Marktbericht 20:05 Uhr

Anleger im Sorgen-Modus Es geht wieder abwärts

Stand: 05.07.2016, 20:05 Uhr

Nach tagelangen Stabilisierungsversuchen hat der Dax am Dienstag wieder eine klare Richtung eingeschlagen - und die zeigt nach unten. Rund zwei Prozent verlor der Leitindex, eingezwängt von Sorgen um die Folgen des Brexit und eine mögliche Bankenkrise in Italien.

Auch am Abend purzelten am Dienstag die Kurse weiter. Im Late-Dax wurde sogar die Marke von 9.500 Punkten unterschritten, nach der Xetra-Dax noch klar darüber geschlossen hatte. In New York weiteten sich die Minuszeichen im Handelsverlauf ebenfalls aus. Bis zum Parkettschluss in Deutschland hatte der Dow Jones rund 0,7 Prozent verloren. Schwache Daten zur US-Industrie hatten am Nachmittag die US-Börsen belastet.

Brexit und die Folgen

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Vor allem aber sorgen die Signale aus Europa auch in den USA für eine Moll-Stimmung an den Aktienmärkten. Die wirtschaftlichen Folgen des Brexit sind schwer abzuschätzen, Gewinnwarnungen einiger Unternehmen zeigen aber, dass wirtschaftliche Konsequenzen in Großbritannien und darüber hinaus wohl unabwendbar sind.

Am Dienstag sah sich auch die britische Notenbank zum Handeln gezwungen. Die Währungshüter haben die Vorgaben für Kapitalpuffer für Banken gelockert, um die Kreditvergabe anzukurbeln. Der Finanzsektor stehe nach dem Referendum vor "Herausforderungen", hieß es zur Begründung.

Pfund lotet neue Tiefs aus

Am Dienstagnachmittag rutschte die Währung erstmals seit 1985 unter 1,31 Dollar. Die Entscheidung des britischen Versicherers Standard Life, wegen des Brexit den Handel in seinen britischen Immobilienfonds vorerst zu stoppen, sorgt am Immobilienmarkt für zusätzlichen Druck. Der Euro kann sich dagegen gegenüber dem Dollar nur knapp behaupten. Am Abend rutschte die Gemeinschafts-Währung unter die Marke von 1,11 Dollar.

Italien: Rollt die nächste Krise heran

Sorgen vor einer Bankenkrise in Italien sorgten am Dienstag für zusätzlichen Druck auf die Kurse. Die Aktie der Bank Monte dei Paschi verlor zweistellig und wurde dann zeitweise vom Handel ausgesetzt. Laut Experten ist der Sektor weiterhin durch notleidende Kredite in den Bilanzen der Institute unter Druck, ein Rettungspaket der Regierung ist im Gespräch.

Anleger in der Defensive

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.244,17
Differenz relativ
+1,61%

Lediglich die Beiersdorf-Aktie konnte den Handel auf der Gewinnerseite beenden. "Defensive" Titel wie Merck, Henkel oder Bayer verbuchten vergleichsweise milde Kursverluste. Aktien des Immobilienkonzerns Vonovia wurden von einer Analystenempfehlung zeitweise ins Plus gehievt.

ThyssenKrupp mit Brexit-Malus

Der mit Abstand größte Kursverlust fiel bei der Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp an. Die Investmentbank Kepler Cheuvreux hat ihre Kaufempfehlung für den Titel gestrichen. Wegen des Brexit-Votums glauben sie nicht mehr daran, dass ein Zusammenschluss des europäischen Stahlgeschäfts von ThyssenKrupp und Tata gelingt. Das Kursziel wurde von 25 auf 19 Euro gesenkt. Auch Papiere der Allianz und Daimler verbuchten überdurchschnittliche Verluste.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,84
Differenz relativ
+2,13%
Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,14
Differenz relativ
+2,48%

Deutsche Börse kämpft um Fusion

Aktien des Börsenbetreibers verloren mehr als drei Prozent. Das Unternehmen sondiert derzeit, unter welchen Bedingungen der geplante Zusammenschluss mit der London Stock Exchange noch möglich ist. Nach einer außerordentlichen Aufsichtsrats-Sitzung am Dienstag deutete das Unternehmen an, dass auch eine Verlagerung des geplanten Firmensitzes aus London denkbar sei.

Lufthansa-Tochter einig mit Gewerkschaft

Papiere der Airline reagieren kaum auf die Nachricht, dass die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo und die Lufthansa-Tochter Eurowings sich im Tarifstreit geeinigt haben. Dort soll es zum Beispiel nun keine befristeten Arbeitsverträge geben. Auch eine Kaufempfehlung der Analysten von Equinet verfehlte am Dienstag ihre Wirkung.

KTG Agrar jetzt zahlungsunfähig

Hü und Hott bei der Aktie des schwer angeschlagenen Agrarunternehmens KTG: Am Morgen konnte sich der Titel noch zeitweise verdoppeln. Grund waren Gerüchte, dass die fällige Zinszahlung auf die 2017er-Anleihe doch noch fließen könnte. Diese Hoffnung wurde am Nachmittag aber bereits wieder beerdigt: KTG Agrar hat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Aktie implodierte auf 0,40 Euro, ein Minus von 50 Prozent. Die Anleihen waren vom Handel ausgesetzt.

Tesla mit schwachen Absatzzahlen

Papiere des US-Elektroautobauers verloren im Handel an der Wall Street rund vier Prozent. Das Unternehmen hatte bereits am Freitag gemeldet, dass auch im zweiten Quartal die Verkaufszahlen rückläufig waren, angeblich wegen Lieferschwierigkeiten aufgrund der hohen Nachfrage. Da die US-Börsen am Montag geschlossen hatten, können Anleger erst jetzt auf die Nachricht reagieren.

Bangen auch an der Ölfront

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,10
Differenz relativ
+3,51%

Auch die Rohölpreise signalisieren derzeit, dass Marktteilnehmer mit der Möglichkeit einer konjunkturellen Abkühlung rechnen. Ein Barrel der US-Sorte WTI verbilligte sich im Tagesverlauf um rund zwei Prozent auf 47,30 Dollar. Auch Hinweise auf eine gestiegene Produktion in den Mitgliedstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) drückten auf die Preise, hieß es aus dem Handel.

AB

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.