Marktbericht 20:03 Uhr

Dax muss Gewinne wieder abgeben Fallende Ölpreise verderben die Party

Stand: 11.01.2016, 20:03 Uhr

Der Dax hat sich nach den Verlusten der Vorwoche nicht befreien können. Fallende Ölpreise schürten erneut Konjunkturängste - vor allem um China. Die Gewinne schmolzen komplett ab.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
Differenz relativ
-0,11%

Der heutige Handelstag hat deutlich gemacht, wie nervös die Anleger derzeit sind. Es ging auf und ab am deutschen Aktienmarkt. Am Ende beendete der Dax den Tag dort, wo er begonnen hatte - leicht im Minus. Der Index gab 0,25 Prozent nach und schloss bei 9.825 Punkten in der Nähe seines Tagestiefs bei 9.813 Punkten. Auch im Späthandel tat sich nicht viel. Der L/E-Dax verbesserte sich leicht auf 9.836 Punkte.

Ölpreise im freien Fall

Es war kein Tag für schwache Nerven. Gleich zwei Mal startete der Index einen Erholungsversuch, der ihn in der Spitze bis auf 9.978 Punkte brachte. Geholfen hat es letztlich nichts, am Nachmittag sanken die Kurse wieder im Gefolge einer nachgebenden Wall Street.

In New York hatte der Tag zunächst vielversprechend begonnen, ehe ein erneuter Schwächeanfall beim Ölpreis den Erholungsversuch beendete. Nordseeöl der Sorte Brent stürzte um 5,5 Prozent auf 31,69 Dollar je Fass (159 Liter) ab und kostete damit so wenig wie zuletzt im April 2004. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um fast fünf Prozent auf ein frisches Zwölf-Jahres-Tief von 31,55 Dollar.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.414,77
Differenz relativ
+0,52%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,88
Differenz relativ
+0,11%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,60
Differenz relativ
-0,04%

Wackelkandidat China

Die Talfahrt der Börsen in China sowie die Währungspolitik der Zentralbank hält die Anleger seit Jahresbeginn auf Trab. Das Reich der Mitte gilt neben den USA als zweite Lokomotive der Weltwirtschaft. Der Boom vergangener Jahre aber schwächt sich ab, was an den Weltbörsen für immer mehr Verunsicherung sorgt.

"Die Lage in China ist undurchsichtig, das verunsichert die Anleger gehörig", sagte ein Händler. Die Beschleunigung des Preisverfalls beim Öl schürte die hohe Nervosität. Denn letztlich spiegele dies die Erwartung auf eine nur schwache Konjunkturentwicklung wider. Auch die chinesische Wirtschaftspolitik sorge derzeit eher für Verwirrung und halte Investoren von größeren Käufen ab, hieß es auf dem Parkett.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
Audio

Börse 19.00 Uhr

Vor allem eine weitere Abwertung der Landeswertung Yuan könnte erheblichen Sprengstoff bergen, wie bereits im vergangenen Sommer gesehen. Allerdings hat die People's Bank of China zuletzt eine Aufwertung zugelassen. Die Märkte bleiben jedenfalls skeptisch.

Der Tag der Autos

Unter den Einzelwerten im Dax standen zum Auftakt der Detroit Motor Show die Auto-Titel im Fokus. VW-Vorzüge legten zu und schlossen deutlich unter Tageshoch 1,69 Prozent im Plus. VW-Chef Matthias Müller will sich am Mittwoch mit der Chefin der Umweltbehörde EPA treffen. Dabei will Müller einen neu entwickelten Katalysator für die vom Abgas-Skandal betroffenen Dieselautos präsentieren.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

Auch positive Nachrichten von den Zulieferern stützten zunächst die Branche, ehe sie mit dem Gesamtmarkt zurückfiel. Am Nachmittag standen zahlreiche Pressetermine der großen deutschen Autobauer im Vorfeld der Messe auf der Agenda. Der Verband VDA hat derweil erklärt, er rechne 2016 in den USA mit einem Nachfrageanstieg von einem Prozent auf insgesamt 17,5 Millionen Einheiten. Der deutsche Anteil soll bei 1,4 Millionen Fahrzeugen stagnieren.

BMW mit Rekordabsatz

Der Münchener Autobauer blickt auf eine erfolgreiches Jahr 2015 zurück. Der Konzern hat im vergangenen Jahr 2,25 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft und damit einen neuen Rekordabsatz erzielt. Dank der starken Nachfrage in Europa legte der Absatz um gut sechs Prozent zu. Zum Jahresende gab es allerdings Gegenwind, der Verkauf schrumpfte um 0,8 Prozent.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,74
Differenz relativ
-0,62%

BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson zeigte sich am Montag auf der Automesse in Detroit daher vorsichtig. Zwar bleibt BMW Marktführer in der Oberklasse, die Konkurrenz hat aber kräftig aufgeholt. In China rechnet Robertson nur noch mit einem kleinen Verkaufsplus im einstelligen prozentualen Bereich. BMW-Papiere rutschten zum Handelsschluss mit dem Gesamtmarkt noch ins Minus.

Daimler blickt hoffnungsvoll gen China

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%

Daimler blickt hingegen zuversichtlich auf den weltgrößten Automarkt China. Der Absatz der Kernmarke Mercedes werde dort weiter wachsen, sagte Daimler-Vorstand Troska vor Beginn der Automesse in Detroit. Eine konkrete Prognose für 2016 blieb der Manager indes schuldig. Auch Daimler-Papiere, die lange Zeit im Plus lagen, schlossen noch leicht im Minus.

Continental profitiert von robusten Automärkten

Der Autozulieferer Continental hat dank hoher Nachfrage in Europa und den USA Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr kräftig gesteigert. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 39,2 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um gut zwölf Prozent auf 4,4 Milliarden Euro.

Lufthansa: Gewinner des niedrigen Ölpreises

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,15
Differenz relativ
+0,30%

Die Lufthansa rechnet für 2016 mit Rückenwind durch das billige Kerosin. Die Treibstoffkosten sollen trotz eines wachsenden Flugangebots im Jahresvergleich um 800 Millionen auf 4,9 Milliarden Euro sinken, wie aus einer Präsentation zu einer Bankenveranstaltung am Freitag in New York hervorgeht. Das Ebit soll erneut gesteigert werden. Die Aktie konnte heute jedoch nicht an die jüngsten Erfolge anknüpfen und gehörte zu den schwächsten Papieren im Leitindex.

Eon eröffnet die neue Firmenzentrale

Deutschlands größter Energiekonzern Eon hat am Montag seine neue Konzernzentrale in Essen offiziell eröffnet. Vom neuen Firmensitz aus konzentriert sich Eon künftig mit weltweit mehr als 40.000 Mitarbeitern auf erneuerbare Energien, Netze und Kundenlösungen. Die Kraftwerkssparte mit rund 14.000 Menschen bleibt zusammen mit dem Handel unter dem neuen Namen Uniper in Düsseldorf. Geplant ist, Uniper im Herbst 2016 an die Börse zu bringen. Eon legten gegen den Markt zu. Konkurrent RWE beendete den Handel sogar als Klassenbester.

Hella nach Zahlen gefragt

Aus der zweiten Reihe hatte der Autozulieferer Hella hat im zweiten Geschäftsquartal von einer guten Nachfrage in Amerika und Europa profitiert, auch die Geschäfte in China liefen besser. Das operative Ergebnis (Ebit) legte von September bis Ende November um sechs Prozent auf 134 Millionen Euro zu. Der Umsatz kletterte um zehn Prozent auf 1,66 Milliarden Euro. Hella waren bester MDax-Wert.

Auch das Schaeffler-Papier gehörte im SDax nach einer positiven Analystenmeinung der HSBC zu den Gewinnern. Analyst Henning Cosman zählt die Aktie zu seinen "Top Picks" für 2016. Nach den überraschend starken Geschäftszahlen für das vergangene Quartal und dem bestätigten Ausblick rechnet er im neuen Jahr mit weiteren Kurstreibern für die im Branchenvergleich unterbewertete Aktie.

Evonik plant deutlich höhere Dividende

Der Chemiekonzern Evonik will seinen Anteilseignern eine deutlich erhöhte Dividende zahlen. Auf Grundlage vorläufiger Zahlen für das Jahr 2015 hat der Vorstand beschlossen, "eine Dividende in Höhe von 1,15 Euro je Aktie anzustreben". Für 2014 hatten die Anteilseigner 1,00 Euro je Anteilsschein erhalten.

Deutsche Wohnen lockt mit höherer Dividende

In der Abwehrschlacht gegen Deutschlands größten Wohnungskonzern Vonovia lockt die kleinere Rivalin Deutsche Wohnen ihre Anleger mit einer höheren Dividende. Für das Geschäftsjahr 2016 will der Konzern erstmals 65 Prozent des operativen Ergebnisses (FFO) an die Aktionäre ausschütten.

Drillisch mit Doppel-Lob

Die Drillisch-Aktie setzte im TecDax ihre Erholungsrally nach positiven Analystenstimmen fort. Die Citigroup hat die Papiere auf die Liste der "Key Buys" des Hauses, also der aussichtsreichsten Empfehlungen, gesetzt. Auch die HSBC hat eine Kaufempfehlung für den Titel ausgesprochen und ihn zu ihren "Top Picks" des ersten Halbjahres erklärt. Die Aktie liegt am Nachmittag an der TecDax-Spitze.

Schwarzer Tag für Qiagen

Die Anleger kannten bei Qiagen dafür keine Gnade: Nach einem etwas schwächeren Geschäft zum Jahresende werden die Papiere des Laborzulieferers mit 20,40 Euro auf das tiefste Niveau seit Februar vergangenen Jahres abverkauft. Der Kursverlust beträgt 13,5 Prozent in der Spitze. Am Ende war es ein schwarzer Tag für die Aktie mit einem Minus von 11,13 Prozent.

Dialog: Schwacher Umsatzausblick

Schwache Zahlen kommen auch von Dialog Semiconductor. Für 2016 rechnet der Apple-Lieferant wegen der Abschwächung des Smartphone-Marktes nur noch mit einem einstelligen Wachstum des Gesamtumsatzes. 2015 kletterten die Erlöse nach vorläufigen Zahlen um 17 Prozent auf 1,355 Milliarden Dollar.

Shire kauft Baxalta

Das britische Pharmaunternehmen Shire mit Sitz in Dublin geht mit dem US-Biotechunternehmen Baxalta zusammen. Das Transaktionsvolumen beträgt rund 32 Milliarden Dollar. Shire hatte bereits im August für Baxalta geboten und danach sein Angebot aufgestockt. Baxalta ist am 1.7.2015 als Spin-off der Biotech-Sparte des US-Pharmakonzerns Baxter entstanden.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"