Fitch schickt Kurse auf Talfahrt

Stand: 16.12.2011, 20:00 Uhr

Die Entscheidung der Ratingagentur Fitch, den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Frankreichs von "stabil" auf "negativ" zu senken hat die Kurse am Freitagabend unter Druck gesetzt. Auch in New York dreht die Börse zeitweise ins Minus.

Der Dax verliert am Abend gut ein Prozent auf 5.678 Punkte nachdem er im elektronischen Handel nur ein halbes Prozent (knapp 29 Zähler) tiefer geschlossen hatte bei 5.701 Punkten. Im Wochenverlauf büßte der deutsche Leitindex damit knapp fünf Prozent an Wert ein

Auch an der Wall Street kommt es am Freitagabend kurz zu leichten Kursverlusten, nachdem der Dow Jones-Index zuvor noch um 0,3 Prozent vorgerückt war. Die Hoffnung auf Fortschritte in der Lösung der europäischen Schuldenkrise habe sich zerschlagen und neuer Skepsis Platz gemacht, sagten Händler. Bei Börsenschluss in Frankfurt ist der der Dow Jones-Index aber wieder leicht ins Plus gedreht bei 11.877 Punkten, neun Punkte mehr als am Vortag.

Die Ratingagentur Fitch verkündete am Freitag Abend, den Ausblick für die französische Kreditwürdigkeit von "stabil" auf "negativ" gesenkt zu haben. Die Bestnote "AAA" wurde jedoch bestätigt. Die Chance, dass Frankreich seine Bestnote in den nächsten beiden Jahren verliere, liege leicht über 50 Prozent. Frankreich sei mehr als die anderen "AAA"-Länder der Eurozone durch die Schuldenkrise betroffen, begründete Fitch die Entscheidung. Der Schuldenstand dürfte trotz der ergriffenen Sparmaßnahmen bis zum Jahr 2014 auf 92 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen. Erlaubt sind nach den Euro-Spielregeln allenfalls 60 Prozent.

Auch andere Länder bedroht
Fitch droht auch anderen Ländern wie Belgien, Spanien, Slowenien, Italien, Irland und Zypern mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte bereits in der vergangenen Woche gedroht, die Ratings fast aller Euromitglieder zu senken, darunter auch Deutschland und Frankreich.

Am Mittag waren wegen des Verfallstages am Freitag ("Hexensabbat") Futures und Optionen auf Indizes ausgelaufen. Zum Xetra-Schluss waren Optionen auf einzelne Aktien an der Reihe. Zu größeren Ausschlägen kam es aber nicht. Der Dax pendelte fast den ganzen Tag um sein Vortagesniveau.

Auch der Euro büßt am Abend seine Kursgewinne wieder ein und notiert nur noch knapp über 1,30 Dollar.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank weckt Interesse
Die Deutsche Bank ist offenbar bei ihrer Suche nach Käufern von Teilen ihrer Vermögensverwaltung einen Stück weiter gekommen. Mehr als 30 Interessenten hätten sich bereits gemeldet, berichten Insider. Darunter seien große US-Vermögensverwalter wie Blackrock, Depotbanken wie Bank of New York Mellon und US-Institute mit einem starken Vermögensverwaltungsgeschäft. Bis Februar erwarte die Bank unverbindliche Angebote für die Sparten, die insgesamt 400 Milliarden Euro Vermögen verwalten. Die Bank hofft auf einen Verkaufspreis von zwei bis drei Milliarden Euro. Die Aktie der Deutschen Bank schließt dennoch im Minus.

Eon historisch niedrig
Zweitgrößter Verlierer im Dax ist die Aktie von Eon. Der Energieversorger dürfte in diesem Jahr erstmals in die roten Zahlen rutschen. Die DZ-Bank-Analysten Hasim Sengül und Marc Nettelbeck rechnen wegen der Wertberichtigungen von drei Milliarden Euro mit einem Nettoverlust von 900 Millionen Euro. "Auch wenn der hohe Wertberichtigungsbedarf negativ überraschte, gehen wir davon aus, dass zukünftig vermehrt mit positiven Nachrichten zu rechnen ist. Zudem ist die Aktie historisch günstig bewertet", schrieben sie in einem Kommentar. Ihre Einschätzung beließen sie auf "Kaufen".

Lufthansa will weiter sparen
Zu den stärksten Werten im Dax gehört dagegen die Lufthansa-Aktie. Die Fluggesellschaft plant offenbar ein neues Sparprogramm. "Wir werden zu Beginn des Jahres neben den bereits definierten Maßnahmen ein konzernweites Programm zur Ergebnisverbesserung auflegen, das unsere Ertragskraft nachhaltig verbessern soll", sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz am Freitag in der Mitarbeiterzeitung "Lufthanseat". Derzeit laufe die Feinabstimmung, die Details sollten bis Ende
März vorgestellt werden.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Europas Pkw-Markt schrumpft...
Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in der Europäischen Union sei im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent gesunken, teilte der europäische Branchenverband ACEA mit. Auf Sicht von elf Monaten betrug das Minus 1,4 Prozent bei 12,16 Millionen Fahrzeugen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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...aber VW bleibt auf Rekordkurs
Volkswagen hat einen neuen Jahresrekord beim weltweiten Absatz eingefahren. Von Januar bis November verkauften die neun Konzernmarken insgesamt 7,51 Millionen Autos - ein Plus von 13,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit haben die Wolfsburger bereits vor Jahresfrist eine weitere Bestmarke erreicht. Bis Ende Dezember dieses Jahres sollen es erstmals acht Millionen sein. Dennoch tritt die Aktie heute auf der Stelle.

SAP schwächelt
Zu den schwächsten Werten im Dax gehört die Aktie von SAP. Grund ist der verhaltene Ausblick der IT-Beratungsfirma Accenture. Er reiht sich ein in die mittlerweile beachtliche Kette an verhaltenen beziehungsweise negativen Kommentaren aus der IT-Branche für die kommenden Monate. Auf die Stimmung bei SAP drückt auch eine Herunterstufung durch BofA/Merrill Lynch: Die Analysten setzten die SAP-Aktien auf "Neutral".

Solarworld wieder gefragt
Zu den stärksten Werten im TecDax gehört die Aktie des Bonner Solaranbieters Solarworld. Das Papier ist dieser Woche mit einem Kursplus von gut 18 Prozent der größte Gewinner der in einem Index der Deutschen Börse notierten Wertpapiere, während Konkurrenten wie die Berliner Solon wegen der wachsenden Konkurrenz aus China Insolvenz anmelden mussten.

Blackberry verstaubt auch Nokia
Der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) hat im abgelaufenen Geschäftsquartal einen Gewinneinbruch verzeichnet und blickt auch skeptisch in die Zukunft. Der bereinigte Gewinn sank um 27 Prozent auf 667 Millionen Dollar. Der Umsatz ging auf von 5,5 Milliarden auf 5,17 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal zurück.

Der Gewinneinbruch von RIM hat auch die Lust der Anleger auf Nokia-Aktien gebremst. Die Papiere des finnischen Handyriesen fallen zeitweise um bis zu 2,7 Prozent auf ein Vier-Monats-Tief von 3,68 Euro. Dabei hat Nokia in diesem Jahr bereits die Hälfte an Wert eingebüßt.

Zynga nimmt eine Milliarde ein
Der Onlinespiele-Entwickler Zynga hat am Freitag an der Nasdaq den größten Internet-Börsengang in den USA seit Google hingelegt. Mit dem Verkauf von 100 Millionen Aktien nahm das erst fünf Jahre alte Unternehmen eine Milliarde Dollar ein. Der Entwickler von Spielen wie "Farmville", "Cityville" oder "Mafia Wars" konnte seine Aktien zu 10 Dollar und damit am oberen Ende der Spanne bei den Investoren losschlagen.

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln