Euro schiebt Dax auf Erfolgskurs

Stand: 15.06.2010, 20:02 Uhr

Von der Schuldenkrise lassen sich die Anleger nicht mehr beeindrucken. Selbst eingetrübte Konjunkturerwartungen finden kaum Beachtung. Dagegen lässt die kräftige Erholung des Euro die Herzen der Anleger höher schlagen.

Im Abendhandel kann der Dax seine Gewinne weiter ausbauen. Er steigt auf 6.187 Zähler, gut 73 mehr als gestern. Noch kräftiger geht es an der Wall Street voran. der Dow Jones Index legt bis zum Börsenschluss in Deutschland gut 150 Punkte zu auf 10.341.

Händler verweisen auf die Erholung des Euro. Die Gemeinschaftswährung ist über die Schwelle von 1.23 Dollar geklettert und steigt am Abend bis auf 1,234 Dollar, gut einen Cent über dem Kurs von gestern. Auch gegenüber dem Schweizer Franken bleibt der Euro auf Erholungskurs und überwindet erstmals seit dem 4. Juni wieder die Marke von 1,40 Franken.

"Der Abwärtstrend ist mit der jüngsten Erholung zwar nicht gebrochen, der Euro scheint aber einen Boden gefunden und einige negative Nachrichten verdaut zu haben", fasst Devisenexperte Volker Weber vom Bankhaus M.M. Warburg die Tagesentwicklung zusammen.

Keine Anzeichen für Inflation
Börsianer verweisen auch auf die erfolgreich verlaufene Platzierung einer spanischen Staatsanleihe. "Die Fähigkeit der spanischen Regierung, Geld am offenen Markt aufzunehmen, ist eine klare Erleichterung", hieß es. Allerdings zeige die verlangte höhere Rendite die schwierige Lage, in der sich Länder wie Spanien noch immer befinden.

Positiv aufgenommen wurde zudem der Rückgang der US-Importpreise im Mai, um 0,6 Prozent. Dies deute darauf hin, dass die Inflation kontrolliert werden könne. Allerdings hat sich die Stimmung unter den US-Häuserbauern im Juni überraschend eingetrübt. Auch der als wichtiges Konjunkturbarometer angesehene Index der New Yorker Fed blieb im Mai leicht unterhalb der Erwartungen. Doch die nachlassenden Ängste vor den Auswirkungen der Schuldenkrise überwiegen und lassen die Anleger wieder zugreifen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,22
Differenz relativ
+3,09%
Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,90
Differenz relativ
+0,30%

Stühlerücken bei der Deutschen Bank
Das Investmentbanking der Deutschen Bank, das für 90 Prozent der Gewinne des Instituts verantwortlich ist, wird künftig aus einer Hand geführt. Anshu Jain übernimmt von Juli an die Aufgabe im Vorstand der größten deutschen Bank. Bislang teilte sich Jain die Verantwortung im für das Investmentbanking mit seinem Kollegen Michael Cohrs. Dieser wird Ende September auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand ausscheiden, teilte die Deutsche Bank am Abend mit. In den vergangen Tagen war der Name von Jain im Zusammenhang mit einer möglichen Nachfolge von Ackermann gebracht worden, was die Bank aber zurückwies.

Infineon an Dax-Spitze
Die Infineon-Aktie ist wieder einmal Tagesgewinner im Dax. Das Unternehmen will sich angeblich von seiner Handychipsparte, schreibt die "Financial Times Deutschland". Die Investmentbanker von JP Morgan sollen alle Möglichkeiten bis zu einem Komplettverkauf untersuchen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
83,54
Differenz relativ
+1,05%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,32
Differenz relativ
+0,99%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
151,10
Differenz relativ
+1,93%

Autos: Nachfrage rauf, Aktien schwach
Die Autoaktien leiden heute unter den enttäuschenden Zulassungszahlen im Mai. Laut dem Branchenverband VDA wurden im Mai in Westeuropa um knapp neun Prozent weniger Neufahrzeuge zugelassen als im Vorjahreszeitraum. Die Nachfrage habe sich aber, so der VDA, weiter gefestigt. Vor allem der asiatische Markt entwickle sich gut.

UBS-Steuerstreit mit erstem Etappenziel
Der Berner Nationalrat hat die im August 2009 getroffene Abmachung zwischen den Vereinigten Staaten und der Schweiz gebilligt, die Namen mutmaßlicher steuerflüchtiger US-Bürger an die amerikanischen Behörden weiterzugeben. Er beharrte aber darauf, dass die Schweizer in einem Volksentscheid dazu befragt werden. Die Aktie der größten Schweizer Bank, UBS, legt leicht zu.

Heidelberger Druck am MDax-Ende
Die Aktie des Druckmaschinenherstellers Heidelberger Druck ist der mit Abstand schwächste Wert im MDax, nachdem das Unternehmen am Morgen eine Kapitalerhöhung von 420 Millionen Euro angekündigt hat. Damit will der Konzern Schulden abbauen. In diesem Jahr steuert HeidelDruck aber ein ausgeglichenes operatives Ergebnis erzielen an.

Sky macht Freudensprung
An der Spitze des MDax notiert dagegen die Aktie des Bezahlfernsehsenders Sky. Damit feiern die Anleger ein Übernahmeangebot der News Corporation für Sky's britische Schwestergesellschaft BSkyB. 700 Pence je Aktie in bar ist der Konzern des Medientycoons Rupert Murdoch zu zahlen bereit. BSkyB lehnte das Angebot postwendend als zu niedrig ab. Ein Gebot von 800 Cent je Aktie würde man allerdings unterstützen.

SocGen hat große Pläne
Frankreichs zweitgrößte Bank Société Générale will im Jahr 2012 sechs Milliarden Euro Gewinn einfahren und damit doppelt so viel wie für dieses Jahr geplant. Das Geschäft mit französischen Firmen- und Privatkunden sei im zweiten Quartal bislang stark. Dagegen laufe der Aktienbereich beim Investmentbanking wegen der volatilen Märkte uneinheitlich. Die Anleger begrüßen die Wachstumspläne. Die Aktie legt überdurchschnittlich zu.

Deutsche Wohnen kann nicht überzeugen
Die Aktie des im SDax notierten Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen kann von der Vorstellung der Gewinnprognose für das laufende Jahr nicht profitieren. Dabei peilt das Unternehmen einen Anstieg des operativen Ergebnisses vor Verkäufen, Abschreibungen und Steuern (FFO) um zehn Prozent auf 0,48 Euro je Aktie an, wie aus den Unterlagen zur heutigen Hauptversammlung hervorgeht. Bislang hatte der zweitgrößte deutsche Wohnimmobilienkonzern keine Prognose für das Gesamtjahr gewagt.

Jungheinrich muss abgeben
Leicht abwärts geht es mit der Aktie des im SDax notierten Intralogistikanbieters Jungheinrich. Dabei ist der Auftragseingang in den ersten vier Monaten des Jahres um acht Prozent gestiegen. Jungheinrich bestätigte auf der Aktionärsversammlung zudem die jüngst angehobene Geschäftsprognose, dass Umsatz und Auftragseingang auf 1,7 Milliarden Euro in diesem Jahr klettern sollen.

BP-Aktie fast auf Ramschstatus
Die Ratingagentur Fitch hat die Aktie des britischen Energiekonzerns BP fast auf Ramschstatus gesenkt. Die Kreditwürdigkeit des Ölriesen verschlechterte sich gleich um sechs Stufen von AA auf «BBB». Das ist die zweitniedrigste Anlage-Empfehlung. Grund dafür ist laut einer Mitteilung von Fitch die zunehmende Sorge vor den katastrophalen finanziellen Konsequenzen nach der Ölpest im Golf von Mexiko.

Primacom-Aktie fällt wie ein Stein
Die Insolvenz des Kabelnetzbetreibers Primacom rückt immer näher. Zwar hat das Unternehmen bereits am ersten Juni seine Zahlungsunfähigkeit eingeräumt, Management und Banken ringen aber weiter um den Abbau der 360 Millionen Euro Schulden. Sollte keine Einigung erzielt werden, muss Primacom morgen Insolvenz anmelden. Die Aktie stürzt weiter ab.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"