Marktbericht 20:02

Größter Wochenanstieg des Jahres Fed treibt Dax über 8.200 Punkte

Stand: 12.07.2013, 20:02 Uhr

Der Dax ist auch am Freitag weiter gestiegen. Auf Wochensicht verbucht der Leitindex damit ein Plus von 5,2 Prozent. Negative Konjunkturmeldungen aus China, den USA und der EU wurden ignoriert, denn die Märkte hängen am Tropf der Notenbanken. Und die lassen ihre Geldschleusen weiter offen.

Diese Aussicht auf weiter billgiges Geld hat die Anleger auch am Freitag bei Laune gehalten. Der Dax stieg um 0,7 Prozent auf 8.213 Punkte, 54 Punkte mehr als am Vortag. Im Tagesverlauf war das Börsenbarometer zeitweise bis auf 8.244 Zähler angestiegen.

An den anderen europäischen Börsenplätzen war die Stimmung dagegen etwas angeschlagen. Investoren fürchteten, dass übers Wochenende neue Hiobsbotschaften aus den schuldengeplagten Euro-Staaten drohen könnten. Vorsichtshalber stießen sie deren Aktien ab und ließen so die Börsen in Madrid, Mailand, Lissabon und Athen zwischen 2,3 und knapp einem Prozent abrutschen.

Atempause in New York

Auch an den US-Börsen gab es nach den Rekorden vom Vortag keine weiteren Zuwächse. Im Gegenteil. Der Dow Jones-Index hatte zwar leicht im Plus eröffnet, verliert im Tagesverlauf aber an Schwung und dreht sogar leicht ins Minus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow 0,08 Prozent tiefer bei 15.447 Punkten, nachdem er am Donnerstag dank der Aussagen des US-Notenbankchefs Bernanke über eine unvermindert lockere Geldpolitik auf dem höchsten Stand seiner Geschichte geschlossen hatte.

Für Verunsicherung sorgten auch Aussagen des chinesischen Finanzministers. Der senkte nicht nur die Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf sieben Prozent sondern deutete zudem an, dass die Regierung in Peking auch mit einer noch niedrigeren Rate leben könne. Damit machte er die Hoffnung etlicher Anleger auf neue Stimuli zunichte. Die offizielle Zielmarke für das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft liegt bei 7,5 Prozent.

Insgesamt jedoch seien die Märkte von den Aussagen des US-Notenbankchefs Ben Bernanke beruhigt worden, sind die Analysten überzeugt. Die Situation am amerikanischen Arbeitsmarkt verbessere sich zwar, aber die Preise seien immer noch sehr niedrig. Für die Fed gebe es von daher kaum einen Grund, ihre Geldpolitik zu straffen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Von der Aussicht auf eine unveränderte US-Geldpolitik profitiert auch der Euro. Er notiert am Abend bei 1,3049 Dollar, nachdem er noch zur Wochenmitte auf 1,28 Dollar gerutscht war. Am Morgen war er allerdings noch kurz über die Marke von 1,31 Dollar geklettert, rutschte dann wegen schlechter Nachrichten aus Portugal wieder etwas ab.

JPMorgan und Wells Fargo auf Rekordkurs

In den USA hat die Investmentbank JPMorgan Chase die Berichtssaison der Geldhäuser abermals mit einem soliden Gewinnsprung eröffnet: Der Überschuss legte im zweiten Quartal um 31 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar zu. Einige Makel hatte die Bilanz aber: So zieht das Kreditgeschäft nicht so stark an wie erhofft. Auch profitierte die Bank von Sondereffekten. Die viertgrößte US-Bank Wells Fargo hat im zweiten Quartal ebenfalls Gewinn und Einnahmen stärker gesteigert als gedacht. Das Institut profitierte unter anderem davon, weniger Geld für notleidende Kredite zurücklegen zu müssen. Wells Fargo wies einen Rekordgewinn von 5,5 Milliarden Dollar oder 98 Cent je Aktie aus, knapp ein Fünftel mehr als vor Jahresfrist.

UPS erwartet weniger Gewinn

Dagegen muss der US-Paketzulieferer UPS wegen Überkapazitäten auf dem Markt für Luftfracht und einer schwächelnden US-Industrie seine Gewinnerwartung für dieses Jahr senken. Statt 4,98 Dollar erwartet das Unternehmen jetzt einen Gewinn je Aktie zwischen 4,65 und 4,85 Dollar. Im zweiten Quartal werden 1,13 Dollar erwartet, Analysten hatten 1,20 Dollar eingepreist. Die Aktie gibt im vorbösrlichen New Yorker Handel etwas nach. Auch die Aktie des heimischen Konkurrenten Deutsche Post wird von dem Ausblick belastet und beendet den Handel im Minus.

Daimler fährt voran

Im Dax ist die Aktie von Daimler der absolute Spitzenreiter mit einem Plus von über sechs Prozent. Das Unternehmen hatte am Nachmittag überraschend Quartalszahlen vorgelegt, die besser ausgefallen sind als erwartet. Der Konzernumsatz stieg auf 29,7 Milliarden Euro, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen, inklusive Sondereffekten, erreichte 5,2 Milliarden Euro. Dazu beigetragen hat auch der Verkauf des EADS-Anteils. Details will Daimler am 24. Juli 2013 veröffentlichen. Von der guten Bilanz profitieren auch die Aktien von Volkswagen.

Konkurrenten beflügeln SAP und Infineon

Zu den starken Werten im Dax gehören auch die Papiere von Infineon und SAP. Beide Aktien profitieren von den guten Zahlen des indischen IT-Dienstleisters Infosys Technologies. Auch die geplante Invensys-Übernahme dürfte eine Rolle spielen. Am Markt wird zudem auf eine vorzeitige Veröffentlichung der eigentlich für kommenden Donnerstag geplanten SAP-Quartalszahlen spekuliert. Infineon profitiert von einer Heraufstufung des amerikanischen Konkurrenten AMD, der am Abend an der Wall Street gut elf Prozent dazugewann.

Daumen hoch für Bayer

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den Gewinnern im Dax gehört auch die Bayer-Aktie. Die Analysten von Jefferies honorieren die gut laufenden Geschäfte mit Agrarchemikalien und Medikamenten und bestätigen ihre Kaufempfehlung. Auftrieb sollte Bayer auch von Medikamenten wie dem Gerinnungshemmer Xarelto erhalten. Dessen Umsatzpotential wird auf zwei Milliarden Euro jährlich geschätzt.

K+S auf Fünfjahrestief

Einer der größten Verlierer im Dax ist dagegen erneut die Aktie von K+S. Das Papier steht seit Wochen auf der Verkaufsliste und hat allein in den vergangenen drei Monaten knapp 18 Prozent an Wert eingebüßt. Der Kursverfall der letzten drei Jahre beträgt gar 65 Prozent.

Swiss Re und Phoenix prüfen Zusammenlegung

Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re und die britische Phoenix Group prüfen eine Zusammenlegung ihrer Admin-Re-Geschäfte. Beide Konzerne bestätigten am Freitag entsprechende Verhandlungen. Zuvor hatte der britische Fernsehsender "Sky News" berichtet, das Geschäft würde sich auf drei Milliarden Pfund (3,5 Milliarden Euro) belaufen. Weder Swiss Re noch Phoenix wollten sich zu einem möglichen Transaktionswert äußern. Phoenix betreibt das sogenannte Admin-Re-Geschäft, in dem geschlossene Lebens- und Krankenversicherungsbestände abgewickelt werden.

Cancom bald in den Wolken

Cancom-Aktien setzen ihren Aufwärtstrend fort. Die im TecDax gelisteten Aktien des Computerhändlers steigen am Freitag um 10,5 Prozent. Seit Mittwoch haben sie rund zehn Prozent zugelegt. Die Transformation von einer wenig spannenden IT-Firma zu einem Anbieter von Cloud-Lösungen sei auf einem guten Weg, schrieb Tim Wunderlich, Analyst bei Hauck & Aufhäuser, in einem Kommentar. Die jüngste Roadshow des Unternehmens habe signalisiert, dass die Nachfrage nach Cloud-Lösungen von Cancom stärker ausfielen als von der Privatbank erwartet.

Stratec im Sinkflug

Um mehr als 13 Prozent abwärts geht es dagegen mit der ebenfalls im TecDax notierten Aktie von Stratec Biomedical. Das Unternehmen warnt vor Umsatzrückgängen in zweistelliger Millionenhöhe, weil ein Kunde seinen Vertrag nicht fortführen wird. Für 2013 erwartet Stratec jetzt Umsatzerlöse von 127 bis 138 Millionen Euro bei einer EBIT-Marge zwischen 14,0 Prozent und 15,5% Prozent.

Fielmann ex Dividende

Fielmann-Titel werden ex Dividende gehandelt und sind deshalb der schwächste Wert im MDax. Die Optikerkette schüttet 2,70 Euro je Aktie an ihre Anteilseigner aus. Gestern hatte das Unternehmen die Zahlen zum zweiten Quartal vorgestellt.

Gagfah wieder empfohlen

Nach dem dramatischen Absturz der Aktie des Immobilienkonzerns Gagfah infolge einer überraschenden Kapitalerhöhung gehört das Papier heute zu den stärksten Werten im MDax. Grund ist eine Heraufstufung sowohl von Berenberg als auch von der Commerzbank. Die Analysten der beiden Banken empfehlen die Gagfah-Aktie jetzt zum Kauf.

Patrizia vergrößert sich

Im SDax verstärkt sich die Immobiliengesellschaft Patrizia mit Gewerbeimmobilien. Das Unternehmen erwirbt ein Portfolio aus 86 deutschen Einzelhandelsimmobilienfür ein neues Co-Investment. Der Kaufpreis betrage rund 178 Millionen Euro.

Schneider hat ehrgeizige Ziele

Der französische Elektrotechnik-Konzern Schneider will mit einer milliardenschweren Übernahme in der Industrie-Automatisierung zu Siemens aufschließen. Die Franzosen bieten für das britische Technologieunternehmen Invensys umgerechnet 3,8 Milliarden Euro (3,3 Milliarden Pfund). Die Gespräche seien aber noch in einem frühen Stadium, bestätigte Schneider. Bis zum 8. August habe der Konzern nun Zeit, entweder eine verbindliche Offerte vorzulegen oder die Pläne zu vergessen.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"