Freitagsgerüchte treiben den Dax

Detlev Landmesser

Stand: 13.04.2007, 20:31 Uhr

Mit dem höchsten Stand seit September 2000 ging der Dax ins Wochenende. Dazu trugen vor allem frische Übernahmegerüchte bei, die besonders gerne freitags gestreut werden.

Der L-Dax beendete die Woche mit 7.214,51 Punkten auf einem neuen Sechseinhalb-Jahres-Hoch. Damit koppelte sich der deutsche Markt sogar kurzfristig von der US-Tendenz ab.

An der Wall Street trübte der überraschende Einbruch des US-Verbrauchervertrauens im April die Laune. Der entsprechende Index der Uni Michigan fiel nach vorläufigen Berechnungen von 88,4 auf 85,3 Punkte, und damit den tiefsten Stand seit acht Monaten. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf 87,5 Punkte gerechnet.

Dagegen dämpften die US-Erzeugerpreise im März die Sorgen um den inflationären Druck in den USA. Zwar lag die Teuerung mit 1,0 Prozent leicht über den Erwartungen, doch blieb die viel beachtete Kernrate (ohne Energie- und Lebensmittelpreise) überraschend bei null Prozent. Zudem fiel das US-Handelsbilanzdefizit im Februar geringer aus als befürchtet, was auch die Sorgen um protektionistische Tendenzen der US-Regierung etwas dämpfte.

Der Euro ließ sich von den US-Daten nicht nachhaltig in seinem Aufwärtsdrang bremsen, und fiel nur vorübergehend auf 1,35 Dollar zurück. Zuvor hatte die Gemeinschaftswährung bis zu 1,3554 Dollar erreicht, und sich damit ihrem bisherigen Rekordstand gegenüber dem Dollar vom Dezember 2004 bei 1,3666 Dollar deutlich genähert.

Die jüngsten Kurssausschläge an den Ölmärkten ließen die Börsianer kalt. Vor allem die Sorge um Versorgungsengpässe bei Benzin in den Vereinigten Staaten trieb den Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI zur Mai-Auslieferung zeitweise auf ein neues Jahreshoch von 64,50 Dollar.

GE beruhigt die Börsianer

An der Wall Street hat die Berichtssaison schon einen ersten Höhepunkt erreicht. Der Mischkonzern General Electric (GE), der als getreuliches Abbild der US-Industrie gilt, hat mit einem Gewinn von 44 US-Cent je Aktie genau die Marktprognosen getroffen, der Umsatz lag noch etwas darüber. Noch kräftiger legte die Aktie von Merck & Co zu, nachdem der Pharmariese seine Gewinnprognose für 2007 erhöht hatte. Die weltgrößte Schnellrestaurantkette McDonald's wartete ebenfalls mit einem Umsatzzuwachs im ersten Quartal auf. Zudem liege das Ergebnis vor Sonderposten mit voraussichtlich 61 Cent je Aktie über den Analystenerwarungen.

DuPont und BASF?
Am Nachmittag schob sich die BASF-Aktie an SAP vorbei an die Dax-Spitze. Am Markt war das Gerücht herumgereicht worden, der amerikanische Chemiekonzern DuPont wolle den deutschen Weltmarktführer kaufen. Als Preis wurden 93 Euro je Aktie genannt. BASF wollte die Spekulation nicht kommentieren. Auch Händler äußerten sich wenig überzeugt. "Das ist das x-te Übernahmegerücht heute, das ist ja mittlerweile ein Sport", meinte ein Börsianer.

SAP wieder in Mode
Auch für den Kursgewinn bei SAP machten Marktbeobachter erneute Übernahmegerüchte verantwortlich, sowie das Ausbleiben einer zuvor am Markt befürchteten Gewinnwarnung. "Nun wird in die andere Richtung gespielt und vor den Zahlen gekauft", sagte ein Händler. Am 20. April will SAP Quartalszahlen veröffentlichen. Außerdem profitierte der Wert von einer erneuten Kaufempfehlung durch Merrill Lynch. Die Analysten setzten ein Kursziel von 57,50 Euro.

Noch ein Chrysler-Interessent
Nach Kirk Kerkorian wagt sich nun mit dem kanadischen Autozulieferer Magna ein weiterer Interessent für Chrysler aus der Deckung. Gegenwärtig würden "mögliche Alternativen für die Zukunft von Chrysler" geprüft, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Es sei aber keineswegs sicher, dass es zu irgendeinem Abschluss komme. Schon seit Wochen war über das Interesse von Magna spekuliert worden.

Samsung-Malus für Infineon
Für die Kursverluste bei Infineon machten Börsianer die schwachen Zahlen von Samsung verantwortlich. Der südkoreanische Elektronikkonzern hatte einen Gewinnrückgang im ersten Quartal verzeichnet.

K+S und KlöCo auf Rekordjagd
Im MDax setzten sich einzelne Indexperlen in Szene. Die Aktie des Düngemittel- und Salzkonzerns K+S schwang sich ohne Nachrichten auf ein neues historisches Hoch. Ebenso das Papier des Stahlhändlers Kloeckner & Co, ohne dass dafür fundamentale Neuigkeiten auszumachen waren.

Aixtron erneut gefragt
An der TecDax-Spitze lag wieder einmal die Aixtron-Aktie. Der Aachener Spezialmaschinenbauer ist nach Angaben von Finanzvorstand Wolfgang Breme gut ins Jahr gestartet: "Nach dem ersten Quartal fühle ich mich mit unseren Prognosen sehr wohl", sagte der Manager der Anlegerzeitung "Euro am Sonntag".

Nordex im Glück
Auch die Aktie von Nordex gewann über sechs Prozent an Wert. Der Windkraftanlagenbauer hat nach eigenen Angaben den größten Liefervertrag in seiner Geschichte erhalten. Der australische Finanzinvestor Babcock & Brown hat Windturbinen mit einer Leistung von bis zu 640 Megawatt bestellt. Über den Auftragswert wurde Stillschweigen vereinbart. Die Lieferung soll in den Jahren 2008 bis 2011 erfolgen. Nach Angaben "einer mit dem Vorgang vertrauten Person" gegenüber Reuters ist der Auftrag mehr als 700 Millionen Euro wert.

Qiagen auf Einkaufstour
Kaum verändert präsentierte sich die Qiagen-Aktie. Das Biotech-Unternehmen hat ein Übernahmeangebot für das US-Unternehmen eGene vorgelegt. Der Kaufpreis soll bei rund 34 Millionen Dollar liegen.

Thielert sorgt erneut für Gesprächsstoff
Der Flugzeugmotorenhersteller Thielert hat die endgültigen Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Danach musste der Vorsteuergewinn (Ebt) deutlich stärker als noch Ende März angekündigt nach unten revidiert werden. Insgesamt sank der Wert auf Jahresfrist um 15 Prozent auf 7,7 Millionen Euro. Ende März hatte das SDax-Mitglied noch ein Ergebnis vor Steuern von rund 13 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Amitelo haussiert - Zweifel bleiben
Die Aktie von Amitelo gewann über 60 Prozent an Wert, nachdem das Papier an den beiden Vortagen wegen massiver Vorwürfe des ZDF-Magazins "Frontal 21" kräftig unter Druck gestanden hatte. Der umstrittene Internet-Telefonie-Anbieter hatte noch am Mittwochabend einzelnen Darstellungen des Magazins widersprochen. Indessen bleiben Zweifel. So bleibt die Rolle der Niederlassung in Ceuta unklar: Während in der Amitelo-Mitteilung der Darstellung des ZDF widersprochen wird, es handele sich um die "operative Zentrale" der AG, war genau dieses zumindest bis zum Abend noch auf der englischsprachigen Homepage von Amitelo zu lesen.

Realtos stellt Insolvenzantrag
Ein unrühmliches Kapitel der Geschichte lebloser Börsenmäntel geht mit der Realtos Grund- und Beteiligungs AG dem Ende zu. Realtos-Alleinvorstand Andreas Arndt teilte am Nachmittag mit, er habe einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Arndt nahm die Gelegenheit wahr, massive Vorwürfe gegen eine Gruppe von Aktionären um den Berliner Unternehmer Klaus Zapf zu erheben, die ihren Versprechungen nie nachgekommen sei und immer neue Forderungen aufgestellt habe.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"