Februar endet tiefrot

von Detlev Landmesser

Stand: 27.02.2009, 20:28 Uhr

Ein neuer Höhepunkt der Finanzkrise brachte die Börsen am Freitag in Bedrängnis. Der Dax stürzte zeitweise auf ein neues Jahrestief. Am Abend stabilisierten sich die US-Märkte ein klein wenig.

Unter hohen Schwankungen reduzierten die amerikanischen Aktien ihre Verluste, was auch dem L-Dax wieder etwas nach oben half, der mit 3.861,07 Punkten ins Wochenende ging. Zuvor hatte der Dax bis zu 4,5 Prozent auf ein neues Jahrestief von 3.764,69 Punkten eingebüßt. Insgesamt verlor der Leitindex im Februar 11,4 Prozent.

Wie fähigere Ökonomen schon längst vermutet haben, steckt die US-Wirtschaft viel tiefer in der Rezession als bislang angegeben. Das Bruttoinlandsprodukt sank im vierten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 6,2 Prozent, teilte das US-Wirtschaftsministerium nach neuen Berechnungen mit. Das ist der stärkste Rückgang seit Anfang 1982. Die Erstschätzung hatte noch auf ein Minus von 3,8 Prozent gelautet. Volkswirte hatten für die zweite Schätzung mit minus 5,4 Prozent gerechnet.

Die weiteren Daten des Tages fielen versöhnlicher aus: So hellte sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der Region Chicago überraschend auf. Der entsprechende Index kletterte im Februar von zuvor 33,3 auf 34,2 Punkte. Volkswirte hatten mit einem leichten Rückgang auf 33,0 Punkte gerechnet. Zudem trübte sich das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima im Februar nicht ganz so stark ein wie in der Erstschätzung. Der endgültige Wert lag bei 56,3 Zählern; während Ökonomen eine leichte Revision von ursprünglich 56,2 auf 56,0 Punkte erwartet hatten.

Staat fängt Citigroup auf

Noch mehr Aufregung als die Konjunkturdaten verursachte die einst größte US-Bank Citigroup, deren Aktie bis zum Abend fast 40 Prozent einbüßte. Angesichts eines neuen Milliardenlochs bei dem taumelnden Finanzkonzern weitet der Staat seine Beteiligung von bisher acht auf bis zu 36 Prozent aus. Unterdessen wurde für 2008 ein zusätzlicher Verlust von 8,7 Milliarden Dollar festgestellt. Zudem seien Abschreibungen auf den Goodwill in Höhe von 9,6 Milliarden Dollar nötig.

Auch andere Branchenvertreter wie die Bank of America oder JPMorgan gerieten unter Druck. "Anleger machen sich nun Sorgen, welche Bank als nächste die stützende Hand aus Washington benötigt", sagte ein Händler.

Gigantische Verluste bei Lloyds
Auch aus Europa kam eine weitere Banken-Krisenmeldung aus der Branche. Nach der Royal Bank of Scotland wird nun auch die frisch fusionierte britische Bankengruppe Lloyds von einem Milliardenverlust erschüttert. Grund für den Fehlbetrag von umgerechnet 11,3 Milliarden Euro sind vor allem die Probleme mit der neuen Tochter, dem Baufinanzierer HBOS. Auch die Lloyds Banking Group verhandelt über neue Staatshilfen. Die Lloyds-Aktie brach an der Londoner Börse um über 20 Prozent ein.

Telekom setzt Hoffnungszeichen
Einziger Gewinner im Dax war am Ende die T-Aktie mit einem Plus von zeitweise 2,9 Prozent. Die Deutsche Telekom hat im vierten Quartal ihren Umsatz um zwei Prozent auf 16,1 Milliarden Euro verbessert. Die Durchschnittsprognose der Analysten lag bei 15,9 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 1,3 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Hier hatten die Experten im Schnitt 4,6 Milliarden Euro erwartet. Auch die Ziele für das Gesamtjahr erfüllte der ehemalige Staatskonzern. Die Dividende soll wie im Vorjahr bei 78 Cent je Aktie liegen. Außerdem hat die Telekom die Zusammenlegung von Festnetz und Mobilfunk beschlossen.

Bayer zahlt Rekorddividende
Die Bayer-Aktie hielt sich besser als der Markt. Der Chemie- und Pharmakonzern erhöht seine Dividende auf ein Rekordniveau. Für 2008 soll die Ausschüttung um fünf Cent auf 1,40 Euro je Aktie steigen, wie zuletzt für das Jahr 2000. Mit der Dividendenerhöhung um 3,7 Prozent wolle Bayer die Aktionäre "angemessen am Unternehmenserfolg beteiligen", sagte Vorstandschef Werner Wenning.

Böse Gerüchte um Adidas
Die Aktie von Adidas litt unter einem merkwürdigen Gerücht. "Es wurde heute morgen aus London das Gerücht gestreut, dass Adidas seinen Ausblick gesenkt hat", sagte ein Händler. Allerdings habe der Sportartikelhersteller gar keinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr abgegeben, gaben Händler zu bedenken. "Wenn es keinen Ausblick gibt, kann man diesen fehlenden Ausblick auch nicht senken."

Lufthansa greift nach AUA
Die Deutsche Lufthansa hat ihr bereits angekündigtes freiwilliges Übernahmeangebot für die österreichische Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) vorgelegt. Der Frankfurter Konzern bietet den freien Aktionären wie geplant 4,49 Euro je AUA-Aktie. Die Annahmefrist läuft vom 2. März bis 11. Mai. Als neue Bedingung fordert die Lufthansa nun aber auch, dass die in Turbulenzen geratene AUA nicht insolvent wird.

Erleichterung bei Premiere
Die Premiere-Aktie gehörte zu den stärksten Gewinnern im MDax. Die Aktionäre des verlustreichen Pay-TV-Senders hatten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung in Höhe von 412 Millionen Euro abgesegnet. Im Vorfeld hatte Premiere-Großaktionär Rupert Murdoch zugesichert, alle nicht anderweitig verkauften neuen Aktien zu zeichnen.

Tui sichert Hapag-Lloyd-Verkauf
Die Tui-Aktie gab einen Teil ihrer Vortagesgewinne wieder ab. Der Aufsichtsrat hat die Änderungen beim Verkauf der Reedereitochter Hapag-Lloyd gebilligt, teilte der MDax-Konzern am Freitag mit. Die Tui behält an Hapag-Lloyd einen Anteil von 43,3 Prozent, bisher waren 33,3 Prozent vorgesehen. Außerdem will Tui eine zusätzliche Kreditlinie von bis zu einer Milliarde Euro bereitstellen, um die finanzielle Stabilität der Hapag-Lloyd-Gruppe auch nach dem Verkauf zu gewährleisten. Der Verkauf der Tochter an ein Hamburger Konsortium soll Mitte März abgeschlossen werden.

Fuchs über Erwartungen
Die Vorzugsaktie von Fuchs Petrolub konnte sich im Verlauf nicht im Plus halten. Dabei hat der Schmierstoffhersteller im vergangenen Jahr besser als erwartet abgeschnitten. Der Umsatz stieg nach vorläufigen Zahlen um zwei Prozent auf 1,39 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 1,37 Milliarden gerechnet. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank um zwölf Prozent auf 171,7 Millionen Euro. Hier lagen die Erwartungen bei 159 Millionen. Das MDax-Unternehmen rechnet damit, dass die unbefriedigenden Marktbedingungen im laufenden Jahr andauern.

Cewe Color schlägt sich gut
Der Foto-Entwickler Cewe Color hat im vergangenen Geschäftsjahr seinen Umsatz von 413,5 auf 420,0 Millionen Euro gesteigert. Wegen geringerer Restrukturierungsaufwendungen und eines einmaligen Steuereffekts stieg der Gewinn sogar um 19,4 Prozent auf 7,0 Millionen Euro. Zum laufenden Geschäftsjahr äußerte sich das Unternehmen bisher noch nicht konkret.

Zapf noch tiefer in Rot
Der Puppenhersteller Zapf Creation ist im vergangenen Jahr tiefer in die Verlustzone gerutscht. Der Fehlbetrag habe sich nach vorläufigen Zahlen verglichen mit dem Vorjahr auf 5,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt, teilte das fränkische Unternehmen mit. Der Umsatz sei um knapp sechs Prozent auf 104,4 Millionen Euro geschrumpft. Vor allem das wichtige vierte Quartal sei "von einer starken Kaufzurückhaltung geprägt" gewesen, teilte Zapf mit. Es gab auch keinen Ausblick auf 2009.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr