Freundlicher Wochenauftakt

Lothar Gries

Stand: 11.08.2008, 20:03 Uhr

Der weitere Rückgang der Ölpreise und ein erstarkender Dollar haben dem Dax am Montag einen weiteren Zugewinn beschert. Getrasgen wurde der Aufwärtstrend vor allem von den Auto- und Finanzwerten. Händler warnen jedoch vor übertriebenem Optimismus.

Im Abendhandel konnte der Dax seine Kursgewinne weiter ausbauen. Hatte der Leitindex im Xetra-Handel noch 48 Punkte höher geschlossen als am Freitag, kletterte er bis 20 Uhr um knapp 53 Punkte oder 0,8 Prozent auf 6636 Zähler. Unterstützung erhielt der Dax auch aus den USA, wo die Wall Street nach anfänglichen Verlusten am frühen Abend ins Plus drehte. Alle drei großen Indizes verbuchten bis zum New Yorker Nachmittag Gewinne von mehr als einem Prozent. Grund war auch hier der weiter rückläufige Ölpreis sowie ein steigender Dollar.

Trotz der Aufwärtsbewegung warnen Börsianer aber vor zu großem Optimismus. "Wo sollen weitere Kursgewinne denn herkommen", fragte ein Händler im Hinblick auf die sich verschlechternde Konjunktur. Der Rückgang beim Ölpreis und die Erholung des Dollar könnten bestenfalls für ein Zwischenhoch sorgen, so ein Händler.

Größter Gewinner im Dax sind die Papiere von BMW, gefolgt von Adidas und der Postbank. Auch andere Auto- und Finanzwerte gewinnen deutlich. Dazu gehören auch die Papiere von Daimler, nachdem am Morgen Spekulationen über einen mögöichen Einstieg des Staatsfonds von Abu Dhabi aufgekommen waren.

Auf der Verliererseite stehen die beiden Versorger Eon und RWE ganz oben. Zwar konnten sie ihre Tagesverluste von zeitweise zwei Prozent am Ende verringern, doch es blieben Abschläge von mehr als einem Prozent. Als Grund nannten Händler die Erwartung schwächelnder Quartalszahlen am Mittwoch und Donnerstag. Zudem will das Kartellamt bis zum Jahresende entscheiden, ob die Gasversorger ihre Preise nach unten korrigieren müssen.

Ölpreis rutscht deutlich ab

Die Ölpreise haben am Montag nach anfänglichen Kursgewinnen im frühen Abendhandel deutlich ins Minus gedreht. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im September fiel auf 113,20 US-Dollar. Das waren zwei Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September fiel um 1,89 Dollar auf 111,42 Dollar. Nach Ansicht von Experten ist die Ölversorgung durch den Kaukasus-Konflikt nicht gefährdet.

Zudem fiel der Euro heute auf 1,49 Dollar und damit 10 Cent niedriger als zu seinem bisherigen Höchststand Mitte Juli von knapp 1,60 Dollar.

Conti dementiert Kaufabsichten
Laut Vorstandschef Manfred Wennemer führt Continental derzeit keine Gespräche oder Verhandlungen über den milliardenschweren Kauf eines Autozulieferers. Dies schreibt Wennemer in einer Stellungnahme an die Aufsichtsräte, die der Deutschen Presse-Agentur übermittelt wurde. Damit dürfte sich das am Wochenende aufgekommene Gerücht über die angeblichen Kaufabsichten eines Konkurrenten für drei Milliarden Euro als haltlos erweisen. Die Conti-Aktie kann von den Gerüchten nicht profitieren und notiert ein Prozent im Minus.

Ähnlich unter Druck stehen die Anteilsscheine des Reise- und Schifffahrtkonzerns Tui. Morgan Stanley hat das Kursziel für die Papiere von 17 auf 12 Euro zurückgeschraubt. Die Analysten verwiesen auf Presseberichte, wonach erste Kaufgebote für Hapag Lloyd nur bei 3,1 bis 3,4 Milliarden Euro liegen und damit deutlich unter den vom Management ursprünglich anvisierten fünf Milliarden und den als Minimum gesetzten vier Milliarden Euro.

Heidelberger Druck auf Erholungskurs
Die Aktien von Heidelberger Druck haben die Kursgewinne aus der Vorwoche kräftig ausgebaut und legten zeitweise mehr als 16 Prozent zu. Am Abend erreicht das Kursplus immerhin noch 7,5 Prozent. "Einen unmittelbaren Auslöser für die heutige Rally kann ich nicht erkennen", sagte ein Händler. "Allerdings gehört die Aktie zu den großen Verlierern der vergangenen Monate. Entsprechend überproportional profitiert sie von der Erholung des Gesamtmarktes."

Massive Kursgewinne von knapp sechs Prozent verzeichnet auch der ebenfalls im Mdax notierte Baukonzern Hochtief, obwohl die Papiere heute von mehreren Analysten herabgestuft wurden. Größter Kursgewinner im Mdax sind jedoch überraschend die Papiere von Pro Sieben Sat1. Händler sprachen von Nachholbedarf der in den letzten Monaten arg gebeutelten Aktie.

Bouygues mit Umsatzplus
Der französische Mischkonzern Bouygues hat mit einem Umsatzplus von 15 Prozent in der ersten Jahreshälfte die Markterwartungen übertroffen. Vor allem ein florierendes Geschäft im Straßen-, Immobilien- und Baubereich habe dazu beigetragen, teilte Bouygues am Abend mit. Der Konzernumsatz wuchs in den sechs Monaten zum 30. Juni auf 15,3 Milliarden Euro und lag damit über den Schätzungen der Analysten von 15,1 Milliarden Euro.

QSC profitiert von höherer Prognose
Die Anhebung der Prognose hat den Papieren des Telekommunikations- und Internetunternehmen QSC einen kräftigen Schub verliehen. Die Firma hat im zweiten Quartal ihren Umsatz um 26 Prozent auf 100,2 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 30 Prozent auf 14,2 Millionen Euro. Das Unternehmen erwartet nun einen Jahresumsatz von mehr als 405 Millionen Euro und ein Ebitda von mehr als 60 Millionen Euro. Bisher hatte man mit einem Umsatz am oberen Ende der Spanne von 385 bis 405 Millionen Euro und einem Ebitda am oberen Ende der Spanne von 50 bis 60 Millionen Euro gerechnet.

Pfleiderer schließt höher
Der Bau- und Möbelzulieferer Pfleiderer hat seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr gesenkt. Das im MDax notierte Unternehmen rechnet 2008 nur mit Erlösen zwischen 1,8 und 1,9 Milliarden Euro. Bisher hatte Pfleiderer zwei Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Durch die Werksverlagerung von Kanada in die USA, wo die Holzpreise deutlich niedriger sind, will der Konzern seine Ertragskraft wieder steigern. "Wir arbeiten unsere Hausaufgaben ab", sagte Overdiek, der auch für das zweite Halbjahr mit einem Gewinn in Nordamerika rechnet. Das genügte, um die Papiere letzlich um knapp zwei Prozent steigen zu lassen.

HCI korrigiert nach unten
Die Aktie des Finanzdienstleisters HCI Capital kann sich von seinem Einbruch am Vormittag zwar erholen, geht aber mit einem leichten Minus aus dem Handel. Der Fondsanbieter hat seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2008 zurückgeschraubt. Bisher ging das Unternehmen von einem Gewinn von 33 Millionen Euro. Nun rechnet HCI nur mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Das veranlasst zahlriche Analysten zu herabstufungen. Auch die Anteilsscheine des HCI-Großaktionärs MPC leiden.

Dyckerhoff enttäuscht
Deutschlands zweitgrößter Zementhersteller Dyckerhoff hat im ersten Halbjahr seinen Überschuss von 96 Millionen Euro vor Jahresfrist auf 142 Millionen Euro nach oben geschraubt. Der Umsatz kletterte um 19 Prozent auf 964 Millionen Euro. Die Papiere geben trotzdem nach.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat