Frischer Konjunkturoptimismus

Stand: 26.05.2009, 20:05 Uhr

Dass die amerikanischen Verbraucher sehr viel zuversichtlicher als gedacht in die Zukunft schauen, hat dem deutschen Aktienmarkt den Tag gerettet. Der Dax drehte nach schwachem Start und schloss knapp unter 5.000 Punkten.

Der Verbrauchervertrauensindex, den das amerikanischen Conference Board am Nachmittag bekannt war, schlug die Prognosen um Ellen. Statt 42 erwarteten Punkten betrug der Index 54,9 Punkte, was die Anleger in New York und in Frankfurt in Hochstimmung versetzte.

Der Dax beendete den elektronischen Handel bei 4.986 Punkten, nachdem er im Tagesverlauf schon zwei Prozent tiefer notiert hatte. Die amerikanischen Indizes haussierten ebenfalls, der Dow Jones legte bis zum Ende des Parketthandels in Frankfurt 2,5 Prozent, der Nasdaq Composite stieg um 3,3 Prozent. Der L-Dax machte ein paar Pünktchen gut, konnte aber nicht mehr die 5.000-Punktemarke knacken.

Das gute Verbrauchervertrauen verdeckte ein wenig, dass es am Dienstag nicht nur gute Konjunkturnachrichten gab. Der Häusermarktindex von Standard & Poor's und Case Shiller zeigte, dass Einfamilienhäuser in 20 Ballungsräumen fast 19 Prozent weniger kosteten als vor einem Jahr. Damit setzte sich der Preisverfall nahezu ungebremst fort. Die Häusermarktdaten wurden an der Börse heute jedoch kaum beachtet.

Deutsche Bank stellt Aktionäre zufrieden
Die Deutsche Bank lud am Dienstag ihre jährliche Hauptversammlung und zeigte sich, wie kaum anders erwartet, optimistisch zum weiteren Geschäft. Vorstandschef Josef Ackermann verteidigte und erneuerte sein Renditeziel von 25 Prozent und bezeichnete die Entwicklung im zweiten Quartal als "erfreulich". Aktionärsvertreter verlangten von der Bank jedoch, die letzte Woche bekannt gewordenen Datenaffäre schnell aufzuklären. Die Bank will dies zur Chefsache machen, die Aktien gingen mit einem Plus von 2,6 Prozent aus dem Handel.

United Internet auch nach DSL-Kauf auf Kurs
Der Internetdienstleister United Internet hält auch nach dem Kauf der DSL-Sparte des Konkurrenten Freenet an seinen Gewinnzielen für dieses Jahr fest. "Wir müssen rund zehn Millionen Euro für die Eingliederung der DSL-Sparte aufwenden", sagte UI-Vorstandschef Ralf Dommermuth der Nachrichtenagentur Reuters. Dieses Geld wolle man bei der Kundengewinnung einsparen. In den nächsten fünf Jahren will UI eine halbe Million Neukunden gewinnen. UI hat das DSL-Geschäft von Freenet für 123 Millionen Euro gekauft. Die Aktie stieg im Tagesverlauf um 10,8 Prozent und markiert damit die TecDax-Spitze.

Nordex gebremst
Der Windenergiekonzern Nordex erwartet, in diesem Jahr weniger stark zu wachsen. "Seriöse Studien gehen davon aus, dass der weltweite Absatz von Windturbinen im laufenden Jahr um sechs Prozent fällt", sagte Vorstandschef Thomas Richterich auf der Hauptversammlung. Allerdings geht Nordex davon aus, dass im kommenden Jahr wieder ein stärkeres Wachstum möglich sei. Die Aktie verlor am Dienstag 4,5 Prozent.

Qimonda ohne Hoffnung, Infineon schmiert ab
Aktien von Infineon verloren ebenfalls kräftig, sie fielen um drei Prozent. Nach einem Zeitungsbericht sind nun auch chinesische Investoren, die letzten ernsthaften Interessenten an der insolventen Infineon-Tochter, abgesprungen. Qimonda-Papiere verlieren in New York etwa 15 Prozent.

IVG will Staatshilfe
Der Immobilienkonzern IVG erwägt offenbar, Staatshilfe in Anspruch zu nehmen. Nach Angaben aus Firmenkreisen will der defizitäre MDax-Konzern eine Kreditbürgschaft in Höhe von 300 Millionen Euro beantragen. Die Aktie ging mit einem Verlust von drei Prozent aus dem Handel.

Heidelberger Druck auf "Verkaufen"
Eine Analysteneinschätzung lastete am Dienstag schwer auf der Aktie des Druckmaschinenherstellers Heidelberger Druck. Die UBS stufte die Aktie von "Neutral" auf "Sell" herab und bekräftigte das Kursziel von 4,00 Euro. Die Aktie verlor 5,7 Prozent.

Aufträge für Siemens und Bilfinger Berger
Der Industriekonzern Siemens und die Baufirma Bilfinger Berger können sich über millionenschwere Aufträge freuen. Siemens wird für rund 700 Millionen Euro ein Gas- und Dampfkraftwerk in Holland errichten, Bilfinger Berger baut für die Deutsche Bahn drei ICE-Tunnel. Dieser Auftrag habe einen Wert von etwa 350 Millionen Euro, teilte das MDax-Unternehmen mit.

ElringKlinger erwartet Gewinne
Der Automobilzulieferer ElringKlinger will 2009 trotz der Absatzkrise der Branche Gewinne machen und damit deutlich besser als die Konkurrenz abschneiden. Schlimmstenfalls rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang auf 500 Millionen Euro, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Wolf auf der Hauptversammlung. Die Aktie gewann ein Prozent.

Bilanzen von Sixt und Constantin
Der Autovermieter Sixt hat das vergangene Quartal mit einem höher als erwarteten Verlust von 26,5 Millionen Euro abgeschlossen. Auch der Umsatz von 376,7 Millionen Euro fiel geringer aus als erwartet, die Aktie gewann trotzdem 4,5 Prozent. Constantin-Aktien legten nach Quartalszahlen ebenfalls zu. Im ersten Quartal machte der Medienkonzern einen Umsatz von 120,8 Millionen Euro und einen Gewinn nach Steuern von 2,1 Millionen Euro. Der kräftige Schub bei Umsatz und Gewinn war vor allem auf die Konsolidierung der Schweizer Highlight Communications zurückzuführen.

Escada verkauft Marken
Der Modekonzern Escada hat sich von seinen Marken Laurel, Cavita und Apriori getrennt. Die drei Gesellschaften, die zur Escada-Tochter Primera gehören, würden von der Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares übernommen, teilte die SDax-Firma mit. Zum Kaufpreis für die drei Marken äußerte sich Escada nicht. Die Aktie verlor 9,3 Prozent.

Sunline am Ende?
Die im Entry Standard notierte Sunline-Aktie verlor 43,8 Prozent. Der Fürther Solaranlagenhersteller steht vor einem großen Finanzierungsproblem. Einige Kreditlinien würden voraussichtlich ab Ende Mai nicht mehr verlängert oder fällig gestellt, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Der Vorstand hält daher die Fortführung der Unternehmenstätigkeit für gefährdet.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"