Es geht wieder aufwärts

Lothar Gries

Stand: 31.03.2008, 20:01 Uhr

Nach einem misslungenen Start am Morgen konnte der Dax im Tagesverlauf seine Verluste deutlich abbauen. Doch erst im Abendhandel gelang dann die ersehnte Trendwende ins Plus, dank Unterstützung aus Amerika.

Der Leitindex schloss am Abend den Handel mit einem Zuwachs von 21 Punkten bei 6558 Zählern. Dabei hatte es zum Wochenstart noch ganz düster ausgesehen. Die Furcht vor neuen Hiobsbotschaften aus dem Bankensektor hatten bis zum späten Nachmittag für kräftige Verluste gesorgt. Dazu trugen auch Gerüchte über einen zusätzlichen Kapitalbedarf der Schweizer Großbank UBS bei. Unterstützung bekamen die Kurse dann von einem besser als erwartet ausgefallenen Einkaufsmanagerindex der Universität Chicago. Zudem wurde bekannt, dass die US-Regierung die umfassendste Reform der Finanzmarktaufsicht seit der Großen Depression vor rund 80 Jahren vorgeschlagen hat. Im Zentrum stehen unter anderem erheblich erweiterte Befugnisse der US-Notenbank Fed als oberste Wächterin der Finanzmarktstabilität.

Zudem entspannte sich die Lage an den Ölmärkten. Händler begründeten den Preisrückgang mit der Beruhigung im Irak und mit Gewinnmitnahmen. Der US-Ölpreis für ein Barrel (159 Liter) sank bis zum Abend im Vergleich zum Handelsschluss am Freitag um 3,62 Dollar auf 102,00 Dollar. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent ging um 2,96 Dollar auf 100,81 Dollar zurück.

Mit Abstand größter Verlierer im Dax sind allerdings die Aktien des Darmstädter Unternehmens Merck. Sie wurden mit Dividendenabschlag gehandelt und gaben deshalb überdurchschnittlich ab. Auch die Indexschwergewichte Telekom, Eon und Siemens notieren im Minus. Die Aktien des Halbleiterherstellers Infineon gehören heute außnahmsweise zu den Gewinnern. Ein Händler verwies auf die "unerwartete" Preiserhöhung für DRAM-Speicherchips des größten japanischen Herstellers Elpida Memory.

In der zweiten Reihe standen vor allem die Aktien von Air Berlin und Hugo Boss, sowie von Arques unter Druck.

Bayer legt im Patentrechtsstreit Berufung ein

Die Bayer AG hat am Montag im Patentrechtsstreit um das Verhütungsmittel Yasmin Berufung eingelegt. Ein Gericht in New Jersey hatte Anfang März das Patent für das Mittel im Rechtsstreit mit dem Generika-Hersteller Barr Laboratories für ungültig erklärt. Nun wird die Sache vor dem Federal Circuit, dem für Patentrecht zuständigen Bundesgericht, erneut verhandelt. Bayer hatte schon unmittelbar nach der Gerichtsentscheidung angekündigt, seine Patentrechte vehement verteidigen zu wollen. In den USA erzielte Bayer im vergangenen Jahr mit Yasmin 320 Millionen Euro Umsatz.

Telekom nach Herabstufung sehr schwach
Telekom-Aktien gehörten am Nachmittag auch nach einem Großauftrag von Shell zu den größten Verlierern im Dax. Grund ist ein negativer Kommentar der Analaysten von Morgan Stanley, die das Kursziel für Deutsche Telekom-Aktien von 15,50 auf 14,50 Euro gesenkt haben, aber die Einschätzung mit "Equal-weight" bestätigen. Trotz der jüngsten Kurskorrekturen sei die Attraktivität des Telekommunikations-Sektors gesunken, hieß es

Air Berlin senkt Prognose und stürzt ab
Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin muss nach rasantem Wachstum um ihre Ertragskraft kämpfen und hat die Gewinnerwartung für dieses Jahr gesenkt. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) würden 73 Millionen bis 120 Millionen Euro angestrebt, wie das Unternehmen mitteilte. Im November war noch eine Spanne von 140 bis 160 Millionen Euro genannt worden. Als Hintergrund verwies der Vorstand unter anderem auf Anlaufverluste bei neuen Langstreckenflügen nach China. Im vergangenen Jahr war das Ebit angesichts von Verzögerungen bei der Eingliederung der neuen Tochter LTU von 64,1 Millionen auf 21,4 Millionen Euro gesunken. An der Börse brach die Aktie um knapp neun Prozent ein.

Heidelberger Druck zieht Aktien ein
Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck zieht knapp 1,7 Millionen eigene Aktien ein. Damit will das Unternehmen seinen Aktienkurs stützen und den Aktionären Geld zurückgeben. Grundlage seien Beschlüsse der Hauptversammlungen der Jahre 2006 und 2007. Die eingezogenen Aktien entsprechen 2,1 Prozent des Grundkapitals, das bei knapp 200 Millionen Euro liegt. Die Aktie legt zu.

Plambeck mit bisher bestem Konzernergebnis
Der Windparkbetreiber aus Cuxhaven hat das Geschäftsjahr 2007 mit dem angeblich besten Ergebnis der Konzerngeschichte abgeschlossen. Das Betriebsergebnis stieg auf 15,9 Millionen Euro (Vorjahr: 0,3 Millionen). Der Konzernumsatz sank von rund 88 Millionen Euro auf 60 Millionen Euro. Für 2008 erwartet das Unternehmen eine Steigerung des Ergebnisses auf 16 bis 20 Millionen Euro. Auch der Windkraftanlagenbauer Repower ist optimistisch und rechnet für die nächsten Jahre mit einem Umsatzwachstum von 40 bis 50 Prozent.

Zapf peilt Ertragswende an
Der angeschlagene Puppenhersteller Zapf Creation schreibt zwar weiterhin rote Zahlen, will aber in diesem Jahr die Ertragswende schaffen. Das Jahr sei nach umfassender Restrukturierung zufriedenstellend angelaufen, teilte das Unternehmen mit. Man sei zuversichtlich, den Konzern auf profitablen Wachstumskurs zurückzuführen. Die bereits Anfang März stark gestiegene Aktie reagiert kaum.

Beate Uhse rüstet sich für Umbau
Der in Schwierigkeiten steckende Erotikkonzern Beate Uhse will seine Marke «entschmuddeln», die Filialen auf Vordermann bringen und das Internet-Geschäft ausbauen. So sollen neue Kunden angelockt und der Umsatz angekurbelt werden. Für den Umbau hat sich das Unternehmen über eine Kapitalerhöhung 25 Millionen Euro beschafft..2007 wies das Unternehmen einen Verlust vor Steuern von 7,9 Millionen Euro aus nach 12 Millionen Euro Gewinn im Vorjahr. Der Konzernumsatz war mit 268 (271) Millionen Euro rückläufig. Die in den letzten zwölf Monaten dramatisch gesunkene Aktie, legte bis zum Nachmittag kräftig zu.

Balda auf dem Weg der Besserung?
Der angeschlagene Handyausrüster Balda sieht sich auf gutem Weg zu einer Restrukturierung. Das Unternehmen mache Fortschritte bei seiner Refinanzierung und habe Interessenten für die verlustreichen Töchter, teilte Balda mit. Am 22. April solle nun in Frankfurt die Bilanz für 2007 vorlegt werden und am 07. Mai wolle die Gesellschaft über die Entwicklung des ersten Quartals berichten. Kreditgeber hatten Balda im März aus akuter Finanznot geholfen. An der Börse legte die Balda-Aktie zeitweilig um bis zu sieben Prozent zu.

Arques enttäuscht
Das Beteiligungsunternehmen zweifelt an den Chancen auf den ursprünglich für 2008 angepeilten Börsengang des Computerhändlers Actebis. "Sollten die Märkte weiterhin so volatil bleiben, wird es auch für uns nicht möglich sein, einen Börsengang zu realisieren", sagte Vorstandschef Michael Schumann. Zunächst bleibt Arques aber bei seiner Prognose, 2008 einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 275 Millionen Euro zu erwirtschaften. Darin seien allerdings die veranschlagten Erlöse aus einem Actebis-Börsengang enthalten, schränkte Schumann ein. Die Aktie verliert deutlich.

Hamburger Hafen bleibt zuversichtlich
Die Hamburger Hafengesellschaft HHLA hat Ausblick für 2008 konkreter gefasst. Das im MDax gelistete Unternehmen rechnet mit einem " Gesamtumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro". 2007 hatte das Unternehmen 1,18 Milliarden Euro erlöst. Außerdem soll das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erstmals die Schwelle von 300 Millionen überschreiten. Im Vorjahr hatte das Ebit noch bei 288 Millionen Euro gelegen.

EM.Sport will mit Highlight anbandeln
Das Medienunternehmen EM.Sport Media hat 2007 seine Erlöse von 222 auf 231 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft nach Steuern sank leicht von 9,7 auf 9,1 Millionen Euro. Im laufenden Jahr will das Unternehmen seine operative Ertragslage verbessern. Außerdem erhöht EM seine Beteiligung am Schweizer Partner Highlight von 26,3 auf 37,6 Prozent.

Koenig & Bauer mit gemischten Zahlen
Der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller hat im vergangenen Geschäftsjahr einen leichten Umsatzrückgang verbucht. Der Auftragseingang sank sogar um mehr als sechs Prozent. Wegen Kosteneinsparungen stieg der Gewinn von 34 auf 49 Millionen Euro. Für das laufende rechnet das SDax-Mitglied mit einem weiter sinkenden Umsatz und einem gehaltenen Ergebnis.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier