Erstmal Luft holen

Stand: 30.03.2010, 20:02 Uhr

Bis auf 6.203 Punkte ist der Dax heute geklettert und hat damit den höchsten Stand seit 18 Monaten erreicht. Doch dann verlässt die Anleger der Mut und Gewinnmitnahmen setzen ein. Die Anleger sorgen sich erneut um die Schuldenlast Griechenlands.

Die Kosten für eine Absicherung gegen den Ausfall hellenischer Staatsanleihen sind wieder deutlich angestiegen, nachdem die jüngste Anleihe des Landes deutlich weniger Interesse geweckt hat als ein entsprechendes Papier zu Beginn des Monats.

An der Wall Street kommt es deshalb am Abend zu Gewinnmitnahmen. Bei Börsenschluss in Deutschland notiert der Dow Jones-Index nahezu unverändert bei 10.893 Punkten, nachdem er zu Handelsbeginn um bis zu 50 Punkte angestiegen war. Beflügelt wurden die Kurse von den besser als erwartet ausgefallenen Konjunkturindikatoren. Der Index für das US-Verbrauchervertrauen ist im März überraschend auf 52,5 von 46,4 Punkten im Februar geklettert.

Auch scheint sich der US-Häusermarkt ein wenig zu erholen. Der S&P/Case-Shiller-Index für Hauspreise zeigt, dass die Hauspreise im Jahresvergleich nur noch minimal abgenommen haben. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Weil die Arbeitslosenquote in den USA aber immer noch bei rund zehn Prozent verharrt, sind vom privaten Verbrauch aber keine großen Sprünge zu erwarten. Diese Erkenntnis und die Sorge vor der Staatsverschuldung Griechenlands ließen die Kurse deshalb wieder abschmelzen.

Auch in Frankfurt kommt es am Abend zu leichten Gewinnmitnahmen. Zwar ist der Dax am Vormittag auf ein neues 18-Monats-Hoch von 6.203 Punkten geklettert. Doch bis zum Ende des elektronischen Handels notiert das Börsenbarometer 14 Punkte (0,2 Prozent) niedriger bei 6.142 Zählern. Im Parketthandel muss der Leitindex acht Punkte abgeben und geht auf 6.149 zurück.

Durchatmen
Händler sprechen von einer "völlig normalen Reaktion". Nach der Rally der vergangenen Wochen müsse der Markt erst einmal durchatmen. Auch fehle dem Markt vor den Osterfeiertagen die Kraft zu für weitere Gewinnanstiege. Die grundsätzliche Stimmung bleibe aber gut, und es gebe keinen Grund, warum die Rally im April nicht noch ein Stück weitergehe.

Unter Beschuss geriet die Aktie des TecDax-Unternehmens Wirecard. Angeblich sollen Gelder, die über Wirecard transferiert wurden, mit Wissen des Unternehmens für illegale Glücksspiele in den USA verwendet worden sein. Bei der Staatsanwaltschaft München wurde Strafanzeige gegen Wirecard gestellt. Die Aktie stürzt ab und verliert bis zu einem Drittel ihres Wertes. Bei Xetra-Schluss sind die Verluste zwar geringer, betragen aber immer noch 15 Prozent.

Euro-Erholung verpufft
Ermutigt von der erfolgreichen Platzierung einer neuen griechischen Anleihe stieg der Euro am Morgen bis auf 1,3539 Dollar, nach 1,3476 Dollar am Vortag. Bis zum Abend rutscht die Gemeinschaftswährung aber wieder auf 1,3409 Dollar ab.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
184,60
Differenz relativ
-1,83%

Joyou-IPO erfolgreich
Joyou, der vierte Neuling an der Frankfurter Börse innerhalb von neun Tagen, ist erfolgreich gestartet. Seinen Erstkurs von 14,75 Euro kann der chinesische Armaturenhersteller zwar nicht halten, die Aktie beendet den ersten Handelstag bei 14,60 Euro ab. Damit liegt der Titel deutlich über seinem Ausgabepreis von 13,00 Euro.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
151,10
Differenz relativ
+1,93%
Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,53
Differenz relativ
-2,68%

Metro in Führung
Die Aktien des Handelskonzern Metro sind die größten Gewinner im Dax, knapp vor den beiden Versorgern Eon und RWE. Das Unternehmen will seine Kaufhauskette Kaufhof noch in diesem Jahr verkaufen. Finanzinvestoren seien an dem Unternehmen interessiert, und das Geld für ein Übernahme von Kaufhof dürfte in der Branche wieder vorhanden sein, sagte Metro-Chef Eckhard Cordes der "Financial Times".

Stahlkonzerne unter Druck
Die Aktien der Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Salzgitter stehen ganz oben auf der Verkaufsliste. Unter Druck geraten die Titel durch neue Rohstoffverträge. Die Eisenerzriesen Vale und BHP Billiton haben in Asien höhere Abschlüsse mit einer Laufzeit von nur drei Monaten statt der bislang üblichen Jahresverträge durchgesetzt. Sollte dies weltweit Schule machen, könnten die Rohstoffkonzerne künftig alle paar Monate an der Preisschraube drehen und damit die Planungen der Stahlkonzerne erheblich erschweren.

Diese Umstellung beträfe auch die Verträge mit den Großkunden aus der Autoindustrie. Folglich geraten auch die Aktien von Volkswagen, MAN und Daimler ins Rutschen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,22
Differenz relativ
+3,09%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,25
Differenz relativ
+3,40%

Deutsche Bank diversifiziert
Während die Aktie des heimischen Konkurrenten Commerzbank kräftig abgeben muss, setzen die Papiere des Branchenprimus Deutsche Bank ihre Kursrally fort. Heute wurde bekannt, dass der Konzern in Zukunft mit mehreren Versicherungen gleichzeitig zusammenarbeiten will, statt wie bisher ausschließlich mit der Schweizer Versicherungsgruppe Zurich Financial. "Die Deutsche Bank will eine größere Vielfalt von Lebensversicherungen anbieten können", betonte ein Insider. Das erhöhe die Verkaufschancen. Der Partner Zurich Financial soll aber nicht ersetzt, sondern ergänzt werden.

Stada: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
80,66
Differenz relativ
-0,66%

Stada-Aktien rutschen ab
Die Aktien des Generikaherstellers rutschen nach einem anfänglichen Plus mit über drei Prozent ins Minus. "Wir rechnen damit, dass strategische Entscheidungen zu steigenden Investitionen und zu Einmaleffekten führen werden. Diese dürften die Ergebnisse dieses Jahres belasten", sagte Analyst Hanns Frohnmeyer von der LBBW. Merrill Lynch hat die Einstufung für Stada nach detaillierten Zahlen auf "Neutral" belassen.

Euphorie bei Heideldruck verpufft
Die Aussicht auf weitere Kostensenkungen hat die Aktien von Heidelberger Druck nicht nachhaltig beflügelt. Das Unternehmen kündigte einen weiteren Stellenabbau an, was den Aktienkurs kurzzeitig um 2,2 Prozent auf bis zu 5,56 Euro hochtrieb. Anschließend rutschen sie aber wieder über zwei Prozent ins Minus. Nach Einschätzung der DZ Bank legen die zusätzlichen Sparmaßnahmen die strukturellen Probleme der Druckbranche offen. "Der mittelfristige Ausblick hat sich nicht verändert, das Geschäft läuft weiter mau", ergänzte ein Händler.

Jenoptik überzeugt nicht
Die Aktie des im TecDax notierten Technologieunternehmens Jenoptik verliert überdurchschnittlich. Dabei erwartet die Firma nach massivem Personalabbau und Verlusten in diesem Jahr wieder einen Gewinn. "Der Markt belebt sich langsam", sagte Vorstandschef Michael Mertin. Dies gelte für die Halbleiterindustrie wie für die Laser- und Messtechnik. Auch für 2011 mehrten sich die positiven Zeichen, so dass hier Umsatz und Ergebnis weiter zulegen sollten.

Vivacon stürzt ab
Die Aktie des Kölner Immobilienunternehmens bricht zweistellig ein. Der Grund: Das Unternehmen hat die Hälfte seines Grundkapitals von nominal 19,9 Millionen Euro verloren. Notverkäufe von Immobilienportfolios zur Reduzierung von Schulden und die Insolvenzen einer Reihe von Objektgesellschaften haben am Kapital gezehrt, teilte das bis Mitte 2009 im SDax vertretene Unternehmen mit.

ElringKlinger am MDax-Ende
Auch die Papiere des Autozulieferers ElringKlinger gehen auf Talfahrt und sind bei Börsenschluss sogar die größten Verlierer im MDax. Händler sprechen von Gewinnmitnahmen nach guten Jahreszahlen. Der Konzern hatte mit Gewinn und Dividende die Markterwartungen deutlich übertroffen.

Halloren punktet
Die Halloren-Schokoladenfabrik konnte 2009 ihren Umsatz um ein Drittel auf knapp 53 Millionen Euro steigern. Hauptgrund für das Wachstum war die Übernahme der Delitzscher Schokoladenfabrik. Das Plus beim operativen Ergebnis fiel mit 3,8 Prozent auf 2,47 Millionen Euro allerdings bescheiden aus. Die Aktie bleibt nach einem kurzen Ruck nach oben unverändert.

UBS im Milliardenrausch
Die Schweizer Großbank UBS rechnet bei ihrer einstigen Sorgensparte Fixed Income im ersten Quartal mit Milliardenerträgen. In Reaktion auf einen Medienbericht, der den Ertrag mit einer Größenordnung von 2,3 Milliarden Dollar angegeben hatte, teilte die Bank mit, die Zahl sei leicht höher als die derzeit von FICC prognostizierten Erträge für das erste Quartal. An der Börse legt die UBS-Aktie zweitweise um knapp vier Prozent zu. Das Ergebnis für das erste Quartal wird die Bank am 4. Mai veröffentlichen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"