Fed versetzt Märkte in Aufruhr

Detlev Landmesser

Stand: 18.03.2009, 20:28 Uhr

Ihr Ziel, die Finanzmärkte zu stimulieren, hat die Fed zumindest am Mittwoch erreicht. Die Entscheidung, weitere 1.000 Milliarden Dollar in die Märkte zu pumpen, ließ die US-Aktien- und Rentenmärkte am Abend haussieren.

Der L-Dax schnellte um 1,5 Prozent auf 4.062,24 Punkte nach oben, nachdem der Xetra-Dax noch unterhalb der runden Marke geschlossen hatte. In New York sprang der marktbreite S&P-500-Index, der zuvor um die Nulllinie gependelt hatte, um mehr als zwei Prozent nach oben. Auch am US-Anleihenmarkt legten die Kurse kräftig zu.

Um 19:15 Uhr hatte die amerikanische Notenbank angekündigt, ihre Geldspritzen in die Anleihemärkte um mehr als eine Billion Dollar auszuweiten. Erstmals in der Geschichte will die Fed auch langlaufende US-Staatsanleihen kaufen, und zwar für bis zu 300 Millarden Dollar. Finanziert werden diese Maßnahmen recht simpel - durch Schöpfung neuen Geldes, also de facto mit der Notenpresse.

Der Euro sprang angesichts der berechtigten Sorgen vor den inflationären Folgen der Geldmengenexpansion um fast vier Cent auf knapp unter 1,35 Dollar.

Milliardenschwere US-Fusion?

Trotz der Gerüchte um Kaufverhandlungen zwischen IBM und Sun war die Wall Street mit Verlusten in den Tag gestartet. Die Aktie von Sun Microsystems schnellte dagegen um mehr als 80 Prozent in die Höhe. Angeblich ist IBM bereit, bis zu 6,5 Milliarden Dollar für den Serverproduzenten zu zahlen. Das berichtete das "Wall Street Journal" und zitierte "mit der Anlegenheit vertraute Personen". Allerdings könnte das Geschäft noch platzen, schränkte die Zeitung ein.

US-Leistungsbilanzdefizit gesunken
Auch die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA waren eher erbaulich. Das Defizit in der US-Leistungsbilanz sank im vierten Quartal 2008 auf den niedrigsten Wert seit über fünf Jahren. Der Fehlbetrag sank auf 132,8 Milliarden Dollar von revidiert 181,3 Milliarden Dollar im dritten Quartal, teilte das US-Handelsministerium mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Defizit von 137,0 Milliarden Dollar gerechnet.

BMW rückt von Absatzziel ab
Im Dax büßte die Aktie von BMW drei Prozent ein. 2009 sei ein Übergangsjahr, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer auf der Bilanzpressepressekonferenz in München. 2010 werde es zu einer Erholung kommen. Von seinem Absatzziel für 2012 rückte Reithofer allerdings ab. Für 2008 hatte BMW vor einer Woche einen Gewinneinbruch und einen schwächeren Umsatz bekannt gegeben.

90 Prozent weniger Gewinn bei VW?
Die VW-Aktie verlor 1,1 Prozent. Europas größter Autobauer musste sich mit einem Magazinbericht auseinandersetzen. Angesichts stark rückläufiger Absatzzahlen kalkuliert Volkswagen laut "Capital" mit einem Jahresüberschuss von gut 500 Millionen Euro, was einem Gewinneinbruch von 90 Prozent entsprechen würde. VW dementierte die Zahlen. "Der Bericht ist substanzlos", sagte ein VW-Sprecher.

Gute Nachricht für Deutsche Börse
Besser aufgelegt war die Aktie der Deutschen Börse. Die zuletzt gestiegenen Umsätze mit Aktienoptionen an der Terminbörse Eurex beflügelten den Dax-Titel. Die jüngsten Orderzahlen stimmten zuversichtlich für den Gesamtmonat vor allem mit Blick auf Freitag, da dann großer Verfallstag sei und die Handelsaktivitäten noch einmal deutlich steigen dürften, meinte ein Händler.

Krones drohen rote Zahlen
Am Abend weitete die Aktie von Krones ihren Tagesverlust aus und ging 5,9 Prozent tiefer aus dem Abendhandel. Der Hersteller von Getränkeabfüllanlagen legte seine vorläufigen Jahreszahlen vor und warnte davor, dass ein Verlust in diesem Jahr nicht auszuschließen sei. Im Jahr 2008 verbuchte der MDax-Konzern noch Rekordwerte. Der Umsatz wuchs um 10,5 Prozent auf 2,38 Milliarden Euro, während der Gewinn um 4,6 Prozent auf 106,5 Millionen Euro zulegte.

Lanxess-Aktie verliert zehn Prozent
Mit einem Verlust von 10,2 Prozent rangierte die Lanxess-Aktie am MDax-Ende. Der Chemiekonzern hat 2008 bei Umsatz und Gewinn leicht zugelegt, erwartet aber für dieses Jahr kräftige Einbußen. Schon im vierten Quartal fiel einen Verlust von 41 Millionen Euro an, und das erste Quartal, warnte Lanxess, werde nicht besser. Die Dividende halbierte Lanxess auf 50 Cent.

Wacker Chemie setzt Rekordjagd aus
Branchen- und Indexkollege Wacker war dagegen gefragt. Auch Wacker Chemie kürzte die Dividende deutlich, von 3,00 Euro auf 1,80 Euro pro Aktie. Der Konzern hat das vergangene Jahr dennoch mit neuen Rekordmarken bei Umsatz und Gewinn abgeschlossen. 2009 soll aber schwierig werden, warnte Wacker. Man werde nicht mehr das Niveau des Vorjahres erreichen.

...SGL ebenso
Leichte Gewinne verzeichnete auch die SGL-Aktie. Der Grafitspezialist hat wie Wacker Chemie 2008 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Die SGL Group bestätigte zudem ihre mittelfristigen Ziele eines organischen Jahreswachstums von fünf bis zehn Prozent, gab aber zu bedenken, dass 2009 bei Umsatz und Ebit ein Rückgang erwartet werde.

Arcandor in schwerem Fahrwasser
Die Aktie des Einzelhandels- und Urlaubskonzerns Arcandor rutschte nach Äußerungen von Konzernchef Karl-Gerhard Eick auf der Hauptversammlung deutlich ins Minus. Der ehemalige Telekom-Finanzchef kündigte einen Konsolidierungskurs für Arcandor sowie die "nachhaltige Sicherstellung der Liquidität" an. Die Gesamtverfassung des Konzerns sei "schwierig", das Verhältnis von Gewinn und Verschuldung "bedenklich". Eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr lehnte Eick ab.

Phoenix-Zahlen kommen gut an
Einer der gefragtesten TecDax-Titel war Phoenix Solar. Der Solarkonzern hat im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und für dieses Jahr die Prognose bestätigt. 2008 habe man 420 Millionen Euro umgesetzt und ein Ebit von 33,8 Millionen Euro erzielt, teilte Phoenix Solar mit. 2009 will die Firma den Umsatz auf 520 Millionen Euro steigern. Das Ergebnis soll allerdings leicht auf 31 Millionen Euro zurückgehen.

Amadeus unerwartet robust
Amadeus Fire hat die Krise bisher erstaunlich gut weggesteckt. Wie der Personaldienstleister mitteilte, hat er 2008 als "bestes Geschäftsjahr seit der Unternehmensgründung" beendet. Die Umsätze stiegen um ein Viertel auf 114,6 Millionen Euro, das Ebitda um etwa ein Drittel auf 18,1 Millionen: Amadeus will 1,38 Euro je Aktie ausschütten. Die Aktionäre lieben gute Nachrichten, die Aktie stieg um elf Prozent.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"