Fed schüttelt die Märkte durch

Detlev Landmesser

Stand: 31.10.2007, 20:10 Uhr

Mit heftigen Kursausschlägen reagierten die Finanzmärkte auf die Zinssenkung der Fed am Abend. Nach einem kurzen Einbruch legten die Aktienmärkte wieder deutlich zu.

Wie von den meisten Beobachtern erwartet, senkten die Währungshüter den Leitzins ein zweites Mal, und zwar um 25 Basispunkte auf 4,5 Prozent. Nach der Bekanntgabe um 19:15 Uhr unserer Zeit rutschten die US-Börsen sogar kurzzeitig ins Minus.

Zum einen war der Zinsschritt weithin in den Kursen vorweggenommen worden, außerdem mäkelten manche Marktteilnehmer an dem begleitenden Statement der Fed herum. Deren Aussage von einem nun etwa ausgewogenen Risiko zwischen Inflation und Wachstum signalisiere, dass es keinen Automatismus für eine weitere Zinssenkung gebe.

Börsen fangen sich schnell wieder

Wäre die Fed allerdings von der Erwartung in die eine oder andere Richtung abgewichen, wäre der Jammer an den Märkten noch viel größer gewesen. Diese Einsicht setzte sich im weiteren Verlauf an der Wall Street durch, was den Kursen bis zur Stunde wieder deutliche Gewinne einbrachte. Der L-Dax beschloss den Abendhandel mit 8.039,46 Punkten rund 20 Punkte höher als der Xetra-Dax.

Rekorde bei Euro und Öl
Auch der Devisenmarkt reagierte heftig auf die Zinssenkung: Kurzzeitig schoss der Euro erstmals in seiner Geschichte auf mehr als 1,45 Dollar, genauer auf 1,4504. Auch der Ölpreis haussiert weiter. Der Preis für ein Barrel der richtungsweisenden Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Dezember übersprang im Gefolge schwacher US-Lagerbestandsdaten erstmals die Marke von 94 Dollar.

Die aktuellen Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten hatten das Bild verstärkt, dass die US-Wirtschaft zuletzt zwar robust gewachsen ist, aber jüngst einen Dämpfer von der Kreditkrise mitbekommen hat.

Die Google-Aktie notierte erstmals über 700 Dollar - nachdem sie erst am 8. Oktober die 600-Dollar-Marke überschritten hatte. Diesmal trieben Spekulationen über eine Handy-Kooperation mit dem US-Mobilfunkanbieter Verizon Wireless den Internettitel nach oben.

Deutsche Bank wird gefeiert
Die Gewinnerliste im Dax wurde stark von Unternehmen dominiert, die am Morgen gute Quartalsberichte vorgelegt hatten. Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal besser abgeschnitten als zuletzt befürchtet, was nach den bösen Überraschungen einiger ausländischer Institute für Erleichterung sorgte. Davon profitierten auch die anderen Bankentitel. Bei MAN halfen kräftige Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis. Außerdem hob der Münchner Konzern seine Jahresprognose für die Erlöse und den Auftragseingang an.

VW nicht zu bremsen
Die VW-Stammaktie setzte ihre nicht enden wollende Aufwärtsbewegung fort. Beinahe hätte der Dax-Titel sogar die runde Marke von 200 Euro erreicht. Ein Börsianer verwies auf die Kurszielanhebung für die Tochter Audi durch Morgan Stanley. Die Analysten sehen das Kursziel für die Audi-Aktie nun bei 1.020 nach bisher 850 Euro.

Auch die Aktie des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care (FMC) schlug sich nach kräftigen Zuwächsen im dritten Quartal hervorragend. Noch besser lief die im MDax notierte Vorzugsaktie des Mutterkonzerns Fresenius.

Tognum wird entdeckt
Im MDax war auch Index-Neuling Tognum gefragt. Die Zahlen zum dritten Quartal sind laut Händlern "besser als erwartet" ausgefallen. Zudem hat der Dieselmotorenhersteller seinen Ausblick auf der Umsatzseite leicht erhöht.

Techem noch teurer
Auch die verbliebenen Akitonäre des Energiedienstleisters Techem konnten nicht klagen. Die australische Investmentbank Macquarie hat ihr Übernahmeangebot um zwei auf 60 Euro je Techem-Aktie erhöht. Durch den Kauf von Anteilen der bisherigen Techem-Großaktionäre steigt der Macquarie-Anteil auf deutlich über 50 Prozent.

Gea-Aufträge enttäuschen
Größter Verlierer im MDax war das Papier des Maschinen- und Anlagenbauers Gea. Eigentlich waren die Zahlen zum dritten Quartal erfreulich ausgefallen. Die Marktteilnehmer zeigten sich aber vom Auftragseingang enttäuscht.

Super-Gau für GPC
Einen dramatischen Absturz erlebte die Aktie von GPC Biotech. Der TecDax-Titel verlor fast 60 Prozent an Wert. Das Unternehmen hat bei seinem mit Abstand größten Hoffnungsträger, dem Prostatakrebsmittel Satraplatin, erneut einen schweren Rückschlag erlitten. In einer Zulassungsstudie in Kombination mit dem Entzündungshemmer Prednisone sei der Endpunkt zur Gesamtüberlebenszeit nicht erreicht worden, teilte GPC mit. Das Unternehmen will nun die weitere Entwicklung des Mittels überprüfen.

Noch einer will Tele Atlas
Die Aktie von Tele Atlas schnellte um mehr als 15 Prozent nach oben. Um den Hersteller von digitalen Landkarten für Navigationssysteme ist eine Übernahmeschlacht entbrant. Der US-Navigationsspezialist Garmin bietet 24,50 Euro je Aktie und damit 15 Prozent mehr als die niederländische TomTom. Die Anleger rechnen offenbar mit noch höheren Angeboten. Denn die Aktie notiert über 27 Euro.

Balda verdient besser
Im SDax zählte Balda zu den zahlreichen Gewinnern. Der Handy-Zulieferer hat in den ersten neun Monaten 2007 den Umsatz seiner fortgeführten Kernbereiche um 61,3 Prozent auf 172,3 Millionen Euro nach oben geschraubt. Das operative Ergebnis lag bei 9,8 Millionen Euro nach einem Vorjahresminus von sieben Millionen Euro. Außerdem will das Unternehmen sein verlustträchtiges Europa-Geschäft noch im laufenden Jahr verkaufen.

KWS wächst und gedeiht
Die KWS-Aktie konnte ihren Tagesgewinn dagegen nicht halten. Der größte deutsche Saatguthersteller hat im Geschäftsjahr 2006/07 seinen Gewinn von 28,4 Millionen Euro im Vorjahrszeitraum auf von 38,2 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz legte um knapp sieben Prozent auf 537,9 Millionen Euro zu. Die Dividende soll von 1,20 Euro auf 1,40 Euro angehoben werden.

Patrizia erhöht Gewinnprognose
Eine Erhöhung der Gewinnprognose konnte den Wertverfall der Patrizia-Aktie zur Wochenmitte nicht stoppen. Die Immobiliengesellschaft aus dem SDax rechnet nun mit einem Überschuss von 48 Millionen Euro, drei Millionen mehr als bislang. Wegen einer Höherbewertung von 66,3 Millionen Euro schoss das Nettoergebnis in den ersten neun Monaten auf 46,5 Millionen Euro in die Höhe. Nicht richtig in Schwung kam allerdings der Verkauf von Wohnungen: Im dritten Quartal stieß Patrizia lediglich 123 Objekte ab und blieb damit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Der Umsatz fiel im Zeitraum von Januar bis September auf knapp 100 Millionen Euro, nach 195 Millionen vor Jahresfrist.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
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Konjunktur:
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USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr