Fitch und Alcoa machen Anleger glücklich

von Notker Blechner

Stand: 10.01.2012, 20:04 Uhr

Die Verluste der letzten vier Tage sind wieder wettgemacht. Die Hoffnung auf eine gute US-Berichtssaison hat den Dax kräftig beflügelt. Die Anleger schoben die Sorgen um die Schuldenkrise beiseite. Zumal die Ratingagentur Fitch Entwarnung für Frankreich gab.

Die Anleger haben ihre Kauflaune wieder gefunden. Der Dax schoss am Dienstag um fast 2,5 Prozent nach oben und schloss bei 6.163 Punkten. Zeitweise notierte der deutsche Leitindex gar bei 6.191 Zählern und schaffte ein neues Jahreshoch. Ähnlich groß waren die Kurszuwächse im EuroStoxx 50 sowie an den Börsen in Paris, Mailand und Madrid.

Im späten Parketthandel bröckelten die Kursgewinne etwas ab. Der L/E-Dax schloss bei 6.152 Zählern. Der Dow büßte einen Teil seiner Gewinne ein und legte bis zum Abend um 0,5 Prozent auf 12.455 Punkte zu.

Auffällig waren vor allem die hohen Umsätze im Dax, die erstmals seit Mitte Dezember wieder über drei Milliarden Euro kletterten. Offenbar seien nun doch viele Anleger aus den Winterferien zurückgekehrt, meinten Händler. Wie lange die Kauflaune halten werde, sei ungewiss. "Das kann sich schnell wieder in Luft auflösen", sagten Marktteilnehmer.

Alcoa gibt den Takt vor
Nach dem erfreulichen Auftakt der US-Berichtssaison durch Alcoa machte sich an den Aktienmärkten Erleichterung breit. Der Aluminiumhersteller glaubt, dass die Nachfrage nach dem Leichtmetall in diesem Jahr weltweit um sieben Prozent anziehen werde. Da ist auch der Verlust von 193 Millionen Dollar im vierten Quartal zu verschmerzen, den Alcoa bekannt gab.

Frankreich kann aufatmen
Für positive Kursimpulse sorgten auch gute Nachrichten zum europäischen Schuldendrama. Die Ratingagentur Fitch rechnet angesichts der aktuellen Entwicklungen in Frankreich nicht mit einer Herabstufung der "Grande Nation" in diesem Jahr. Auch Österreichs "AAA" sei nicht gefährdet, versicherte Fitch. Börsianer atmeten auf. "Das lenkt den Blick etwas von der Schuldenkrise ab", meinten sie.

Fortschritte in Griechenland
Das große EU-Sorgenkind Griechenland darf ebenfalls hoffen. Der griechische Vize-Finanzminister verkündete am Dienstag, dass die Gespräche mit den privaten Gläubigern "an einem zufriedenstellenden Punkt" angelangt seien. Eine Lösung sei in Sicht. Der Euro kletterte zeitweise auf über 1,28 Dollar.

HeidelCement ganz oben
Vor allem zyklische Werte waren im Dax gefragt. Die Aktien von HeidelbergCement waren mit einem Plus von fast sieben Prozent größter Kursgewinner. Am Montag hatten die Titel des Zementherstellers noch zu den Top-Verlierern gehört.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Finanzwerte erholen sich
Auf der Kaufliste standen ebenfalls Finanzwerte. Die Aktien der Commerzbank und der Allianz legten knapp fünf Prozent, die Titel der Deutschen Bank rund vier Prozent zu. Der Stoxx-Branchenindex zog um 3,5 Prozent an. Die Commerzbank betonte, ohne weitere Staatshilfen die Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) erfüllen zu können. Man sei mit den Maßnahmen zur Aufstockung der harten Kernkapitalquote von neun Prozent "gut unterwegs", so Finanzvorstand Eric Strutz.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Fiat heizt Fusionsspekulationen an
Die Automesse in Detroit gab den Autowerten neuen Schwung. Die Aktien von Daimler verteuerten sich um vier Prozent, die Titel von BMW und VW um über drei Prozent. Fiat-Chef Sergio Marchionne heizte auf der Messe Fusionsspekulationen an. "Es braucht eine weitere Runde der Konsolidierung", sagte er. Europa brauche "ein zweites Volkswagen". Laut einem Zeitungsbericht will der Fiat-Boss mit dem französischen Rivalen PSA Peugeot Citroen über eine Allianz reden.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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RWE setzt auf Öko-Strom
Eine Fusion von RWE und Eon brachte EU-Kommissar Günter Oettinger ins Spiel. Ein solcher Zusammenschluss würde das Gewicht der deutschen Energiewirtschaft stärken. Kartellwächter zeigten sich jedoch skeptisch. Ein solcher Fall würde streng kontrolliert werden, hieß es. Derweil kündigte RWE an, in den nächsten vier Jahren fünf Milliarden Euro in erneuerbare Energien zu investieren, insbesondere Windkraft. Das Ökostrom-Geschäft soll zum Gewinnbringer ausgebaut werden. Die RWE-Aktien gewannen drei Prozent.

Stoppt Brüssel die Börsenfusion?
Für die Deutsche Börse wird es eng. Laut der "Financial Times" will EU-Wettbewerbskommissar Almunia die deutsch-amerikanische Börsenfusion stoppen. Es sei noch keine Entscheidung gefallen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Es gebe aber tatsächlich einen Entwurf, der noch beraten werde. Vor dem 9. Februar soll eine Entscheidung fallen. Indes lehnte die Deutsche Börse eine Finanztransaktionssteuer in der Euro-Zone ab. Eine einseitig geführte Steuer liefe Gefahr, den Handel in die wenig regulierten Märkte zu verlagern, warnte der Börsenbetreiber. Die Aktien der Deutschen Börse stiegen um gut fünf Prozent.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Software AG belastet SAP
Zu den wenigen Verlierern zählte SAP. Die Technologie-Aktie büßte 1,4 Prozent ein und erhielt die rote Laterne im Dax. Schuld war die Gewinnwarnung des zweitgrößten deutschen Softwareherstellers Software AG, die auch SAP nach unten riss. Die Software AG hat im wichtigen Schlussquartal weniger umgesetzt und verdient als bislang angepeilt. Der Erlös soll nach ersten Schätzungen um acht bis zehn Prozent unter Vorjahr liegen - wegen Problemen im US-Geschäft.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Siemens spürt raueren Gegenwind
Skeptisch zeigte sich auch Siemens-Finanzchef Joe Kaeser hinsichtlich der Jahresziele. Es werde ganz harte Arbeit, die Ergebnisprognose im Geschäftsjahr 2011/12 zu erfüllen. "Der Gegenwind ist rauer geworden." Siemens peilt ein stagnierendes operatives Ergebnis von sechs Milliarden Euro an. Zudem belasteten die Aussagen von Philips zu einem schwachen vierten Quartal 2011 die Siemens-Titel.

Analysten als Kurstreiber
Im MDax trieben Analysten die Aktien von Lanxess und Heidelberger Druck nach oben. Größter Gewinner war die Aktie des Druckmaschinenherstellers Heidedruck mit einem Plus von sieben Prozent - dank einer Heraufstufung durch Kepler. Die Analysten von Kepler schraubten ihre Empfehlung von "Buy" auf "hold" und gaben ein Kursziel von drei Euro aus. Über sechs Prozent legten die Titel des Spezialchemiekonzerns Lanxess zu. Die Investmentbank Merrill Lynch hat den Titel zum Kauf empfohlen. Auf einer Investorenkonferenz in den USA bekräftigte Lanxess sein Ziel eines rund 20-prozentigen Anstiegs seines operativen Ergebnisses.

Tom Tailor wächst stark
Im SDax legte die Aktie des Modekonzerns um rund 1,7 Prozent zu. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben 2011 flächenbereinigt um sieben Prozent gewachsen. Insgesamt kletterten die Umsätze im Einzelhandels-Segment im vergangenen Jahr sogar um 45 Prozent.

Gemischte Signale von Air Berlin
Die Airline hat zwar im Gesamtjahr 2011 mit 35,3 Millionen Passagieren einen neuen Rekord aufgestellt. Wegen Kapazitätsanpassungen ging die Zahl der Fluggäste im Dezember aber um zwölf Prozent auf zwei Millionen zurück. Mit der SDax-Aktie ging es knapp zwei Prozent aufwärts.

Dax-Chart realtime

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Unternehmen
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Konjunktur:
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