Marktbericht 20:00 Uhr

Ifo-Index hält Anleger nicht bei Laune Euro-Auferstehung lässt Dax fallen

Stand: 25.03.2015, 20:00 Uhr

Ganz egal, ob die Stimmung in der deutschen Wirtschaft gut ist, wie der Ifo-Index heute bewies. Anleger waren heute einfach nicht in Kauflaune. Der Dax endete 1,2 Prozent Minus unterhalb von 11.900 Punkten. Ist das nur ein gesundes Päuschen?

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Am Ende standen heute 11.865 Punkte an der Dax-Anzeigetafel, 140 Punkte weniger als gestern. Der L-Dax gab noch einmal fünf Punkte nach. Auch ein zum fünften Mal in Folge gestiegener Ifo-Geschäftsklima-Index konnte die Stimmung am Aktienmarkt nicht heben. Was Anleger zögern lies: Der Euro feierte eine kleine Auferstehung. Er stieg zeitweise auf 1,10 Dollar. Die Entspannung hinsichtlich Griechenlands stabilisierte den Euro. Das Plus der europäischen Währung beträgt nun auf Wochensicht mehr als zwei Prozent. Die vielfach prognostizierte Euro-Dollar-Parität scheint erstmal passé. Ein stärkerer Euro verschlechtert tendenziell die Gewinnaussichten europäischer Exportfirmen, entsprechend belastet es die Kurse.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 17.00 Uhr

Experten sehen in dem heutigen Dax-Rücksetzer aber vorerst keinen Grund zur Beunruhigung. "Solange die 11.800er Marke im Dax hält, ist das nur eine Seitwärtsbewegung", sagte ein Händler. Viele Marktteilnehmer halten eine Atempause sogar für nötig und gesund. Schließlich hat der Dax gerade vorige Woche erst bei 12.219,05 Punkten ein Rekordhoch markiert, der EuroStoxx war auf ein Sieben-Jahres-Hoch geklettert.

Viele Investoren als Nachzügler

In den vergangenen Wochen hatten Investoren selbst kleinere Rückschläge immer wieder als Einstiegsmöglichkeit genutzt. Es gebe scheinbar noch immer viele Investoren, die bisher kaum von der Ralley profitiert hätten und auf dem aktuell hohen Kursniveau noch einstiegen, schrieb Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin "Index-Radar". Eine Entscheidung über einen erneuten, stärkeren Schub nach oben stehe aber noch aus. Mangels Anlagealternativen und einer anziehenden europäischen Wirtschaft sehen Börsianer grundsätzlich weiteres Aufwärtspotenzial für Aktien.

Wall Street im Rückwärtsgang

In den USA war die Börsenstimmung heute ebenfalls bescheiden, an der Wall Street bröckelten die Kurse. Der Dow Jones gab mehr als ein Prozent nach. Das wurde mit schwachen Konjunkturdaten erklärt; die Aufträge für langlebige Güter sanken im Februar um 1,4 Prozent, wohingegen der Markt mit einem Orderanstieg gerechnet hatten. Dass dies auch eine Zinserhöhung der US-Notenbank bereits im Juni unwahrscheinlicher machen könnte, reichte den Investoren nicht als Kaufimpuls.

Milliarden-Deal: Heinz und Kraft fusionieren

Allerdings trieb eine milliardenschwere Übernahme den Lebensmittelsektor an: Heinz und Kraft Foods fusionieren. Eingefädelt hat den Mega-Deal niemand geringerer als Starinvestor Warren Buffett und seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. Die Aktien von Kraft stiegen um fast 33 Prozent. Berkshire kamen kaum vom Fleck.

Lexmark kauft Kofax

Eine weitere Übernahme entfachte ein zweites Kursfeuerwerk: Der Druckerhersteller Lexmark schnappt sich den Sofwarehersteller Kofax, was dessen Aktien um mehr als 45 Prozent nach oben schießen ließ. Lexmark-Papiere stiegen um 6 Prozent.

Lufthansa und Airbus unter Druck

In Deutschland blieb der tragische Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich Thema. Die Konzernmutter Lufthansa steht unter Druck. Sicherheit ist oberstes Gebot für Airlines, und bisher hatte die Lufthansa in dieser Hinsicht einen guten Ruf, sie stand für technische Kompetenz und Zuverlässigkeit. Nun könnten Passagiere das Vertrauen in die Airline langfristig verlieren und zögerlicher buchen. Auch das Billigflug-Konzept ist nach dem Absturz infrage gestellt. Die Lufthansa-Aktie gab heute weiter nach, die Papiere des Flugzeugherstellers Airbus ebenfalls.

Airbus gab zudem bekannt, seine Bande zu dem französischen Kampfjet-Hersteller Dassault Aviation weiter zu lösen. 17,5 Prozent der Dassault-Anteile werden verkauft, wodurch die Beteiligung auf 24,5 von bisher 42 Prozent sinkt.

US-Ballast für SAP und Infineon

Technologieaktien gehörten zu den größten Verlierern, im Dax beispielsweise SAP und Infineon, im TecDax Dialog Semiconductor. Börsianer verwiesen auf den Orderrückgang für langlebige Güter in den USA. Technologiewerte gelten als besonders konjunkturanfällig.

Zoll-Effekte bei Thyssen und Salzgitter

Stahlwerte hielten sich europaweit gut, da die EU Strafzölle gegen bestimmte Stahlprodukte aus China und Taiwan einführte. Im Dax hielt sich ThyssenKrupp im allgemeinen Abwärtssog ganz gut, im MDax legte Salzgitter zu, ebenso Branchenführer ArcelorMittal. Aktien der finnischen Outokumpu gewannen zeitweise neun Prozent.

Tui und Kuka überzeugen

Im MDax reagierte die Tui-Aktie positiv auf Aussagen zum Geschäftsverlauf beim Reisekonzern. Die Buchungen und Preise für die Hauptreisesaison im Sommer liegen jeweils ein Prozent über dem Vorjahresniveau. Positiv wertet Equinet-Analyst Rothenbacher zudem, dass Tui eine hoch verzinste Hybridanleihe zurückzahlen will.

Die Kuka-Aktie schafft es auch noch ins Plus. Nach einer ersten Enttäuschung über die Aussagen zum laufenden Jahr fanden Anleger Gefallen an den langfristigen Wachstumsplänen des Anlagen- und Roboterbauers. Der MDax-Konzern will seinen Umsatz bis 2020 verdoppeln und setzt dabei weiter auf einen Siegeszug der Automatisierung.

Norma will wachsen

MDax-Wert Norma drehte dagegen nach anfänglichen Gewinnen ins Minus. Dabei überzeugte der Industrie- und Autozulieferer durchaus mit seinem Ausblick. Gestärkt durch seine jüngsten Zukäufe in den USA will der Norma in diesem Jahr von der Konjunkturerholung in Amerika profitieren. Zudem signalisiert die MDax-Firma Kauflaune, man habe viele potenzielle Übernahmeziele.

Elring stockt Dividende auf

Und dann gab es noch eine kleine Neuigkeit von ElringKlinger. Der im MDax notierte Autozulieferer stockt nun nach den kürzlich präsentierten starken 2014er Zahlen die Dividende auf, um zehn Prozent auf 55 Cent.

Immobilienaktien im Fokus

Jede Menge Neuigkeiten gibt es heute aus der Immobilienbranche. LEG hebt die Divdiende an auf 1,96 Euro und betont seine Kaufambitionen. In Arbeit seien mehrere kleinere Deals sowie zwei mittelgroße. - eine Antwort auf den Zusammenschluss der Wettbewerber Deutsche Annington und Gagfah. Bei der übernahme von Conwert durch die Deutsche Wohnen hakt es, dem österreichischen Immobilienkonzern ist die Offerte über 11,50 Euro je Aktie zu niedrig. Die Deutsche Wohnen will aber keinesfalls mehr zahlen.

Patrizia hat seine Bilanz vorgelegt, doch die zeigt, was man eh schon weiß: Der Immobilienboom füllt die Kassen. Doch plant Patrizia für das neue Jahr vorsichtig. Das operative Ergebnis soll um zehn Prozent steigen. Im Vergleich zu dem Plus von 32 Prozent im vorigen Jahr ist das moderat. Interessant ist: Patrizia will seine Fonds Privatanlegern anbieten. Und dann gab es noch die Kapitalerhöhung von Alstria Office. Der Büroimmobilien-Konzern hat dabei 102,7 Millionen Euro eingesammelt. Platziert wurden die neue Aktien zu 13 Euro das Stück.

Biotechs in Aufruhr

Laborgläser

Biotech-Aktien machte heute teils extreme Kurssprünge. Medigene, Mologen, 4SC und Epigenomics hatten auch einiges zu berichten. Von Geschäftszahlen über Studienerfolge bis Kapitalerhöhung war alles dabei.

Bechtle kauft zu

Im TecDax macht Bechtle von sich Reden. Der IT-Dienstleister kauft einen Spezialisten für Microsoft-Firmensoftware, die in Gütersloh und Erlangen ansässige Modus Consult. Sie erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 30 Millionen Euro und beschäftigt 184 Mitarbeiter.

Kontron erreicht Ziele

Kontron, seit Montag nicht mehr im TecDax, zeigt mit der Bilanz 2014: Alles im Fluss, alle operativen und finanziellen Ziele wurden 2014 erreicht. Das Restrukturierungsprogramm "New Kontron" trägt Früchte. Nach mehrjähriger Talfahrt hat sich auch die Aktie im vorien Jahr gefangen, heute ging es ebenfalls aufwärts.

DBAG: Achtung, Dividendenabschlag!

Der erste Blick auf den größten SDax-Verlierer täuscht: Die Aktie der Deutschen Beteiligungs AG verlor zwar rund sieben Prozent - das lag aber hauptsächlich an dem Dividendenabschlag von 2,00 Euro.

Heidelberger Druck unter Druck

Ganz anders die starken Kursverluste bei SDax-Wert Heidelberger Druck. Die rühren von einer Wanderschuldverschreibung über 58,6 Millionen Euro, mit der sich der angeschlagene Druckmaschinenhersteller finanziell etwas Luft verschafft. Dadurch sinken die Schulden und die Zinslast. Die Anleihe könnte möglicherweise mit Aktien zurückbezahlt werden.

Ströer auf Allzeithoch

Ströer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ein positiver Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr hat die ebenfalls im SDax notierte Ströer-Aktie kurzzeitig auf ein neues Rekordhoch bei 31,57 Euro getrieben. Der Spezialist für Außenwerbung rechnet nach Vorlage neuer Zahlen mit einer Ergebnissteigerung in diesem Jahr um bis zu 20 Prozent. Für 2014 soll eine Dividende von 0,40 Euro je Aktie gezahlt werden. Später drücken Gewinnmitnahmen die Aktie ins Minus.

Cewe setzt voll auf Online

Kurs aufs Allzeithoch nahm vorrübergend auch die Cewe-Aktie, doch das gelang nicht, und auch dieser SDax-Wert schloss schließlich im Minus. Der Fotokonzern präsentierte durchaus gute Aussichten. Umsatz und Ertragskraft wachsen. Die Online-Druckereien stehen dabei im Mittelpunkt der Wachstumsstrategie. Sie sollen in diesem Jahr ihren Umsatz auf rund 80 Millionen Euro erhöhen.

Delignit AG: Erster internationaler Serienliefervertrag

Im schwach regulierten Entry Standard tut sich die Aktie der Delignit AG hervor. Das Unternehmen hat im Geschäftsbereich Automotive erstmals einen Serienliefervertrag eines namhaften ausländischen Automobilkonzerns erhalten. Das zusätzliche Umsatzpotenzial liege im unteren Millionen-Euro-Bereich pro Jahr.

Berentzen rettet sich in Gewinnzone

Eine millionenschwere Entschädigungszahlung des Pepsi-Konzerns hat den Getränkehersteller Berentzen 2014 in die schwarzen Zahlen gerettet. Das Unternehmen verdiente unter dem Strich 4,2 Millionen Euro, nach 7,3 Millionen Euro Verlust im Jahr zuvor. Im aktuellen Gewinn sind 5,5 Millionen Euro Einmalzahlung von Pepsi enthalten, die Berentzen als Ausgleich für das vorzeitige Ende der Marken-Nutzungsrechte kassiert hatte.

Hermes kann Anleger nicht locken

Der französische Luxuswaren-Hersteller Hermes hat seine gesenkte Umsatzprognose für dieses Jahr von rund acht Prozent bestätigt und zugleich eine auf 2,95 Euro angehobene Dividende sowie eine Sonderausschüttung von fünf Euro pro Aktie angekündigt. Aktionäre zeigten sich dennoch enttäuscht.

bs

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Das Depot von Warren Buffett Elefanten und Cashcows

Coca-Cola: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 10 Jahre

Coca-Cola

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Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen