Es bleibt kühl

Detlev Landmesser

Stand: 16.02.2009, 20:22 Uhr

Nur vorübergehend bäumte sich der Dax am Montag gegen seinen Abwärtstrend auf. Die Wall Street blieb geschlossen, womit die Europäer auf eigene Impulse angewiesen blieben. Doch da kam wenig Erfreuliches.

Die Amerikaner feiern ihre (Ex-)Präsidenten mit dem "Presidents' Day", weswegen die US-Börsen heute geschlossen bleiben. Entsprechend dünn waren auch die Börsenumsätze in Deutschland. Der L-Dax schloss 1,2 Prozent tiefer bei 4.367,29 Punkten.

In Deutschland gab es wenig zu feiern. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bot mit seiner aktuellen Prognose noch düsterere Aussichten als andere Institute. Die Berliner halten nun einen Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um mehr als drei Prozent für wahrscheinlich. Das Münchner Ifo-Institut hatte zuvor einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 2,2 Prozent vorausgesagt. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ging Ende Dezember von einem Minus von 2,7 Prozent aus.

Banken kommen nicht zur Ruhe

Am Dax-Ende fanden sich die drei Bankentitel im Leitindex ein. Die Hoffnungen rund um eine "Bad Bank" seien abgeflaut, sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck. "Zudem sind in den USA an diesem Wochenende drei weitere Banken pleite gegangen." Die Aktie der britischen Lloyds Bank stand unterdessen wegen der Sorgen um ihre kranke Hypothekentochter HBOS erneut unter Druck. Am Freitag war das Papier nach Geschäftsdetails von der HBOS schon um mehr als 30 Prozent eingebrochen.

Linde mit Franzosen-Bonus
An der Dax-Spitze behauptete sich die Linde-Aktie mit einem Plus von 2,8 Prozent. Das Papier profitierte von den guten Jahresergebnissen des französischen Konkurrenten Air Liquide.

K+S: Salzgeschäft brummt
Auch die Aktie von K+S stemmte sich gegen den Trend, was wohl vor allem an dem jüngsten Wintereinbruch liegt, der das Streusalzgeschäft des Dax-Konzerns auf Hochtouren laufen lässt. "Der Winter ist dieses Jahr flächendeckend in ganz Europa. Das ist sehr erfreulich für uns", sagte ein K+S-Sprecher am Montag. Im Januar verkaufte K+S nach Angaben des Sprechers doppelt so viel Auftausalz wie geplant.

Zwei Erzrivalen rücken zusammen
Die BMW-Aktie konnte ihre Anfangsgewinne nicht halten. Die Autokrise hat die beiden deutschen Premiumhersteller BMW und Daimler offenbar schneller zusammenrücken lassen als erwartet. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sind die ersten Kooperationsverträge zwischen den beiden Autobauern bereits unterschriftsreif. Darin geht es etwa um die Zusammenarbeit bei einzelnen Komponenten.

Daimler wiederum plant laut der "Stuttgarter Zeitung" ein neues Sparprogramm, das am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz präsentiert werden soll. Belastend wirkte eine Abstufung durch die UBS auf "Sell". Die Analysten befürchten negative Überraschungen bei den kommenden Zahlen.

MLP meldet Gewinneinbruch
Am Abend meldete überraschend MLP seine Ergebnisse für 2008. Der Jahresüberschuss brach um 60 Prozent auf 24,8 Millionen Euro ein, was heftiger war als von Analysten erwartet. Mit 597,7 Millionen Euro setzte der Finanz- und Versicherungsmakler im vergangenen Jahr 5,1 Prozent weniger um als 2007. Die Dividende wird von 0,50 auf 0,28 Euro gekappt. Außerdem will MLP sein Privatkundengeschäft in Österreich und den Niederlanden verkaufen.

Aareal schlüpft unter den Schirm
Mit einem Kursplus von 15,3 Prozent quittierten die Anleger, dass nun auch die Aareal Bank - trotz profitablen Geschäfts - den Rettungsschirm der Bundesregierung in Anspruch nimmt. Der Wiesbadener MDax-Konzern erhält vom Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) eine unbefristete "Stille Einlage" in Höhe von 525 Millionen Euro sowie einen Garantierahmen für neue unbesicherte Emissionen im Volumen von bis zu vier Milliarden Euro. Außerdem legte die Bank vorläufige Geschäftszahlen für 2008 vor. Vor Steuern verdiente die Bank 117 Millionen Euro, was zwar deutlich unter dem Vorjahresgewinn von 380 Millionen, aber über den Analystenerwartungen lag.

HRE zeitweise unter einem Euro
Die Aktie der Hypo Real Estate, um deren Zukunft die Politiker derzeit ringen, rutschte zeitweise unter die Ein-Euro-Marke. Die Bundesregierung will offenbar mit einer Änderung des Aktien- und des Übernahmegesetzes eine Verstaatlichung der angeschlagenen Immobilienbank ermöglichen. "Auf jeden Fall wollen wir die Kontrollmehrheit", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Premiere-Verlust erschreckt
Mit einem Kursabschlag von 14,4 Prozent büßte die Premiere-Aktie für die schlechter als erwarteten Jahreszahlen des Bezahlfernsehsenders. Der Verlust lag bei 269 Millionen Euro nach 52 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 239 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz stieg leicht auf 941 von 937 Millionen Euro. Für 2009 rechnet das MDax-Unternehmen mit einem erheblichen operativen Verlust.

ProSieben will sich gesund schrumpfen
Auch die Aktie von ProSiebenSat.1 war nicht gut aufgelegt. Der Fernsehkonzern will laut dem "Handelsblatt" seine Kosten und den Schuldenberg über den Verkauf von Tochterunternehmen begrenzen. Die Sendergruppe prüfe auch den Verkauf des Senders Neun Live. Es sei aber ausgesprochen schwierig, einen Käufer zu finden. Laut dem Bericht will der Medienkonzern mit Verkäufen von Unternehmensteilen eine Milliarde Euro erlösen.

SMA Solar gefragt
Tagesgewinner im TecDax war die SMA Solar AG. Goldman Sachs hat das Papier auf seine Kaufliste gesetzt und das Kursziel von 34,50 auf 39,50 Euro erhöht. Auch die Aktie von Phoenix Solar profitierte von einer besseren Bewertung durch Goldman.

Bertrandt-Umsatz wird dreistellig
Im SDax gab die Aktie von Bertrandt zwei Prozent ab. Der Ingenieur-Dienstleister ist im vergangenen Geschäftsjahr weiter gewachsen. Der Umsatz wuchs von 96 auf 112 Millionen Euro, wie das Unternehmen in einer dürren Pflichtmitteilung mitteilte. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg leicht von 10,3 auf 11,1 Millionen Euro.

L'Oreal etwas unter Erwartungen
L'Oreal hat im abgelaufenen Jahr etwas weniger verdient als vom Markt erwartet. Der Umsatz sei auf vergleichbarer Fläche um 3,1 Prozent auf 17,54 Milliarden Euro gestiegen, teilte der französische Kosmetikkonzern nach Börsenschluss mit. Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen von 17,59 Milliarden Euro gerechnet. Das operative Ergebnis betrug 2,725 Milliarden Euro, verglichen mit der onsensschätzung von 2,775 Milliarden Euro. Für die Zukunft zeigte sich der Konzern zuversichtlich.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen