Fehlstart ins neue Jahr

Detlev Landmesser

Stand: 02.01.2008, 20:25 Uhr

Ein "guter Rutsch" ist etwas anderes: Zum ersten Handelstag des neuen Jahres gerieten die Aktienkurse kräftig unter Druck. Besonders an den Rohstoffmärkten kam Hektik auf.

Der L-Dax ging ein Prozent tiefer bei 7.927,83 Punkten aus dem Handel. Nach impulslosem Geschäft hatte der US-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe um 16:00 Uhr für Aufregung gesorgt. Der wichtige Frühindikator sank im Dezember unerwartet von 50,8 auf 47,7 Punkte, während Volkswirte mit einem Wert oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten gerechnet hatten. "Die Zahl deutet klar auf eine Rezession hin", kommentierte Marktstratege Heino Ruland von FrankfurtFinanzPartner. Zudem weise einer der Teilindizes auf steigende Preise hin - und das heiße Stagflation. In diesem Umfeld hätten die Zentralbanken wenig Spielraum, die Leitzinsen weiter zu senken, so der Experte.

Im Sog der Wall Street musste der Dax die Marke von 8.000 Punkten wieder preisgeben. Am Abend fingen sich die großen US-Indizes wieder ein wenig. Das um 20:00 Uhr veröffentlichte Protokoll der Fed-Sitzung vom 11. Dezember wurde in einer ersten Reaktion positiv aufgenommen. Daraus geht hervor, dass fast alle Mitglieder des Offenmarktausschusses die Zinssenkung von 0,25 Prozentpunkten befürwortet hatten, während sich ein Mitglied sogar für eine Senkung von 0,5 Punkten ausgesprochen hatte.

Öl und Gold mit Rekordkursen

Die größte Hektik gab es an den Rohstoffmärkten. Der Terminkurs für US-Öl zur Lieferung im Februar erreichte mit genau 100 Dollar pro Barrel ein neues Rekordhoch, was Händler mit den neuerlichen Gewaltausbrüchen in den Opec-Mitgliedsstaaten Nigeria und Algerien begründeten. Auch die angespannte Lage in Pakistan und Kenia trug nicht gerade zur Beruhigung bei. Am Abend notierte der US-Ölfuture bei 99,60 Dollar.

Auch der Goldpreis konnte von der Krisenstimmung weiter profitieren und markierte in London mit 859,20 Dollar pro Feinunze eine neue historische Höchstmarke. Der bisherige Rekord von Januar 1980 hatte bei 850 Dollar gelegen.

Die Krise lebt
Auch die amerikanische Kreditkrise beschäftigte die Börse. Die erste Krisenmeldung kam bereits am Neujahrstag. Der US-Investor Blackstone und der Mischkonzern General Electric sagten die geplante Übernahme der PPH Corporation für 1,8 Milliarden Dollar ab. Blackstone und GE wollten die auf den Kauf von Autoflotten und Hypotheken spezialisierte PPH aufteilen, Blackstone konnte aber nicht genügend Kredite für seinen Teil des Geschäftes auftreiben.

Postbank-Spekulation neu entfacht
Die Postbank-Aktie konnte sich an die Dax-Spitze setzen - aus altbekannten Gründen. Diesmal wurden die Übernahmespekulation von einem Interview mit Postchef Klaus Zumwinkel im Wirtschaftsmagazin "Capital" angeheizt. Zumwinkel hatte darin angekündigt, in diesem Jahr eine Entscheidung über den Verkauf der Postbank zu fällen.

BMW gesucht
Auch die BMW-Aktie hielt sich im Plus. Die britische "Times" hatte berichtet, der Konzern wolle bei seiner Rolls-Royce-Sparte den Absatz in den kommenden drei Jahren auf über 2.000 Fahrzeuge pro Jahr mehr als verdoppeln. Ein Analyst verwies auch auf die geplanten Stellenkürzungen, die BMW kurz vor dem Jahresende bekannt gegeben hatte.

Deutsche Börse fällt
Mit einem Minus von über fünf Prozent wurde die Aktie der Deutschen Börse ans Dax-Ende durchgereicht. Händler begründeten den schlechten Jahresauftakt des Börsenbetreibers mit der sehr guten Vorjahresperformance - offenbar hatten viele professionelle Anleger zum Jahresende den Top-Performer in ihren Depots aufgestockt, um in den Jahresbilanzen besser auszusehen, und bauten nun ihre Positionen wieder auf ein Normalmaß ab. Zum anderen stimmte das Direktorium des nordischen Börsenbetreibers OMX am Mittwoch dem 4,9 Milliarden Dollar schweren Übernahmeangebot der Börse Dubai zu. Das rief den Anlegern erneut ins Gedächtnis, dass die Deutsche Börse selbst weiterhin nach einem großen Partner sucht.

Lufthansa im Aufwind
Die Lufthansa will in diesem Jahr rund 4.300 Mitarbeiter einstellen. Der Konzern suche unter anderem 2.000 Flugbegleiter, 1.000 Fluggastbetreuer und 360 Pilotenschüler, teilte die größte deutsche Fluggesellschaft am Dienstag mit. "Die Lufthansa bleibt auf Wachstumskurs", sagte Konzernchef Wolfgang Mayrhuber in der "Bild"-Zeitung.

Noch mehr China-Fantasie für Siemens
Siemens erhofft sich gute Geschäfte mit Hochgeschwindigkeitszügen in China. Nach der jüngsten Auslieferung des ICE-Ablegers Velaro zeigte sich der Technologiekonzern optimistisch, dass er vom "restlichen Kuchen noch einiges abbekomme". So drückte sich der Leiter des Siemens-Geschäftsgebietes Transportation Systems Train, Ansgar Brockmeyer, in der "Süddeutschen Zeitung" aus. China hat 60 Züge vom Typ Velaro bestellt.

Salzgitter liefert noch mehr Röhren
Erneut meldete Salzgitter einen Millionenauftrag aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Für 460 Millionen Euro wird der im MDax notierte Stahlkonzern gemeinsam mit der japanischen Sumitomo und der indischen Jindal eine 360 Kilometer lange Ölpipeline bauen. Ab 2009 soll die Pipeline Öl aus den VAE zum Golf von Oman pumpen. Erst kurz vor Weihnachten hatte Salzgitter einen 200 Millionen Dollar schweren Auftrag zum Bau einer Pipeline in Katar erhalten.

Krones voller Zuversicht
Beim Getränkeabfüllanlagenhersteller Krones stützte eine gute Geschäftsprognose den Kurs. Finanzchef Hans-Jürgen Thaus sagte dem Anlegermagazin "Euro am Sonntag", dass der Konzern 2008 beim Jahresüberschuss mit einem Plus zwischen 20 und 30 Prozent rechne. Auftragsbestand und Auftragseingang dürften um 15 bis 20 Prozent zulegen, so Thaus.

Immobilientitel plötzlich wieder gefragt
Auffallend waren die starken Kursgewinne bei den Immobilienaktien. "Offenbar steigen einige jetzt bei denjenigen Werten ein, die vergangenes Jahr besonders stark gebeutelt wurden", sagte ein Börsianer. Viele professionelle Anleger dürften sich diese Titel wieder ins Depot legen, nachdem sie diese aus "kosmetischen" Gründen noch zum Jahresende daraus entfernt hatten.

Die Aktie von Gagfah legte 3,3 Prozent zu. 2007 war sie mit einem Minus von über 50 Prozent der zweitschlechteste Wert im MDax. Auch die im SDax gelisteten Konkurrenten Alstria, Patrizia, Vivacon und Deutsche Wohnen legten zwischen vier und knapp zehn Prozent zu. Diese Werte hatten vergangenes Jahr Kurseinbußen von bis zu 77 Prozent verbucht.

In den hinteren Reihen legen Einzeltitel teils kräftig zu. Die Aktie von Design Bau legte um mehr als 16 Prozent zu, nachdem das Unternehmen ein Bauareal in Hamburg verkauft hat.

Ohne Meldung verteuerte sich die Aktie des Erdwärme-Spezialisten Daldrup & Söhne um über 13 Prozent. Die Firma ging Ende November an die Börse. Der Aktienwert hat sich seither verdoppelt.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"