Fehlstart

von Detlev Landmesser

Stand: 05.03.2007, 20:19 Uhr

Ungeachtet der Versicherung mancher Analysten, es handle sich nur um eine "gesunde" Korrektur, gingen die Kursverluste rund um den Globus auch am Montag weiter. Auslöser waren erneut die asiatischen Märkte.

Die Börse in Schanghai hatte 3,5 Prozent verloren, während der Nikkei-Index in Tokio den Handel mit einem Abschlag von 3,34 Prozent beendete - der größte prozentuale Tagesverlust seit neun Monaten.

Daraufhin büßte der Dax bis zu 2,5 Prozent ein, bevor die etwas moderatere Verfassung der Wall Street die Laune etwas besserte. Der TecDax brach zeitweise sogar um 4,7 Prozent ein. Der L-Dax schloss bei 6.520,51 Punkten. Vor einer Woche hatte der deutsche Leitindex noch 500 Punkte höher notiert.

Carry Trades werden aufgelöst

Auslöser der neuen Verkaufswelle in Asien war die anhaltende Kursrally des Yen: Die japanische Währung stieg zum Dollar und zum Euro auf den höchsten Stand seit drei Monaten. Was das mit den Aktienmärkten zu tun hat? Die Yen-Käufe sind offensichtlich Folge der Auflösung massiver Kredite in der japanischen Währung, die in höher verzinsliche Währungen wie Dollar oder Euro getauscht worden waren. Die Auflösung dieser so genannten Carry Trades bedeutet aber gleichzeitig, dass Kapital aus den genannten Währungsräumen abgezogen wird.

Auch an der Wall Street schlug sich diese Furcht nieder. Bis zum Abend notierten die US-Märkte uneinheitlich, wobei die Technologietitel von einer Umsatzwarnung von AMD belastet wurden. Der US-Chiphersteller erklärte, sein Umsatzziel von 1,6 bis 1,7 Milliarden für das laufende Quartal werde wahrscheinlich nicht erreicht.

Dagegen reagierten die Börsianer relativ gelassen auf den Einbruch des ISM-Dienstleistungsindex. Dieser legt nahe, dass sich die Stimmung der Einkaufsmanager im Dienstleistungssektor im Februar unerwartet deutlich eingetrübt hat. Der Index rutschte von 59,0 Punkten im Vormonat auf 54,3 Punkte ab. Volkswirte hatten im Schnitt mit 58 Punkten gerechnet.

Thyssen mit China-Sorgen
Das Thema "China" machte besonders der ThyssenKrupp-Aktie zu schaffen. Sollte der Kursrutsch in China tatsächlich Vorbote eines konjunkturellen Abschwungs im Reich der Mitte sein, wäre dies auch bald an der weltweiten Stahlnachfrage zu spüren. Im Sog der japanischen Branchenkollegen litt auch der MDax-Wert Salzgitter unter solchen Sorgen.

Henkel enttäuscht
Die Henkel-Aktie rutschte ebenfalls über zwei Prozent abwärts. Merril Lynch hat sein Anlageurteil von "Buy" auf "Neutral" zurückgeschraubt und das Kursziel von 135 auf 110 Euro reduziert. Die Quartalszahlen seien von niedriger Qualität gewesen, insbesondere die Cash-Flow-Entwicklung habe enttäuscht, begründen die Analysten die Maßnahme.

HRE stellt sich breiter auf
Das Papier von Hypo Real Estate gehörte zu den zahlreichen Dax-Titeln, die mehr als zwei Prozent einbüßten. Das Unternehmen will sein Geschäftsmodell erheblich erweitern. Während man sich bisher auf die Finanzierung gewerblicher Immobilien konzentrierte, will man schon in wenigen Jahren der große deutsche Spezialist für großvolumige Finanzierungen werden.

Finanzinvestor bleibt dran bei SAP
Selbst die SAP-Aktie konnte sich dem Abwärtssog nicht entziehen - obwohl sich hartnäckig Spekulationen über einen Einstieg von Silver Lake hielten. Der US-Finanzinvestor plant laut "Wirtschaftswoche" ein Engagement bei dem Softwarekonzern und lässt sich von der Absage der drei Gründer nicht beirren.

Zerschlagung von T-Com?
Die T-Aktie verlor nur noch moderat. Dabei hat sich der Widerstand gegen die Sparpläne und den geplanten Konzernumbau hat sich am Wochenende verschärft. 300 Konzernbetriebsräte wandten sich in einer Resolution gegen Stellenabbau, den Verkauf von Beteiligungen und Standortschließungen. Einen Bericht der "Wirtschaftswoche" über eine bevorstehende Zerschlagung der gesamten Festnetzsparte T-Com wies ein Konzernsprecher indessen zurück.

Illegale Allianz gegen Eon?
Die Eon-Aktie hielt sich besser als der Markt. Hier gab es widersprüchliche Meldungen. Der "Spiegel" berichtete, Eon werde in den nächsten Tagen milliardenschwere Enel-Aktienpakete zusammenkaufen, um deren Pläne bei Endesa zu durchkreuzen. Enel will nämlich seinen Anteil an Endesa ausbauen, um wiederum die Übernahme von Endesa durch Eon zu blockieren. Dagegen schreibt die FAZ, Eon habe sich zwar mit dem Thema befasst, aber gegen einen Einstieg entschieden.

Unterdessen hat Eon Schützenhilfe von der spanischen Opposition erhalten. Die konservative Volkspartei (PP) reichte wegen des überraschenden Enel-Einstiegs bei Endesa am Montag eine Beschwerde bei der Madrider Börsenaufsicht ein. Darin werden der spanischen Regierung und dem italienischen Unternehmen illegale Absprachen bei der Transaktion vorgeworfen.

Autobauer im Blick
Die Aktie des Sportwagenbauers Porsche verlor nach der Bekanntgabe von Halbjahreszahlen und der Bekräftigung seiner Jahresziele deutlich, verringerte dann aber ihren Tagesverlust. Die VW-Aktie gab deutlicher nach. Die spanische Tochter Seat will nach Angaben von Gewerkschaftsvertretern im Zuge seiner Sanierung noch einmal rund zehn Prozent ihrer Stellen streichen.

Die Audi-Aktie stand ebenfalls unter Druck. Die VW-Tochter hat im Februar weltweit mehr Autos verkauft, auf dem deutschen Markt aber einen deutlichen Einbruch erlebt. Der Gesamtabsatz sei gegenüber dem Vorjahresmonat um neun Prozent auf mehr als 69.000 Fahrzeuge gestiegen, teilte das Unternehmen mit. In Deutschland sanken die Verkäufe dagegen um 9,8 Prozent auf 16.411 Neuwagen gesunken. Für die Zukunft zeigte sich der neue Audi-Chef Rupert Stadler allerdings sehr optimistisch: In den USA strebt Audi einen jährlichen Absatz von 200.000 Autos an. Im vergangenen Jahr verkaufte die VW-Tochter dort 90.116 Autos. Zudem ist das neue Jahr gut angelaufen. In den ersten beiden Monaten kletterten die Auslieferungen weltweit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf mehr als 144 000 Fahrzeuge

DaimlerChrysler - Blackstone rückt näher
Bei DaimlerChrysler hielten die Spekulationen über mögliche Kaufinteressenten für die angeschlagene US-Tochter an. Nach einem Bericht der "Detroit News" bleibt Blackstone am Ball. Der Finanzinvestor habe mit Blick auf die Vorlage eines formellen Angebots eine detaillierte Analyse der Finanzen und Geschäfte bei Chrysler erstellt.

Tui: Buchungen erfreulich
Ungeachtet positiver Nachrichten gab auch die Tui-Aktie weiter nach. Der Reisekonzern liegt bei den Buchungen für die Sommersaison 2007 im Deutschland-Geschäft mit Gästen und Umsatz im Plus. Die Zahl der Gäste liege derzeit um 6,6 Prozent, der Umsatz um 5,5 Prozent über dem jeweiligen Vorjahreswert, hatte Tui am Sonntag mitgeteilt.

Unterdessen dementierten die Fluggesellschaften Tuifly und die Billigflugtochter der Lufthansa Germanwings Informationen der "Welt am Sonntag" über eine künftige Allianz von mehreren Billigfliegern in Europa.

Analystenlob nützt Klöckner wenig
Auch im MDax überwogen die Verlierer. Die Aktie des Metallhändlers Klöckner & Co. gab trotz eines positiven Analystenkommentars über vier Prozent ab. Die Credit Suisse nahm die Bewertung mit "Outperform" und einem Kursziel von 52 Euro auf. Der Konzern sei der einzige börsennotierte Werkstoffhändler in Deutschland und spiele eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung der fragmentierten Metallhandelsmärkte in Europa und Nordamerika, schrieben die Analysten. Die volatilen Metallpreise sollten die Attraktivität der Aktie nicht überschatten.

Vossloh expandiert über den Teich
Die Nachricht von Vossloh, in den US-Markt einzusteigen, wurde positiv aufgenommen. Der Verkehrstechnikkonzern werde wesentliche Teile des Weichenherstellers Pohl mit Sitz in Pennsylvania übernehmen, teilte Vossloh mit. Der vorläufige Kaufpreis betrage 21 Millionen Dollar und unterliege einer Anpassung je nach Entwicklung des Nettoumlaufvermögens. Pohl setzte im vergangenen Jahr nach ersten Berechnungen 53 MIllionen Dollar um.

Karstadt verschiebt Neckermann-Börsengang
Die Aktie von KarstadtQuelle verlor stärker als der MDax. Der Handelskonzern verschiebt den eigentlich für dieses Jahr geplanten Börsengang seiner Versandmarke Neckermann auf das erste Quartal 2008. Die beratenden Banken Goldman Sachs und Credit Suisse hätten die Verschiebung empfohlen, weil dadurch das voraussichtlich gute Geschäftsjahr 2007 in die Bilanz von Neckermann einfließen werde, begründete ein Konzernsprecher das Vorgehen. "Mit einem guten operativen Ergebnis steigt der Wert und der erzielbare Gewinn aus dem Verkauf," sagte der Sprecher.

SGL will Spezialitätengeschäft stärken
Auch die Aktie von SGL Carbon fiel weiter zurück. Der Grafitspezialist will sein Geschäft mit Carbonfasern und Verbundwerkstoffen durch Übernahmen, Joint Ventures und Investitionen weiter ausbauen. Die Geschäftseinheit ist ein wesentlicher Treiber des künftigen Wachstums von SGL.

Gagfah und Annington?
Die Gagfah-Aktie konnte ihre frühen Verluste deutlich eingrenzen. Die Finanzinvestoren Terra Firma und Fortress sprechen über ein Zusammengehen der beiden größten deutschen Immobiliengesellschaften zum größten Wohnungskonzern Europas, berichtete der "Spiegel". Der britischen Beteiligungsgesellschaft gehört die Deutsche Annington, während die US-Firma Fortress Großaktionär bei der Gagfah ist. Ein Händler beurteilte diesen Zusammenschluss positiv. Gagfah könne diese Transaktion aber nur mit einer gewaltigen Kapitalaufstockung stemmen.

Stada kämpft sich frei
Die Stada-Aktie drehte im Verlauf noch deutlicher ins Plus, was wohl an den erfreulichen Geschäftszahlen für 2006 lag. Der Konzerngewinn stieg nach vorläufigen Zahlen um 78 Prozent auf 91,8 Millionen Euro. Daran will der Generikahersteller seine Aktionäre mit einer Dividendenerhöhung um 59 Prozent auf 62 Cent teilhaben lassen.

Dürr wechselt Finanzchef aus
Die Dürr-Aktie zählte zu den größten Verlierern im SDax. Der Stuttgarter Anlagenbauer bekommt einen neuen Finanzvorstand. Mitte Mai soll der 40-jährige Ralph Heuwing vorzeitig Amtsinhaber Martin Hollenhorst (47) ablösen. "Martin Hollenhorst hatte nach erfolgreichem Turn-around der Dürr-Gruppe den Wunsch geäußert, seinen bis April 2008 laufenden Vertrag nicht zu verlängern", teilte das Unternehmen mit. Dürr rechnet nach vier Jahren mit rückläufigen Geschäften für 2007 zum ersten Mal wieder mit einem Wachstum von fünf bis zehn Prozent.

Triumph-Adler schreibt wieder schwarz
Auch die Aktie von Triumph-Adler teilte das Schicksal vieler Gesellschaften, die in den vergangenen Tagen nach ihrer Zahlenvorlage erst einmal verkauft wurden. Dabei hat der Bürodienstleister erstmals seit fünf Jahren wieder die Gewinnzone erreicht. Das Konzernergebnis habe 2006 vor Abzug der Minderheitenanteile bei 2,2 Millionen Euro gelegen; das seien 5,2 Millionen Euro mehr als im Jahr davor, teilte das Unternehmen mit. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte von 11,7 auf mehr als 17 Millionen Euro. Den Umsatz steigerte das Unternehmen um gut zwölf Prozent auf rund 378 Millionen Euro. Die endgültigen Zahlen will das Unternehmen, das Drucker- und Kopiersysteme liefert, am 30. März bekannt geben.

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln