Es wird einfach nicht besser

Detlev Landmesser

Stand: 06.03.2008, 20:24 Uhr

So lange immer neue Krisenmeldungen hereintickern, wird es keine gedeihliche Börsenentwicklung geben. Am Donnerstag war dies in den USA wieder der Fall. Aber schon zuvor hatte der deutsche Markt nicht gut ausgesehen.

Das war angesichts neuer Höchststände bei Euro, Öl und Gold auch nicht verwunderlich. Der Dax rutschte abermals unter die Marke von 6.600 Punkten. Der L-Dax schloss bei 6.578,77 Punkten.

An der Wall Street lagen die drei großen Indizes am Abend zwischen 1,2 und 1,5 Prozent im Minus. Die Börsianer zeigten sich enttäuscht über den Rettungsplan für den angeschlagenen US-Anleiheversicherer Ambac. Der "Monoliner" kündigte nur eine Kapitalerhöhung an, während eine zusätzliche Geldspritze von den Banken ausblieb. Die Zwangsversteigerungen in den USA haben unterdessen im vierten Quartal einen Rekord erreicht. Nach Bekanntwerden der Statistik gaben die Kurse weiter nach, obwohl eigentlich niemand von dieser Nachricht überrascht worden sein dürfte.

EZB bleibt hart

In Europa waren die Anleger vor allem enttäuscht über die standhafte Haltung von Jean-Claude Trichet. Als der EZB-Präsident im Anschluss an die Ratssitzung durchblicken ließ, die Zentralbank nehme die Inflation weiter ernster als die Sorge vor einer Wirtschaftsflaute, drehte der Euro erneut auf und markierte zum Dollar einen neuen Rekordstand von 1,5378 Dollar. Am Abend lauerte die Europawährung weiter in dessen Nähe. "Wie werden tun, was mittelfristig für die Preise notwendig ist. Punkt", hatte Trichet unter anderem erklärt.

Zuvor hatte die EZB wie erwartet den Leitzins unverändert bei 4,00 Prozent belassen. Ihre Inflationsprognose erhöhte die Zentralbank deutlich auf 2,6 bis 3,2 Prozent. Im Dezember hatten die Währungshüter zwischen zwei und drei Prozent Inflation erwartet. Gleichzeitig wurden die Prognosen für das Wachstum in der Eurozone für 2008 und 2009 leicht nach unten revidiert.

Öl und Gold haussieren weiter
Auch der Ölpreis wurde wieder als Verkaufsargument herangezogen. Am Mittag kostete leichtes US-Öl 105,96 Dollar je Barrel, bevor Abgaben einsetzten. Der jüngste Anstieg hing vor allem mit der Entscheidung der Opec zusammen, die Förderquoten unverändert zu lassen. Der Goldpreis nahm einen weiteren Anlauf auf die 1.000-Dollar-Marke, wurde aber bei 992,55 Dollar gestoppt.

Wird Tui jetzt doch zerschlagen?
Gegen den Strom stemmte sich vor allem die Aktie von Tui. Der Reise- und Schifffahrtskonzern bestätigte Forderungen aus dem Aktionärskreis nach einer Abspaltung der Schifffahrtssparte. Dies werde Thema der Sitzung des Aufsichtsrats in der übernächsten Woche sein, sagte ein Tui-Sprecher. "Der Aufsichtsrat befasst sich in seiner nächsten Sitzung mit den strategischen Optionen des Konzerns".

Der Gedanke liegt nahe, dass mit der neuen Entwicklung der Stuhl von Konzernchef Michael Frenzel erneut wackelt. Im Parketthandel baute die Tui-Aktie ihren Tagesgewinn deutlich aus, nachdem das "Handelsblatt" vorab aus seiner Freitagausgabe gemeldet hatte, der Aufsichtsrat stelle Frenzel in Frage. "Alles läuft auf eine Zerschlagung hinaus", zitiert die Zeitung ein Aufsichtsratsmitglied. "Nun müsste Frenzel eigentlich seinen Hut nehmen."

Eon noch besser als gedacht
Für Eon lief das vergangene Jahr erneut hervorragend. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erhöhte sich um zehn Prozent auf 9,21 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 9,08 Milliarden gerechnet. Dabei setzte der Energiekonzern mit 68,7 Millionen Euro sieben Prozent mehr um. Den bereinigten Konzernüberschuss verbesserte Eon um neun Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Wegen der guten Entwicklung will der Vorstand die Dividende von 3,35 auf 4,10 Euro je Aktie anheben. Außerdem plant man einen Aktiensplit im Verhältnis eins zu drei.

Deutsche Post auf Wachstumskurs
Die "Aktie Gelb" schlug sich ebenfalls überdurchschnittlich. Die Deutsche Post hat im vergangenen Jahr das um Einmaleffekte bereinigte Ebit um 7,6 Prozent auf 3,76 Milliarden Euro nach oben geschraubt. Die Prognose der Post lag bei 3,7 Milliarden. Der Konzernumsatz stieg 2007 um 4,9 Prozent auf 63,5 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr strebt der Konzern beim bereinigten Ebit einen Wert von 4,2 Milliarden Euro an, ein Jahr später 4,7 Milliarden Euro.

Die Aktie der Hypo Real Estate setzte dagegen ihren Abstieg fort. Der Dax-Titel büßte 6,6 Prozent ein, nachdem die Commerzbank ihr Kursziel für den Immobilienfinanzierer von 32 auf 25 gesenkt hatte.

Auch Siemens gehörte zu den schwächeren Titeln. Die Tochter Fujitsu Siemens Computers wird wegen des harten Preiskampfes in der IT-Branche das selbst gesteckte Ziel verfehlen, bis Ende des nächsten Geschäftsjahres im März 2009 einen Umsatz von zehn Milliarden Euro bei einem Gewinn von 250 Millionen Euro einzustreichen.

Salzgitter übertrifft sich selbst
Der Stahl- und Röhrenhersteller Salzgitter hat im vergangenen Jahr noch besser abgeschnitten als erwartet. Der Umsatz stieg von 8,45 auf 10,19 Milliarden Euro. Als Gewinn blieben 905 Millionen nach 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr hängen. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit Werten von 10,1 Milliarden bzw. 778 Millionen Euro gerechnet. Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen mit einem nennenswerten Wachstum. Allerdings könnten Rohstoff- und Währungseffekte das Ergebnis erheblich beeinflussen, warnte der Konzern.

Stada gesund
Der Arzneimittelhersteller Stada war 2007 erneut auf Wachstumskurs. Der Gewinn kletterte nach vorläufigen Berechnungen um 14 Prozent auf 105,1 Millionen Euro. Der Umsatz stieg mit plus 26 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro sogar noch stärker. Die Dividende soll von 0,62 auf 0,71 Euro je Aktie erhöht werden. In den nächsten Jahren strebt der drittgrößte deutsche Generikahersteller ein "nachhaltiges operatives Wachstum" an.

Thielert-Aktie stürzt drastisch ab
Einen dramatischen Einbruch erlebte die Thielert-Aktie. Der SDax-Titel brach um 43,2 Prozent auf 4,41 Euro ein. Das Landgericht Hamburg hatte im Streit um die Bilanzierung des Flugzeugmotorenbauers die Jahresabschlüsse von Thielert aus den Jahren 2003 bis 2005 für nichtig erklärt. "Wenn ich mir Bilanzen anschaue, die zur Hälfte aus Forderungen bestehen, wird mir als BWLer schlecht", sagte ein Händler. Thielert selbst wollte die Nachricht voerst nicht kommentieren. Auch der gestrige SDax-Absturzkandidat Balda war erneut nicht gut aufgelegt.

Umfangreiche Index-Veränderungen
Die am Mittwoch von der Deutschen Börse beschlossenen Veränderungen in diversen Indizes bewegten ebenfalls die Kurse. Im MDax ersetzt der Hamburger Hafenkonzern HHLA den Finanzdienstleister AWD, der von der Swiss Life übernommen werden soll. Zudem steigt der Kran-Hersteller Demag Cranes auf, während die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB in den SDax wechselt. Auch im TecDax gibt es Veränderungen. Der Windanlagenhersteller Repower und das Solarunternehmen Phoenix Solar ersetzen den Glasfaser-Spezialisten Adva und den Leiterplatten-Hersteller AT&S. Die Änderungen werden am 25. März umgesetzt.

Demag Cranes bekräftigte unterdessen auf der heutigen Hauptversammlung seine Prognose für das Geschäftsjahr 2007/08. "Im Hinblick auf die anhaltend gute Nachfrage und die vollen Auftragsbücher halten wir diese allerdings für sehr konservativ", sagte Vorstandschef Harald Joos.

Sparfuchs Kontron
Im TecDax gehörte Kontron zu den Gewinnern. Der Minicomputer-Hersteller will mit Hilfe eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem taiwanesischen Laptop-Hersteller Quanta die Kosten senken. Quanta erwerbe eine 21-prozentige Beteiligung an Kontron Asia Inc., teilte das TecDax-Unternehmen mit.

Air Berlin gewinnt mehr Passagiere
Die Aktie von Air Berlin wurde für die erfreulichen Fluggastzahlen im Februar gefeiert. Die Fluggesellschaft hat die Zahl der Passagiere um 14,8 Prozent auf knapp 1,9 Millionen Passagiere nach oben geschraubt. Die Auslastung stieg um 4,1 Prozentpunkte auf 72,5 Prozent.

HCI halbiert Dividende
Der Hamburger Fondsanbieter HCI Capital hat im vergangenen Jahr seine Gewinnerwartungen verfehlt. Der Überschuss habe sich von 39,5 Millionen Euro im Vorjahr auf 30,6 Millionen Euro verringert, teilte das vor der Fusion mit dem Emissionshaus MPC Capital stehende Unternehmen mit. Die Zielmarke habe bei 35 Millionen Euro gelegen. Zur Begründung verwies HCI auf kurzfristig aufgetretene Sondereffekte. Als Dividende soll 70 Cent je Aktie ausgeschüttet werden nach 1,40 Euro ein Jahr zuvor. Der SDax-Titel büßte fast vier Prozent ein.

WMF meldet Gewinnsprung
Der Küchenausstatter WMF hat im vergangenen Jahr einen Gewinnsprung verzeichnet. Der Nettogewinn sei um 75 Prozent auf 35,1 Millionen Euro gewachsen, teilte das Unternehmen mit. Das Ebit legte um 64 Prozent auf 53,3 Millionen Euro zu. Grund für die positive Entwicklung sei eine Mischung aus einem über den Erwartungen liegenden Umsatz, Kostensenkungen und dem Trend zu margenträchtigeren Produkten, erläuterte ein Sprecher. Der Umsatz stieg 2007 nach bereits bekannten Zahlen um vier Prozent auf 761,5 Millionen Euro.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr