Finanzkrise sagt leise "Hallo"

Stand: 26.10.2009, 20:01 Uhr

Der Wochenauftakt ist misslungen. Nach gutem Beginn stürzte der Dax am Nachmittag in beeindruckender Form ab. Die Schuldigen waren bald gefunden: Kursverluste bei Banken und Versicherungen, und die Angst vor neuen Kapitalerhöhungen.

Am deutschen Aktienmarkt wie auch an den europäischen Börsen als auch an der Wall Street gehörten die Finanztitel zu den großen Verlierern des Tages. Am heftigsten erwischte es die niederländische ING. Nachdem der Finanzkonzern am Morgen eine Kapitalerhöhung ankündigte und mitteilte, sich wohl aufspalten zu müssen, verlor die Aktie im Tagesverlauf fast 20 Prozent.

Dies belastete auch andere europäische Bankaktien. Im Dax gingen Allianz, Deutsche Bank und Commerzbank mit Kursverlusten von rund vier Prozent aus dem Handel. Investoren befürchten jetzt wohl, dass auch andere Banken Kapitalerhöhungen erwägen müssen, um ihre Schulden beim Staat zurückzahlen zu können. Dass der Deutschlandchef der Deutschen Bank sagte, dass das erste Halbjahr 2010 für die Branche nicht leicht wird, trug ebenfalls zur Verunsicherung bei.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,28
Differenz relativ
-5,55%

Doch nicht die Banken waren letztendlich für den massiven Kurssturz am Nachmittag verantwortlich. Der Auslöser kam wie so oft aus New York. Dort waren ebenfalls Finanzwerte enorm unter Druck, aber aus anderem Grund: Händler sprachen von der Sorge, dass der zuletzt stabilisierte Immobilienmarkt wieder geschwächt werden könne, wenn die staatlichen Steuergutschriften für Immobilienkäufer auslaufen.

Der Dow Jones verlor daher nach anfänglichen Gewinnen rund ein Prozent und wurde damit zur Blaupause für das unrühmliche Abschneiden des Dax. Der Dax reagierte auf die Paukenschläge aus New York nur allzu gerne. Denn die Kursgewinne, die der deutsche Leitindex bis zum frühen Nachmittag aufbauen konnte, waren auf Sand gebaut. Keine Nachrichten, keine wichtigen Wirtschaftszahlen, geringe Umsätze, es fehlte dem Markt schlicht an Fundament. Immerhin aber gelang es dem Dax, bis zu ein Prozent hinzuzugewinnen, bevor die Talfahrt begann. Diese endete bei 5.642 Punkten, minus 1,7 Prozent.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
60,80
Differenz relativ
-4,15%

Schwacher Ausblick von Merck
Schwäche zeigten auch die Aktien des Pharmakonzerns Merck, der seine Quartalsbilanz vorlegte. Als erster von acht Dax-Konzernen in dieser Woche hatte Merck seinen Berich vorgelegt und dabei beim erneuerten Ausblick enttäuscht. Während Erträge und Gewinne im dritten Quartal die Erwartungen trafen, siedelte der Chemie- und Pharmakonzern seine neue Jahresprognose im unteren Bereich der bisher bekannten Spanne an, die Anleger reagierten dementsprechend verärgert.

Von Mercks Schlappe profitierte aber die Bayer-Aktie, die als Tagesgewinner 0,3 Prozent zulegte. Händler machten hier Wechselwillige aus: "Offenbar wechseln einige Anleger von Merck zu Bayer und hoffen darauf, dass deren Zahlen besser ausfallen", vermuteten sie.

Schwarz-Gelbe Kursgewinne
CDU/CSU und FDP haben ihren Koalitionsvertrag gebilligt und unterschrieben, und die Börse feiert schon einmal ein paar der vermeintlichen Gewinner. Das sind im Dax die beiden Energieversorger Eon und RWE, deren Aktien mit nur kleinem Kursverlust ins Ziel gingen. In den hinteren Reihen fielen vor allem kräftige Kursgewinne bei den Herstellern von Biodiesel auf. Aktien der Branchenvertreter stiegen zeitweise um mehr als 20 Prozent. Der Koalitionsvertrag sei überraschend positiv für die Biodieselhersteller ausgefallen, urteilten Analysten, unter anderem solle die Biodieselsteuer wieder angehoben werden.

MTU korrigiert Umsatzprognose
Skeptischer reagierten MTU-Aktionäre auf Prognose und Bilanz ihres Unternehmens. Bisher ging MTU von einem Umsatz in Höhe von 2,8 Milliarden Euro aus, jetzt sollen es nur noch 2,6 Milliarden sein. Im dritten Quartal verbuchte MTU einen Umsatzrückgang von einem Fünftel, der Nettogewinn, immerhin, blieb mit 37,7 Millionen Euro etwa auf Vorjahresniveau. Die Erholung der Branche, ließ MTU wissen, werde im 2. Halbjahr 2010 beginnen. Zu wenig gute Nachrichten für die Aktionäre, die Aktie verlor rund drei Prozent.

Wacker Chemie bleibt vage
Der Spezialchemiekonzern Wacker befindet sich wieder auf Wachstumskurs. Seit dem "zweiten, dritten Jahresviertel ist ein Aufwärtstrend festzustellen", sagte Vorstandschef Rudolf Staudigl in einem Interview. Im dritten Quartal seien Umsatz und Ergebnis besser als im Vorquartal ausgefallen, das vierte Quartal sei aber schwer einzuschätzen. Die Aktie schloss im Minus.

Nachrichten aus dem TecDax
Der TecDax wird ab Mittwoch ein altes Mitglied neu begrüßen. Am 28. Oktober ersetzt das Biotech-Unternehmen Evotec die Aktie des Softwareunternehmens IDS Scheer, das von der Software AG aufgekauft wurde. Der Kleincomputerhersteller Kontron hat das dritte Quartal mit einem leichten Umsatz- und einem heftigen Gewinnrückgang beendet. Allerdings habe der Auftragsbestand ein neues Rekordhoch erreicht, teilte Kontron mit. Kursgewinne verbuchte die Aktie des Windkraftunternehmens Nordex. Gerüchteweise will die Unternehmerfamilie Klatten, die jetzt schon 22 Prozent an Nordex besitzt, weiter zukaufen. Obwohl die Familie dementierte, legte die Nordex-Aktie mehr als ein Prozent zu.

Verizon überrascht beim Umsatz
Vor Börsenbeginn an der Wall Street legte der amerikanische Telekomkonzern Verizon seine Quartalsbilanz vor. Das Ergebnis sank wegen hoher Kosten um neun Prozent auf 2,89 Milliarden Dollar, der Umsatz stieg allerdings um mehr als zehn Prozent auf 27,27 Milliarden Dollar. Die Aktie begann den Handel mit leichten Kursgewinnen. Die Telekom-Aktie im Dax reagierte übrigens kaum auf den Geschäftsbericht des Konkurrenten.

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln