Ernüchterung statt Erleichterung

Stand: 18.06.2012, 20:01 Uhr

Die Freude über den knappen Wahlsieg der Eurobefürworter in Griechenland währte nur kurz. Der Anstieg der Renditen für spanische und italienische Anliehen sorgt für Ernüchterung - mit entsprechenden Folgen für die Aktienkurse.

Bis zum Handelsende büßt der Dax seine anfänglichen Gewinne größtenteils wieder ein. War der Leitindex am Morgen noch bis auf 6.316 Punkte geklettert, beginnen die Kurse am Vormittag wieder abzubröckeln. Zeitweise dreht der Dax dabei sogar ins Minus und fällt in der Spitze bis auf 6.222 Punkte. Der Leitindex geht schließlich bei 6.248 Punkten aus dem Handel, ein Plus von 0,3 Prozent oder 19 Punkten.

Auch der Euro muss seine frühen Gewinne wieder abgeben. Nachdem die Gemeinschaftswährung am Morgen bei Kursen von über 1,27 Dollar den höchsten Stand seit fast einem Monat erreicht hatte, fällt sie bis zum Börsenschluss in Frankfurt auf 1,256 Dollar.

Auch an der Wall Street ist von Erleichterung wenig zu spüren. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab in den ersten Handelsminuten um 0,4 Prozent auf 12.717 Punkte nach und notiert auch bei Börsenschluss in Frankfurt leicht im Minus bei 12.755 Punkten.

Dabei hat sich die Stimmung unter den amerikanischen Häuserbauern im Juni überraschend etwas aufgehellt. Der NAHB-Hausmarktindex sei um einen Punkt auf 29 Punkten gestiegen, teilte die National Association of Homebuilders (NAHB) in Washington mit.

Merkel bleibt hart
Die Hauptsorge der Anleger gilt dem Anstieg der Rendite für zehnjährige spanische Anleihen auf 7,2 Prozent, ein neues Rekordhoch seit der Euro-Einführung. Die Anleiherendite Italiens kletterten über die für das Land kritische Schwelle von sechs Prozent.

Derweil kündigte der griechische Wahlsieger Antonis Samaras von den Konservativen an, mit den internationalen Kreditgebern über eine Lockerung der Sparauflagen verhandeln zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Forderungen nach einem Verringern der Reformen durch eine neue griechische Regierung eine klare Absage erteilt. Auch eine neue Regierung müsse die eingegangenen Verpflichtungen einhalten, sagte Merkel am Montag vor Beginn des G20-Gipfels.

Unsicherheiten dauern an
Tatsächlich bestehen in der Eurozone weiterhin viele Unsicherheiten und eine nachhaltige Lösung der Schuldenproblematik ist nicht in Sicht. Deshalb richten sich die Blicke der Anleger nun auf den für dieses Wochenende anberaumten Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
Differenz relativ
+1,60%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
+1,29%

Finanzwerte unter Druck
Im Dax sind die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank nach den starken Kursgewinnen am Morgen ins Minus gedreht und gehören bei Börsenschluss zu den schwächsten Werten im Dax. Auch die Papiere von Allianz müssen abgeben. Im MDax gehört die Aareal Bank zu den stärksten Verlierern.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,10
Differenz relativ
-1,37%

UBS beflügelt Infineon
Überdurchschnittlich zulegen kann dagegen die Aktie von Infineon. Grund ist eine Kaufempfehlung von den Experten der Schweizer Bank UBS. Sie haben das Kursziel von 8,50 Euro bestätigt, obwohl der Insolvenzverwalter der ehemaligen Konzerntochter Qimonda seine Schadenersatzforderungen an Infineon auf 3,35 Milliarden Euro verdoppelt hat.

ThyssenKrupp vor Verkäufen?
Zu den Favoriten im Dax gehört auch die Aktie von ThyssenKrupp. Der brasilianische Stahlkonzern CSN will möglicherweise das hochdefizitäre Stahlwerk des Konzerns aus Essen kaufen. Für den Standort im US-Bundesstaat Alabama interessiert sich laut "Wirtschaftswoche" der südkoreanische Stahlkonzern Posco.

Siemens verbucht Erfolg
Ins Minus gedreht ist die Aktie von Siemens. Dabei hat der Konzern im Streit mit dem französischen Atomkonzern Areva endgültig einen Erfolg erreicht. Auf Druck der EU-Kommission lenkte Areva ein und stimmte zu, dass Siemens dem französischen Unternehmen bereits wieder nach drei Jahren - und nicht wie zunächst vereinbart nach elf Jahren - Konkurrenz machen darf. Das teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel mit und stellte ihr Kartellverfahren ein. Gleichzeitig hat JPMorgan die Einstufung für Siemens auf "Neutral" belassen.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
31,60
Differenz relativ
-0,44%

Deutsche Post gebremst
Auch die Aktien der Deutschen Post geben ab. Am Markt wird darüber spekuliert, dass der Bund weitere bei der KfW-Bankengruppe geparkte Aktien verkaufen könnte. Angeblich habe sich die Bank an Investmentbanken gewandt, um sich von mindestens 30,5 Prozent der Anteile am Logistikkonzern zu trennen, hieß es.

Wechsel im SDax
Am heutigen Montag werden die Aktien des IT-Dienstleisters Cancom und des Mechatronik- und Biotech-Unternehmens Sartorius in den SDax aufgenommen. Sie ersetzten die Papiere der Biotech-Beteiligungsgesellschaft BB Biotech und des Solar-Unternehmens Centrotherm.

Rheinmetall: Riesiger Panzer-Auftrag?
Stärkster MDax-Wert ist die Rheinmetall-Aktie. Laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" will Saudi-Arabien anstatt 200 bis 300 nun 600 bis 800 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 kaufen. Mit einem Schätzwert von zehn Milliarden Euro wäre das einer der bisher größten Rüstungsaufträge für die Bundesrepublik, berichtet die Zeitung. "Das ist klar positiv für die Stimmung für Rheinmetall-Aktien, auch wenn die Zustimmung der Politik noch fehlt", meinte ein Börsianer.

Evonik doch nicht an die Börse
Wie erwartet hat die RAG-Stiftung nun auch offiziell den seit Jahren geplanten Börsengang des von ihr kontrollierten Mischkonzerns Evonik abgesagt. Der dabei erzielbare Preis sei zu weit von einer angemessenen Bewertung des Unternehmens entfernt gewesen.

Biotest spart Griechenland aus
Die im SDax notierte Biotest AG will ab Juli keine Produkte mehr nach Griechenland liefern. Das sagte der Finanzvorstand Michael Ramroth der "Börsen-Zeitung". "Wir haben noch sieben Millionen Euro Forderungen aus dem Geschäft im vergangenen Jahr in den Büchern", sagte Ramroth. Für die jüngsten Forderungen sei der Zahlungseingang extrem schleppend.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen