Ernüchternder Wochenbeginn

Stand: 28.03.2011, 20:05 Uhr

Ein frischer Angriff auf die 7.000-Punktemarke sieht anders aus. Gebremst von erneuten schlechten Nachrichten aus Japan und dem Wahlsieg der Grünen schloss der Dax am Montag unverändert. Lediglich Solarwerte waren stark gefragt.

Während der Aktienmarkt am Montag durch magere Umsätze und eine stabile Seitwärtsbewegung auffiel, legte der Öko-Dax 8,1 Prozent zu. Hier sind die zehn größten Solar- und Windenergiewerte zusammengefasst, und diese bekamen am Montag Rückenwind, von dem Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg.

Bei den Anlegern von Solar- und Windaktien scheint die Neuorientierung der Energiepolitik bereits beschlossene Sache zu sein. Was sie, da muss man ehrlich sein, noch nicht ist. Der Rest des Dax' kann sich derweil offenbar noch keinen konkreten Reim auf die Folgen eines Regierungswechsels in dem seit Anbeginn CDU-regierten Ländle machen.

Selbst die Aktien der im Dax notierten Versorger Eon und RWE reagierten nicht gestrigen Wahlen. Obwohl viele Energieanalysten nun mit einer "radikalen Neuorientierung" der Energiepolitik rechnen, schloss Eon und RWE kaum verändert. Den Aktien wird von Anlegerseite sogar schon wieder Erholungspotenzial zugemutet, nach den erheblichen Verlusten der beiden vergangenen Wochen.

Dax stabil seitwärts
Auch neue schlechte Nachrichten aus Fukushima und rekordhohe Zinsen auf portugiesische Staatsanleihen rührten die Investoren nicht. In New York ein ähnliches Bild. Der Dow Jones klebte an seinem Vortagesschluss und schaffte bis zum Handelsende in Frankfurt gerade ein winziges Plus von 0,1 Prozent. Womit er besser als der Dax notierte, denn dieser verlor 0,1 Prozent auf 6.939 Zähler.

Wind- und Solaraktien stabil aufwärts
Die Kursausschläge bei den vor allem im TecDax notierten Wind- und Solarunternehmen waren enorm. Q-Cells und Solarworld setzten sich mit Kursgewinnen von jeweils mehr als acht Prozent fast an die Spitze, dich gefolgt von Aktien von Roth&Rau und Centrotherm.

Die Papiere des Windkonzerns Nordex legten sogar 12,3 Prozent zu. Die Firma macht mit ihrer Langfristprognose Mut. Ab 2012 soll sich die steigende Nachfrage nachhaltig im Nordex-Umsatz und -Ergebnis niederschlagen. 2010 lief dafür nicht besonders gut: Die Erlöse gingen um ein Fünftel auf 972 Millionen Euro zurück, das Ebit erreichte 40 Millionen Euro.

Autowerte in der Rotationsfalle
Sämtliche im Dax notierten Autokonzerne beschlossen den Montag mit Kursverlusten. Marktbeobachter begründeten dies unter anderem mit der offenbar fälligen Branchenrotation im Dax. Die Porsche-Aktie hingegen schloss 6,7 Prozent höher. Am Wochenende wurde bekannt, dass der Konzern seine geplante Kapitalerhöhung durchziehen kann. Porsche will 131 Millionen neue Aktien ausgeben und damit seinen hohen Schuldenstand abbauen.

Wacker und Baywa erleben Aufschwung
Freundliche Geschäftsnachrichten gab es von den beiden im MDax notierten Firmen Baywa und Wacker Chemie. Der größte europäische Agrarhändler Baywa erklärte, dass er mittelfristig Jahresumsätze von zehn Milliarden Euro erzielen wolle, zwei Milliarden mehr als 2010. Man plane Zukäufe, um dieses Ziel zu erreichen, sagte Baywa-Chef Klaus Josef Lutz. Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie berichtete von einer höheren Nachfrage. Durch das Erdbeben in Japan sei die Produktionskapazität einiger japanischer Wettbewerber beeinträchtigt, sagte Wacker-Vorstandschef Rudolf Staudigl der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Conti wieder etwas unabhängiger
Die im MDax notierte Aktie des Autozulieferers Continental gewann vier Prozent. Großaktionär Schaeffler, der sich mit einer versuchten Übernahme von Continental verhoben hatte, will einen Teil seiner Anteile verkaufen und damit seinen Schuldenstand verringern. Für Conti bedeutet das, dass der Streubesitz deutlich ansteigt und die Aktie längerfristig in den Dax zurückkehren könnte.

Alstria leidet unter Kapitalerhöhung
Der im SDax notierte Büroimmobilien-Spezialist Alstria Office hat eine Kapitalerhöhung in zweistelliger Millionenhöhe angekündigt. Man wolle das Grundkapital um bis zu zehn Millionen Aktien erhöhen und sie unter Ausschluss des Bezugsrechtes an die Aktionäre verkaufen. Die Alstria-Aktie, die 7,3 Prozent verlor, litt auch unter der Tatsache, dass Großaktionär Captiva sich von seinen Alstria-Aktien trennen will.

Aufträge für Siemens und Demag
Der Kranbauer Demag aus dem MDax meldet einen neuen Auftrag aus China. Die Firma liefert für ein Aluminiumwalzwerk der Wanji Aluminium 56 Seilzüge. Einzelheiten zum finanziellen Umfang des Auftrages meldete Demag nicht. Der Industriekonzern Siemens berichtete am Montag ebenfalls über einen neuen Auftrag. Im Golfemirat Abu Dhabi soll Siemens ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk errichten. 2014 soll das Kraftwerk ans Netz gehen. Brancheninsider schätzen den Umfang des Auftrages auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Siemens-Aktien legten 0,4 Prozent zu.

Bilanzen von HCI, GK und Greiffenberger
Drei kleinere Bilanzen erreichten die Anleger noch. Der Softwarekonzern GK Software schloss 2010 mit einem Rekordumsatz von 27,7 Millionen Euro ab, das Ebit legte um 15 Prozent auf 5,6 Millionen Euro zu. GK Software begründete die gute Geschäftsentwicklung damit, dass es gelungen sei, neue Großprojekte zu gewinnen. Der Fondsemittent HCI Capital profitierte hingegen von seiner "erfolgreichen finanziellen Neuordnung". Die Firma, die einmal in SDax notiert war, erzielte ein Konzernergebnis von fünf Millionen Euro, operativ machte die Firma jedoch weiterhin Verluste, das Ebit erreichte minus 1,8 Millionen Euro.

Bei der Unternehmensholding Greiffenberger stiegen die Umsätze dank der starken Nachfrage um fast ein Drittel auf knapp 140 Millionen Euro. Beim operativen Ergebnis schaffte Greiffenberger den Turnaround. Nach einem Verlust von sechs Millionen Euro im Jahr 2009 stand 2010 ein Ebit von 7,6 Millionen Euro in den Büchern. Für die kommenden Monate kann Greiffenberger optimistisch sein. Der Auftragseingang verbesserte sich um mehr als die Hälfte auf 160,4 Millionen Euro.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"