Marktbericht 20:00 Uhr

Dax schließt erneut klar im Plus Freudentag an den Börsen

Stand: 16.07.2015, 20:00 Uhr

Die Anleger können vorerst die Griechenland-Krise abhaken. Nach dem "Ja" des griechischen Parlaments haben die EU und die EZB Athen mit Finanzierungshilfen eine Atempause verschafft. An Europas Börsen herrschte Kauflaune.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zeitweise kletterte der Dax auf bis 11.787 Punkte. Zum Xetra-Schluss verblieb ein kräftiges Plus von 1,5 Prozent bei 11.716 Punkten. Damit setzte der deutsche Leitindex seine atemberaubende Erholungserie fort und schloss den siebten Tag hintereinander mit Gewinnen. Seit seinem Tief Mitte vergangener Woche hat er rund 1.000 Punkte zugelegt. Der EuroStoxx50 zog ebenfalls um 1,5 Prozent an.

Weg frei für neue Griechen-Hilfen

Anleger honorierten die Entspannungssignale zur Griechenland-Krise. Zunächst gab das "Ja" des griechischen Parlaments zu den nötigen Reformschritten einen Schub. Am Nachmittag legten die europäischen Institutionen nach. Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte überraschend die Obergrenze für die Notfallkredite an griechische Banken für eine Woche um 900 Millionen Euro. Zugleich einigten sich die Euro-Finanzminister darauf, Griechenland eine erste Brückenfinanzierung zu gewähren- mit Hilfen aus dem EFSM-Fonds. "An den Aktienmärkten stehen jetzt fast alle Ampeln auf grün", meinte ein Marktteilnehmer.

Der "Grexit" ist vorerst vom Tisch. Allerdings sei das Votum der Griechen nicht mehr als ein "erster Schritt zur Lösung", warnten die Analysten der Commerzbank in einem Marktkommentar. "Es lauern noch viele Probleme." So müssen mehrere Parlamente, darunter Deutschland, Frankreich und die baltischen Staaten, einem neuen Hilfsprogramm für Hellas zustimmen.

Draghi sieht Geldschwemme positiv

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Auf der Pressekonferenz nach der EZB-Zinssitzung hob Präsident Draghi außerdem die Erfolge der Staatsanleihen-Käufe hervor. "Unsere Maßnahmen tragen zum Wirtschaftswachstum bei", sagte er. Die EZB sieht laut Draghi weiter eine breite konjunkturelle Erholung in der Eurozone. Nach Einschätzung der Notenbank haben sich die jüngsten Unsicherheiten an den Finanzmärkten nicht auf die Konjunkturerwartungen der EZB ausgewirkt. Das milliardenschwere Wertpapierkaufprogramm soll unverändert bis September 2016 fortgesetzt werden.

Euro unter 1,09 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Entspannungssignale aus Griechenland konnten dem Euro nur kurze Zeit helfen. Am  Abend rutschte er wieder unter die Marke von 1,09 Dollar. Wegen der immer näher rückenden US-Zinswende blieb er aber unter Druck. Fed-Präsidentin Janet Yellen hatte bekräftigt, noch in diesem Jahr die Zinsen anheben zu wollen.

Philly-Fed-Index unerwartet schwach

Neue US-Konjunkturdaten gaben keine eindeutigen Impulse. Der Philly-Fed-Index sank im Juli überraschend um 9,5 Punkte auf 5,7 Zähler. Volkswirte hatten mit 12,0 Punkten gerechnet. Dagegen sanken die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe unerwartet stark – um 15.000 auf 281.000 zurück. Die Prognosen lagen bei 285.000 Anträgen.

Citigroup glänzt...

Citigroup: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Die guten Signale aus Griechenland gaben der Wall Street Auftrieb, wenn auch nicht ganz so stark wie in Europa. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsende 0,2 Prozent höher, der S&P 500 legte 0,6 Prozent zu, die Nasdaq stieg um ein Prozent. Von der US-Berichtssaison kamen positive Impulse. Beim US-Krankenversicherer UnitedHealth sprudelt dank Geschäften mit Beratung und Gesundheitsmanagement weiter das Geld. Der Umsatz wuchs um elf Prozent, der Gewinn um 13 Prozent. Die Prognose wurde erneut angehoben. Auch die US-Großbank Citigroup überraschte positiv. Das Geldinstitut verdiente mit 4,85 Milliarden Dollar so viel wie seit acht Jahren nicht mehr. Im Vorjahresquartal waren es nur 181 Millionen Dollar gewesen. Die Citibank-Aktien notieren über drei Prozent höher.

...und Goldman Sachs enttäuscht

Goldman Sachs: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Dagegen konnte Goldman Sachs die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Altlasten aus der Finanzkrise verhagelten den "Goldmännern" das zweite Quartal. Um weitere Hypothekenklagen aus der Welt zu räumen, legte die US-Investmentbank überraschend 1,45 Milliarden Dollar zur Seite. Die Folge: der Nettogewinn schrumpfte um mehr als die Hälfte auf nur noch 916 Millionen Dollar. Die Goldman-Aktie fiel um über ein Prozent.

Ebay verschlankt sich

Am Donnerstag gab auch Ebay den Verkauf seiner Unternehmenssparte für 925 Millionen Dollar an Permira bekannt. Weil der Internet-Konzern den Wert der Sparte korrigierte, schmolz der Quartalsgewinn um 88 Prozent auf 83 Millionen Dollar. Die Erlöse stiegen um sieben Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar. Ebay trennt sich am Freitag von seinem lukrativen Bezahldienst PayPal. Die Ebay-Aktie liegt über drei Prozent im Plus.

Autoaktien auf der Überholspur

Im Dax waren vor allem Autowerte heiß begehrt. Die Aktien von BMW und Daimler gewannen über zwei Prozent. Auf der Pole Position im Dax lagen die Titel von Conti mit einem Plus von knapp drei Prozent. Händler begründeten dies mit den guten Absatzzahlen auf dem europäischen Automarkt. Die Neuzulassungen in der Europäischen Union stiegen im Juni um 14,6 Prozent auf 1,36 Millionen. Es war der stärkste monatliche Zuwachs seit fünfeinhalb Jahren. In Spanien war das Plus mit 23,5 Prozent besonders stark.

Banken-Index auf Mehrjahres-Hoch

Von der Billigung der Reformmaßnahmen durch das griechische Parlament profitierten die Bankenwerte europaweit. Papiere der Commerzbank und der Deutschen Bank zogen um knapp zwei Prozent an. Im EuroStoxx50 komplettierten BNP Paribas und Santander das positive Bild. Der Branchenindex des Stoxx 600 kletterte auf den höchsten Stand seit Februar 2011.

Deutsche Bank empfiehlt SAP

Die Aktien von SAP stiegen um über zwei Prozent dank einer Kaufempfehlung durch die Deutsche Bank. Der zuständige Analyst traut den Software-Papieren ein Kursziel von 78 Euro zu - also gut zehn Euro mehr als das aktuelle Niveau. Positiv stimmt den Experten vor allem der steigende Anteil gut planbarer Erlöse aus Service- und Wartungsverträgen, die die Gewinnqualität steigerten.

Dürr zuversichtlich für China

Im MDax führte Dürr die Gewinnerliste an. Der Autozulieferer bleibt trotz der Börsenturbulenzen in China zuversichtlich für sein wichtiges China-Geschäft. "Wir gehen davon aus, dass auch 2015 ein Jahr mit einem starken China-Geschäft wird", sagte Finanzvorstand Ralph Heuwing dem Magazin "Börse Online". Das prozentuale Wachstum des Automarktes sei inzwischen zwar etwas geringer, die absolute Zahl der Pkw-Neuzulassungen aber weiterhin viel höher als vor fünf Jahren.

Tele Columbus schluckt Primacom

Tele Columbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aus dem SDax ragte Tele Columbus mit einem Plus von sieben Prozent heraus. Der drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber kauft den kleineren Leipziger Rivalen Primacom. Vor Berücksichtigung von Barbeständen und Verbindlichkeiten liege der Kaufpreis bei 711 Millionen Euro, teilte Tele Columbus mit. "Dies ist eine zukunftsweisende Transaktion für Tele Columbus, mit der wir unsere Position als Nummer 3 im deutschen Kabelmarkt weiter ausbauen und einen starken Marktakteur schaffen", sagte Tele Columbus-Vorstandschef Ronny Verhelst.

Drägerwerk schockt

Im TecDax brach Drägerwerk um fast neun Prozent ein. Der Medizintechnikkonzern revidierte seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr. Drägerwerk peilt nun eine operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) zwischen fünf und sieben Prozent an. Ursprünglich wurde eine Marge zwischen sechs und acht Prozent prognostiziert. "Die Senkung der Prognose ist frustrierend, aber unserer Meinung nach war sie vom Markt weithin erwartet worden", urteilen die Analysten der Berenberg Bank.

Wirecard traut sich mehr zu

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wirecard-Aktien legten nach vorläufigen Quartalszahlen 2,5 Prozent zu. Der Spezialist für Zahlungsabwicklungen im Internet stockte seine Zielspanne für das operative Jahresergebnis (Ebitda) etwas auf. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen rechnet Wirecard nun mit einem Ergebnis von 220 bis 232 Millionen Euro. Zuvor hatte man sich 210 bis 230 Millionen Euro zugetraut.

SMA beendet Höhenrausch

SMA Solar: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Kursrally bei SMA Solar ist ins Stocken geraten. Nach plus 82 Prozent in einer Woche gaben die Papiere des Herstellers von Wechselrichtern fast sechs Prozent nach. Börsianer hatten die Rally seit der Prognoseanhebung des Unternehmens mit einem "Short Squeeze" begründet.

Asian Bamboo senkt Ziele

Aus der dritten Reihe hat am Donnerstagabend nach Xetra-Schluss Asian Bamboo eine Gewinnwarnung ausgegeben. Die Umsatzprognose wurde für das laufende Geschäftsjahr von acht auf zwei Millionen Euro gesenkt. Beim operativen Cash-Flow wird jetzt mit einem negativen Ergebnis von rund drei Millionen Euro gerechnet. Bisher war ein negativer Cash-Flow von zwei Millionen Euro in Aussicht gestellt worden. Als Grund für die Reduzierung der Jahresprognose nannte Asian Bamboo die Insolvenzanträge von Deg und Proparco. Die Aktie ist inzwischen ein Penny Stock. Asian Bamboo ist kein Einzelfall. Die meisten in Frankfurt gelisteten China-Aktien erwiesen sich als Rohrkrepierer.

HRE schafft gutes Börsen-Comeback

Die Kernbank der notverstaatlichten Hypo Real Estate (HRE) ist mit Gewinnen an der Börse gestartet. Die Aktien der Deutschen Pfandbriefbank (PBB) schlossen am ersten Handelstag bei 11,45 Euro - klar über dem Ausgabepreis von 10,75 Euro, der am unteren Ende der Emissionsspanne gelegen hatte. "Für eine Bank, die erst für 2019 eine Rendite von acht Prozent anpeilt, kann man nicht viel zahlen", kommentierte ein Börsianer den relativ geringen Emissionspreis. "Die Investoren saßen von Anfang an am längeren Hebel."

Starker Franken trifft Swatch

Aus dem nahen Ausland meldete Swatch Quartalszahlen. Der Gewinn brach um fast ein Fünftel auf 548 Millionen Franken ein. Der Umsatz stieg zu konstanten Wechselkursen um 3,6 Prozent auf 4,248 Milliarden Franken. Wegen der bevorstehenden Lancierung neuer Produkte erwartet der Uhrenhersteller, dessen Sortiment von günstigen Plastikuhren bis zu edlen Zeitmessern der Marken Omega und Glashütte reicht, aber ein starkes zweites Halbjahr.

Gemalto muss bangen

An der Amsterdamer Börse gerieten am Donnerstag die Aktien des klassischen Handy-Sim-Karten-Anbieters Gemalto unter Druck. Sie büßten fast sieben Prozent ein. Laut einem Bericht der "Financial Times" wollen die beiden großen Smartphone-Hersteller Apple und Samsung die Initiative des Branchenverbands GMSA zur Einführung einer elektronischen SIM-Karte unterstützen. Damit könnten Handy-Kunden künftig den Anbieter wechseln, ohne vorher eine neue Sim-Karte in das Gerät einzulegen.

Gegenwind für die Telekom Austria

Durchwachsene Halbjahreszahlen hat die österreichische Telekom Austria vorgelegt. Zwar steigerte die Telekom dank einer besseren Entwicklung in Österreich und dem laufenden Sparprogramm ihr bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) um gut sieben Prozent auf 665,3 Millionen Euro. Der Umsatz stagnierte jedoch bei 1,94 Milliarden Euro. Deshalb nimmt die Telekom Austria ihre Umsatzprognose zurück. Statt eines Wachstums von zwei Prozent geht das zum Firmenimperium des Milliardärs Carlos Slim gehörende Unternehmen nun von Erlösen auf dem Vorjahresniveau aus.

Garmin warnt

Die Aktien des Navigationsgeräte-Herstellers Garmin brachen am Donnerstag um rund elf Prozent ein. Das ist der größte Kurssturz seit über zwei Jahren. Garmin kürzte sein Gewinnziel für das laufende Jahr von 3,10 Dollar je Aktie auf 2,65 Dollar je Aktie. Analysten hatten durchschnittlich mit drei Dollar je Titel gerechnet.

Kundenandrang bei Netflix

Dagegen sprangen die Aktien von Netflix zweistellig nach oben. Die US-Onlinevideothek hat im zweiten Quartal überraschend viele Kunden hinzugewonnen. Die Zahl der Abonnenten sei auf Jahressicht um etwa 3,3 Millionen auf nunmehr 65 Millionen gewachsen, teilte der Streaminganbieter mit. Die Erlöse seien um knapp 23 Prozent auf 1,64 Milliarden Dollar gestiegen.

Intel-Aktie auf Berg- und Talfahrt

Bessere Geschäfte bei Datenzentren haben Intels Schwächen im PC-Segment zum Teil ausgeglichen. Der weltgrößte Chiphersteller gab für das zweite Quartal einen Umsatzrückgang auf 13,19 Milliarden Dollar bekannt. Der US-Konzern blieb damit allerdings über den Erwartungen der Analysten von 13,04 Milliarden Dollar. Die Intel-Aktien eröffneten zunächst klar im Plus, drehten dann aber ins Minus.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 15. August

Unternehmen:

Zur Rose Group: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Stratec: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
ADO Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Leoni: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
LPKF: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Cisco Systems: Q4-Zahlen, 22:05 Uhr
MVV Energie: Q3-Zahlen
Vestas: Q2-Zahlen

Konjunktur
Großbritannien: Verbraucherpreise 07/18, 10:30 Uhr
USA: Produktivität Q2, 14:30 Uhr
USA: Empire State Index 08/18
USA: Einzelhandelsumsatz 07/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 07/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 07/18, 15:15 Uhr
USA: Lagerbestände 06/18, 16:00 Uhr
USA: NAHB-Index 08/18, 16:00 Uhr
USA: Energieministerium Ölpreise (wöchentl.), 16:30 Uhr

Sonstiges:
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