Erzwungene Verschnaufpause

Stand: 27.07.2009, 20:05 Uhr

Der Dax hat zum Wochenauftakt mit 5.309 Punkten ein neues Jahreshoch erreicht. Doch wegen der Enttäuschung über weiter fallende Hauspreise in den USA büßte auch der deutsche Leitindex seine Tagesgewinne wieder ein. Analysten hoffen nun auf ermutigende Quartalszahlen.

Die Unternehmen werden in dieser Woche zeigen müssen, ob der Kursanstieg der letzten Tage gerechtfertigt war oder nicht. Den Auftakt macht morgen früh die Deutsche Bank.

Die Anleger sind nach der zweiwöchigen Kursrally zunehmend nervös. Am Nachmittag kam es wegen einer unruhigen Wall Street auch in Europa zu Gewinnmitnahmen. Als dann bekannt wurde, dass in den USA zwar mehr neue Eigenheime als erwartet verkauft wurden, doch die Hauspreise auf Talfahrt bleiben, schmolzen die Tagesgewinne wieder dahin. Für Enttäuschung sorgte auch der Zwischenbericht des Telekomkonzerns Verizon, der trotz eines Umsatzzuwachses im zweiten Quartal weniger verdiente.

Kein Wunder also, dass der Dax im Abendhandel im Sog der leicht ins Minus drehenden Kurse an der Wall Street auf sein Freitagsniveau zurückfällt. Der Leitindex beendet den Handel unverändert bei 5.245 Punkten. Dabei hatte der Dax im Tagesverlauf sogar die Marke von 5.300 Punkten überschritten und damit ein neues Jahreshoch markiert. Unterstützt wurde die Rally durch die ungebrochene Konsumlaune der Deutschen. So stieg der viel beachtete GfK-Konsumklimaindex auf 3,5 Punkte nach 3,0 im Vormonat. Das war der höchste Stand seit Juni vergangenen Jahres und deutlich besser als erwartet.

Der mit Abstand größte Gewinner im Dax sind die Aktien der Commerzbank. Händler erklären die Hausse von zeitweise über sechs Prozent in Ermangelung erkennbar anderer Gründe mit dem Sprung über die 200-Tage-Linie bei etwa 5,30 Euro. Auch die Stahlaktien Salzgitter und ThyssenKrupp sowie die Papiere von K+S steigen überdurchschnittlich. Als Grund nennen Börsianer die sich aufhellende Konjunktur.

Ölpreis zieht an
Die Hoffnung auf eine Besserung der Wirtschaftslage zeigt sich auch am Ölpreis. Die stark beachtete Sorte "West Texas Intermediate (WTI)" marschiert bereits wieder in Richtung der 70 Dollar. Eine Marke, die die Nordseesorte Brent schon überschritten hat. Auch der Goldpreis profitiert. Die Feinunze des Edelmetalls wurde um 955,75 Dollar gehandelt nach 950,35 Dollar im späten Vorwochengeschäft.

Deutsche Bank vor Milliardengewinn
Nach einem Milliardengewinn im ersten Quartal legt die Deutsche Bank am morgigen Dienstag die Zahlen für das gesamte erste Halbjahr vor. Die Aktie ist bereits heute wegen der erhofften guten Zahlen gestiegen. Experten erwarten für das zweite Quartal eine ähnlich gute, wenn auch nicht ganz so starke Entwicklung. Von Januar bis März hatte die Deutsche Bank vor allem dank des starken Investmentbankings einen Überschuss von knapp 1,2 Milliarden Euro erzielt. Überschattet wird die Lage derzeit von einem Konflikt über die Rolle von Aufsichtsratschef Clemens Börsig in der Spitzelaffäre. Der Aktie hat die Debatte bisher aber nicht geschadet.

VW und Daimler unter Druck
VW-Stammaktien verlieren überdurchschnittlich, nachdem am Morgen Spekulationen über eine bevorstehende Kapitalerhöhung aufgetaucht waren. Nach Informationen der "FTD" brauchen die Wolfsburger vier Milliarden Euro, um den Einstieg bei Porsche zu stemmen ohne ihr Rating zu gefährden. Analysten bezweifeln jedoch einen solch hohen Bedarf. Vieles deutet aber darauf hin, dass die Schulden von Porsche höher sind als bekannt. Die Rede ist von 14 Milliarden Euro, vier Milliarden mehr als bekannt. Die Aktien von Porsche brechen heute um mehr als 11 Prozent ein.

Größter Verlierer im Dax sind aber die Papiere von Daimler. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen nach der Rally in den vergangenen Tagen. Auch rechnet der Autobauer nach einem Milliardenverlust in den ersten drei Monaten 2009 im zweiten Quartal mit tiefroten Zahlen.

Großauftrag für SFC Smart Fuel Cells
Die Aktie des Brennstoffzellenherstellers macht einen gewaltigen Sprung nach oben. Grund ist ein Auftrag durch den Autobauer Daimler über 130 Brennstoffzellen-Systeme. Daimler wird die Systeme zur Bordstromversorgung von professionell genutzten Fahrzeugen wie dem Sprinter verwenden.

QSC größter TecDax-Gewinner
QSC-Chef Bernd Schlobohm hat in zwei Jahren die Zahlung einer Dividende in Aussicht gestellt. "Ich bin einer der größeren Aktionäre von QSC, und ich möchte auch Rendite auf mein investiertes Kapital sehen", sagte der Manager in einem "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"-Gespräch. Außerdem hat sich die Deutsche Bank positiv geäußert. Der zuständige Analyst hob sein Kursziel von 1,10 auf 1,65 Euro an.

Solarworld erwartet Milliardenerlös
Solarworld legen ebenfalls deutlich zu, nachdem das Unternehmen seine Prognose bestätigt hat, im Gesamtjahr mehr als eine Milliarde Euro umsetzen zu wollen. Eine Gewinnaussage gibt es aber weiterhin nicht. Im zweiten Quartal musste Solarworld einen Umsatzrückgang um dreizehn Prozent auf 225 Millionen Euro verbuchten. Der Gewinn brach um rund 47 Prozent auf 27,9 Millionen Euro ein. Im Schlepptau ziehen auch Werte wie Q-Cells und Solon an.

Heideldruck profitieren von Fusionsgedanken
Die Aktien von Heidelberger Druck kletterten deutlich. Laut einem Bericht des "Platow"-Börsenbriefs verhandelt der angeschlagene Konzern mit dem Konkurrenten MAN Roland über einen Zusammenschluss.

Kontron-Manager macht Hoffnung
Trotz deutlich rückläufiger Erträge im zweiten Quartal rechnet der Finanzvorstand des Minicomputer-Herstellers Kontron im dritten Quartal mit einer Stabilisierung. "Wir dürften bei Umsatz und Auftragsbestand so aussehen wie im vergangenen Quartal", sagte Dieter Gauglitz. Bei den Kosten will sich die Firma so aufstellen, dass Mitte 2010 der Aufschwung kommt. Im zweiten Quartal sank der Gewinn von 8,0 auf 5,5 Millionen Euro. Der Umsatz ging von 127 auf 110 Millionen Euro zurück. Die Kontron-Aktie reagiert positiv.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr