Marktbericht 20:10 Uhr

Dax über 10.000 Punkten Frühlingsgefühle auf dem Börsenparkett

Stand: 30.03.2016, 20:10 Uhr

An den Aktienmärkten herrscht zunehmend gute Laune. Denn eine baldige Zinserhöhung in den USA droht vorerst nicht. Anleger atmen auf. Der Dax klettert auf über 10.000 Punkte, den höchsten Stand seit Anfang Januar.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Hält die fünfstellige runde Marke diesmal? In den vergangenen beiden Wochen hatte der Dax mehrfach versucht, die Hürde von 10.000 Punkten zu knacken - und scheiterte. " Die Bullen müssen jetzt zeigen, dass sie es ernst meinen", meint Jochen Stanzl von CMC Markets in seinem täglichen Marktkommentar. "Schließt der Dax im nachbörslichen Handel über 9.997 Punkten, spricht vieles für einen Ausbruch nach oben."

Yellen vertreibt Zinssorgen

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Zum Ende des Xetra-Handels notierte der Dax um 1,6 Prozent höher bei 10.046 Punkten. Nach der vorösterlichen Lethargie brachte die Fed den deutschen Leitindex wieder in Schwung. Fed-Präsidentin Janet Yellen will sich Zeit lassen mit der Straffung der Geldpolitik und plant vorerst keine weitere Zinserhöhungen. Zwar würden globale Wirtschaftsrisiken kaum auf die USA ausstrahlen, es sei aber nach wie vor angemessen, dass die Fed vorsichtig mit ihren Zinsschritten fortfahre, hatte Yellen am Dienstagabend betont.

Evans: Nur noch zwei Zinsschritte 2016

Am Mittwoch legte ein führender Vertreter der Fed nach. Charles Evans, der Präsident der Notenbank von Chicago, glaubt nicht, dass die Fed schon im April die Zinszügel anzieht. Um sicher zu sein, dass sich die Inflation nachhaltig Richtung zwei Prozent bewege, müssten noch viele Voraussetzungen erfüllt sein, betonte am Mittwochnachmittag. Er rechnet in diesem Jahr mit lediglich zwei Zinsanhebungen.

Dow auf neuem Jahreshoch

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Auch die US-Börsen kletterten weiter nach oben. Der Dow stieg auf über 17.700 Punkte und erklomm den höchsten Stand seit Mitte Dezember. Der marktbreite S&P 500 rückte um 0,7 Prozent auf 2070 Punkte vor.

200.000 neue Jobs in den USA

In guter Verfassung präsentiert sich der US-Arbeitsmarkt. Laut den Daten des privaten Dienstleisters ADP wurden im März 200.000 neue Jobs in der Privatwirtschaft geschaffen - 6.000 mehr als prognostiziert. Die Zahlen gelten als gutes Omen für den offiziellen Arbeitsmarktbericht der Regierung, der an diesem Freitag veröffentlicht wird. "Eine positive Überraschung kann nicht ausgeschlossen werden", erklärte Ulrich Wortberg von der Helaba.

Euro auf über 1,13 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1515
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Die Anleger an den europäischen Börsen ignorierten die Euro-Stärke, die den heimischen Unternehmen eher schadet. Der Euro setzte seinen Höhenflug fort und kletterte auf bis 1,1365 US-Dollar. Das ist das höchste Niveau in diesem Jahr. Die Gefahr einer Deflation in Deutschland scheint vorerst gebannt. Im März erhöhte sich die Inflation hierzulande auf 0,3 Prozent. Vor allem Nahrungsmittel und Reisen verteuerten sich.

Ölpreise ziehen an

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Die Dollar-Schwäche gab den Ölpreisen Auftrieb. Ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent verteuerte sich bis zum Abend um 59 Cent auf 39,74 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 56 Cent auf 38,87 Dollar.

Stählerne Gewinner

Im Dax gab es fast nur Gewinner. Besonders gefragt waren Stahlwerte. Die ThyssenKrupp-Aktie legte über acht Prozent zu und führte den Dax an. Im MDax stieg die Salzgitter-Aktie um über fünf Prozent. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat Deutschlands Stahlkochern Unterstützung im Kampf gegen Billigstahl aus China zugesichert. Zudem gibt es Spekulationen, dass ThyssenKrupp eine Kombination mit Tata Steel eingeht. Der indische Konzern will sich aus Großbritannien ganz zurückziehen.

Schub für Versorger

Neben den Stahlwerten konnten auch die Versorger-Aktien überproportional zulegen. Die Titel von RWE und Eon gewannen rund sechs Prozent. RWE profitierte von einem positiven Analystenkommentar. Die australische Bank Macquarie ernannte RWE zu ihrem Favoriten in der Versorger-Branche. Bei Eon könnte die Einigung mit Gazprom auf Preisnachlässe für langfristig vereinbarte Gaslieferungen nachgewirkt haben.

Katar stützt Achleitner

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktie der Deutschen Bank war hingegen mit einem Minus von 1,4 Prozent Dax-Schlusslicht.Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, bekommt in der Debatte über einen neuen Vertrag Rückendeckung aus Katar. Die Herrscherfamilie aus dem Golfstaat, die 2014 als Großaktionär bei dem Geldhaus eingestiegen war, hat sich demonstrativ hinter den Österreicher gestellt.

Freude über Metro-Aufspaltung

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im MDax wurde Metro gefeiert. Die Aktie schoss um über elf Prozent nach oben und war einsamer Spitzenreiter. Der Handelskonzern plant eine Aufspaltung in zwei unabhängige Firmen. Das Großhandels- und Lebensmittelgeschäft um die Cash&Carry-Märkte und die Real-Supermärkte sollen auf eine neue Gesellschaft übertragen werden, die künftige Metro AG soll die Unterhaltungselektronik mit Media-Saturn konzentriert werden. Analysten zollten Lob. Nach einer Trennung dürfte der Konglomeratsabschlag wegfallen, sagte Bruno Monteyne von Bernstein Research.

Bald neuer Chef bei K+S?

Spekulationen um einen raschen Chefwechsel beflügelten den Kurs von K+S. Die Titel stiegen um knapp vier Prozent. Nach dem Willen einflussreicher Aufsichtsräte soll der bisherige Finanzchef Burkhard Lohr noch vor der Hauptversammlung am 11. Mai die Nachfolge von Norbert Steiner als Konzernchef antreten, schrieb das Wirtschaftsmagazin "Bilanz". "Der Aufsichtsrat beschäftigt sich seit geraumer Zeit intensiv mit der Regelung der Nachfolge für den mit Ende der Hauptversammlung 2017 ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden Norbert Steiner", erklärte Aufsichtsratschef Ralf Bethke.

ElringKlinger setzt auf Elektroautos

Der Autozulieferer ElringKlinger blickt optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr. Für 2016 rechnet der MDax-Konzern mit einem organischen Wachstum (also bereinigt um Akquisitionen und Währungseffekte) von fünf bis sieben Prozent. Das Ebit soll bei 160 bis 170 Millionen Euro liegen. 2015 hatte es bei 140 Millionen Euro gelegen. Der Autozulieferer prüft einen Ausbau seines Geschäfts mit Elektro-Auto-Batterien. "Wir wollen eine eigene Batterie bauen", sagte Vorstandschef Stefan Wolf.

Chinesen schüren Übernahmefantasie in der Modebranche

Begehrt waren auch deutsche Modeaktien am Mittwoch. Die Aktien von Hugo Boss stiegen um knapp fünf Prozent, die Titel von Gerry Weber um 4,3 Prozent. Ein Händler begründete den Kursanstieg mit neuer Übernahmefantasie aus China. Der chinesische Textilhersteller Shandong Ruyi will laut Medienberichten den französischen Luxus-Modekonzern SMCP schlucken. Dies strahle auf die gesamte Branche ab. Zuletzt hatten die deutschen Modeaktien ihren Glanz verloren. Wegen einer Gewinnwarnung war Hugo Boss der schwächste MDax-Wert 2016. Vor Ostern ging der Modehersteller Steilmann pleite.

Alstria will weiter kräftig wachsen

Die Alstria-Aktie schloss nahezu unverändert. Dabei sah es ein Händler als positive Überraschung, dass für 2015 eine Dividende gezahlt werden soll. Am Markt sei damit nicht gerechnet worden. Alstria will die Ausschüttung stabil bei 0,50 Euro je Aktie halten. Der Kauf der Deutschen Office soll Alstria 2016 neuen Schub bringen. Der FFO soll um zehn Prozent steigen.

SMA Solar zahlt überraschend Dividende

Zu den Favoriten im TecDax zählte SMA Solar. Die Aktie schoss um zeitweise zehn Prozent nach oben. Der Solarzulieferer hat nach der Rückkehr in die Gewinnzone mit der Ankündigung einer Dividende überrascht. Je Anteilsschein winkt eine Ausschüttung von 14 Cent. In den letzten zwei Jahren waren die Aktionäre leer ausgegangen. Dank höherer Einsparungen bei den Fixkosten verdiente SMA 2015 rund 14,3 Millionen Euro. Für das laufende Jahr rechnet der Wechselrichterhersteller mit einer weiteren Ergebnisverbesserung.

Wirecard hebt Prognose an

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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174,00
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Die Anhebung der Jahresprognose trieb die Aktien von Wirecard um rund fünf Prozent an. Der Zahlungsabwickler rechnet für 2016 mit einem operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 290 bis 310 Millionen Euro – zehn Millionen mehr als bislang geplant. "Wirecard hat einen starken Start in das Jahr gehabt", meinte Analyst Lars Dannenberg von Hauck & Aufhäuser. Der Kurs von Wirecard wurde zuletzt von Anschuldigungen rund um die Geschäftspraktiken des Unternehmens belastet und ist in diesem Jahr um 28 Prozent eingebrochen.

Bittere Aussichten von Süss Microtec

Der TecDax-Wiedereinsteiger Süss Microtec hat dagegen mit einem vorsichtigen Blick in die Zukunft die Anleger verprellt. Demnach wird der Auftragseingang 2016 unter dem Niveau des Vorjahres bleiben, Umsatz und operatives Ergebnis sollen aber steigen. 2015 war der Nettogewinn auf 0,2 Millionen Euro eingebrochen. Die Aktie sackte um rund acht Prozent ab.

Kaufempfehlung treibt Deutz an

Aus dem SDax ragte Deutz mit einem Plus von acht Prozent neben Koenig & Bauer positiv heraus. Die britische Investmentbank HSBC hat den Motorenbauer nach Zahlen von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 3,50 auf 4,70 Euro angehoben. Steigende Verkaufszahlen seien der Schlüssel für eine bessere Profitabilität.

Erneutes Rekordjahr für Grammer

Der Autozulieferer Grammer hat den fünften Rekordumsatz in Folge erzielt. Die Erlöse kletterten 2015 um 4,4 Prozent auf 1,426 Milliarden Euro. Das Ebit lag mit 42,7 Millionen Euro noch leicht über der angepassten Prognose. Das Ergebnis je Aktie fiel von 3,09 auf 2,10 Euro. Die Dividende will Grammer trotzdem stabil halten. Die SDax-Aktie gewann 3,5 Prozent.

Hamburger Hafen will Umsatzschwund stoppen

Die weiter unsichere Lage in der Ukraine und die Konjunkturschwäche in China machen dem Hamburger Hafen- und Logistikdienstleister HHLA zu schaffen. Im abgelaufenen Jahr sank der Umsatz um fast fünf Prozent, das operative Ergebnis ging um mehr als sieben Prozent zurück. In diesem Jahr rechnet HHLA mit einem weiteren Ergebnisrückgang – wegen einmaliger Konsolidierungsaufwendungen in der Logistiksparte. Die Erlöse sollen aber stabil bleiben. Die Aktien von HHLA schlossen um 2,5 Prozent höher.

Scout24 zahlt keine Dividende

Zu den SDax-Verlierern gehörten hingegen die Aktien von Scout 24 mit einem Minus von 2,5 Prozent. Der Onlineportalbetreiber hat im vergangenen Jahr den Umsatz um 14 Prozent auf 393,6 Millionen Euro und das operative Ergebnis (Ebitda) gar um fast 28 Prozent auf 189,6 Millionen steigern können. Eine Dividende will Scout 24 aber erst zahlen, wenn der Schuldenberg von rund 700 Millionen Euro abgebaut wird. 2016 peilt der Betreiber von Auto- und Immobilien-Anzeigenportalen ein zweistelliges Umsatzwachstum und eine Marge von 49,5 bis 50,5 Prozent an.

Foxconn schluckt Sharp

Der japanische Elektronik-Konzern Sharp hat einem reduzierten Übernahmeangebot des Apple-Auftragsfertigers Foxconn zugestimmt. Das beschloss der Vorstand von Sharp am Mittwoch. Auch der Vorstand von Foxconn habe sich für den rund drei Milliarden Euro schweren Deal entschieden.

Teilerfolg für Roche im Kampf gegen Zika

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat Roche grünes Licht für den Einsatz eines experimentellen Tets zur Untersuchung von Blutspenden auf das Zika-Virus gegeben. Der Test könnte in Gegenden angewandt werden, wo die Krankheit höufig ausbricht. Zika kann bei Föten zu schweren Schädel-Missbildungen führen. Der Virus wird über Mückenstiche übertragen. Das Virus ist in mehr als 30 Ländern aufgetreten. Am schwersten ist Brasilien betroffen.

nb

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier