Marktbericht 20:00 Uhr

Anleger träumen von 10.000 Punkten Es geht vorwärts

Stand: 17.01.2014, 20:00 Uhr

Wieder ist der Dax der 10.000er-Marke ein Stück näher gekommen. Die Zuversicht ist groß, aber genau das könnte für eine Korrektur sorgen.

Mit einem Aufschlag von 0,3 Prozent auf 9.742,96 Punkten ging der Dax so hoch wie nie aus dem Handel. Seinen höchsten Stand hatte er bei 9.789,89 Zählern markiert, zwischenzeitlich war der deutsche Leitindex aber sogar ins Minus gerauscht. Der Late Dax schloss 0,2 Prozent fester bei 9.738,33 Zählern.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.100,72
Differenz relativ
-1,28%

Wird jetzt bald korrigiert? Wie viele seiner Kollegen ist auch der Anlagestratege Neil Marsh vom Brokerhaus Newedge der Ansicht, dass die weitere Richtung des Aktienmarktes von der Entwicklung der Unternehmensgewinne abhänge. Die Grundstimmung sei immer noch gut, findet er.

10.000 oder nicht?

Die Experten der DZ Bank sehen gerade die Stimmungslage kritisch: Kurzfristig seien die Kurse den Unternehmensgewinnen weit vorweggelaufen. "Zudem scheint aktuell zu viel Euphorie an den Märkten zu herrschen, sodass sich für Neuengagements und Aufstockungen taktisch ein Warten auf Rücksetzer empfiehlt. Die Anleger sollten deshalb die langsam an Fahrt aufnehmende Berichtssaison unter diesen Aspekten im Blick behalten.

Das Thema "10.000 Punkte" sei in aller Munde, meint Jens Klatt von FXCM. "Gerade daraus resultiert das Potenzial für eine kurze, aber heftige Gegenbewegung". Denn auch an der Börse komme es meistens anders als die Mehrheit denkt. Und im Moment glaubt fast jeder nur an weiter steigende Kurse." Klatt glaubt: "Es ist damit nur eine Frage der Zeit, wann die letzten Käufer erst einmal die Zeche bezahlen müssen."

Leichter Dämpfer aus den USA

Bei den US-Verbrauchern trübt sich die Laune dagegen ein. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen fiel zurück, obwohl Fachleute mit einem Anstieg gherechnet hatten. Die Verbraucherstimmung gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, denn die Konsumausgaben machen rund 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus.

Frische Unternehmenszahlen aus den USA halfen auch nicht wirklich weiter. In den USA lag der Dow Jones am Abend um etwas weniger als ein halbes Prozent im Plus.

General Electric fällt zurück

Die Aktien des Siemens-Konkurrenten GE fielen zurück. Der Umsatz stagnierte im vergangenen Jahr bei 146 Milliarden Dollar. Dafür verbuchte General Electric im vierten Quartal einen Schub an Bestellungen. Der Auftragsbestand des Konzerns sei zum Jahreswechsel auf den Rekordwert von 244 Milliarden Dollar gestiegen, hieß es.

Morgan Stanley stark trotz Gewinneinbruch

Hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten haben der US-Bank Morgan Stanley zwar einen Gewinneinbruch eingebrockt. Werden jedoch Sonderbelastungen wie die Kosten für juristische Auseinandersetzungen ausgeklammert, lag der Gewinn bei 50 Cent pro Aktie und damit über der Analystenprognose von 45 Cent. Die Papiere legten daher zu.

Mut-Rede vom ThyssenKrupp-Boss hilft

Mit einem Plus mehr als zwei Prozent gehörte die ThyssenKrupp-Aktie trotz großer Probleme zu den Spitzenreitern. Ob es an der Mut-Rede von Heinrich Hiesinger liegt? "Wir müssen und wir werden ThyssenKrupp wieder zu einem erfolgreichen Unternehmen machen, das kontinuierlich Gewinne erwirtschaftet", sagte der Manager bei der Hauptversammlung.

Chemie macht's möglich

Auch die Chemie-Titel BASF und Lanxess waren gefragt. Die BASF-Aktie hatte mit erstmals über 80 Euro zwischenzeitlich einen Rekordstand erreicht, konnte das Niveau jedoch nicht halten. Lanxess belegte den Spitzenplatz im Dax.

Sorge um Kali-Preis drückt K+S

K+S-Titel fielen dagegen ans Dax-Ende. Marktstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital begründete dies mit Gerüchten, wonach die Chinesen als großer Kali-Abnehmer den Rohstoff im Zuge der laufenden Preisverhandlungen für lediglich 280 US-Dollar je Tonne beziehen wollten. Für K+S bedeute ein solcher Preis aber ein Verlustgeschäft.

Lufthansa unter Abgabedruck

Weit hinten lagen auch die Aktien der Lufthansa. Der bisherige Leiter des Bereichs Passage, Carsten Spohr, soll nach internen Beschlüssen im Mai den Chefposten übernehmen, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters. Franz wechselt zum Pharmakonzern Roche. Offenbar ist die Nachricht kein Kurstreiber.

Wie viel bringt Dea für RWE?

RWE-Titel verbilligten sich um mehr als zwei Prozent. Der Verkauf der Tochter Dea könnte nicht die erhofften fünf Milliarden Euro einbringen, wird auf dem Parkett spekuliert. An der Öl- und Gasfördertochter sind nach Medienberichten der Finanzinvestor KKR, die kuweitische Ölgesellschaft Kufpec und der russische Milliardär Michail Fridman interessiert.

ProSiebenSat.1-Investoren machen Kasse

Der Ausstieg der Finanzinvestoren KKR und Permira ist perfekt: Die Restbeteiligung von 36,3 Millionen Aktien oder 16,6 Prozent wurde zu 34,75 Euro je Aktie verkauft. Etwa dieses Niveau erreichte auch der heutige Schlusskurs. Die Aktie von ProSiebenSat.1 gilt nun endgültig als Aufstiegs-Kandidat in den Dax.

Große Pläne bei LEG

Der Immobilienkonzern aus dem MDax will weiter auf Einkaufstour gehen. Das sagte LEG-Chef Thomas Hegel am Donnerstagabend. Bei dem angepeilten Zukauf von 10.000 Wohnungen bis Jahresende 2014 sei noch nicht Schluss, so Hegel. Für das laufende Jahr erwartet LEG ein operatives Ergebnis von 155 bis 159 Millionen Euro.

Der Absturz der Loewe-Aktie

Eine deutsche Investoren-Gruppe steigt bei dem angeschlagenen TV-Hersteller ein, wie Loewe am Abend mitteilte. Dazu gehören deutsche Familienunternehmer, ehemalige Manager von Apple und des Luxus-Elektronik-Herstellers Bang & Olufsen. Vom "Asset Deal", bei dem Unternehmensteile den Besitzer wechselt, die Loewe AG aber von der Börse genommen werden soll, werden Anleger wohl nicht profitieren können. Die Aktie kletterte zuerst um mehr als 14 Prozent, um bei minus 14 Prozent zu landen.

Shell nach Gewinnwarnung unter Druck

Die Shell-Aktie trat nach ersten Einbußen schließlich auf der Stelle. Der Ölmulti hatte am Morgen eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Laut dem Unternehmen werde das Ergebnis im vierten Quartal "deutlich niedriger" als erwartet ausfallen. Für das Gesamtjahr geht der Konzern von 16,8 Milliarden Dollar Gewinn aus.

Nintendo ist nicht zum Spielen

Auch der japanische Elektronik-Hersteller Nintendo streicht seine Prognose zusammen. Im laufenden Geschäftsjahr soll nun ein Verlust von umgerechnet 176 Millionen Euro anfallen. Im Geschäftsjahr, das bis Ende März läuft, sollen nun nur noch 2,8 statt ursprünglich erhoffter neun Millionen der Spielekonsole Wii U verkauft werden.

Anheuser-Busch InBev vor milliardenschwerem Zukauf

Der Brauerei-Gigant Anheuser-Busch InBev ist Reuters-Insiderinformationen zufolge in fortgeschrittenen Gesprächen über einen Kauf des südkoreanischen Konzerns Oriental Brewery für mehr als 4,5 Milliarden Dollar. Das belgische Unternehmen verhandele mit den Eignern, den Finanzinvestoren KKR und Affinity Equity Partners, über die letzten Punkte einer Vereinbarung. Ziel sei ein Abschluss noch im Januar. Die Gespräche könnten aber noch scheitern.

ts

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"