Marktbericht 20:05 Uhr

Erster Dax-Verlust nach sieben Gewinntagen Es kann auch 'mal abwärts gehen

Stand: 06.08.2015, 20:05 Uhr

Im Gefolge einer schwächelnden Wall Street haben auch deutsche Anleger den Rückwärtsgang eingelegt. Eine Reihe von Dax-Quartalsberichten beschäftigte die Investoren. Aber noch mehr Interesse richtete sich auf die US-Konjunktur.

"Abwarten auf hohem Niveau", nannte Andreas Paciorek das Ergebnis des ersten Verlusttages im Dax seit mehr als einer Woche. Anleger zögern vor wichtigen US-Arbeitsmarktdaten, die am Freitagnachmittag erwartet werden. Der monatliche Arbeitsmarktbericht dürfte einen Hinweis darauf geben, ob im September wahrhaftig die erste Leitzins-Erhöung den USA seit Jahren bevorsteht.

"Zinserhöhung wäre gut"

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 20.15 Uhr

Unsicherheit ist stets Gift für den Aktienmarkt, das zeigte sich auch heute. "Ich denke, eine Zinserhöhung wäre gut für den Markt, weil wir dann endlich damit aufhören könnten, uns Gedanken darüber zu machen", so Händler Randy Frederik bei Charles Schwab. Einen ersten Hinweis auf die Verfassung am Jobmarkt gaben am Donnerstag die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Sie lagen mit 273.000 auf der Höhe der Erwartungen, begeisterten die Investoren aber nicht.

Dow knickt ein - Dax folgt

Der US-Leitindex setzte seinen Abwärtstrend der vergangenen Handelstage fort, verlor bis zum Abend deutscher Zeit rudn 0,8 Prozent und nahm den Dax in Schlepptau. Die Marke von 11.600 Punkten unterbot das deutsche Börsenbarometer bereits zum Xetra-Schluss. Am Ende des Parketthandels ging es noch rund 25 Punkte weiter bergab.

Zweifel auch am Devisenmarkt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Steigt der US-Leitzins, bedeutet das Druck auf den Euro. Dass die Gemeinschaftswährung am Abend die Marke von 1,09 wieder erklomm, spricht dafür, dass auch die Marktteilnehmer am Devisenmarkt sich nicht ganz sicher sind, ob der Zinsschritt wirklich ansteht.

Quartalsreigen der Dax-Schwergewichte

Im Dax lieferten alleine sechs Konzerne ihre Bilanzen zum zweiten Quartal ab. Für die Kurse der Unternehmen hatte dies ganz unterschiedliche Folgen. T-Aktien etwa rutschten im Tagesverlauf fast zwei Prozent ins Minus, offenbar nahmen Anleger hier Gewinne mit. Dabei hat die Telekom auch im zweiten Quartal vom florierenden Mobilfunk-Geschäft seiner Tochter T-Mobile US profitiert. Der Umsatz wuchs auch dank des schwachen Euro um 15 Prozent auf 17,4 Milliarden Euro. Das um Sonderkosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 14 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro zu.

Post schockt mit Streikkosten

Wegen des Streiks im Frühjahr musste die Deutsche Post ihre Ergebnis-Prognose für das Gesamtjahr zurücknehmen. Rund 100 Millionen Euro hat der Ausstand das Unternehmen gekostet. Die Deutsche Post rechnet jetzt mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2,95 bis 3,1 Milliarden Euro, statt 3,05 bis 3,2 Milliarden Euro. Im zweiten Quartal ging das Ebit um 18 Prozent auf 537 Millionen Euro zurück, der Umsatz stieg wegen der Euro-Schwäche um 7,3 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro.

Adidas leidet unter Golf-Geschäft

Der Sportartikel-Konzern Adidas hatte am Morgen einen guten Quartalsbericht vorgelegt. Danach stieg der Umsatz von April bis Juni um 15 Prozent auf 3,91 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis legte um 7,6 Prozent auf 234 Millionen Euro zu. Beide Werte waren besser als geschätzt. Das Golfgeschäft mit der US-Marke TaylorMade schrieb allerdings rote Zahlen. Auch die Adidas-Aktie verlor. Wie bereits gestern Abend bekannt wurde, kauft Adidas den österreichischen Fitness-App-Anbieter Runtastic vom Medienkonzern Axel Springer. Runtastic wird dabei mit 220 Millionen Euro bewertet. Beim Kauf eines 50,1-Prozent-Anteils durch Springer im Oktober 2013 war der Wert von Runtastic noch mit 22 Millionen Euro beziffert worden.

Münchener Rück wieder mal im Glück

Es gab aber auch gute Zahlen, die mit Kursgewinnen belohnt wurden. Die Münchener Rück etwa hat im zweiten Quartal ihren Gewinn um 41 Prozent auf 1,08 Milliarden Euro nach oben geschraubt. Dazu hat der Konzern seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf mindestens drei Milliarden Euro angehoben. Möglich haben dies die geringe Anzahl von Großschäden und höhere Erträge aus Kapitalanlagen gemacht. Bisher hatte die Münchener Rück 2,5 bis 3,0 Milliarden in Aussicht gestellt.

Merck und Lanxess solide

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat im zweiten Quartal vom schwachen Euro und einem starken Life-Science-Geschäft profitiert. Die Erlöse wuchsen um 14 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Das um Sondereinflüsse bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) stieg um 6,3 Prozent auf 899 Millionen Euro. Auch Dax-Neuling Lanxess kam bei den Anlegern gut an. Der Spezialchemie-Konzern traut sich im Gesamtjahr ein besseres Ergebnis zu. Das Unternehmen rechnet mit einem Betriebsergebnis (Ebitda) vor Sondereinflüssen zwischen 840 und 880 Millionen Euro. Bisher wollte Lanxess 820 bis 860 Millionen erreichen. Vorläufige Quartalszahlen hatte Lanxess schon vor zwei Wochen vorgelegt.

Allianz braucht weniger Vorstand

Die Versicherungskonzern verkleinert seinen Vorstand. Der für das Ressort "Insurance Growth Markets" zuständige Manager Manuel Bauer werde sein Mandat im gegenseitigen Einvernehmen vorzeitig niederlegen. Sein Verantwortungsbereich werde auf andere Vorstandsmitglieder verteilt. Der Allianz-Vorstand bestand bisher aus zehn Mitgliedern. Geführt wird das Gremium von Konzernchef Oliver Bäte, der nun zusätzlich die Verantwortung für das Personalwesen übernimmt.

Tesla-Aktie im Schleudergang

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Ein Ausrufezeichen im Handel an der Wall Street setzten am Nachmittag Papiere des US-Elektroauto-Konzerns Tesla. Sie verbuchen zur Stunde deutliche Verluste von rund neun Prozent. Eine lange Gewinnserie bei der Aktie steht auf dem Spiel. Das Unternehmen hatte am gestrigen Abend einen Verlust für das vergangene Quartal gemeldet und seine Absatzprognose gekürzt.

MDax liefert Geschäftszahlen en masse

Heftige Kursausschläge in beiden Richtungen nach einem wahren Zahlengewitter aus MDax ließ Anleger und Analysten aufhorchen. Nach guten Zahlen deutlich im Plus notieren die Aktien des Rühstungs-Konzerns Rheinmetall, des Autozulieferers Dürr und des Chemikalien-Spezalisten Brenntag. Deutlich im Plus auch die Metro-Aktie nach Ergebnissen, die zwar schlechter als im Vorjahr aber besser als erwartet ausfielen. Ein guter Ausblick auf das Russland-Geschäft verhilft auch der Aktie des Generika-Herstellers Stada ins Plus.

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Im MDax ist die Hölle los Von Brenntag bis TAG Immobilien

Brenntag: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday

Brenntag

Xing immer beliebter

Im TecDax schloss die Aktie des Online-Karrierenetzwerks Xing fast fünf Prozent höher. Xing hat im zweiten Quartal seinen Umsatz um knapp ein Viertel auf 30,2 Millionen Euro verbessert. Der Gewinn stieg von 2,8 auf 4,7 Millionen Euro. Die Zahl der Nutzer stieg im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 9,22 Millionen.

Compugroup: Steuern und Währungseffekte

Nur leicht ins Plus schaffte es das Papier des Software-Unternehmens Compugroup, das auf Lösungen für Ärzte und Apotheker spezialisiert ist. Compugroup hat im zweiten Quartal seinen Umsatz um neun Prozent auf 138 Millionen Euro verbessert, allerdings auch dank einiger Zukäufe. Der Gewinn allerdings sank allerdings wegen höherer Steuerzahlungen negative Währungseffekte im Finanzergebnis um mehr als ein Drittel auf 4,1 Millionen Euro.

SAF-Holland legt einen drauf...

SAF-Holland: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland hat seine Prognose angehoben. Der Umsatz soll im laufenden Jahr mindestens am oberen Ende der bisher angekündigten Spanne von 980 Millionen bis 1,035 Milliarden Euro liegen. Auch das operative Ergebnis soll "tendenziell etwas höher" als die bisher erwarteten rund 90 Millionen Euro ausfallen. Im ersten Halbjahr legte das Ebit um mehr als ein Drittel auf 49,5 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg um 16 Prozent auf knapp 559 Millionen Euro.

... bei BayWa wackelt der Ausblick

Der Mischkonzern BayWa hält trotz der Verzögerung beim Verkauf eines Windparks in den USA an seinen Prognosen für das Gesamtjahr fest. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr von 7,7 auf 7,4 Milliarden Euro, das Ebit ging von 62 auf 41 Millionen Euro zurück.

SGL muss abschreiben und schreibt Verluste

Der Kohlenstoff-Spezialist SGL hat im zweiten Quartal einen Verlust von 68,5 Millionen Euro gemacht und damit ein noch höheres Minus als im Vorjahr ausgewiesen. Damals lag das Minus bei 37,7 Millionen. Grund waren hohe Sonderabschreibungen im Zusammenhang mit dem Verkauf von Geschäftsteilen.

Monte dei Paschi in den schwarzen Zahlen

Der harte Sanierungskurs bei der ältesten italienischen Bank trägt Früchte: Die Monte dei Paschi di Siena, einst knapp vor der Pleite gerettet, hat das zweite Quartal in Folge Gewinne geschrieben: 121 Millionen Euro blieben im Quartal in der Kasse.

Brent-Öl unter 50 Dollar

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Rohöl der Nordsee-Sorte Brent hat am Donnerstag den tiefsten Stand seit Februar dieses Jahres erreicht. Am Morgen waren die Notierungen zwischenzeitlich auf 49,37 Dollar gerutscht. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI liegt inzwischen bei weniger als 45 Dollar.

Griechische Börse auf der Gewinnerstraße

Auch an einem eher ungemütlichen Börsentag gab es einen Gewinner in der europäischen Börsenlandschaft: Der griechische Leitindex Athex schloss den Handel mit drei Prozent Zuwachs bei 662 Punkten ab. Der Index hat allerdings seit der Wiedereröffnung des griechischen Finanzplatzes Anfang der Woche weiterhin rund ein Drittel an Wert verloren.

AB

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier