Erste Ermüdungssignale

Angela Göpfert

Stand: 03.02.2010, 20:00 Uhr

Die Zwischenerholung im Dax hat offenbar ihren Zenit erreicht. Der deutsche Leitindex ging erstmals seit vier Tagen mit einem Minus aus dem Handel und schloss unterhalb der runden Marke von 5.700 Punkten. Immerhin: Im späten Parketthandel kann der Dax ein paar Punkte gutmachen.

Der Late-Dax ging bei 5.689 Punkten aus dem Handel. Den Xetra-Handel hatte der Dax noch bei 5.672 Zählern beendet - ein Minus von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vortagesschlusskurs.

Trotzdem: "Die Märkte sind technisch angeschlagen", meint Giuseppe Amato, Marktstratege bei Lang & Schwarz. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da: Das Gros der Charttechniker glaubt nicht an die Nachhaltigkeit der jüngsten Kursgewinne.

Obama gibt wieder das Schreckgespenst
Dafür sind einfach zu viele wichtige Marken gerissen worden. Zudem deutete sich mit der heutigen Topbildung bei 5.733 Zählern ein so genanntes "Intraday Reversal" an. Der übergeordnete Trend deutet somit weiterhin abwärts.

Auch Washington spuckte heute dem Markt in die Suppe: So bekräftigte US-Präsident Barack Obama vor den Senatoren der Demokraten erneut, er halte an einer grundlegenden Reform des Gesundheits- und Finanzsektors fest. Derlei Pläne waren der Hauptgrund für die herben Kursverluste in der Vorwoche gewesen. Der S&P 500 stand zu Parkettschluss rund 0,4 Prozent tiefer.

Haar in der Suppe verzweifelt gesucht
Gemischte Signale gab es von der US-Konjunkturfront: Während sich der Stellenabbau im privaten Sektor überraschend stark verlangsamte und damit eine positive Indikation für den mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktbericht der Regierung am Freitag lieferte, stieg der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungsgewerbes im Januar nicht so stark wie erwartet.

"Viele Anleger befürchten inzwischen, zu stark auf eine volkswirtschaftliche Erholung gesetzt und Engagements bei einem zu hohen Marktniveau aufgebaut zu haben", sagte ein Händler. "Da wird jedes Haar in der Suppe gesucht, um aussteigen zu können."

Pfizer verunsichert
Die Jahresbilanz des weltgrößten Pharmakonzerns Pfizer spielte ebenfalls den Bären in die Hand: Der Viagra- und Lipitor-Hersteller konnte seinen Gewinn zwar im Vergleich zum Vorjahr mit 767 Millionen Dollar fast verdreifachen, verfehlte aber dennoch die Erwartungen der Wall Street. Auch der magere Ausblick auf 2010 enttäuschte.

Wenn Kinoträume wahr werden
Dank erfolgreicher Kinokassenschlager wie "Avatar" und "Sherlock Holmes" haben sich die US-Medienkonzerne Time Warner und News Corp im vierten Quartal zurück in die Gewinnzone geschafft. Beide Unternehmen hoben daraufhin ihre Dividende an. Die Aktien reagierten auf die Zahlen unterschiedlich: Während News-Corp-Titel in die Höhe schossen, gaben Warner-Aktien nach.

Vollfusion im TecDax
Am späten Abend teilte die im TecDax notierte Software AG mit, sie wolle bis zu 400.000 Stückaktien - das entspricht rund 1,4 Prozent des Grundkapitals - zurückkaufen. Zudem will sie die IDS Scheer AG auf sich verschmelzen. Weniger als ein Jahr nach der Übernahme soll IDS damit komplett vom Markt verschwinden. Die Kleinaktionäre von IDS, die noch 8,8 Prozent halten, sollen Aktien der Software AG bekommen. Über das Umtauschverhältnis muss noch verhandelt werden. Die Hauptversammlung von IDS Scheer soll Mitte des Jahres über die Vollfusion entscheiden.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,10
Differenz relativ
-2,98%
Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
114,50
Differenz relativ
+4,19%

Deutsche Börse und Infineon schwächeln
Im Dax übernahm heute die Deutsche Börse die rote Laterne. Nach einer Herabstufung von "overweight" auf "equal-weight" durch Morgan Stanley schloss sie 3,5 Prozent im Minus.

Infineon gaben 2,8 Prozent nach auf 4,22 Euro. Marktbeobachter sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem der Titel erst am Vortag bei 4,39 Euro ein neues Jahreshoch markiert hatte. Zudem soll Infineon wegen illegaler Preisabsprachen ins Visier der EU-Kommission geraten sein.

Auto-Aktien ganz munter
Gegen den negativen Markttrend stemmten sich heute Autotitel, sie profitierten von den guten US-Absatzzahlen vom Vortag. Dabei war das deutliche Absatzplus von BMW, Daimler, VW und Porsche nicht zuletzt einem "Basiseffekt" geschuldet, der Vergleichsmonat Januar 2009 war nämlich äußerst schwach gewesen.

MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
90,60
Differenz relativ
+0,39%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%

MAN und Daimler in der Gerüchteküche
MAN-Aktien kamen zudem positive Zahlen von Scania zugute. Zudem kursierte das eher unwahrscheinliche Gerücht, VW könne beim heutigen Investorentag ein Angebot vorlegen. MAN legte an der Dax-Spitze 3,4 Prozent zu. Daimler schloss 1,7 Prozent im Plus. Die Spekulation auf überraschend positive Geschäftszahlen verlieh der Aktie Auftrieb. Der Konzern legt am 18. Februar seine Bilanz vor.

K+S ganz begehrt
Gleich zwei positive Meldungen beflügelten die K+S-Aktie, die mit einem Plus von 1,6 Prozent drittstärkster Dax-Titel war. So steige unter den europäischen Landwirten nach den jüngsten Preissenkungen die Nachfrage nach Kali, erklärte der Kasseler Konzern. Zudem hätten Straßenmeistereien bis Mitte Januar bereits mehr Streusalz bestellt als sonst im gesamten Winter.

Hugo Boss NA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,46
Differenz relativ
+2,12%

Puma sendet Verkaufssignal
Im MDax präsentierte sich die Puma-Aktei mit einem Kursminus von 4,1 Prozent auf 208,40 Euro besonders schwach. Thomas Nagel, technischer Analyst bei Equinet, verwies auf Stopp-Kurse um die Marke von 212 bis 213 Euro, die nach unten durchbrochen wurden. Damit sei ein Verkaufssignal ausgelöst worden.

Hugo Boss zu vorsichtig?
Im MDax zählte derweil die Hugo-Boss-Aktie mit einem Minus von 1,9 Prozent zu den Verlierern. Der Modekonzern hatte laut vorläufigen Zahlen das Jahr 2009 mit einem deutlichen Umsatz- und Gewinnminus beendet. Vor allem aber der äußerst vorsichtig formulierte Ausblick vergraulte die Investoren: Auch 2010 werde noch mal eine Herausforderung, warnte Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs.

Hannover Rück wird bescheidener
Auch die Äußerungen des Vorstandschef von Hannover Rück, Ulrich Wallin, kamen am Markt nicht gut an. Die Zinsen seien niedrig, und das Unternehmen habe keine Aktien mehr im Bestand. Da müsse man in Kauf nehmen, dass sich die Gewinne etwas reduzierten, so sein wenig begeisternder Ausblick auf 2010. Er erwartet nur noch eine Eigenkapitalrendite von mindestens 15 Prozent nach mindestens 20 Prozent 2009. Die Aktie gab daraufhin 2,8 Prozent nach.

HHLA taucht ab
Die Aktien des Hamburger Hafen- und Logistikkonzerns HHLA reagierten mit leichten Kursverlusten auf die Bilanzvorlage. Erwartungsgemäß waren Umsatz und operatives Ergebnis 2009 eingebrochen.

SGL Group: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,00
Differenz relativ
-1,85%

Analystenlieblinge Tui und SGL
Dagegen ging Tui mit einem Aufschlag von 1,5 Prozent aus dem Handel. Morgan Stanley hatte den Titel als "absolut unterbewertet" bezeichnet und das Kursziel auf stolze 10,50 Euro nach oben geschraubt. Auch die SGL-Aktie zog nach einer positiven Analystenstudie an: Die UBS hatte die Beobachtung des Titels mit "Buy" und einem Kursziel von 29,00 Euro aufgenommen.

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,89
Differenz relativ
-1,09%

Aixtron mit "bombastischen" Zahlen
Bei den Technologiewerten schlossen Aixtron nach überraschenden Eckdaten 2009 mit einem Plus von 0,9 Prozent. Equinet-Analyst Adrian Pehl sprach von "bombastischen" Zahlen des Chipanlagenbauers. Händler bedauerten aber fehlende Aussagen zum Auftragseingang und zum Ausblick.

Evotec und Dialog weiter aufwärts
Evotec knüpfte mit einem Plus von 2,6 Prozent an die positive Vortagesperformance an. Hier wirkten noch die Nachrichten über eine Allianz mit Vifor Pharma vom Dienstag nach. Auch die Dialog-Aktie war erneut auf Klettertour, doch das Rekordhoch von 11,50 Euro konnte bislang nicht überwunden werden und steht so weiteren Kursgewinnen im Wege.

Übernahme nagt an Roche-Gewinn
Dagegen stand Roche heute auf den Verkaufslisten der Investoren. Der Pharmakonzern musste wegen der Genentech-Übernahme 2009 einen Gewinneinbruch um 22 Prozent auf 8,51 Milliarden Schweizer Franken verschmerzen. Auch die Verkäufe von Krebsmedikamenten enttäuschten. Die Aktie büßte mehr als ein Prozent ein.

AEG-Mutter Electrolux enttäuscht
Um knapp 14 Prozent ging es für Electrolux abwärts. Der schwedische Haushaltsgeräte-Hersteller, zu dem auch AEG zählt, hatte mit seinem Quartalsgewinn die Prognosen verfehlt. Zudem warnte der Konzern mit Blick auf das Gesamtjahr. "Es gibt keine Hinweise auf eine starke Erholung in irgendeinem der Kernmärkte der Gruppe."

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"