Marktbericht 20:00

EZB und US-Arbeitsmarktbericht Erst warten, dann weiterwarten

Stand: 03.04.2014, 20:00 Uhr

Viele Kommentatoren sind der Ansicht, dass die EZB gerade intensiv über außergewöhnliche Methoden nachdenkt, um eine Deflation zu verhindern. Trotzdem hielten sich die Investoren spürbar zurück, denn morgen steht schon der nächste wichtige Termin an.

Der Dax schloss mit einem Aufschlag von knapp 0,1 Prozent auf 9.628,82 Punkten. Zeitweise hatte sich der Index der Marke von 9.700 Punkten genähert. Zuvor wurde lange wurde über den Kurs der europäischen Notenbank gerätselt. Die EZB belässt den Leitzins trotz der extrem niedrigen Inflation im Euroraum bei 0,25 Prozent. Bei der anschließenden Pressekonferenz ließ EZB-Chef Mario Draghi die Märkte erneut wissen, dass die EZB weitere geldpolitische Lockerungen nicht ausschließe, darunter auch sogenannte unkonventionelle Maßnahmen.

"Bereit zu handeln"

"Die Botschaft ist recht klar: Die EZB ist bereit, zu handeln", sagte David Thebault, Chef-Händler des Brokerhauses Global Equities. "Die Tatsache, dass sich die Ratsmitglieder darin einig sind, ist sehr wichtig."

An der Suche nach der richtigen Interpretation der - wie üblich - vagen Worte Draghis beteiligte sich auch Rainer Sartorius, Analyst bei HSBC Trinkaus: "EZB-Chef Mario Draghi hat dieses Mal deutlicher als nach dem letzten Zinsentscheid eine weitere Lockerung der Geldpolitik ins Spiel gebracht. Das zeigt allein die Tatsache, dass über unkonventionelle Maßnahmen diskutiert wurde", sagte Sartoris. "Wir glauben, dass die Inflationsraten erst einmal niedrig bleiben und die EZB daher in nächster Zeit aktiv werden dürfte", meint der Fachmann.

Dollar hängt Euro ab

So ähnlich denken offfenbar auch die Anleger am Devisenmarkt. Während der Dax leicht stieg, gab der Euro nach. Der Euro sank während Draghis Pressekonferenz, für einen Moment kratzte er sogar an der Marke von 1,37 Dollar. Draghi habe einen sehr weichen geldpolitischen Ton angeschlagen, sagte Marktstratege Ishaq Siddiqi vom Broker ETX Capital. Das wiederum ist natürlich gut für den Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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US-Konjunkturdaten konnten nicht restlos überzeugen. Das Handelsdefizit der USA ist im Februar gestiegen. Die Einfuhren übertrafen die Ausfuhren um 42,3 Milliarden Dollar. In den USA wird also wieder verstärkt eingekauft. Die Stimmung im US-Dienstleistungssektor ist zwar aufgehellt, aber nicht so stark wie gedacht. Trotzdem: Das Barometer liegt nun bereits 51 Monate in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Morgen steht mit dem monatlichen US-Arbeitsmarktbericht ein weiteres Daten-Highlight an. Vermutlich hielten sich deshalb die Investoren auf beiden Seiten des Atlantiks eher zurück. Der Dow Jones und der S&P 500 sind zu Handelsbeginn zwar auf Rekordhochs gestiegen. Zuletzt aber büßten die wichtigsten US-Aktienindizes ihre Gewinne wieder ein. Am Abend lag der Dow Jones leicht unter Vortagesniveau. Der Late Dax schloss mit einem Plus von 0,1 Prozent auf 9.631,91 Punkten.

Hohe Umsatzprognose bei FMC

Aktien des Dialyse-Unternehmens Fresenius Medical Care (FMC) führten den Dax an. Der Dialysespezialist hat Experten mit einer überraschend hohen Umsatzprognose für das Jahr 2020 überrascht. "Der Umsatz soll sich von 14,6 Milliarden Dollar im Jahr 2013 auf rund 28 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 nahezu verdoppeln", sagte FMC-Chef Rice Powell. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 10 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit um die 20 Milliarden Dollar gerechnet.

Deutsche Bank fällt zurück

Aktien der Deutschen Bank standen unter Druck. Die US-Investmentbank JPMorgan hat in einer Studie ihre Empfehlung gestrichen, die Papiere im Depot überzugewichten. Der Kapitalpuffer des Kreditinstituts dürfte im Zuge der Basel-III-Anpassung stärker zusammenschmelzen als bislang angenommen, hieß es zur Begründung.

RWE prüft Verkauf der Zentrale

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Der von roten Zahlen gebeutelte Versorger RWE denkt über den Verkauf der Konzernzentrale in Essen nach. "Wie alles steht auch der RWE-Turm auf dem Prüfstand", sagte RWE-Personalvorstand Uwe Tigges der "Rheinischen Post". Der erst 1997 bezogene Turm sei "aufgrund seiner runden Architektur grundsätzlich ungeeignet für eine moderne Konzernverwaltung" und habe zu viele Freiflächen und fensterlose Räume in der Mitte, sagte Tigges.

Credit Suisse rudert zurück

Die Schweizer Großbank Credit Suisse muss ihren Bericht zum vierten Quartal revidieren. Wegen der Rückstellungen für die noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen des US-Justizministeriums verbuchte die Bank einen Verlust von 476 Millionen Franken. Zuvor hatte der Deutsche-Bank-Konkurrent noch einen Gewinn von 267 Millionen Franken ausgewiesen.

Viel Jenoptik-Aktien im Angebot

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Die Münchener-Rück-Tochter Ergo hat ihre Anteile an dem Technologiekonzern Jenoptik an der Börse verkauft und damit rund 58 Millionen Euro eingenommen. Der Versicherer habe 4,8 Millionen Aktien für je 12,15 Euro am Markt platziert, bestätigte ein Jenoptik-Sprecher. Der Preis lag damit am unteren Ende der angepeilten Spanne von 12,15 bis 13,08 Euro. Der Versicherer habe den guten Aktienkurs genutzt und seinen kompletten Jenoptik-Anteil von 8,5 Prozent veräußert, erläuterte ein Ergo-Sprecher. Die Beteiligung sei immer ein Finanzinvestment gewesen.

Manz-Titel gefragt

Im TecDax waren auch die Titel von Manz recht gefragt: Der schwäbische Maschinenbauer hatte die Übernahme der Batterie-Maschinenbau-Sparte des italienischen Kondensatorenherstellers Kemet angekündigt. Neben Anlagen für Batterien für Elektroautos und stationäre Energiespeicherung baut Manz vor allem Maschinen zur Displayproduktion sowie - derzeit eher brachliegend - Anlagen für die Solarbranche. Wir gehen davon aus, dass eins und eins nicht bloß zwei ergeben, sondern dass wir wesentliche Chancen haben, den Umsatz zu steigern", sagte Vorstandschef Dieter Manz.

Stada nicht gut gelitten

Bei den Aktien von Stada herrscht eine starke Abgabebereitschaft am Markt. Die Berenberg Bank hat ihr Kursziel von 40 auf 27 Euro reduziert, die Commerzbank von 42 auf 33 Euro. In den vergangenen Tagen hatten sich mehrere Analysten skeptisch zu den Titeln geäußert, nachdem das Pharmaunternehmen in der vergangenen Woche vor schwachen Geschäften gewarnt hatte. Stada war Schlusslicht im MDax.

Neuer Großaktionär bei Vossloh

Dem Bahntechnikunternehmen Vossloh helfen Nachrichten aus China. Das Land kündigte am Mittwoch an, die Verkehrsinfrastruktur deutlich ausbauen zu wollen - unter anderem auch das Eisenbahn-Netz. Außerdem hat die Investmentfirma Franklin Mutual bei einer Aktienplatzierung zugegriffen. Die US-Gesellschaft halte seit dem 27. März 3,19 Prozent der Anteile, teilte Vossloh mit. Das SDax-Unternehmen hatte einen Tag zuvor knapp zehn Prozent des Kapitals beziehungsweise gut 1,3 Millionen Aktien auf den Markt geworfen und an institutionelle Investoren verkauft. Dafür kassierte der Konzern rund 91 Millionen Euro.

Fair Value gut im Rennen

Das Immobilienunternehmen Fair Value hat im Geschäftsjahr seine operativen Ziele deutlich übertroffen. Die Ergebnisgröße FFO (Funds from Operations) konnte um acht Prozent auf 6,4 Millionen Euro verbessert werden. Die bisherige Prognose lag bei 5,3 Millionen. Das Unternehmen will eine Dividende von 0,25 Euro je Aktie ausschütten.

2G gut im Geschäft

Der Hersteller von Blockheizkraftwerken, 2G Energy, hat viele neue Aufträge erhalten. Ende März lag der Auftragsbestand bei 105 Millionen Euro - mehr als doppelt zu viel wie vor einem Jahr. Die Aktie des Unternehmens gewinnt deutlich hinzu.

iFAO könnte übernommen werden

Der Hersteller von Software für das Management und das Abrechnen von Geschäftsreisen, iFAO, ist in den Fokus des Reisebuchungskonzerns Amadeus geraten. Amadeus hat angekündigt, ein freiwilliges Übernahmeangebot von 15 Euro je Aktie abgeben zu wollen, was allerdings unter dem aktuellen Börsenkurs liegt.

Microsoft steuert um

Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft hat eine weitere fundamentale Änderung in der Geschäftsstrategie bekannt gegeben. Das Unternehmen verschenkt sein Mobil-Betriebssystem Windows Phone an Hersteller von Mobilgeräten mit einer Bildschirmdiagonale unter neun Zoll. Offenbar will der Konzern die Verbreitung seiner bisher nur wenig genutzten Software massiv ausweiten.

Erster IPO in Spanien seit drei Jahren

Das Online-Reiseportal Opodo wagt den Gang an die Börse. Die spanische Muttergesellschaft eDreams Odigeo setzte den Ausgabepreis bei 10,25 Euro je Stück fest. Mit Opodo strebt in Spanien erstmals seit drei Jahren wieder eine Firma aufs Börsenparkett. Der erste Handelstag ist für den 8. April vorgesehen. Mit einem Teil der Erlöse sollen Schulden abgebaut werden. Das Unternehmen und die Eigner erhalten aus der Emission 376 Millionen Euro. Mit Ausübung der Mehrzuteilungsoption könnte die Summe auf 433 Millionen Euro steigen. Die Finanzinvestoren Permira, Ardian (ehemals Axa Private Equity) sowie das Management verkauften zusammen 31,8 Millionen Anteilsscheine. Zudem wurden 4,8 Millionen neue Papiere ausgegeben.

Muehlhan-Aktie macht Satz nach vorn

Muehlhan konnte im Geschäftsjahr 2013 die Aufwärtsentwicklung fortsetzen. Bei gestiegenen Umsätzen in allen Regionen weist der Konzern einen Gewinn von 1,5 Millionen Euro aus. Bei einem Konzernumsatz von 207,8 Millionen Euro (plus 12 Prozent) verbesserte sich das Ebit um 0,7 Millionen Euro auf 5,2 Millionen Euro. Das Konzernergebnis nach Steuern erhöhte sich von 0,1 Millionen auf 1,5 Millionen Euro.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr