Marktbericht 20:20 Uhr

Dax bei knapp 10.000 Punkten Flotter Wochenauftakt

Stand: 09.05.2016, 20:20 Uhr

So schnell kann es gehen. Noch in der Vorwoche standen die Zeichen am Aktienmarkt auf Moll, jetzt nimmt der Dax einen großen Schluck aus der Pulle. Über 10.000 Punkte waren heute in der Spitze drin, ehe die Gewinne dann doch noch etwas abbröckelten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am Ende legte der deutsche Leitindex 1,12 Prozent zu und schloss unter Tageshoch bei 9.980 Punkten. Zwischenzeitlich hatte es danach ausgesehen, dass auch auf Schlusskursbasis ein Niveau über 10.000 Punkte möglich gewesen wäre, denn das Tageshoch lag bei 10.068 Punkten. Dieses Niveau konnte der Markt aber dann doch nicht halten. Im Tief stand der Index bei 9.878 Zählern.

Nur Etappe oder Wende zum Guten?

Geht es nach den technischen Analysten, hat der Dax mit dem heutigen Tag einen wichtigen Sprung nach vorne gemacht. Denn mit dem Schlussstand wurde der bei 9.930 Punkten liegende Aufwärtstrendkanal aus dem Februar wieder zurückerobert.

Seit dem Tagestief vom Freitag bei 9.737 Punkten hat der Dax über 340 Punkte hinzugewonnen und zeigt damit Stärke. Zuletzt war die Stimmung noch sehr viel negativer gewesen für den Aktienmarkt.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 20.15 Uhr

Ob wir aber auch Zeuge einer nachhaltigen Wende zum Besseren sind, ist trotz des Zwischenspurts keine ausgemachte Sache. Mit der aktuell bei 10.206 Punkten verlaufenden 200-Tage-Linie hat der Dax nämlich noch einen starken technischen Widerstand vor sich, der erst genommen werden muss.

Short-Squeeze treibt die Kurse

Aus Sicht der Experten vom Börsenstatistik-Magazin Index-Radar sind Schnäppchenjäger derzeit am Markt und damit der Grund für den Aufschwung. Nach den Dividendenabschlägen hatten viele Standardwerte Boden eingebüßt und locken nun auf zum Teil deutlich ermäßigtem Niveau neue Käufer an. Experten sprechen von einem Short-Squeeze, der für den entsprechenden Schwung am Markt sorgte.

Geholfen haben am Morgen zudem gute Auftragsdaten aus der deutschen Industrie, so dass der Tagesaufschwung auch fundamental unterstützt war. Die März-Daten lagen mit einem Plus von 1,9 Prozent deutlich über den Analystenerwartungen von 0,6 Prozent.

Us-Börsen tendieren uneinheitlich - Ölpreis im Blick

Ein besseres Tagesergebnis bei uns verhinderten wohl die nachgebenden Ölpreise, die die Wall Street nach gut behaupteter Eröffnung in ihren Bann zogen. Der Leitindex Dow Jones verliert derzeit 0,3 Prozent. Allerdings liegen sowohl der S&P-500-Index als auch der Nasdaq-Composite-Index im Plus, so dass noch nicht klar ist, wie die Sache heute ausgeht. Neue Konjunkturdaten gibt es keine, so dass die Nachrichtenlage dünn bleibt.

Lediglich die Zahlen des Pharmakonzerns Teva, der Muttergesellschaft von Ratiopharm, sorgen für Beachtung. Der Konzern hatte im ersten Quartal trotz eines Umsatzrückgangs mehr Gewinn erwirtschaftet. Derzeit ist der israelische Pharmahersteller zudem dabei, die gut 40 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Generika-Sparte des Rivalen Allergan abzuschließen. Die Aktie ist an der Nyse gefragt und steigt derzeit deutlich um 4,8 Prozent.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
80,03
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Der Ölpreis konnte sein Tageshoch bei über 46 Dollar je Fass der Nordseesorte Brent im Handelsverlauf nicht halten und fiel auf unter 44 Dollar zurück. Zuvor hatten die anhaltenden Waldbrände in Kanada für Käufe gesorgt. Rohstoffexperten der Commerzbank gehen davon aus, dass mittlerweile Produktionskapazitäten von mehr als einer Million Barrel pro Tag durch die Brände lahmgelegt sind. Kanada ist ein wichtiger Öllieferant der USA. Mit Spannung werden daher die Lagerdaten aus Amerika am Mittwoch erwartet.

Euro leicht unter 1,14 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat sich heute nicht recht entscheiden könne, wohin die Reise geht. Nachdem er am Morgen schwächelte, pendelte er später leicht unter der Marke von 1,14 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1395 (Freitag: 1,1427) US-Dollar fest. Mangels neuer Konjunkturdaten fehten dem Devisenmarkt die Impulse.

Telekom an der Dax-Spitze, Stahlwerte fallen ab

Kurse unter 15 Euro ziehen bei der T-Aktie regelmäßig wieder Käufer an. Das Papier, in dem noch die Dividende von 0,55 Euro steckt, ging nach zuletzt mäßiger Performance heute mit einem Aufschlag von knapp drei Prozent als Tagessieger durchs Ziel. Auch Fresenius und Vonovia lagen an der Indexspitze. Letztere profitierten von einem positiven Analystenkommentar der DZ Bank.

Mit Abstand Schlusslicht waren ThyssenKrupp, die kräftig 5,3 Prozent einbüßten und von einer schwachen Branchenentwicklung wegen gesunkener Rohstoffpreise nach unten gezogen wurden. Auch Salzgitter verloren kräftig und waren MDax-Schlusslicht. Europas Branchenprimus ArcelorMittal kam gar mit über elf Prozent noch kräftiger unter die Räder.

Droht VW jetzt eine Revolte?

Einer der größten Dax-Gewinner bleibt die VW-Aktie. Der britische Investor TCI, der für seine aktivistischen Kampagnen bekannt ist, hat in einem Brief an Vorstand und Aufsichtsrat schwere Vorwürfe gegen die Führung des Konzerns erhoben. Sie habe binnen sechs Jahren 400 Millionen Euro eingestrichen. "Das sind unternehmerische Auswüchsen epischen Ausmaßes."

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Fonds, der vielen Anleger noch aus seiner Kampfzeit mit dem Ex-Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, bekannt ist, hält aber nur stimmrechtslose Vorzugsaktien. Die Mehrheit der Stammaktien liegt bei den Familien Piech und Porsche. Offenbar hofften einige Anleger, dass mit dem Brief des Investors TCI der Restrukturierungsdruck bei VW steige, sagte ein Börsianer mit Blick auf die Kursgewinne der Aktie.

Commerzbank hat auch mitgemacht

Die Commerzbank selbst hat Finanzkreisen zufolge zweifelhafte Aktiengeschäfte rund um den Dividendenstichtag betrieben. Bisher hatte die zweitgrößte Bank Deutschlands stets nur den Fusionspartner Dresdner Bank als Beteiligten an den "Cum-Ex"-Geschäften ausgemacht.

Brenntag und das verdammte Venezuela

Das Lateinamerika-Geschäft von Brenntag hat unter den wirtschaftlichen Problemen Venezuelas und der Abwertung der lokalen Währung extrem gelitten. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn des im MDax notierten Chemikalienhändlers ist im Auftaktquartal um 27,3 Prozent auf 65,9 Millionen Euro eingebrochen.

Stada-Aktionär will Aufsichtsrat austauschen

Aktien des Arzneimittelherstellers schlossen 1,5 Prozent höher nachdem bekannt wurde, dass der aktivistische Investor Active Ownership Capital das Kontrollorgan des Unternehmens drastisch verändern will. Active Ownership hält fünf Prozent der Stada-Aktien und will einen entsprechenden Vorschlag auf der Hauptversammlung am 9. Juni einbringen. Danach sollen fünf der neun AR-Mitglieder der Kapitalseite ausgetauscht werden, darunter auch der Vorsitzende Martin Abend. Zudem will der Investor die vinkulierten Namensaktien durch normale Namensaktien ersetzen.

Hinter dem Investor stehen die beiden Ex-Investmentbanker Florian Schuhbauer und Klaus Röhrig. Bei Stada liegt nach deren Meinung viel Potenzial brach, das gehoben werden könnte. Röhrig will selbst in den AR einziehen, das Unternehmen aber nicht in eine Fusion treiben. Um ihre Ziele durchsetzen zu können, brauchen die Investoren auf der Hauptversammlung aber Verbündete.

Alstria Office bestätigt Jahresprognose

Stadas MDax-Kollege Alstria Office REIT legte nach Börsenschluss noch Zahlen für das erste Quartal vor und bestätigte gleichzeitig seine Jahresprognose. Demnach soll der Umsatz 2016 bei 200 Millionen Euro und das operative Ergebnis (FFO) bei 115 Millionen Euro liegen. Das Zahlenwerk war eigentlich erst morgen erwartet worden.

Im ersten Quartal wurden die Erlöse um 1,6 Prozent auf 51,1 Millionen Euro gesteigert. Der FFO legte deutlich um knapp ein Viertel auf 29 Millionen Euro zu. Alstria spezialisiert sich auf Büroimmobilien. Im Quartal profitierte die Firma von niedrigen Leerständen und geringen Finanzierungskosten. Die Aktie bewegte sich im Späthandel kaum.

Bilanzskandal bei Capital Stage

Capital Stage geraten wegen eines Fehlers in der Rechnungslegung nur leicht unter Druck. Am Freitagabend nach Xetra-Schluss hatte der Solar- und Windparkbetreiber über Fehler in der Bilanz des Jahres 2012 berichtet. Am Sonntag erklärten am Sonntag allerdings, der Sachverhalt wirke sich nicht auf die Liquidität des Unternehmens aus und sei in der Bilanz für 2015 bereits berücksichtigt.

Gea: Schwacher Start, Prognose steht

Die schwächelnde Weltwirtschaft bremst den Maschinenbaukonzern Gea weiter. Im ersten Quartal sackte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent auf 941,2 Millionen Euro ab. Der Überschuss ging um gut 15 Prozent auf 34,3 Millionen Euro zurück. Trotzdem hält der Vorstand an seiner Prognose fest. Die Aktie verlor 1,2 Prozent.

Grammer nach Zahlen beliebt

Die Grammer-Aktie konnte ihre anfänglichen Gewinne nach gut aufgenommenen Quaratlszahlen im SDax nicht verteidigen und schlossen 1,11 prozent im Minus. Der weltweite Zulieferer für Pkw-Innenausstattung und Nutzfahrzeugsitze steigerte zu Jahresbeginn den Konzernumsatz um 21 Prozent auf 425,9 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um 154 Prozent auf 17,3 Millionen Euro zu.

SAF Holland: Heftiger Gewinneinbruch

SAF Holland konnte mit seinen Zahlen zum ersten Quartal nicht sonderlich begeistern, die Aktie gehörte zu den größten SDax-Verlierern. Europas größter börsengelisteter Zulieferer für Trailer, Busse und Lkw hat bei einem Umsatzrückgan von 4,1 Prozent auf 259,9 Millionen Euro unterm Strich einen Gewinneinbruch von 41,5 Prozent auf 11,1 Millionen Euro verzeichnet.

Rocket Internet: Was juckt mich die Börse?!

Nach der jüngsten Abwertung der Global Fashion Group und dem folgenden Kurssturz der Rocket-Internet-Aktie will Gründer Oliver Samwer seine Aktionäre von der langfristigen Perspektive der Internet-Beteiligungsgesellschaft überzeugen. Die kurzfristige Optimierung des Börsenkurses sei für ihn kein Thema mehr. Samwer bestritt, dass es einen Konflikt mit dem schwedischen Großaktionär Kinnevik gibt, nachdem zwei Vertreter der Schweden den Aufsichtsrat verlassen hatten. Kinnevik hält 13,2 Prozent der Aktien.

Lucara Diamond macht Kasse

Das kanadische Bergbauunternehmen Lucara Diamond gab bekannt, dass es den 813 Karat schweren Rohdiamanten "The Constallation" für 63 Millionen Dollar an einen professionellen Investor verkauft habe, der den Stein jetzt schleifen wolle. Er wurde im November in der Karowe-Mine in Botsuana gefunden. Es soll der höchste Preis sein, der je für einen Rohdiamanten gezahlt wurde.

Ebenfalls aus dem gleichen Fund stammt der Diamant "Lesedi La Rona" mit 1.109 Karat. Dieser soll am 29. Juni im Londoner Auktionshaus Sotheby's versteigert werden und wird auf 70 Millionen Dollar geschätzt. Die in Stockholm notierte Lucara-Aktie legte zu auf ein neues Allzeithoch und hat sich damit seit November mehr als verdoppelt.

Campari startet mit Pep

Gute Geschäfte in Deutschland haben maßgeblich zum guten Jahresstart des italienischen Spirituosen-Herstellers beigetragen. In der Bundesrepublik stiegen die Erlöse von Januar bis März um mehr als zehn Prozent und damit höher als auf Konzernebene.

Dieser lag bei 7,2 Prozent auf 327 Millionen Euro. Analysten hatten nur einen Zuwachs zwischen zwei und vier Prozent erwartet. Das operative Ergebnis stieg um 21 Prozent auf 54 Millionen Euro. Besonders die Marken Aperol und Skyy Vodka waren gefragt. Bekannt ist Campari auch durch den gleichnamigen Aperitiv sowie den Wermut "Cinzano". Die Aktie war nach den Zahlen gefragt und stieg zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch von 8,96 Euro.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 18. Oktober

Unternehmen:
SAP: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Thyssenkrupp Elevator: PK zu Launch Event
Hannover Rück: Investorentreffen
Kühne+Nagel: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Novartis: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Nestlé: Neunmonats-Umsatzzahlen, 07:00 Uhr
Tele 2: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Pernod Ricard: Umsatz Q1, 07:30 Uhr
Ericsson: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Unilever: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Yara: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Bank of New York: Q3-Zahlen, 12:30 Uhr
Philip Morris: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
American Express: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
PayPal: Q3-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Travelers: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Japan: Außenhandelsbilanz im September, 01:50 Uhr
EU: Rede von Österreichs Notenbank-Gouverneur Nowotny auf der Kleinanleger-Messe "Gewinnmesse" in Wien, 13:00 Uhr
USA: : Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: : Industrieindex Philly Fed im Oktober, 14:30 Uhr
USA: : Rede des Präsidenten der Notenbank von St. Louis, Bullard, über die US-Wirtschaft und Geldpolitik im Economic Club von Memphis, 15:15 Uhr
USA: Frühindikatoren für September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
EU-Gipfel in Brüssel (bis 19.10.)
Moody's: : Banken-Gipfel zum Thema "How to prepare for the future of banking" in Frankfurt
GDV: Konferenz zur Versicherungsregulierung in Berlin