Es geht wieder runter

Stand: 11.11.2008, 20:00 Uhr

Die Konjunkturkrise hat die Börsen weltweit im Griff. Aus Angst vor dem Wirtschaftsabschwung verkaufen die Anleger ihre Aktien, der Dax sackte am Dienstag um mehr als fünf Prozent nach unten.

Die Börsen spielen derzeit das Lied der Angst, der Angst vor einer tieferen und längeren weltweiten Rezession. Gerade institutionelle Anleger würden den Aktienmarkt derzeit scheuen, stellen Aktienstrategen fest und sehen darin die Basis für die derzeitigen Kursverluste.

Der deutsche Aktienmarkt stand den gesamten Dienstag unter Abgabedruck. Bis zum Handelsstart an der Wall Street hatte sich bereits ein Minus von 2,5 Prozent angesammelt, danach verdoppelte sich der Verlust. Die Wall Street begann ihren Dienstagshandel schwach, die Verluste im Dow Jones wuchsen sich schnell auf mehr als drei Prozent.

Daran änderte sich im späten Handel nichts. Der LDax blieb unter der Marke von 4.800 Punkten. Der Xetra-Dax schloss 5,3 Prozent schwächer bei 4.762 Punkten.

Gute Nachrichten wurden geflissentlich ignoriert. Dass der ZEW-Konjunkturklimaindex überraschend von minus 63 auf minus 53,3 Punkte stieg, hatte keinen messbaren stimmungshebenden Einfluss. Immerhin fiel der Ölpreis weiter, mit unter 59 Dollar je Fass amerikanisches Leichtöl notierte das Öl so tief wie seit 17 Monaten nicht mehr.

Postbank führt Kapitalerhöhung durch
Die Postbank hat nach Börsenschluss Details zu ihrer angekündigten Kapitalerhöhung bekannt gegeben. Die Bank will 54,8 Millionen Aktien zu einem Preis von 18,25 Euro anbieten. Die Postbank will damit ihr Eigenkapital um eine Milliarden Euro stärken. Die Konzernmutter Deutsche Post hatte sich verpflichtet, knapp mehr als die Hälfte der Kapitalerhöhung zu zeichnen.

BMW macht vier Wochen dicht
Der Autokonzern BMW will, wie Branchenkollege Daimler, seine Weihnachtsferien ausdehnen und somit weniger Autos produzieren. Über Weihnachten werde das Stammwerk in München vier Wochen lang geschlossen bleiben, teilte BMW mit. Vor einer Woche hatte Konzernchef Norbert Reithofer angekündigt, BMW werde wegen gesunkener Nachfrage 40.000 Autos weniger produzieren. Die BMW-Aktie verlor am Dienstag fünf Prozent.

Milliardengewinn für RWE
Der Dax-Versorger RWE steigerte seinen Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um 14 Prozent auf 34,4 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis wuchs um fünf Prozent auf knapp 5,8 Milliarden Euro, was mehr war als erwartet. Die RWE-Aktie schloss 1,9 Prozent schwächer.

Finanzaktien unter Druck
Deutliche Verluste gab es bei den im Dax notierten Bank- und Versicherungsaktien. Die Postbank warnte davor, dass sie das Jahr mit einem Verlust abschließen könnte, die Aktie verlor acht Prozent. Allianz-Papiere verloren 8,1 Prozent. Die Analysten der Citigroup hatten das Kursziel für Allianz-Aktien halbiert. Am Dax-Ende finden sich auch Deutsche Bank und Commerzbank-Aktien mit Kursabschlägen von etwa zehn Prozent.

Im MDax verlor die Aktie der Aareal Bank 17 Prozent. Die Firma hat mit einem Gewinn von 15 Millionen Euro im dritten Quartal zwar die Erwartungen getroffen, aber die Jahresprognose gestrichen.

IKB profitiert vom Bilanzierungseffekt
Die im SDax notierte Mittelstandsbank IKB hat im dritten Quartal erneut von einem Bilanzierungseffekt profitiert. Das Ergebnis von Juli bis September beinhalte nach vorläufigen Zahlen einen Buchgewinn von einer Milliarde Euro, teilte die IKB nach Börsenschluss mit. Bestimmte Verbindlichkeiten der IKB hätten an Wert verloren haben und müssten wegen bestimmter Bilanzierungsregeln im Vergleich zum 30. Juni nun geringer bewertet werden, berichtete die Bank. Die IKB, die seit Anfang November dem US-Finanzinvestor Lone Star gehört, verschob außerdem ihre eigentlich für Ende der Woche geplante Veröffentlichung der Halbjahreszahlen auf Dezember. Die Aktie verlor 4,3 Prozent.

Schieflage bei Qimonda?
Infineon-Papiere gaben 5,5 Prozent ab. Nach Medienberichten spitzt sich die Schieflage bei der Speicherchiptochter Qimonda zu. Infineon äußerte sich am Mittag dazu. Die Zeiten seien schlechter, als "wir je erwartet haben", sagte Infineon-Chef Peter Bauer. Allerdings verhandle man weiter mit Interessenten für die Tochter. Qimonda-Aktien notieren in New York mehr als zehn Prozent schwächer.

Lufthansa befördert weniger
Die Aktie der Lufthansa verlor 5,9 Prozent. Die Anleger reagierten auf die recht schwachen Verkehrszahlen für Oktober. Passagierzahlen und Frachtaufkommen seien aber erwartungsgemäß gesunken.

Solide Tognum-Bilanz
Der ehemals zu Daimler gehörende Dieselmotorenhersteller Tognum hat seinen Umsatz im dritten Quartal um etwa ein Zehntel auf knapp 790 Millionen Euro verbessert. Der bereinigte Gewinn legte um ein Drittel auf knapp 70 Millionen Euro zu. Tognum übertraf mit dieser Bilanz die Markterwartungen. Der Konzern bestätigte außerdem seine Jahresprognose. Die Aktie sackte gegen Handelsende dennoch in Minus und schloss 1,8 Prozent schwächer.

Qiagen erhöht Prognose
Der Biotechzulieferer Qiagen steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um ein Drittel auf knapp 231 Millionen Dollar. Das Ebit des TecDax-Unternehmens betrug 38,2 Millionen Dollar, nachdem es im Vorjahr noch negativ ausgefallen war. Außerdem erhöhte Qiagen die Jahresprognose leicht. Die Aktie gewann 5,4 Prozent.

Pfleiderer legt zu
Der Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer hat in den neun Monaten bis Ende September zwar weniger verdient (60,2 Millionen Euro) und umgesetzt (436,4 Millionen Euro) als im vergangenen Jahr, aber besser abgeschnitten als erwartet. Außerdem bestätigte Pfleiderer die Prognose, die Aktie stieg um 0,3 Prozent.

Euroshop unter Druck
Die Deutsche Euroshop hat im dritten Quartal sowohl Umsatz als auch Gewinn gesteigert. Der Betreiber von Einkaufszentren erhöhte seine Jahresumsatzprognose auf 113 bis 115 Millionen Euro, dennoch verliert die Aktie etwas mehr als drei Prozent.

GfK steigert Gewinn
Etwa ein Prozent verlor die im SDax notierte Aktie des Marktforschungsunternehmens GfK. Die GfK steigerte ihren Gewinn im dritten Quartal von 21,6 auf 24,1 Millionen Euro, der Umsatz stieg um sechs Prozent auf 883,8 Millionen Euro. Die Firma bekräftigte ihre Prognose für das laufende Jahr.

Gewinneinbruch bei AMB Generali
6,1 Prozent verlor die Aktie des Versicherers AMB Generali. Der Neunmonatsgewinn brach unerwartet kräftig um 85 Prozent auf 58,8 Millionen Euro ein, AMB Generali verwies auf die Belastungen durch die Kapitalmarktkrise.

Hohe Verluste bei Patrizia
Im SDax verlor die Aktie des Immobilienkonzerns Patrizia 7,3 Prozent. Die Firma machte im dritten Quartal erneut Verluste. Außerdem hob Patrizia die Jahresprognose auf.

Wacker Construction steigert Umsatz und Ergebnis
Der Baumaschinenhersteller Wacker Construction hat wie bereits bekannt in den ersten neun Monaten einen Umsatz- und Ergebnisanstieg ausgewiesen. Dennoch spürt Wacker die schwache Konjunktur und will sparen. Eine Prognose für 2009 will das Unternehmen nicht abgeben. Die Aktie verlor 1,6 Prozent.

Grammer spürt die Krise
Der Automobilzulieferer Grammer hat in den ersten neun Monaten mit 23,5 Millionen Euro etwas weniger verdient als vor einem Jahr. Der Umsatz stieg allerdings um 7,1 Prozent auf 787 Millionen Euro. Die SDax-Firma bestätigte die Jahresprognose, wegen der angespannten Wirtschaftslage gab Grammer allerdings keinen Ausblick auf 2009. Die Aktie verlor 1,8 Prozent.

Jenoptik ist zuversichtlich
Der Jenaer Technologiekonzern Jenoptik hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres nach einem Verlust im Vorjahr wieder einen Gewinn erwirtschaftet. 10,2 Millionen Euro Gewinn nach Steuern stand Ende September in den Büchern, der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um sechs Prozent auf knapp 400 Millionen Euro. Jenoptik sieht sich für die konjunkturellen Turbulenzen gut gerüstet und bestätigte die Prognose. Die Aktie gewann 3,6 Prozent.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat