Friede, Freude, Eierkuchen?

von Angela Göpfert

Stand: 04.05.2009, 20:05 Uhr

Die Börsen haben ihre unglaubliche Rally fortgesetzt, der Dax stand am Montag so hoch wie seit über drei Monaten nicht mehr. Doch Experten warnen: Langsam wird die Luft dünn für weitere Kursgewinne.

Mit jedem Punkt, den der Dax weiter zulege, wachse die Rückschlagsgefahr. Sollte dem tatsächlich so sein, dann ist dieses Risiko am Montag enorm gestiegen. Schließlich konnte der L-Dax bei einem Zählerstand von 4.895 den Parketthandel beenden, das bedeutete ein Plus von 147 Punkten. Im Laufe des Xetra-Handels war der Dax gar bis auf 4.908 gestiegen.

Auch die US-Börsen verzeichneten kräftige Kursgewinne. Zum Handelsschluss in Frankfurt notierte der Dow Jones 2,2 Prozent, der marktbreite S&P 500 gar 2,4 Prozent im Plus. Neben Aktien von Sprint Nextel, die von überraschend guten Quartalszahlen profitierten, taten sich an der Wall Street ausgerechnet Bank-Aktien positiv hervor.

Konsolidierung im US-Bankensektor geht weiter
Dabei ist gerade bei diesen Titeln die Unsicherheit enorm groß: So verkündete Jamie Cimon, Chef der US-Großbank JPMorgan Chase, dem US-Bankensektor stünde eine weitere Konsolidierungsrunde bevor. "Es gibt immer noch zu viele Banken in den Vereinigten Staaten." Experten befürchten, dass die US-Banken bis zu 150 Milliarden frisches Kapital benötigen dürften, sollte sich der wirtschaftliche Abschwung weiter verschärfen.

Kein Stress wegen Stresstests?
Ob die US-Regierung zu demselben Schluss gelangt ist, wird die Öffentlichkeit erst am Donnerstag erfahren, wenn die Ergebnisse der Banken-Stresstests bekannt gegeben werden. Am Abend hat ein Präsidialamtssprecher lediglich die betroffenen Großbanken zur Deckung eines weiteren Kapitalbedarfs an die Finanzmärkte verwiesen. Die Regierung sehe derzeit keine Notwendigkeit, im Kongress zusätzliches Geld für die Banken zu beantragen. Das beruhigte Märkte.

Die Bank of America dementierte derweil Medienberichte, wonach das Institut zehn Milliarden Dollar frisches Kapital benötige. Dagegen will sich die Citigroup laut Kreisen das benötigte Kapital von privaten Investoren beschaffen, auch Wells Fargo plant angeblich bereits eine Kapitalerhöhung. Aktionären droht für diesen Fall ein Verwässerungseffekt, der den Wert ihrer Anteile schmälern würde. Dennoch verzeichneten Bank-Aktien weit überdurchschnittliche Kursgewinne.

Zykliker im Aufwind
Während in den USA also mal wieder die Banken im Fokus der Anleger standen, waren es am deutschen Aktienmarkt vor allem zyklische Titel. Sie wurden von positiven Konjunkturdaten beflügelt. In China waren die Einkaufsmanagerindizes im April das erste Mal seit Juli 2008 über die wichtige Marke von 50 Punkten gestiegen. Und in den USA hatten die US-Bauausgaben im März überraschend 0,3 Prozent zugelegt, Experten hatten einen Rückgang von 1,5 Prozent prognostiziert.

BASF macht Dividendenabschlag mehr als wett
Das nährte den Konjunkturoptimismus der Anleger. ThyssenKrupp setzte sich mit einem Plus von 8,3 Prozent an die Dax-Spitze, Salzgitter legte 6,8 Prozent zu, BASF 1,7 Prozent. Bereinigt um den Dividendenabschlag in Höhe von 1,95 Euro hat BASF heute gar 8,5 Prozent zugelegt.

Dagegen konnte die Aktie der Deutschen Telekom ihren Dividendenabschlag in Höhe von 78 Cent nicht ganz wettmachen, sie übernahm mit einem Minus von 7,7 Prozent die rote Laterne im Dax.

MAN mit Saudi-Bonus
Unter die Dax-Gewinner reihte sich indes die MAN-Aktie ein. Der Nutzfahrzeughersteller gab am Nachmittag einen Großauftrag bekannt: Saudi-Arabien habe 386 LKWs geordert. Titel von MAN bauten daraufhin ihr Plus aus und gingen mit einem Aufschlag von 7,0 Prozent aus dem Xetra-Handel.

Kauft VW Porsche?
Zu den wenigen Dax-Verlierern zählte dagegen die VW-Aktie. Sie wurde von Medienberichten über einen möglichen Kauf des Sportwagengeschäfts von Porsche oder eine Fusion beider Unternehmen belastet, wogegen die Titel des Sportwagenbauers davon profitierten. Porsche ächzt unter einer zunehmenden Schuldenlast, nach Meinung von Branchenkennern haben sich die Stuttgarter bei der Übernahme von Europas größtem Autobauer verhoben.

HeidelCement hebt ab
Im MDax war die HeidelbergCement-Aktie mit einem Plus von 15,2 Prozent Spitzenreiter. Für den Titel sprachen heute gleich zwei Argumente: Erstens ist der hoch verschuldete Baustoffkonzern laut einem Konzernvorstand nicht auf Notverkäufe zur Schuldentilgung angewiesen. Zweitens dämpfen laut dem Branchenverband der deutschen Zementindustrie die staatlichen Konjunkturpakete den Abschwung des Sektors.

Droht HRE-Aktionären nun die Enteignung?
Die HRE-Aktie ging mit einem minimalen Abschlag bei exakt 1,39 Euro aus dem Handel. Diesen Übernahmepreis ist der Bund bereit, den HRE-Aktionären zu zahlen. Die Frist endet in der Nacht zum Dienstag. Sollte der Bund auf diesem Wege nicht die Mehrheit der HRE-Aktien erhalten, droht den verbliebenen Aktionären - unter ihnen US-Großinvestor JC Flowers - die Enteignung.

Solarworld macht Laune
Im TecDax zogen vor allem Solarwerte die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich. Der Solarkonzern Solarworld hat im ersten Quartal dem Einbruch des Solarmarktes getrotzt und seinen Umsatz gesteigert. Das operative Ergebnis blieb zugleich stabil. Die Solarworld-Aktie stieg um rund drei Prozent. Andere Solartitel verzeichneten noch weit stärkere Kursgewinne, so etwa Phoenix Solar mit plus 17,4 Prozent und Q-Cells mit plus 10,9 Prozent.

Plambeck begeistert
Auch Plambeck Neue Energien legte Quartalszahlen vor. Danach erzielte der Windkraftkonzern in den ersten drei Monaten des Jahres ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 7,2 Millionen Euro nach 1,2 Millionen Euro vor einem Jahr. Plambeck bekräftigte seine Jahresprognose von einem Ebit von 29 bis 33 Millionen Euro. Die Plambeck-Aktie kletterte um über 14 Prozent.

Ölpreis auf Fünf-Wochen-Hoch
Die positiven Konjunkturdaten aus den USA und China haben auch den Ölpreis erneut steigen lassen: Für ein Barrel der US-Sorte WTI wurden bis zu 53,94 Dollar gezahlt - so viel wie seit Ende März nicht mehr.

Der grassierende Konjunkturoptimismus hat am Montag auch den Industriemetallen wie Kupfer und Zink deutlichen Auftrieb verliehen. Auch der Euro profitierte von der gestiegenen Risikoaversion der Anleger und stieg im Tagesverlauf bis auf 1,3424 US-Dollar. Der Dollarverfall stützte auch den Goldpreis, der zu Wochenbeginn wieder anzog und die Marke von 900 US-Dollar je Feinunze übersprang - trotz der steigenden Aktienmärkte.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 21. August

Unternehmen:
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Sonstiges:
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