Marktbericht 20:00 Uhr

Dax unter 9.000 Punkten Finsterer Rosenmontag an der Börse

Stand: 08.02.2016, 20:00 Uhr

Und wieder fällt eine runde Marke: Die Stimmung an der Börse bleibt kritisch, Beobachter fühlen sich schon an die Finanzkrise erinnert. Die Notenbanken sollen es erneut richten.

Der Dax schloss mit einem Abschlag von 3,3 Prozent auf 8.979,36 Punkten. Erstmals seit Oktober 2014 sackte der deutsche Leitindex damit unter 9.000 Zähler. Den tiefsten Stand des Tages erreichte er bei 8.937,98. Seit Jahresbeginn hat der Dax mehr als 16 Prozent eingebüßt.

Der TecDax gab gar um 5,8 Prozent nach. US-Techwerte hatten bereits vor dem Wochenende stark verloren. Zunehmend setze sich die Ansicht durch, dass die Bewertungen der Technologie-Papiere zu hoch seien, hieß es am Markt. Der TecDax beendete den Handel mit einem Minus von 5,81 Prozent auf 1500,14 Punkte. Dies ist der tiefste Schlusskurs seit Februar 2015. Der MDax verlor 4,5 Prozent, der L-Dax sank um 3,9 Prozent auf 8948,79 Punkte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.765,94
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+0,82%
TecDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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2.877,15
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+0,89%
MDax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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26.893,23
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+0,79%

Krisenwährung Gold

Anleger wählten die Flucht in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. Der Zins zweijähriger Schatzanweisungen fiel beispielweise auf ein neues Rekordtief von minus 0,517 Prozent. Während Bundesanleihen gefragt waren, gerieten Staatspapiere aus Portugal, Griechenland, Spanien und Italien stark unter Druck. Auch der Goldpreis legte zu.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.228,35
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+0,08%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.199,29
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Gold in Euro: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.054,35
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+0,07%

Der Dow Jones verlor am Abend 2,4 Prozent. Der EuroStoxx 50 schloss mit einem Minus von 3,3 Prozent bei 2.785,17 Punkten - der tiefste Endstand seit August 2013. Bereits die vergangene Woche hatte der Leitindex der Eurozone mit einem Minus von fast fünfeinhalb Prozent beendet. Der CAC 40 in Paris fiel um 3,2 Prozent auf 4.066,31 Punkte. Der Londoner FTSE 100 sank um 2,7 Prozent auf 5.689,36 Punkte.

Wende der Zinswende?

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Ursache für die schwachen Börsen sind Sorgen um eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft. Auch die US-Konjunktur hatte zuletzt Schwächesignale gesendet. Viele Investoren hoffen jetzt, dass die US-Notenbank die Geldpolitik nur sehr vorsichtig weiter straffen wird. "Das Vertrauen in die Fähigkeit der Fed, ihren eingeschlagenen Zinspfad weiterzuführen, ist angeschlagen. Gleichzeitig mag niemand so richtig daran glauben, dass die EZB in der Lage sein wird, den Markt nochmal nachhaltig zu beeindrucken", schreiben die Experten der DZ Bank.

US-Notenbankpräsidentin Yellen würde mit einem vorzeitigen Ende der Zinserhöhungspolitik zu einer Verkettung glücklicher Umstände an den Aktienmärkten beitragen, meint Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei der Baader Bank. Die Deutsche Bank rechnet wegen des unsicheren wirtschaftlichen Umfeldes erst im Dezember mit einem weiteren Zinsschritt durch die US-Notenbank Fed.

1.000 Punkte südwärts?

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Auch in Europa lässt die konjunkturelle Lage zu wünschen übrig. Das Sentix-Konjunkturbarometer fiel im Februar überraschend stark. "Die Euro-Zone erweist sich als keineswegs immun gegen den enormen Dynamikverlust in der globalen Wirtschaft", sagte Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. "Auch die einstige Lokomotive Deutschland kühlt sich merklich ab."

Der Fall unter die Marke von 9.000 Punkten trübt das technische BIld des Dax weiter ein. Jochen Stanzl von CMC Markets hält nun sogar einen weiteren Rückgang des Dax bis auf 8.300 Punkte in den kommenden Wochen für möglich: "Die Weltwirtschaft befindet sich in einer schwachen Verfassung, der Ölpreis liegt am Boden. Daraus erwachsen Sorgen über die Stabilität des Bankensektors. Es werden böse Erinnerungen an die Finanzkrise wach" kommentiert der Marktbeobachter.

Bankaktien äußerst unbeliebt

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,53
Differenz relativ
-0,35%

Zu den größten Dax-Verlierern zählen Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank. Wachsende Sorgen über Kreditausfälle und Bankpleiten haben Bank-Aktien aber europaweit belastet. "In den Medien wird wieder das Thema Kreditausfall-Versicherungen - oder kurz gesagt CDS - gespielt", kommentierte Augustin Eden von Accendo Markets. Die Kosten für diese außerbörslich gehandelten Versicherungen seien wegen Sorgen um faule Kredite und möglicher Bankenpleiten auf Mehrjahreshochs gestiegen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,35
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+1,83%

Die Privatbank Berenberg hat das Kursziel für Deutsche Bank von 25 auf 14 Euro gesenkt. Die Bank müsse entweder ihre Bilanz deutlich verkleinern oder eine Kapitalerhöhung durchführen - beides sei nicht gut für die langfristigen Ergebnisse. Die Aktie sackte um fast zehn Prozent.

Linde will Reitzle zum Aufsichtsratschef machen

Der langjährige Linde -Chef Wolfgang Reitzle steht vor der Rückkehr zu dem Industriegasekonzern. Reitzle solle neuer Aufsichtsratschef werden. Reitzle solle den Vorsitz von Manfred Schneider übernehmen.

VW: IPO der Lkw-Sparte möglich

Der vom Abgasskandal erschütterte Autobauer Volkswagen schließt einen Börsengang seiner Lkw-Sparte nicht aus. "Wir halten uns alle Optionen offen", sagte eine Sprecherin am Montag. "Das gilt sowohl für die Expansion im Ausland, eine mögliche Übernahme oder Partnerschaft wie auch einen Börsengang." Einen Zeitrahmen nannte die Sprecherin nicht.

MüRü nach Analystenlob relativ fest

Die Aktie der Münchener Rück zeigt dagegen relative Stärke. Die Analysten der Credit Suisse haben die Aktien auf "Neutral" von "Underperform" hochgenommen und das Kursziel von 150 auf 180 Euro angehoben. Sie lobten ausdrücklich die defensiven Stärken der Münchener.

Vonovia: Klappt es mit Deutsche Wohnen?

Im milliardenschweren Übernahmepoker auf dem deutschen Immobilienmarkt bleibt es bis kurz vor Schluss spannend: Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia hat bislang nur 28,7 Prozent der Aktien der kleineren Rivalin Deutsche Wohnen sicher. Davon entfallen fast fünf Prozent auf eigene Aktienkäufe am Markt, wie Vonovia mitteilte. Die Bochumer hatten die Annahmeschwelle für die feindliche Offerte - inklusive Schulden ist der Deal 14 Milliarden Euro schwer - unlängst auf 44 Prozent gesenkt.

Bilfinger: Gute Geschäfte mit China

Der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger verkauft sein Wassertechnologiegeschäft an die chinesische Chengdu Techcent Environment Gruppe. Der Nettoerlös liege bei rund 200 Millionen Euro, teilte das MDax-Unternehmen am Samstag mit.

Kion kauft in den USA zu

Der Roboterhersteller Kion hat den Logistikdienstleister Retrotech gekauft. Der MDax-Konzern will damit seine Lagersystem-Kompetenz in Nordamerika stärken. Der Unternehmenswert beläuft sich laut Kion auf rund 40 Millionen US-Dollar. Verkäufer ist die französische Savoye.

Air Berlin: Piloten müssen Beitrag leisten

Die krisengeplagte Fluggesellschaft Air Berlin hat Piloten und Managern Gehaltseinbußen abgerungen. Ein Firmensprecher sagte, rund 80 Führungskräfte bekämen dieses Jahr fünf bis zehn Prozent weniger Geld. Auch die Piloten würden ihren Beitrag zum Sparkurs leisten.

Credit-Suisse-Chef übt sich in Verzicht

Tidjane Thiam, der Konzernchef der Credit Suisse, kürzt sich nach dem schlechten Jahresergebnis selbst den Bonus. Er habe beim Verwaltungsrat eine markante Kürzung seines Bonus beantragt, sagte er in einem Interview mit der "Sonntags Zeitung". Insgesamt hat die Credit Suisse den Bonustopf um elf Prozent reduziert.

Schonfrist für Syngenta

Der künftige Eigner ChemChina garantiert einem Medienbericht zufolge Syngenta eine Schonfrist von fünf Jahren. Der Hauptsitz und die wichtigsten Produktionsstandorte in der Schweiz sollen in dieser Zeit nicht angefasst werden, berichtet "Schweiz am Sonntag".

Chesapeake im freien Fall

Die Angst vor einer Umschuldung hat die Anleger zur Flucht aus den Aktien des US-Erdgasunternehmens Chesapeake Energy veranlasst. Die Titel halbierten in New York ihren Wert auf nur noch 1,50 Dollar und notierten sie so niedrig wie zuletzt im Mai 1999. Die Aktien wurden schließlich mit dem Hinweis auf eine bevorstehende Nachricht vom Handel ausgesetzt. Auf Cheasapeake lasten Schulden von mehr als zehn Milliarden Dollar. Chesapeake Energy ist eine der größten Schiefergas-Förderer der USA.

Hasbro profitiert von "Star Wars"

"Das Erwachen der Macht" hat dem Spielzeug-Herstellers Hasbro zum Jahresende die Kassen gefüllt. Im Weihnachtsquartal kletterte der Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf 1,47 Milliarden Dollar. Vor allem die Lizenzen für Fanartikel zu "Star Wars" oder dem Dinosaurier-Spektakel "Jurassic World" zahlten sich aus. In der Sparte für Jungs-Spielzeug, in die die Action-Figuren zu den Filmen fallen, legten die Verkäufe um 35 Prozent zu. Unter dem Strich stieg der Gewinn um gut drei Prozent auf 175,8 Millionen Dollar.

Twitter auf Rekordtief

Die Aktien von Twitter fielen im frühen Handelsverlauf auf ihren bisher tiefsten Stand bei 14,87 Dollar. Twitter-Chef Jack Dorsey gelingt es nach wie vor nicht, den Anlegern den Glauben an den Kurznachrichtendienst zurückzugeben. Die Anleger sind ohnehin schon seit Monaten skeptisch, was die Zukunftsaussichten von Twitter angeht. Die Aktie hatte im vergangenen April noch mehr als 50 Dollar gekostet, bevor die Talfahrt wegen enttäuschender Nutzerzahlen einsetzte.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr