Freudenwoche für die Anleger

Stand: 01.07.2011, 20:00 Uhr

Mit deutlichen Gewinnen geht für die Investoren eine turbulente Börsenwoche zu Ende. Die Griechenkrise ist vorerst abgehakt und die US-Wirtschaft sendet positive Signale. Also griffen die Anleger beherzt zu.

Mit einem Aufschlag von mehr als einem halben Prozent auf 7.419 Punkten ging der deutsche Leitindex aus einer Woche, die ganz im Zeichen der griechischen Schuldenkrise gestartet war. Nach lethargischem Beginn fassten die Investoren frischen Mut und füllten auch am Freitag wieder ihre Depots. Auf Wochensicht gewann der Dax 4,2 Prozent - eine Traumquote.

Bereits die Erleichterung über die Zustimmung Griechenlands zum Sparpaket hatte für eine kleine Kursrally gesorgt. Der Late Dax ging mit einem Plus von 0,8 Prozent bei ebenfalls 7.419 Punkten aus dem Handel.

Wachen die USA wieder auf?
Auschlaggebend für die Freitagsgewinne waren überzeugende Konjunkturdaten aus den USA: Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager stieg auf 55,3 von 53,5 Punkten im Vormonat. Experten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 51,8 Punkte gerechnet.

"Mit dem unerwarteten Anstieg des nationalen Einkaufsmanagerindexes dürften Konjunktursorgen nachlassen, denn Marktteilnehmer hatten vereinzelt befürchtet, dass der Index sogar die Expansionsschwelle von 50 Punkten unterschreiten könnte", kommentierte Helaba-Expert Ulrich Wortberg. Zuletzt hatten die Investoren um den Zustand der US-Wirtschaft gebangt, nachdem sich Fed-Boss Ben Bernanke kritisch über die zukünftigen Aussichten geäußert hatte.

"Nur eine Delle"
Die Aktuelle Schwächephase in der US-Wirtschaft ist nach Einschätzung der Postbank ohnehin nur eine Konjunkturdelle. "Nun scheint es so, als ob sich die Stimmung in der US-Industrie wieder stabilisiert", schreibt die Postbank. Das die Bauausgaben in im Mai zum sechsten Mal in Folge fielen, wurde von den Anlegern dagegen ignoriert.

In den USA können sich die Anleger vor dem verlängerten Wochenende gelassen zurücklehnen: Am Abend notierte der Dow Jones mehr als ein Prozent im Plus und steuerte auf die beste Handelswoche des Jahres zu. Wegen des "Independence Day" am Montag steht in den USA findet dort kein Börsenhandel statt.

ThyssenKrupp behält Blohm & Voss
Im Dax kleben nur wenige Unternehmen in der Verlustzone fest: Schlusslicht war der Stahlkonzern ThyssenKrupp. Anders als geplant wird der zivile Teil der Schiffsbauwerft Blohm + Voss nicht an den arabischen Schiffbauer Abu Dhabi Mar verkauft. "Innerhalb des langen Verhandlungszeitraums haben sich die politischen Rahmenbedingungen im Mittleren Osten geändert", teilte das Unternehmen mit. Negativ für die Stimmung, konstatieren Marktbeobachter.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,20
Differenz relativ
-0,62%

BMW verliert Tempo
Die Aktie von BMW büßt mehr als ein Prozent ein. Die Experten von Banco Santander stellten in einer Analyse fest, dass die Papiere nur noch wenig Aufwärtspotenzial hätten, nachdem sie in den vergangenen zwölf Monaten 77 Prozent an Wert gewonnen hatten, zitierten Händler die Santander-Analysten.

Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
189,36
Differenz relativ
-0,75%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,61
Differenz relativ
-1,43%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,19
Differenz relativ
-2,16%

Finanzwerte bei Anlegern beliebt
Für Banken- und Versicherungswerte ging es dagegen aufwärts, nachdem sich Branchenvertreter mit der Bundesregierung auf eine Beteiligung der Finanzinstitute an Hilfen für Griechenland geeinigt hatten. Commerzbank gewannen mehr als sechs Prozent, Allianz und Deutsche Bank legen ebenfalls zu.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,64
Differenz relativ
-1,11%

Gehört MAN schon VW?
Volkswagen kontrolliert möglicherweise bereits über 50 Prozent des Lkw-Bauers MAN. Eine mit der Situation vertraute Person sagte zu Reuters, es hätten überraschend viele Aktionäre das Übernahmeangebot des Wolfsburger Autoherstellers angenommen. Damit sei aller Voraussicht nach auch die 50-Prozent-Schwelle überschritten worden. VW will den Informationen zufolge am Montag die genaue Höhe der Beteiligung bekanntgeben. Die MAN-Aktie gewann mehr als drei Prozent.

HeidelDruck führt den MDax an
Nach den jüngsten Kurseinbrüchen nutzen die Anleger den Kurs der HeidelDruck-Aktie zum Einstieg. Die Aktien des Maschinenbauers stiegen zeitweise um mehr als 13 Prozent. Im Juni hatten HeidelDruck mehr als 15 Prozent verloren. Gestützt auf eine erfolgreiche Refinanzierung und in Erwartung eines ordentlichen Auftragsschubs bei der im nächsten Jahr anstehenden Branchenmesse Drupa dürften die Aktien Luft nach oben haben, schrieben die Analysten der Berenberg Bank und empfahlen zu kaufen.

Praktiker bricht ein
Die Aktie von Praktiker ging nach einer Gewinnwarnung auf Talfahrt und büßte rund 18 Prozent ein. Bei 4,78 Euro erreichte sie den tiefsten Stand seit April 2009. "Die Reaktion ist wohl deshalb so heftig, weil erst gestern die Baumarktkette Hornbach gute Zahlen für das erste Geschäftsquartal gemeldet hatte. Da hatte man das auch auf Praktiker übertragen und stattdessen geben die nun eine Gewinnwarnung heraus", sagte ein Händler.

Providence steigt bei Kabel Deutschland aus
Der Finanzinvestor Providence ist komplett bei Kabel Deutschland (KD) ausgestiegen. Die US-Firma habe ihre verbliebenen 20 Millionen Aktien am Markt platziert, teilte ein KD-Sprecher mit. Unterdessen bauen ProSieben und Kabel Deutschland ihre Zusammenarbeit mit einer Vertriebskooperation aus. Auf der heutigen HV hob ProSieben ferner die Umsatzprognose an. Beifall der Investoren, die KD-Aktie gab dagegen nach.

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
28,42
Differenz relativ
-3,56%

Leoni-Kapitalerhöhung belastet
Leoni-Aktien sind mit minus fünf Prozent im MDax weit hinten. Belastend wirkt sich die zehnprozentige Kapitalerhöhung aus. Binnen Jahresfrist waren Leoni-Aktien allerdings sehr stark gestiegen.

Freenet ex Dividende
Das Mobilfunkunternehmen aus dem TecDax schüttet heute 0,80 Euro je Aktie aus und wird daher ex Dividende gehandelt. Die Aktie schließt bei 8,82 Euro, ein "Minus" von 7,7 Prozent.

Prime Office startet mit Gewinnen...
Der Immobilienanbieter Prime Office startete heute im Prime Standard mit einem ersten Kurs von 6,85 Euro. Der Ausgabepreis lag bei 6,20 Euro und damit deutlich unter der ursprünglich angesetzten Spanne zwischen 7,00 und 9,50 Euro. Der Börsengang sollte ursprünglich am 24. Juni stattfinden, war aber verschoben worden.

... für China Specialty Glass geht es abwärts
Neu in den Prime Standard kommt heute auch die Aktie des chinesischen Glasherstellers. Aber die Aktie notiert aktuell mit 7,75 Euro deutlich unter dem Ausgabepreis von neuen Euro. Der Gesellschaft fließen 23.85 Millionen Euro zu, der Streubesitz liegt bei rund 28 Prozent.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr