Fed verschreckt die Anleger

Stand: 22.09.2011, 20:02 Uhr

Die von der US-Notenbank Fed verursachten Ängste um die Konjunktur haben die Talfahrt der Aktienmärkte heute unerwartet beschleunigt. Belastend wirkte auch die Herabstufung einiger Banken aus Italien und der USA.

Der Dax bricht am Abend um gut fünf Prozent auf 5.168 Punkte ein. Auch an den US-Börsen kommt es erneut zu herben Kurseinbußen. Der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte baut im Handelsverlauf seine Verluste immer weiter aus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt über vier Prozent oder 470 Punkte niedriger als gestern bei 10.659. Damit hat der Dow wichtige Widerstandslinien durchbrochen und nähert sich seinem Jahrestief bei 10.600 Punkten.

Die Aussagen der US-Notenbank vom Vorabend hätten stark auf die Stimmung gedrückt, sagte Marktbeobachterin Anita Wisniewska-Paluch von Gekko Global Markets. Die Fed hatte gestern wegen "signifikanter Abwärtsrisiken" für die US-Konjunktur wie erwartet die Umschichtung von Anleihekäufen angekündigt. Viele Experten bezweifeln aber die Wirkung der Maßnahme. Weltbank-Präsident Robert Zoellick sagte mit Blick auf die Weltwirtschaft, er halte ein neuerliches Abgleiten in die Rezession zwar nach wie vor für unwahrscheinlich. "Aber mein Vertrauen verliert täglich an Boden angesichts des stetigen Flusses an schlechten Nachrichten." Belastend wirkten auch Abstufungen der Kreditwürdigkeit einiger Banken aus Italien und den USA sowie ein schwacher Einkaufsmanagerindex aus China. Abgerundet wurde das Bild von etwas enttäuschenden US-Jobdaten.

Banken schlechter benotet
Für Verunsicherung sorgt auch die erneute Herabstufung führender amerikanischer und europäischer Banken. So hat Moody's die Bonitätsnoten der Bank of America, Citigroup und Wells Fargo heruntergestuft. Die Analysten begründen den Schritt damit, dass die US-Regierung angesichts ihrer enormen Schulden mittlerweile weniger offen sein dürfte, große Finanzhäuser im Notfall mit Steuergeldern vor dem Kollaps zu bewahren.

Italienische Großbanken wie Intesa Sanpaolo und Mediobanca wurden ebenfalls herabgestuft - in diesem Fall von Standard & Poor's (S&P). Laut Bankenverband gehöre die Maßnahme zu den Konsequenzen der Gesamtherabstufung Italiens, erklärte der Präsident des Verbandes, Giuseppe Mussari.

Euro auf Acht-Monats-Tief
Auch der Euro kommt im Tagesverlauf kräftig unter Druck. Er rutscht zeitweise um mehr als ein Prozent auf ein Acht-Monats-Tief von 1,3382 Dollar, kann sich bis zum Abend aber wieder leicht erholen und nähert sich wieder der Marke von 1,35 Dollar.

Die Ölpreise haben auf die Sitzung der US-Notenbank Fed ebenfalls mit starken Kursverlusten reagiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur November-Lieferung kostet gut 107 Dollar. Das waren 2,71 Dollar weniger als am Vortag.

Wegen des festeren Dollars ist der Goldpreis auf den tiefsten Stand seit vier Wochen gesunken. Im Tief kostete eine Feinunze (etwa 31 Gramm) des Edelmetalls rund 1.747 Dollar und damit rund 32 Dollar weniger als am gestern. Gold ist mithin ähnlich starken Schwankungen ausgesetzt wie zuletzt die Börsen: Erst Anfang September hatte der Goldpreis ein Rekordhoch von deutlich über 1.900 Dollar erreicht. Seither hat er rund 170 Dollar oder fast neun Prozent an Wert verloren.

Fedex spürt Konjunkturabkühlung
Der Paketdienst Fedex rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem Gewinn pro Aktie zwischen 6,25 und 6,75 Dollar - 10 Cent weniger als zuvor. Analysten mit der Eintrübung gerechnet. Vor allem die Nachfrage nach den lukrativen Expressversendungen habe nachgelassen, erklärte der Konkurrent der Deutschen Post und von United Parcel Service (UPS). Im New Yorker Handel bricht die Aktie um mehr als sieben Prozent ein. In Frankfurt verliert die Aktie der Deutschen Post rund fünf Prozent.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,62
Differenz relativ
-2,63%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,50
Differenz relativ
-1,04%

Metro muss Gewinne wieder abgeben
Die Erleichterung über das Ende der Führungsdebatte bei Metro währte nur kurz. Heute sind die Aktien mit Abschlägen von mehr als sieben Prozent der schwächste Wert im Dax. Belastend wirkt sich laut Händlern ein Bericht im "Handelsblatt" aus, wonach die deutschen Real-Märkte jetzt womöglich doch nicht verkauft werden.

Schwächster Wert im Dax ist aber die Deutsche Bank, die um 8,3 Prozent einbricht.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,39
Differenz relativ
-1,95%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,64
Differenz relativ
-0,65%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,98
Differenz relativ
-1,10%

Autos im Sog der Konjunktur
Zu den schwächsten Werten im Dax gehören auch die Aktien der Autohersteller- allen voran die Papiere von Daimler. Auch die Papiere von BMW und Volkswagen verbilligen sich um mehr als sieben Prozent.

Bilfinger: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
36,08
Differenz relativ
-2,91%

Bei Bilfinger läuft's rund
Kräftig unter Druck geraten ist auch die Aktie von Bilfinger Berger. Dabei laufen die Geschäfte des Bau- und Dienstleistungskonzerns trotz Börsenturbulenzen, Euro-Schuldenkrise und Rezessionsängsten rund. Das Unternehmen habe operativ bisher keinerlei negativen Auswirkungen zu spüren bekommen, sagte Firmenchef Roland Koch am Donnerstag. "Wir haben keine Stornierungen." Der Konzern, der Konjunkturabschwünge besonders in seiner zyklischen Bau-Sparte früh registriert, sei deshalb auf Kurs, die im August leicht angehobenen Ziele für 2011 zu erreichen.

BNP dementiert Verhandlungen
Die französische Großbank BNP Paribas verhandelt nach eigener Darstellung nicht über einen Einstieg des Golfstaats Katar. "Ich dementiere dies offiziell", sagte Bank-Chef Baudouin Prot. Das Institut könne sich selbst finanzieren und seine Geschäfte tätigen. Aus Unternehmenskreisen war zuvor verlautet, die Bank wolle sich über einen Einstieg des Emirats frisches Kapital besorgen.

Stada und Aareal-Bank müssen bluten
Auch die Aktie des Vilbeler Generikaherstellers Stada steht erneut unter Verkaufsdruck. Von den zweistelligen Verlusten am Vormittag kann sie sich aber etwas erholen. Analysten erwarten eine Kapitalerhöhung.

Dagegen bricht die Aktie des Wiesbadener Immobilienfinanzierers Aareal Bank um knapp 11 Prozent ein. Wegen der Sorgen um die Schuldenkrise ist die Aktie seit Beginn des Sommers von 25 Euro auf jetzt 9,65 Euro abgestürzt.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier