Marktbericht 20:05 Uhr

Dax kriegt doch noch die Kurve EZB-Spekulationen sorgen für Fantasie

Stand: 20.11.2013, 20:05 Uhr

Immer mehr verdichten sich die Anzeichen dafür, dass die EZB bei ihrer Geldpolitik noch stärker aufs Gaspedal drückt als ohnehin schon. Sogar Minuszinsen scheinen zum Instrumentenkasten der Frankfurter Euro-Notenbanker zu gehören. Das Ganze hilft dem Aktienmarkt, der Dax dreht doch noch ins Plus.

Danach hatte es in einem größtenteils völlig impulslosen Handel lange Zeit nicht ausgesehen. Aber nach einem Bericht der Nachrichtenagentur "Bloomberg" ging es in der Spitze bis auf 9.236 Zähler nach oben. So heißt es in der Bloomberg-Meldung unter Berufung auf Insider die EZB erwäge, den Einlagensatz für Banken von derzeit Null Prozent auf minus 0,1 Prozent zu senken.

Dies würde bedeuten, dass die Banken quasi einen Strafzins an die Notenbank zahlen müssen, wenn sie das Geld weiter bei ihr parken und es nicht, wie von der Notenbank gewünscht, für die Kreditvergabe verwenden. Überlegungen dieser Art hatte EZB-Chef Mario Draghi bereits angedeutet. Er kann sich das leisten, denn Inflationssorgen gibt es derzeit kaum in der Eurozone, eher könnte sich ein viel schwieriger Gegner etablieren - die Deflation.

An der Börse kamen die Spekulationen gleichwohl gut an. Der Dax schloss bei 9.202 Punkten, ein leichter Aufschlag von 0,1 Prozent. Das war zwar nur ein kleiner Gewinn, aber die Börsianer dürften ein altes neues Thema gefunden haben. Überholt die EZB mit ihrer expansiven Geldpolitik womöglich die amerikanische Fed? In Washington wird zumindest über ein Anziehen der geldpolitischen Zügel diskutiert, in Europa ist eher das Gegenteil zu erwarten.

US-Verbraucher kaufen wieder

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 07.00 Uhr

Von den zahlreichen Konjunkturzahlen aus Amerika gingen hingegen wenig Impulse aus. Dabei lagen die Einzelhandelsumsätze im Oktober mit einem Zuwachs von 0,4 Prozent über den Erwartungen eines Anstieges von 0,1 Prozent. Daten vom Hausmarkt sowie neue Preisdaten lagen hingegen im Rahmen und bewegten die Börse wenig. Der Dow-Jones-Index notiert aktuell nahezu unverändert, lediglich an der Technologiebörse Nasdaq geht es rund ein Viertel Prozent bergauf.

Die Zurückhaltung der Anleger erklärten Börsianer auch mit der am Abend anstehenden Veröffentlichung des Fed-Sitzungsprotokolls vom 29./30.10.. Die ultralockere Geldpolitik in der weltgrößten Volkswirtschaft ist wichtiger Treiber für die Börsen. Anleger reagieren deshalb sehr sensibel auf jeden Hinweis darauf, wann eine Drosselung der milliardenschweren Konjunkturhilfen zu erwarten ist.

Euro erleidet Schwächeanfall

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat nach der Mitteilung der EZB deutlicher nachgegeben und notiert aktuell bei 1,3441 Dollar über einen Cent schwächer als am Vortag. Die Aussicht auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik habe die Gemeinschaftswährung umgehend unter starken Verkaufsdruck gesetzt, sagten Händler. Die EZB hatte den Referenzkurs am Nachmittag noch bei 1,3527 Dollar festgesetzt.

ThyssenKrupp am Dax-Ende

Die Aktien von ThyssenKrupp schließen als Tagesverlierer im Dax, aber über Tagestief, mit einem Minus von 1,62 Prozent. Nach Informationen von Insidern ist der Konzern einem Verkauf des US-Stahlwerkes näher gekommen. Interessent sei ein Konsortium unter der Führung von Arcelor Mittral und Nippon Steel, hieß es weiter. Im Falle des ungleich verlusträchtigeren Werkes in Brasilien scheint es aber keine Fortschritte zu geben. Zudem droht weiter eine Kapitalerhöhung für den mit rund fünf Milliarden Euro hoch verschuldeten Konzern. Wegen der andauernden Verhandlungen wird die Vorlage des Jahresabschlusses auf den 2. Dezember verschoben.

Zudem bestätigte das Unternehmen, dass es Schadenersatz an die deutsche Bahn wegen verbotener Preisabsprachen mit anderen Schienenherstellern zahlen werde. Eine Summe wurde noch nicht genannt, aus Bahnkreisen war von 150 Millionen Euro die Rede.

Telekom vor Verkauf von Scout24

Einbußen musste auch die Aktie der Deutschen Telekom hinnehmen. Dabei steht das Unternehmen vor dem Verkauf der Mehrheit ihrer Internet-Anzeigengruppe Scout24 an den Finanzinvestor Hellman & Friedman. Dabei werde Scout24 inklusive Schulden mit etwa zwei Milliarden Euro bewertet, berichtete die Agentur Bloomberg. Der Verkauf von 70 Prozent der Anteile könne noch in dieser Woche bekanntgegeben werden.

Post-Aktie trotz Paketgeschäft unter Druck

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zu den schwächsten Werten im Dax gehörte zudem die Aktie der Post, nachdem sie von Merrill Lynch von "buy" auf "neutral" herabgestuft wurde. Das Unternehmen selbst gab am Morgen bekannt, dass das Paketgeschäft zur diesjährigen Weihnachtszeit neue Rekorde erreichen dürfte. "Wir werden zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens 8 Millionen Pakete pro Tag sehen", sagte der Brief-Chef des Unternehmens, Jürgen Gerdes.

Postbank verkleinert die Bilanz

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Deutsche-Bank-Tochter hat ohne Abschlag zum angesetzten Wert ein Immobilienkreditpaket in Großbritannien verkauft. Käufer des 1,4 Milliarden Pfund schweren Portfolios ist eine Tochtergesellschaft des amerikanischen Mischkonzerns General Electric. Die Postbank bereinigt nach den Worten eines Sprechers ihr Geschäft, um sich auf den deutschen Markt zu konzentrieren.

Gleichzeitig gab die Deutsche Bank bekannt, dass sie im Arbeitsrechtsstreit gegen vier Zinshändler in Berufung vor das Landesarbeitsgericht gehen wird. Ein Sprecher bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatt". Den Händlern wird vorgeworfen, den Euribor-Interbankensatz manipuliert zu haben. Das Frankfurter Arbeitsgericht hat die Bank in erster Instanz dazu verurteilt, die Händler wieder einzustellen.

Metro im MDax gesucht, Medienaktien nicht gefragt

Die britische Investmentbank Barclays hat das Metro-Papier angesichts eines möglichen Börsengangs der russischen Metro-Großmärkte von "Equal Weight" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 27 auf 42 Euro angehoben. Der vom Handelskonzern erwogene Verkauf eines Minderheitsanteils von Metro Cash & Carry Russland samt IPO verbessere den Anlagehintergrund der Aktie deutlich, meinte Analyst James Anstead. Die Aktie gewann 2,39 Prozent auf 36,63 Euro und lag hinter Tagessieger Gea an zweiter Stelle im MDax.

Zu den Verlierern gehörten die Medienaktien Sky und RTL, ebenfalls nach einem Analystenkommentar. Die Experten der Bank of America/Merrill Lynch erwarten keine größeren Wachstumseffekte beim Bezahlfernsehen und gehen zudem von einem härteren Wettbewerb aus. Bei RTL sei der Kurs schon weit vorgelaufen. Trotz attraktiver Dividendenrendite bevorzugen die Analysten Pro7. Auch die Aktie von Gerry Weber wurde von der DZ Bank zum Verkauf empfohlen und gehört zu den größten Tagesverlierern. Im TecDax hat ein kritischer Analystenkommentar von Barclays die Aktien von Wirecard auf Talfahrt geschickt.

Stabwechsel bei Rational

Der Hersteller von Großküchengeräten aus dem MDax bekommt einen neuen Chef. Zum Jahreswechsel räumt nach Unternehmensangaben vom Mittwoch der bisherige Amtsinhaber, der 64-jährige Günter Blaschke, den Chefsessel. Er übergibt an der 48-jährigen Peter Stadelmann, der derzeit Personalvorstand ist. Blaschke war 17 Jahre lang Firmenchef bei Rational.

Krones gibt den Aktionären mehr

Weichenstellungen sind auch bei Krones getroffen worden. Das Unternehmen aus dem MDax will zukünftig 25 bis 30 Prozent des Gewinns an die Aktionäre ausschütten, bisher waren es 25 Prozent. Krones befindet sich mehrheitlich in Familienbesitz und vollzieht ebenfalls einen Generationenwechsel. Vorstandschef Volker Kronseder und sein Bruder Norman haben ihre Firmenanteile in eine Stiftung für ihre Kinder eingebracht.

Nanogate jetzt auch in China

Kräftige Zugewinne von über fünf Prozent verbuchte die Aktie von Nanogate. Der saarländische Anbieter von Hochleistungsoberflächen hat seinen ersten Großauftrag aus China im niedrigen einstelligen Umsatz-Millionenbereich erhalten. Die mehrjährige Vereinbarung beginnt mit Lieferungen im ersten Quartal 2014. Angesichts der steigenden Nachfrage nach Hochleistungsoberflächen plant Nanogate nun den Ausbau der Produktionskapazitäten.

Kurssprung bei Loewe

Die Loewe-Aktie war auch den zweiten Tag in Folge heftig in Bewegung und gewann zum Handelsende mehr als 56 Prozent auf 3,65 Euro. Die Anleger sind elektrisiert von der Aussicht, dass der angeschlagene Fernsehhersteller einen Interessenten für das operative Geschäft präsentieren kann. Gleichzeitig äußerte sich Finanzvorstand Rolf Rickmeyer zuversichtlich: "Die Kunden kaufen wieder, die Umsätze ziehen kräftig an", erklärte der Manager.

BVB-Aktie unter Druck

Die verschärfte Verletztenmisere beim westfälischen Fußballverein drückte die Aktie um über 4,5 Prozent deutlich ins Minus. Die beiden Verteidiger Mats Hummels und Marcel Schmelzer zogen sich beim gestrigen 1:0-Sieg der Nationalmannschaft in England schwerere Verletzungen zu und fallen aus. Damit fehlen dem BVB beim Spitzenspiel gegen Bayern München am kommenden Wochenende drei der vier etatmäßigen Verteidiger, denn auch Neven Subotic hatte sich beim letzten Punktspiel in Wolfsburg verletzt.

Peugeot-Aktie erheblich unter Druck

Spekulationen um eine kräftige Kapitalerhöhung im Volumen von vier Milliarden Euro haben die Aktie des angeschlagenen französischen Autobauers gedrückt. Das Papier verlor an der Pariser Börse rund sieben Prozent. Hinzu kommt, dass nach einem Zeitungsbericht von "Les Echoes" die Einstiegsverhandlungen mit dem chinesischen Partner Dongfeng stocken. Peugeot ist von der europäischen Absatzkrise besonders hart getroffen und braucht dringend frisches Kapital. Ein Einstieg der Chinesen und des französischen Staates mit je 30 Prozent könnte helfen. Der 38-prozentige Anteil der Peugeot-Familie würde dadurch aber deutlich verwässert.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr