Marktbericht 20:03 Uhr

VW und SAP die Stars des Tages Frische Zahlen schieben den Dax an

Stand: 20.07.2016, 20:03 Uhr

Die Börse widemt sich seit langem mal wieder ihrem Kerngeschäft, politische Sorgen treten zurück. In Amerika läuft die Berichtssaison recht gut an und auch bei uns gab es Positives zu vermelden. Der Dax reagierte postwendend.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am Ende schloss der deutsche Leitindex bei 10.142 Punkten knapp unter seinem Tageshoch bei 10.146 Zählern. Das war ein Tagesgewinn von immerhin 1,61 Prozent oder gut 160 Punkten und der höchste Stand seit dem schockierenden Brexit-Votum vom 23. Juni.

Im Tief war der Index bei 9.991 Punkten nur kurz unter die psychologisch wichtige fünfstellige Marke gerutscht. Auch kurzfristig haben sich die Perspektiven wieder aufgehellt. Die Dax-Bullen heben den Index mal wieder über die zuletzt hart umkämpfte 200-Tage-Linie (aktuell bei 10.068 Punkten).

Ausgetrocknete Märkte

Aktuell treffe die wieder steigende Nachfrage nach Aktien auf ausgetrocknete Märkte, sagte Chefhändler Matthias Jasper von der WGZ Bank. Denn nach dem Brexit-Votum hätten viele Anleger Dividendenwerte in ihren Depots untergewichtet. Nun zeige sich, dass die Investoren insbesondere deutschen Aktien gegenüber viel zu negativ eingestellt seien. Andere Händler betonten, dass auch gute Unternehmenszahlen aus Amerika, etwa von Microsoft, den Markt stützen würden.

SAP und VW ziehen den Markt nach oben

Apropos Unternehmenszahlen - auch am heimischen Markt gab es hierzu gute Nachrichten. Softwareriese SAP überzeugte mit seinen Zahlen die Investoren, insbesondere Brexit-Sorgen traten danach in den Hintergrund. Der Marktführer für Firmensoftware zur Unternehmenssteuerung hatte erklärt, von einem dämpfenden Brexit-Effekt sei nichts zu spüren gewesen. Das operative Ergebnis legte elf Prozent zu auf 1,5 Milliarden Euro zu.

Auch die überraschend vorgelegten VW-Eckdaten zum ersten Halbjahr überraschten positiv. Denn trotz Dieselkrise und anhaltender juristischer Aufräumarbeiten hat das Unternehmen die Erwartungen mit einem operativen Ergebnis zwischen Januar und Juni von 7,5 Milliarden Euro übertroffen. VW-Vorzüge rückten 6,01 Prozent vor und waren damit knapp vor SAP Tagessieger im Dax.

Im Dax gibt es nur wenige Verlierer. Neben der Commerzbank tendierten unter anderem auch Lufthansa und Telekom minimal leichter. Die Commerzbank-Aktie leidet unter einem negativen Analystenkommentar des Brokerhauses Merrill Lynch. Die Empfehlung wurde von "buy" auf "hold" und das Kursziel deutlich von 11,50 auf 6,60 Euro gesenkt. Das Niedrigzinsumfeld werde das Privatkundengeschäft und die Mittelstandsbank des Finanzkonzerns belasten, schrieb Analyst Johan Ekblom in einer Studie vom Mittwoch.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bayer kommt derweil mit seinen Monsanto-Übernahmeplänen nicht voran. Die Amerikaner lehnten auch ein verbessertes Angebot ab. Die Aktie schloss gegen den Markt nahezu unverändert. "Bayer ist enttäuscht über die Entscheidung", teilte der Konzern am Dienstagabend in Leverkusen mit. Der Deal bleibt aber trotzdem auf der Agenda, es dürfte weiter gepokert werden.

Viel Cash und gute solide Wirtschaftserwartungen

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 17.00 Uhr

Perspektivisch hilft der Börse derzeit die Tatsache, dass Fondsmanager nach einer Merrill-Lynch-Umfrage auf so großen Bargeldbeständen sitzen wie seit November 2001 nicht mehr. Dies wäre aber nur bei einer drohenden Rezession angemessen, für die es keine Anzeichen gibt. Im Gegenteil, nach einer Reuters-Umfrage bei insgesamt 34 Ökonomen wird erwartet, dass die deutsche Wirtschaft wieder Fahrt aufnimmt. Für das BIP wird ein Wachstum im laufenden dritten Quartal von 0,4 Prozent und für das zweite Quartal von 0,3 Prozent erwartet. Daten zum zweiten Quartal werden Mitte August erwartet.

Wall Street nicht zu stoppen

Weniger spektakulär, dafür aber konstant gut läuft derzeit die US-Börse. Kein Tag vergeht, an dem der Leitindex Dow Jones nicht zumindest ein paar Punkte auf sein bisheriges Rekordhoch drauf legt. So auch heute, im Tageshoch stand der Dow bisher bei 18.622 Punkten - mühsam aber stetig ernährt sich das Eichhörnchen. Aktuell steht der Leitindex 0,28 Prozent höher bei 18.611 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500-Index will da nicht nachstehen, bisher liegt das neue Rekordhoch bei 2.175 nach zuvor 2.169 Punkten. Am Abend werden noch nach Börsenschluss weitere Unternehmensergebnisse erwartet, unter anderem von Intel.

Euro müde und lustlos bei 1,10 Dollar

Gestützt wurde der Aktienmarkt auch von einer lustlosen Tendenz des Euro, der aktuell weiter mit der Marke von 1,10 Dollar kämpft. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1013 (Dienstag: 1,1035) Dollar fest.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Anfängliche leichte Kursverluste machte der Euro am Nachmittag wieder wett. Das Verbrauchervertrauen in den 19 Ländern der Eurozone hatte sich im Juli trotz der Brexit-Entscheidung in Großbritannien nicht so stark eingetrübt wie erwartet. Der entsprechende Indikator war im Juli um 0,7 Punkte auf minus 7,9 Punkte gefallen, während Volkswirte mit minus 8,0 Punkte gerechnet hatten. Deutlich stärker war der Rückgang jedoch in der EU insgesamt. Hier wird auch Großbritannien noch mitberücksichtigt. Vor dem EZB-Entscheid am morgigen Donnerstag wollten sich viele Marktteilnehmer offensichtlich nicht mehr weit er aus dem Fenster lehnen.

Öl und Gold wenig verändert

Auch am Ölmarkt war wenig los, trotz der geschrumpften US-Rohölvorräte. Die Vorräte seien um 2,34 Millionen auf 519,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) geschrumpft, teilte das Energieministerium am Mittwoch in Washington mit. Experten hatten lediglich ein Minus von 1,3 Millionen Barrel erwartet. Die Reserven bleiben insgesamt auf einem hohen Niveau. Der Goldpreis gab leicht nach. Gold konsoldiert derzeit auf hohem Niveau.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa wirft Auge auf Teile von Air Berlin

Die Deutsche Lufthansa verhandelt laut dem "Handelsblatt" mit Air Berlins größtem Aktionär über einen Kauf von Vermögenswerten des deutschen Konkurrenten. Die Gespräche mit Etihad drehten sich um die Übernahme der dezentralen Verkehre von Air Berlin - also jene Strecken, die nicht über die Drehkreuze Düsseldorf und Berlin führten. Insider berichten, die Verhandlungspartner würden sich annähern.

Deutsche Börse fast am Ziel

Wie der Frankfurter Börsenbetreiber am Mittwoch mitteilte, haben bisher 55,5 Prozent der Aktionäre einer Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) zugestimmt. Finanzchef Gregor Pottmeyer zeigte sich zuversichtlich, die notwendige Schwelle einer Zustimmungsrate von 60 Prozent alsbald zu erreichen. Die Deutsche Börse hatte die ursprüngliche Quote von 75 auf 60 Prozent gesenkt, um auf Nummer sicher zu gehen. Die Annahmefrist wurde gleichzeitig bis zum 26. Juli verlängert. Die LSE-Aktionäre haben bereits grünes Licht gegeben. Größte Hürde ist die Zustimmung der Aufsichtsbehörden, die nach dem Brexit-Entscheid in Großbritannien alles andere als sicher ist.

Kuka zu fast 86 Prozent in chinesischer Hand

Der chinesische Hausgerätehersteller Midea hält nach Ablauf der Übernahmefrist knapp 86 Prozent der Anteile an dem Augsburger Roboterhersteller Kuka. Midea hatte den Kuka-Anteilseignern mit 115 Euro je Aktie einen kräftigen Aufschlag auf den Börsenkurs geboten. Bis zum 3. August haben Nachzügler nun noch Zeit, den Chinesen ihre Aktien anzudienen.

Änderungen bei Stada stehen an

Der Arzneimittelhersteller aus dem MDax will die Vinkulierung seiner Namensaktien abschaffen. Damit setzt Stada eine Forderung aktivistischer Aktionäre durch. Knackpunkt der anstehenden Hauptversammlung am 26. August ist aber weiterhin die Besetzung des Aufsichtsrates. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, dass es bisher schlecht gemanagt und dadurch unter seinen Möglichkeiten geblieben sei. Das Aktionärstreffen wird mit Spannung erwartet. Das Stada-Papier legte 1,76 Prozent zu.

Pfeiffer an der TecDax-Spitze

Aktien von Pfeiffer Vacuum standen mit einem dicken Plus von über sechs Prozent an der Spitze des deutschen Technologieindex. Analysten der Commerzbank halten eine Übernahme des mittelhessischen Unternehmens durch den Hauptaktionär und Konkurrenten Busch-Holding immer noch für möglich. Sie erhöhten ihre Einschätzung von "hold" auf "buy" und das Kursziel von 110 auf 112 Euro. Darüber hinaus erwartet Analyst Adrian Pehl von Pfeiffer ein solides Quartalsergebnis.

Villeroy & Boch setzt mehr um

Der Sanitärhersteller hat die Erlöse im ersten Halbjahr gesteigert, das Ergebnis stagnierte allerdings. Konkret kletterten die Umsatzerlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 398,6 Millionen Euro, wie das Unternehmen aus Mettlach im Saarland am Mittwoch mitteilte. Das Konzernergebnis hingegen stagnierte fast und legte nur von 9,8 auf 9,9 Millionen Euro zu. Den Ausblick bestätigte das Unternehmen, die Umsätze sollen zwischen drei und sechs Prozent anziehen. Sorgen bereitet dem Management das Geschäft in Russland sowie die schwache Baukonjunktur in Italien. Die Aktie bewegte sich kaum.

Syzygy verdient mehr

Die digitale Marketingagentur hat im ersten Halbjahr den Umsatz zwölf Prozent auf 30,8 und das Ebit um 16 Prozent auf drei Millionen Euro gesteigert. Den Ausblick für 2016 bestätigte das Bad Homburger Unternehmen, dessen Aktie im Prime Standard der Deutschen Börse gehandelt wird. Danach sollen die Erlöse auf rund 65 Millionen Euro gesteigert werden.

ASML gibt sich ehrgeizig

Europas größter Chipzulieferer ASML rechnet im laufenden dritten Quartal mit deutlich profitableren Geschäften als zuletzt. Die Bruttomarge wird nun bei zirka 47 Prozent erwartet und damit deutlich höher als in den beiden Quartalen davor. Damit dürfte dieser für Analysten wichtige Wert deutlich höher ausfallen als bislang von den Experten erwartet.

Morgan Stanley über Erwartungen

Aktien der US-Investmentbank liegen in New York nach den Zahlen zum zweiten Quartal über zwei Prozent besser im Markt. Sowohl der Gewinn mit 0,75 Dollar je Aktie, als auch die Gesamteinnahmen mit 8,9 Milliarden Dollar, fielen besser aus als von Analysten prognostiziert.

Weitere Ergebnisse aus Amerika

Der US-Pharmakonzern Abbott Laboratories profitiert von florierenden Geschäften mit Generikaprodukten und medizinischen Geräten. Der Gewinn sei im zweiten Quartal um rund drei Prozent auf 812 Millionen Dollar gestiegen, teilte das Unternehmen mit, das zu Jahresbeginn den HIV-Schnelltest-Anbieter Alere erworben hatte. Der US-Öldienstleister Halliburton ist im zweiten Quartal wegen der gescheiterten Übernahme des Rivalen Baker Hughes massiv in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust lag bei 3,21 Milliarden Dollar nach 54 Millionen Dollar Gewinn im Vorjahr. Nach Börsenschluss in New York (ab 22:00 Uhr MEZ) werden noch Zahlen erwartet von Intel, Ebay, Qualcomm und American Express.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.