitarbeiter, davon die meisten Libyer, aus seiner Niederlassung in Tripolis abgezogen.

Deutsche Börse profitiert von Turbulenzen
Aktien der Deutschen Börse gehörten zu den weinigen Gewinnern. Im August hat der Börsenbetreiber den Xetra-Umsatz aufgrund des turbulenten und regen Handels mehr als verdoppelt. Die Aktie legte leicht zu.

IVG der Favorit im MDax
Die Aktien von IVG legten mehr als zehn Prozent zu. Die jüngsten Kursverluste seien übertrieben gewesen, schrieb Analyst Jochen Rothenbacher von ESN/Equinet in einem Kommentar und stufte die Aktien hoch auf "Buy" von "Hold". Das Kursziel beließ er bei vier Euro. Seit der Bekanntgabe von Quartalszahlen Mitte August hat die IVG-Aktie knapp ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Konkurrent hat Derby Cycle im Visier
Die Aktie des deutschen Fahrradhersteller Derby Cycle legt um mehr als fünf Prozent zu. Das Unternehmen ist auch beim holländischen Konkurrenten Accell sehr beliebt. Accell hat seine Anteile auf 22 Prozent aufgestockt. Laut den Niederländern handelt es sich aber um eine reine Finanzbeteiligung, eine Übernahme sei nicht geplant.

Saab sorgenvoll
Trotz der Probleme beim angeschlagenen schwedischen Autokonzern Saab gewannen die Aktien des niederländischen Mutterkonzerns Swedish Automobile in Frankfurt zweistellig. Swedish Automobiles - vorher bekannt unter Spyker Cars - hatte Saab vor etwa zwei Jahren gerettet und verbuchte im ersten Halbjahr 2011 einen operativen Verlust von 200 Millionen Euro.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr