Es darf weiter gezittert werden

Stand: 25.10.2007, 20:03 Uhr

Der Börsenabend hatte am Donnerstag kein Happy-End. Nach eher enttäuschenden US-Konjunkturdaten, knickten die Börsen an Wall Street am Abend deutlich nach unten. Auch der Late-Dax verlor einen Teil der Tagesgewinne.

Bis zum Schluss des Parketthandels um 20 Uhr hatten die deutschen Standardwerte einen Teil der Kursgewinne aus dem Xetra-Handels bereits wieder abgegeben. Nachdem die Kurs in New York doch deutlicher gebröckelt waren, verloren Anleger auch hierzulande die Kauflust.

US-Konjunktur auf der Kippe?

Neue US-Daten hatten am Nachmittag für Irritationen gesorgt und die Erwartungen der Volkswirte und Analysten nicht erreicht. So waren die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der vergangenen Woche nur auf 331.000 zurück gegangen, nicht so stark wie erhofft. Und der Auftragseingang für langlebige Güter fiel im September um 1,7 Prozent anstatt, wie erwartet um 1,5 Prozent zu steigen. Schließlich wurden im vergangenen Monat auch weniger neue Häuser in den USA verkauft als erwartet. Zudem kletterten die Rohölpreise im europäischen und im US-Handel weiter in Richtung neuer Rekordmarken.

Bayer fürchtet um Trasylol
Auch auf dem deutschen Parkett wurde am Abend noch eine vermeintliche Hiobsbotschaft gespielt. Die Bayer-Aktie geriet im späten Handel noch unter Druck. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde FDA hat sich das Medikament Trasylol als riskant erwiesen und in einer Studie ein erhöhtes Todesrisiko gezeigt. Damit scheint die Zukunft von Trasylol auf dem US-Markt fraglich. Bayer setzt jährlich rund 150 Millionen Euro mit dem Präparat um.

Daimler stürmt ohne Chrysler in Gewinnzone
Für Furore hatten am Mittag aus deutscher Sicht die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen von Daimler gesorgt. Das Unternehmen muss zwar einen Nettoverlust von 1,53 Milliarden Euro in den Monaten Juli bis September verbuchen. Dieser ist aber vor allem durch die teure Scheidung von der US-Tochter Chrysler bedingt. Ohne den Einmal-Effekt hätte ein Gewinnzuwachs um ein Fünftel auf 1,1 Milliarden Euro zu Buche geschlagen. Die Aktie stieg zeitweise um fünf Prozent und schloss knapp vier Prozent im Plus.

Deutsche Börse-Aktie gefragt
Am Ende des Handels lag die Aktie des Börsenbetreibers rund drei Prozent über Vortagesniveau. Charttechniker sahen einen "Ausbruch" des Titels nach längerer Konsolidierung als Grund dafür. Aber auch die guten Zahlen der US-Börse Nasdaq wurden als Erklärung angeführt.

T-Aktie durch Konkurrenz angetrieben
Zusammen mit Daimler und der Börse bildeten die Aktien der Telekom ein Dreigestirn der größten Dax-Gewinner. Bei den Papieren des Ex-Monopolisten Telekom sorgte ein Brancherivale für Kursauftrieb. France Telecom hatte ein ertragsreiches Quartal vermeldet und hob seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr deutlich an.


Imclone-Effekt bei Merck?
Der Darmstädter Pharmakonzern bleib den ganzen Tag über Kursverlierer. Neben Befürchtungen, die Preise für Flüssigkristalle könnten demnächst sinken, kamen am Nachmittag noch schlechte Geschäftszahlen des US-Partners Imclone. Merck hält die Vermarktungsrechte des Imclone-Krebsmittels Erbitux außerhalb Nordamerikas.

Zu hohe Erwartungen bei MAN
Auch MAN-Titel verloren gegen den Trend 1,5 Prozent an Wert. Das Unternehmen hatte am Mittag zwar eine Absatzsteigerung bei Lkw um 14 Prozent bekannt gegeben. Nach Aussage von Marktteilnehmern hatten die Erwartungen aber noch höher gelegen. Gerüchte um eine Gewinnwarnung hielten auch am Nachmittag die Allianz-Aktie in negativem Terrain.

Solide Quartalsberichte aus der zweiten Reihe
Der Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum hat in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um elf Prozent auf 122,7 Millionen Euro erhöht. Damit traf das Unternehmen punktgenau die Analystenerwartungen. Der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf hat im Geschäftsjahr 2006/07 noch etwas besser abgeschnitten als prognostiziert. Der Umsatz kletterte um zehn Prozent auf 2,15 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) wuchs von 94 auf 118 Millionen Euro. Und der Flugzeugtriebwerkehersteller MTU will nach ordentlichen Quartalsergebnissen in den kommenden sechs Monaten zwei Millionen eigene Aktien zurückkaufen.

IVG mit IPO-Fantasie
Am späten Nachmittag schoss die IVG-Aktie im MDax um mehr als fünf Prozent nach oben. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, man fasse einen Börsengang des Kavernengeschäfts ins Auge. Nach Aussage von IVG-Vorstand Bernd Kottmann soll die Entscheidung über einen Börsengang im Lauf der nächsten sechs Monate fallen.

Vivacon macht Kasse
Aufwärts ging es auch mit Immobilientiteln im SDax. Auf der Veranstaltung "Initiative Immobilien-Aktie" stellen sich heute und morgen börsennotierte deutsche Immobilien-Unternehmen den Investoren. Dazu gab es noch kurzbewegende Nachrichten: Vivacon hat 1.029 Wohneinheiten verkauft und erwartet daher in den ersten neun Monaten einen deutlichen Anstieg des Nettogewinns. Die Aktie gewann mehr als acht Prozent.

Colonia will bei Deutsche Wohnen einziehen
Auch die Papiere von Colonia Real Estate sprangen am Nachmittag ins Plus. Die Immobiliengesellschaft führt nach Angaben von Firmen-Chef Stephan Rind Gespräche mit Großaktionären der Deutsche Wohnen über eine mögliche Partnerschaft. Bevorzugte Option sei dabei eine Zusammenführung der Bestände an
Wohnimmobilien der beiden Unternehmen, hieß es dazu. Der potenzielle Partner erklärte am Nachmittag, man sei offen für Gespräche, allerdings nur im Bereich Asset Management.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr