Marktbericht 20:08 Uhr

Nur Gewinner im Dax Freundliches Börsenwetter zum Wochenstart

Stand: 18.08.2014, 20:08 Uhr

An den Börsen scheint wieder die Sonne: Im Sog der freundlichen Wall Street machte der Dax am Montag die Verluste vom Freitag wett. Von den politischen Krisenherden Ukraine und Irak gab es Hoffnungssignale.

Was für ein Auftakt nach Maß in die neue Börsenwoche! Der Dax kam gut erholt aus dem Wochenende und schoss um 1,7 Prozent nach oben auf 9.245 Punkte. Damit hat er wieder das Niveau von Freitagmorgen erreicht. Ähnlich stark präsentierten sich die deutschen Nebenwerte. MDax und TecDax legten kräftig zu. Allerdings waren die Umsätze im Vergleich zum Freitag relativ dünn. Mehrere Anleger wagten sich nicht aus der Deckung.

Auch an den anderen europäischen Börsenplätzen ging es aufwärts. Der EuroStoxx50 schloss 1,3 Prozent höher bei 3.073 Zählern, der französische Cac40 verbesserte sich um 1,4 Prozent. Und selbst die russische Börse gewann knapp ein Prozent.

Nasdaq auf 14-Jahres-Hoch

Kräftig Auftrieb kam von der Wall Street: Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsschluss fast ein Prozent höher bei über 16.800 Punkten. Die Nasdaq stieg um 0,8 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit dem Boomjahr 2000. Der Nasdaq 100 überwand die Schallmauer von 4.000 Punkten.

Durchatmen in der Ukraine-Krise

Die Aussichten auf eine Entspannung der Ukraine-Krise sowie Erfolge im Kampf gegen die IS-Terrorgruppe im Irak machten den Anlegern Mut. Das Krisentreffen in Berlin mit den Außenministern aus der Ukraine und Russland weckte Hoffnungen auf eine Lösung der verfahrenen Situation. Trotzdem scheint es für eine Entwarnung zu früh. Bei einem Raketenangriff auf einen Flüchtlingskonvoi im Osten der Ukraine wurden am Montag mehrere Menschen getötet. "Solange die Märkte labil sind und auf schlechte Nachrichten aus der Ukraine geschockt reagieren, müssen Anleger jederzeit mit Rückschlägen rechnen", warnte Marktexpertin Sarah Brylewski von Ayondo Markets.

DZ Bank senkt Dax-Prognose

Wegen des anhaltenden Ukraine-Konflikts werden die Aktienstrategen zunehmend vorsichtiger. Die DZ Bank senkte am Nachmittag ihre Dax-Prognose auf 9.800 Punkte zum Jahresende. Bisher hatte die Bank dem deutschen Leitindex einen Sprung auf 10.200 Zähler bis Ende 2014 zugetraut. Auch professionelle Investoren beurteilen die mittelfristigen Chancen an den Aktienmärkten inzwischen pessimistischer. Laut der neuesten Sentix-Studie hätten sich Investmentprofis neu orientiert.

Drohende Rousseff-Niederlage beflügelt Brasiliens Börse

Dagegen hellt sich die Börsen-Stimmung in Brasilien immer mehr auf - wegen schlechter Umfragewerte für Präsidentin Dilma Rousseff. Die Börse in Sao Paulo stieg zu Handelsbeginn um gut ein Prozent. Die von den Anlegern ungeliebte Staatschefin dürfte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verpasssen. Bei einer Stichwahl würde sich der Umfrage zufolge die Umweltaktivistin Marina Silva gegen Rousseff durchsetzen.

Öl und Euro billiger

Der Euro geriet am Nachmittag stark unter Druck. Die europäische Gemeinschaftswährung sackte bis zum Abend auf 1,3355 Dollar ab. Im frühen Handel hatte der Euro noch bei fast 1,34 Dollar gelegen. Händler verwiesen auf gute Zahlen vom US-Immobilienmarkt. Die Stimmung bei den US-Wohnungsbau-Firmen hätte sich im August überraschend aufgehellt. Der NAHB-Wohnungsmarktindex kletterte auf den höchsten Stand seit sieben Monaten. Der Ölpreis sackte derweil weiter kräftig ab. Angesichts der gesteigerten Ölförderung in Libyen verbilligte sich das Nordseeöl der Sorte Brent um über zwei Prozent auf 101,16 Dollar je Barrel. Das ist der niedrigste Stand seit über einem Jahr.

ThyssenKrupp will Sparkurs verschärfen

Im Dax gab es keine Verlierer. Conti führte die Gewinnerliste mit einem Plus von über drei Prozent an, gefolgt von ThyssenKrupp und K+S. Laut einem Vorab-Bericht des "Handelsblatt" will ThyssenKrupp mittelfristig das operative Ergebnis verdoppeln, um wieder eine Dividende zahlen zu können. Zusäötzliche Sparmaßnahmen sollen die Profitabilität verbessern. Zudem sollen weitere Geschäftsteile - zum Beispiel der Bereich Fahrgast-Treppen - veräußert werden.

Auto-Aktien trotzen Negativ-Nachrichten

Auch Autoaktien waren europaweit gefragt. Daimler und BMW stiegen um über zwei Prozent. Dabei musste Daimler in China einen erwarteten Rückschlag einstecken. Nach BMW droht auch Mercedes im Reich der Mitte eine Strafe wegen verbotener Preisabsprachen mit Händlern. Zudem erwägt Russland den Importstopp westlicher Autos, sollten die EU und die USA weitere Sanktionen verhängen.

Porsche schafft Etappensieg

Porsche kann derweil im Rechtsstreit um die VW-Übernahmeschlacht aus dem Jahr 2008 einen Erfolg verbuchen: US-Richter haben die Berufung von Hedgefonds abgewiesen, die auf Schadenersatz in Höhe von mehr als 2,5 Milliarden Dollar geklagt hatten. Das Gericht sieht sich für den Fall nicht zuständig, weil er sich weitgehend außerhalb der USA abgespielt hatte. Die Porsche-Aktien gewannen knapp zwei Prozent.

Steigende Margen in der Vermögensverwaltung

Die Papiere der Commerzbank legten 1,5 Prozent zu - dank eines Interviews in der "Börsen-Zeitung" mit Bereichsvorstand Gustav Holtkemper. Das Finanzinstitut will die Vermögensverwaltung ausbauen und erwartet dabei steigende Margen. Holtkemper sieht eine Bodenbildung bei den Gewinnspannen im Private Banking.

Telekom warnt vor hohen Kosten für Internet-Ausbau

Schlusslicht in der ersten deutschen Börsenliga war die Münchner Rück mit einem Plus von 0,4 Prozent. Etwas schwächer als der Markt tendierte die T-Aktie. Für den kompletten Ausbau des schnellen Internets auch in ländlichen Gebieten wird nach Berechnungen der Deutschen Telekom ein zweistelliger Milliardenbetrag nötig sein. Am Mittwoch stellt die Bundesregierung ihre "Digitale Agenda" vor. Ziel der schwarz-roten Koalition ist es, bis 2018 flächendeckend Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde zu erreichen.

... und treibt Primacom-Aktie in die Höhe

Es sei denkbar, dass die Telekom in nächster Zeit kleinere Kabelanbieter wie Tele Columbus oder Primacom kauft, sagte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme dem "Focus". Die Aussagen trieben die Primacom-Aktie um bis zu 90 Prozent in die Höhe.

Tui plant neue Einschnitte

Im MDax gehörte die Tui-Aktie zu den stärksten Werten. Das Tourismusunternehmen will sich nach der geplanten Großfusion mit der britischen Tochter Tui Travel von mehr als 100 der rund 650 Tochterfirmen trennen. "Wir fokussieren uns auf den Kern", sagte Tui-Chef Fritz Joussen dem "Handelsblatt". Betroffen seien 15 Prozent vom Umsatz und Ergebnis. Die DZ Bank gab eine Kaufempfehlung für die Tui-Titel.

Nordex-Chef macht Wind

Im TecDax schoss die Nordex-Aktie um fast acht Prozent nach oben und machte einen Großteil der Verluste vom Freitag wieder wett. Goldman Sachs hat das Kursziel für den Titel von 19 auf 18,20 Euro gesenkt, die Kaufempfehlung aber bestätigt. Zudem äußerte sich Nordex-Chef Jürgen Zeschky in der "Welt am Sonntag" zu neuen Absatzmärkten in Afrika und zu Übernahmegerüchten.

Fetter Buchgewinn für United Internet

Die Aktien von United Internet zogen ebenfalls kräftig um fast vier Prozent an. Der deutsche "Internet-König" Ralph Dommermuth hat wieder zugeschlagen: United Internet hat sich für 435 Millionen Euro einen Anteil von 10,7 Prozent an Rocket Internet gesichert. Der Deal beschert UI einen kräftigen Buchgewinn von 70 Millionen Euro.

Nexus expandiert

Jenseits der großen Indizes machte die Nexus AG mit einem Umsatz- und Ergebnissprung auf sich aufmerksam. Der im Prime Standard notierte eHealth-Spezialist hat im ersten Halbjahr 2014 seinen Umsatz um zehn Prozent auf 37,8 Millionen Euro und das Konzernergebnis um neun Prozent auf 3,6 Millionen Euro gesteigert. Die Aktie von Nexus legte sechs Prozent zu.

Inder wollen Mifa ganz

Die Mifa-Aktie kletterte nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" um mehr als acht Prozent in die Höhe. Demnach will der indische Fahrradhersteller Hero Cycles die Mehrheit an dem kriselnden Fahrradhersteller übernehmen. In Verhandlungskreisen werde von mindestens zwei Dritteln bis 90 Prozent gesprochen. Von Seiten des Unternehmens gab es keine Bestätigung dafür. Auch eine Sprecherin von Mifa-Großaktionär Carsten Maschmeyer bestätigte den Bericht nicht.

Kaufempfehlung für Bastei Lübbe

Ein positiver Analystenkommentar schob den Kurs von Bastei Lübbe an. Die Aktien verteuerten sich um fast drei Prozent auf 7,76 Euro. Die DZ Bank bekräftigte ihre Kaufempfehlung für Bastei-Lübbe und nannte als Kursziel elf Euro. Mittelfristig habe der Verlag interessante ZUmsatz- und Ertragspotenziale aus der Digitalisierung und Internationalisierung des Geschäfts. Die neuen Bücher von Ken Follett und Greg Kinney könnten zu Blockbustern werden.

Übernahmeschlacht um US-Discounter

Für Aufsehen sorgt in den USA ein Bietergefecht in der Discounter-Branche. Dollar General bietet knapp neun Milliarden Dollar für den Rivalen Family Dollar. Damit wurde das frühere Angebot von Dollar Tree in Höhe von 8,5 Milliarden Dollar übertrumpft. Die Aktien von Dollar General zogen daraufhin um zehn Prozent an, die Papiere von Family Dollar verteuerten sich um fünf Prozent.

Valeant geht bei Allergan in die Verlängerung

Dagegen scheint die Übernahme des Botox-Herstellers Allergan nicht richtig voranzukommen. Der Pharmakonzern Valeant verlängerte die ursprünglich bis Freitagnachmittag vorgesehene Frist für die Annahme der Offerte bis zum Jahresende. Die Aktien von Valeant und Allergan gaben über ein Prozent nach.

Procter & Gamble will Braun von der Klinge springen lassen

Die Aktien von Procter & Gamble stiegen um gut ein Prozent. Der Konsumguter-Riese will sich laut Insidern von mehreren Marken trennen, darunter den deutschen Rasierklingen-Hersteller Braun. Auch der Batterie-Hersteller Duracell steht auf dem Prüfstand.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)