Freundlicher Wochenausklang

Lothar Gries

Stand: 12.09.2008, 20:02 Uhr

Unterstützt von einem überraschend starken Anstieg des US-Verbrauchervertrauens hat der Dax zum Wochenausklang doch noch zugelegt. Der Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank löste dagegen bei den Aktien beider Unternehmen kräftige Kursverluste aus.

Die Aktien der Postbank und der Deutschen Bank haben bis zum Xetra-Schluss mit deutlichen Verlusten auf den Einstieg des Branchenprimus an der Post-Tochter reagiert. Die Deutsche Post hat wie erwartet 29,75 Prozent an die Deutsche Bank zum Preis von 57,25 Euro je Postbank-Aktie verkauft. Gleichzeitig erhält die Post eine Verkaufsoption für die restlichen 20,25 Prozent an der Postbank. Zum Preis von 42,80 Euro.

Die Postbank-Titel rutschen um mehr als sechs Prozent ab und sind die größten Verlierer im Dax, gefolgt von den Papieren der Deutschen Bank, die mehr als 2,5 Prozent abgeben müssen. Deutsche Post-Titel profitierten dagegen von dem Verkauf.

Ein Händler sagte: "Postbank-Aktien will nun wirklich niemand mehr haben - keiner am Markt stützt die Titel und die Fantasie ist völlig raus." Für die Kursverluste der Deutschen Bank machten Börsianer insbesondere den hohen Preis und die angekündigte Kapitalerhöhung verantwortlich.

Der Dax konnte sich am Abend bei 6226 Zählern über der Marke von 6 200 halten, 43 Punkte mehr als gestern. Im Xetra-Handel hatte der Leitindex noch knapp 56 Punkte oder 0,9 Prozent dazugewonnen. Daraus ergibt sich ein leichter Wochengewinn von 1,75 Prozent.

Überraschend gutes Konsumklima in den USA
Zu der Erholung am Nachmittag hat auch das überraschend gute Konsumklima in den USA beigetragen. Der entsprechende Index der Universität Michigan legte im August nach vorläufigen Berechnungen auf 73,1 Punkte von 63,0 Zählern im Vormonat zu. Volkswirte hatten mit einem Stand von 64,0 Punkten gerechnet. Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

Dagegen ist der US-Einzelhandelsumsatz im August um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat gesunken. Dabei hatten Analysten ein Plus von 0,2 Prozent erwartet. Bereits im Juli hatte es ein Umsatzminus von 0,5 Prozent gegeben.

Wer rettet US-Investmentbank Lehman?
Die Anleger seien verunsichert und versuchten noch vor dem Wochenende herauszufinden, wie es mit der krisengeschüttelten Investmentbank weitergehe, hieß es an der New Yorker Wall Street. Die Aktie von Lehman stürzte um mehr als elf Prozent ab, obwohl für die Bank möglicherweise bald Rettung in Sicht ist. Als Favorit für eine Übernahme des Geldhauses wurde am Freitag in Medien- und Analystenberichten die Bank of America (BoA) gehandelt.

Aufsichtsrat der Deutschen Börse gegen Zerschlagung
Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hat dem Vorstand im Kampf gegen die aggressiven Großaktionäre TCI und Atticus den Rücken gestärkt. Das Aufsichtsgremium unterstütze weiter das Geschäftsmodell mit den drei Grundpfeilern Kassamarkt, Terminmarkt und Abwicklungsgeschäft Clearstream, teilte die Deutsche Börse mit. Dabei habe es keine Gegenstimmen gegeben. Auslöser für die überraschend und kurzfristig einberaumte außerordentliche Gremiumssitzung waren frisch aufgekommene Spekulationen, dass TCI und Atticus gemeinsam auf eine Abspaltung des Aktienmarktgeschäfts der Deutschen Börse drängten, um so den kräftigen Kursrückgang der Deutschen-Börse-Aktie zu stoppen. Die Aktie der Deutschen Börse reagiert kaum.

Großer Knall im VW-Aufsichtsrat
Der Machtkampf bei Volkswagen nach dem Einstieg von Porsche hat mit einem massiven Eklat im Aufsichtsrat einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Kontrollgremium des Wolfsburger Autobauers kam es am Freitag zum großen Knall zwischen den Eigentümerfamilien: VW-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, der selbst Miteigentümer von Porsche ist, fiel dem Sportwagenbauer in den Rücken. Mit überraschender Stimmenthaltung ließ er den Antrag der Arbeitnehmerseite passieren, wonach Geschäfte zwischen Porsche und der VW-Tochter Audi nur mit Zustimmung des Wolfsburger Aufsichtsrates geschlossen werden dürfen.

Come-Back der Versorger
Versorger gehören zu den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt. Die im Dax schwer gewichteten Aktien von Eon und RWE legen jeweils um bis zu zwei Prozent zu. "Es gibt keine Nachrichten, aber Versorger werden eigentlich gern als sicherer Hafen genommen, und die Titel haben zuletzt gut Federn gelassen", sagte ein Händler. Seit Monatsbeginn haben die Aktien der beiden Konzerne jeweils mehr als zehn Prozent an Wert eingebüßt und gehören damit zu den Schlusslichtern im Dax.

K+S stark gefragt
Nach den heftigen Kursverlusten in den vergangenen Tagen gehen Rohstofftitel wie Salzgitter oder K+S wieder auf Klettertour. Händler verweisen auf eine technische Erholung nach den teils heftigen Kursverlusten der vergangenen Tage. "Fundamentale Gründe gibt es nicht", so ein Börsianer.

SAP überzeugt
Gut in Form präsentieren sich auch SAP. Grund sind die Aussagen auf einer Investorenkonferenz am Vortag. "SAP will sich auf die Steigerung der Profitabilität konzentrieren und hat wiederholt, dass sie nicht vom langsameren Wirtschaftswachstum in Europa betroffen sind", sagte ein Marktbeobachter.

BASF erwartet Fusionswelle
Der Chef des weltgrößten Chemiekonzerns BASF, Jürgen Hambrecht, erwartet eine neue Fusionswelle in der Chemiebranche. Die BASF werde aber nur zukaufen, wenn eine Übernahme ihr ein profitables Wachstum ermögliche, sagte Hambrecht dem "Handelsblatt". "Die BASF befindet sich in einer besseren Position als die meisten Wettbewerber und ist daher nicht gezwungen, um jeden Preis zuzukaufen", sagte der Manager.

Tui kräftig unter Druck
Die Aktie des Reisekonzerns ist der drittgrößte Verlierer im Dax. Grund ist die Insolvenz des drittgrößten britischen Reiseanbieters XL Leisure Group. "Es sind dunkle Wolken über der Branche aufgezogen. Das zeigt, wie knapp in der Branche kalkuliert wird", sagte ein Händler.

EADS größter Verlierer im MDax
Im MDax verlieren EADS mehr als sechs Prozent. Die französische Zeitung "Les Echos" hatte gemeldet, dass sich der Jungfernflug des Militärtransporters A400M weiter verzögern dürfte. Dies könnte dazu führen, dass weitere Rückstellungen das Ergebnis von EADS im zweiten Halbjahr belasten. Das wurde von EADS zwar dementiert, doch musste der Konzern bereits im letzten Jahr 1,4 Milliarden Euro für Mehrkosten bei der A400M-Entwicklung zurückstellen.

Die Aktien des Hamburger Hafenbetreiber HHLA gewinnen deutlich. Die UBS hat die Papiere in einer Ersteinschätzung mit "Buy" und einem Kursziel von 55 Euro bewertet.. Der Gewinn je Aktie dürfte unter anderem durch Kapazitätsausweitungen bis 2010 um 37 Prozent steigen.

Solarkaktien mal auf der Sonnenseite
Im TecDax brennen Solarkaktien ein Kursfeuerwerk ab. "Die Stimmung für Solarwerte wird wieder besser und die Investoren decken sich wieder ein", sagte ein Händler. Bei Q-Cells hilft außerdem eine Vereinbarung mit LDK Solar zur Herstellung von Siliziumwafern. Auch Nordex können nochmals zulegen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)