Erstes Börsenhalbjahr endet hoffnungsvoll

Stand: 30.06.2011, 20:05 Uhr

Trotz Fukushima-Katastrophe und europäischer Schuldenkrise - der Dax hat knapp sieben Prozent im ersten Halbjahr zugelegt, wenn auch mit einigem Auf und Ab. Am Donnerstag sorgten gute Nachrichten aus den USA und Griechenland für Kauflaune.

Der Dax setzte seinen Höhenflug fort und stieg den dritten Tag in Folge. Er schloss im Xetra-Handel gut ein Prozent höher bei 7.376 Punkten - im Sog der starken Wall Street. Dow und Nasdaq legten rund ein Prozent. Im späten Parketthandel gab der L/E-Dax einen Teil der Gewinne ab und beendete den letzten Tag im Juni bei 7.363 Zählern.

Dax 8.000?
Die jüngsten Kursgewinne polieren die Halbjahres-Bilanz auf. In den ersten sechs Monaten des Jahres ist der Dax um fast 400 Punkte gestiegen- ein Plus von 6,7 Prozent. Allerdings brauchten die Anleger gute Nerven. Nach der Fukushima-Katastrophe rauschte der Dax über 600 Punkte nach unten, erholte sich dann aber wieder. Ob es in der zweiten Jahreshälfte so gut weitergeht, ist fraglich. Während die Helaba mit einem Rückgang des Dax auf 6.500 Punkte bis Ende des Jahres rechnet, sieht die Deutsche Bank den deutschen Leitindex bei 8.000 Punkten, die Commerzbank gar bei 8.200 Punkten. Am optimistischen ist Silvia Quandt Research. Ralf Grönemeyer, Chefstratege der Bank, prophezeit einen Sprung auf bis 8.300 Zähler.

Griechisches Parlament segnet Sparpaket ab
Eine der entscheidenden Fragen wird sein, wie es mit Griechenland weitergeht. Vorerst ist die Pleite abgewendet. Am Donnerstag haben die Parlamentarier in Athen endgültig grünes Licht für das 28 Milliarden Euro schwere Sparpaket gegeben. Damit ist der Weg frei für weitere Milliardenhilfen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Erstmals werden sich auch private Gläubiger an den Hellas-Hilfen beteiligen. Die Banken und Versicherer wollen freiwillig rund 3,2 Milliarden Euro beisteuern. Darauf haben sie sich haben sich mit dem Bundesfinanzministerium geeinigt.

Euro über 1,45 Dollar
An den Devisenmärkten herrschte breites Aufatmen. "Es ist etwas Zeit gewonnen", meinte ein Händler. Der Euro kletterte auf über 1,45 Dollar. Auch zum Schweizer Franken machte die europäische Gemeinschaftswährung Boden gut.

Prima Klima in Chicago
Zusätzlichen Rückenwind gaben die neuesten Konjunkturdaten aus den USA. Überraschend hellte sich der Einkaufsmanagerindex in der Region Chicago auf. Der Index stieg von 56,6 Punkten im Mai auf 61,1 Zähler im Juni. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 54,0 Punkte gerechnet. Die Arbeitsmarktdaten fielen dagegen schwächer als erhofft aus. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf sank nur um 1.000 auf 428.000. Volkswirte hatten 420.000 Anträge prognostiziert.

Für Kursbewegung sorgte das "Windows Dressing". Zum Abschluss des zweiten Quartals hätten viele Fondsmanager eine Art "Bilanzkosmetik" betrieben, sagten mehrere Händler. "Die Portfolios wurden aufgehübscht, um eine optische Verbesserung der Jahresperformance zu erreichen."

T-Aktie ausnahmsweise ganz oben
Das könnte mit ein Grund sein, dass der Star des Tages... die T-Aktie war. Der Titel der Telekom beendete als Dax-Spitzenreiter den Tag - was selten genug ist. Echte Nachrichten gab es keine. Die Telekom plant einen Umbau ihrer Geschäftskundensparte. Statt derzeit bundesweit 141 Büros und Außenstellen soll es künftig nur noch 16 "Zukunftsstandorte" geben. Betroffen von der Umstrukturierung sind 6.500 Mitarbeiter. Entlassungen soll es nicht geben.

Finanzwerte weiter im Aufwind
Die Aussichten auf eine vorläufige "Rettung" Griechenlands beflügelten erneut die Finanzwerte, allen voran die Versicherer. Die Aktien der Münchener Rück legten fast zwei Prozent zu. Händler sehen nach den Verlusten in den vergangenen Wochen "Nachholpotenzial". Die Titel der Deutschen Bank stiegen um 1,5 Prozent, die Aktien der Commerzbank knapp ein Prozent. Kreisen zufolge wird sich die Deutsche Bank mit unter einer Milliarde Euro und die Commerzbank mit noch weniger Geld am Hilfspaket für Hellas beteiligen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
74,64
Differenz relativ
-0,65%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,98
Differenz relativ
-1,10%

Schwacher Tag für Autoaktien
Den Rückwärtsgang legten die Autowerte ein. VW und BMW gehörten zu den Dax-Verlierern. Gewinnmitnahmen seien daran schuld, meinten Börsianer. Hinzu kam eine Verkaufsempfehlung des Bankhauses Metzler für BMW-Aktien. Der Premium-Autobauer dürfte vorerst die besten Zeiten hinter sich haben, in der zweiten Jahreshälfte werde sich das Wachstum abschwächen, warnte Auto-Analyst Jürgen Pieper.

K+S rutscht ans Dax-Ende
Dax-Schlusslicht war K+S mit einem Minus von über einem Prozent. Am Vormittag hatten die Aktie des Kali- und Düngermittelspezialisten noch ganz oben auf der Gewinnerseite gestanden. Offenbar waren enttäuschende Quartalsdaten des US-Landwirtschaftsministeriums schuld an den Kursverlusten von K+S. Denn die Mais-Vorräte sind deutlich höher als erwartet, der Druck auf die Produktion demnach geringer.

Was ist bei Hugo Boss los?
Größter MDax-Gewinner war Hugo Boss. De Aktien von Hugo Boss sprangen um über sechs Prozent auf über 70 Euro - ein neues Rekordhoch. Echte Nachrichten gab es keine. Ein Händler verwies lediglich auf Aussagen des Managements, das sich für höhere Werbeausgaben ausgesprochen habe. "Das wird positiv gesehen", meinte er.

Gea im Maschinenbau-Boom
Um über drei Prozent stiegen die Aktien des Maschinenbaukonzerns Gea. Das MDax-Unternehmen gab einen um 26 Prozent gestiegenen Auftragseingang von Januar bis Mai bekannt. Gea ließ aber den Ausblick für 2011, der einen Zuwachs von Aufträgen und Umsatz von fünf Prozent vorsieht, zunächst unverändert. Die gesamte Branche profitiert derzeit von der weiterhin guten Weltkonjunktur. Der Auftragseingang der Maschinenbauer sei im Mai um ein Fünftel gestiegen, teilte der Branchenverband VDMA mit.

Leoni: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
29,97
Differenz relativ
-5,64%

Leoni erhöht Kapital
Der Autozulieferer Leoni hat am Donnerstag nach Xetra-Schluss eine Kapitalerhöhung um knapp zehn Prozent angekündigt. Fast drei Millionen neue Aktien sollen bei institutionellen Anlegern untergebracht werden. Mit dem erhofften dreistelligen Millionenbetrag will Leoni seine Expansion und die Übernahme der restlichen Anteile am koreanischen Bordnetzhersteller Daekyeung finanzieren. Im Parketthandel fiel die Leoni-Aktie um rund drei Prozent.

Aktiensplitt tut Fuchs gut
Der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub hat seinen auf der Hauptversammlung beschlossenen Aktiensplit umgesetzt. Die Aktien werden eins zu drei gesplittet und damit zumindest optisch um zwei Drittel billiger. Fuchs will damit seine Aktien vor allem für Privatanleger attraktiver machen. Die Aktie legte tatsächlich fast drei Prozent zu.

Hornbach Holding: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,40
Differenz relativ
+0,70%

Bei Hornbach klingeln die Kassen
Im SDax ragte Hornbach mit einem Plus von fünf Prozent hervor. Die Baumarktkette hat im ersten Quartal mehr Umsatz und Gewinn erwirtschaftet. Hornbach steigerte das Betriebsergebnis um ein Drittel auf 79,3 Millionen Euro und den Umsatz um elf Prozent auf 918,1 Millionen Euro. Die Aktionäre begrüßten die gute Bilanz. Im Sog von Hornbach kletterte auch die Praktiker-Aktie im MDax um drei Prozent nach oben.

GfK über dem Soll
Das Marktforschungsinstitut GfK hat seine Umsatzpläne erläutert. Bis zum Jahr 2015 strebt die Firma einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro an. Damit will man stärker wachsen als der Markt, erklärte die GfK. Die operative Marge sieht die Firma in vier Jahren bei 16 Prozent. Mit den gegenwärtigen Geschäften zeigte sich das SDax-Unternehmen ebenfalls zufrieden. Bis jetzt seien 73 Prozent des erwarteten Jahresauftrags eingegangen. Die Aktie stieg um knapp ein Prozent.

Deutsche Bank mag nur SMA
Eine Studie der Deutschen Bank bewegte am Donnerstag mehrere Solarwerten im TecDax. Phoenix Solar-Papiere verloren 2,5 Prozent, nachdem die Analysten der Deutschen Bank das Kursziel auf 12 Euro gesenkt hatten und als Rating "Sell" empfahlen. Bei Q-Cells setzten sie das Kursziel auf 1,10 Euro, Solarworld wurde auf "Hold" herabgestuft. Lediglich SMA Solar bewertete die Deutsche Bank besser. Das Kursziel wurde auf 85 Euro heraufgesetzt und die Aktie zum Kauf empfohlen. Die SMA-Aktie legte denn auch drei Prozent zu. Die Phoenix-Aktie rauschte um 2,5 Prozent nach unten.

Aus Manz Automation wird Manz
Am Donnerstag gab zudem der Solarzulieferer Manz Automation eine Umbenennung des Firmennamens bekannt. Künftig heißt das Reutlinger Anlagenbauer nur noch Manz. Man habe sich in den letzten Jahren immer mehr vom Automatisierungs-Spezialisten zum Anbieter kompletter Systeme für die Photovoltaik-Industrie und für die Herstellung von Flachbildschirmen gewandelt, hieß es zur Begründung.

Freenet-Chef gibt Drillisch einen Korb
Die Fusionsfantasie zwischen Freenbet und Drillisch hat am Donnerstag Freenet-Chef Christoph Vilanek gedämpft. Es gebe derzeit keine Gespräche zwischen den beiden Unternehmen, sagte er auf der Hauptversammlung von Freenet. Drillisch hatte vor kurzem seine Beteiligung an dem Mobilfunkanbieter auf rund 22 Prozent aufgestockt. Am Rande des Aktionärstreffens deutete Vilanek an, dass er die Möglichkeit einer Fusion zumindest prüfen werde. Er wolle aber den Taktstock in der Hand behalten. Die Aktien von Freenet stiegen um knapp ein Prozent, die Titel von Drillisch um 1,.5 Prozent.

Britisch-kanadische Börsenfusion geplatzt
Die beiden Börsen London Stock Exchange und die Börse in Toronto geben ihr Fusionsvorhaben auf. Man werde die weit fortgeschrittenen Gespräche beenden, teilten die beiden Börsen mit. Es habe an der nötigen Unterstützung der Aktionäre für den 2,6 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss gefehlt, schrieben LSE und TMX. Die LSE-Aktien stiegen kräftig um über sechs Prozent, die Titel von TMX legten knapp zwei Prozent zu.

Zwei Börsengänge am Freitag
Die beiden Börsenaspiranten China Specialty Glass und Prime Office haben gestern mehr oder weniger erfolgreich ihre Zeichnungsfrist beendet. China Specialty Glass will am Freitag im Prime Standard starten und hat dafür 6,9 Millionen Aktien zu einem Preis von je 9,00 Euro ausgegeben. Damit liegt der Ausgabepreis am unteren Ende der von 9,00 bis 12,00 Euro reichenden Preisspanne.

Der Immobilienkonzern Prime Office musste ebenfalls Abstriche beim Emissionspreis machen. 6,20 Euro je Aktie sind Anleger bereit zu zahlen, ursprünglich wollte Prime Office 7,00 bis 9,50 Euro haben. Der Emissionserlös beträgt nun 214 Millionen Euro, morgen geht Prime Office an die Börse.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier