EU-Gipfel befeuert weiter die Kurse

Stand: 02.07.2012, 19:55 Uhr

Die Hoffnung auf eine nachhaltige Stabilisierung der Euro-Zone hat die Kauflust der Anleger am Montag neu entfacht. Trotz schlechter US-Konjunkturdaten legt der Dax weiter zu und verfehlt nur knapp die Marke von 6.500 Punkten.

Der Leitindex schließt 1,2 Prozent höher bei 6.496 Zählern - dem höchsten Stand seit Mitte Mai. Schon am Freitag hatten die überraschend weitreichenden EU-Beschlüsse im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise den Dax um 4,3 Prozent in die Höhe getrieben. Im Tagesverlauf war der Dax zeitweise bis auf 6.520 Zähler geklettert.

Nach Ansicht der Citigroup haben sich die Risiken für Kursabschläge bei europäischen Aktien durch die EU-Maßnahmen verringert. Für Aktionäre böten sich damit attraktive Kaufgelegenheit, da bisher vor allem fallende Kurse "eingepreist" worden seien. Auch die Analysten von Morgan Stanley gehen davon aus, dass sich die Aussichten für europäische Anteilsscheine durch den Gipfel verbessert haben.

Gestützt wird der Dax zudem von der Aussicht auf weiter sinkende Leitzinsen. "Die jüngsten Äußerungen aus dem Euro-Tower haben Hoffnungen auf eine Zinssenkung am kommenden Donnerstag geweckt", sagte LBBW-Investmentanalyst Bernd Fernow. Erwartet wird eine Absenkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent.

ISM-Index sinkt unter 50 Punkte
Für Verunsicherung sorgte am Nachmittag ein schlechter als erwartet ausgefallener US-Einkaufsmanagerindex. Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe fiel auf 49,7 Punkte und lag damit unter den Erwartungen von 52 Zählern. Die Marke von 50 Punkten gilt als Grenzlinie zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Schrumpfung. Damit ist die Gefahr einer Rezession in den USA gestiegen. Der überraschend starke Anstieg der Bauausgaben für Mai konnte den negativen Einfluss des ISM aber etwas abmildern.

An der Wall Street dreht der zunächst knapp im Plus gestartete Leitindex Dow Jones Industrial zwar ins Minus, die Verluste halten sich aber in Grenzen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow 0,4 Prozent tiefer bei auf 12.832 Punkten. Am Freitag hatte das Kursbarometer mit einem Anstieg um 1,89 Prozent von den gut aufgenommenen Ergebnissen des EU-Gipfels profitiert. Den Juni ist der Leitindex damit um fast vier Prozent gestiegen.

Der Euro hält sich zunächst gut, rutscht aber am Nachmittag unter die Schwelle von 1,26 Dollar und notiert bei Handelsschluss bei 1,2583 Dollar.

HeidelCement und ThyssenKrupp holen auf
Von den besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturaussichten in der Eurozone profitieren auch die Aktien des Baustoff-Herstellers HeidelbergCement sowie die Papiere von ThysenKrupp. Sie sind die stärksten Werte im Dax, nachdem sie bereits am Freitag kräftig zugelegt hatten.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,43
Differenz relativ
-3,03%

Daimler fährt auf Trucks
Zu den stärksten Werten im Dax gehört auch die Daimler-Aktie. Der Nutzfahrzeughersteller erwartet in Europa keinen Einbruch der Nachfrage. "Unser Auftragseingang in Europa ist stabil", sagte Daimler Trucks-Chef Andreas Renschler der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir sehen keine Worst-Case-Szenarien." Der europäische Markt werde 2012 stagnieren oder um bis zu zehn Prozent sinken, Daimler liege in Europa per Ende Mai mit einem um fünf Prozent geringeren Absatz in der Mitte dieser Prognose.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,58
Differenz relativ
+1,10%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,45
Differenz relativ
+0,04%

Finanzwerte mit Gipfel-Freude
Von den Aussichten auf direkte Hilfen für die spanischen Banken profitieren auch die beiden deutschen Institute, Commerzbank und Deutsche Bank. Auch Papiere der Allianz legen überdurchschnittlich zu.

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
207,10
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-0,38%

Linde mit Kauf-Last
Dagegen muss die Aktie des Industriegase-Spezialisten Linde zeitweise bis zu drei Prozent abgeben und ist damit der schwächste Wert im Dax. Das Unternehmen will den US-Sauerstoffgeräte-Hersteller Lincare für umgerechnet 3,6 Milliarden Euro übernehmen. Der Kaufpreis soll auch über eine Kapitalerhöhung im Volumen von bis zu 1,5 Milliarden Euro finanziert werden, teilte Linde mit.

Rhön-Aktie grenzt Verluste ein
Im MDax haben die Aktien von Rhön-Klinikum ihre Verluste im Tagesverlauf etwas eingedämmt und zuletzt nur noch um 8,9 Prozent nachgegeben auf 17,20 Euro. Zuvor waren sie bis auf 15,91 Euro abgesackt. Börsianer verweisen auf einen Medienbericht, wonach der Unternehmensgründer und Großaktionär Eugen Münch am zunächst gescheiterten Verkauf des Klinikbetreibers an den Medizinkonzern Fresenius festhält und mit einer baldigen Lösung rechnet. Dazu wolle er bald mit dem Chef von Asklepios sprechen, der sich bei Rhön eingekauft hatte und damit die Übernahme blockierte.

Aareal hebt ab
Größter Gewinner im MDax ist die Aktie der Aareal Bank. Sie profitiert von der Erleichterung über die Bankenfinanzierung und legt um sieben Prozent zu.

Praktiker holt auf
Im SDax gehört die Aktie der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker zu den größten Gewinnern. Grund ist ein Gehaltsverzicht für Mitarbeiter. Das Management hat mit der Gewerkschaft Verdi Einschnitte bei Weihnachtsgeld, Prämien und der Altersvorsorge vereinbart. Dadurch sollen die Personalkosten für die 11.000 Mitarbeiter in Deutschland bis 2014 um jährlich 17,3 Millionen Euro gesenkt werden.

Balda mit Sonderbonus
Stärkster Wert im SDax ist aber die Aktie des Handy-Zulieferers Balda. Sie gewinnt über neun Prozent. Anleger feiern damit den Verkauf eines weiteren Anteils an TPK aus Singapur. Ein "wesentlicher Teil" des Erlöses von 150 Millionen Euro soll als Sonderdividende ausgeschüttet werden.

Dax-Chart realtime

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